Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 1, 39-56

Pfarrer Stefan Burkhard (ev.-ref.)

04.12.2011 in Wettingen (CH)

Das Magnificat der Maria - oder: Vom Wert des Kinderkriegens als eines der ganz grossen und letzten Abenteuer

Der Bibeltext zur heutigen Predigt steht im 1. Kapitel des Lukasevangeliums

in den Versen 39 bis 56.

Ich lese Ihnen den Text nach der Übersetzung der neuen Zürcherbibel vor.


Der Besuch der Maria bei Elisabeth und der Lobgesang der Maria

Maria aber machte sich auf in diesen Tagen

und ging eilends hinauf ins Bergland in eine Stadt in Judäa;

und sie trat in das Haus des Zacharias ein und grüsste Elisabeth.


Und es geschah, als Elisabeth den Gruss Marias vernahm,

dass das Kind in ihrem Leib hüpfte;

und Elisabeth wurde von heiligem Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme:


Gesegnet bist du unter den Frauen,

und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!

Wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

Denn als der Klang deines Grusses an mein Ohr drang,

da hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

Ja, selig, die geglaubt hat, dass in Erfüllung geht, was ihr vom Herrn gesagt wurde.


Und Maria sprach:

Meine Seele erhebt den Herrn,

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter,

denn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd.

Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter,

denn Grosses hat der Mächtige an mir getan.

Und heilig ist sein Name,

und seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht,

denen, die ihn fürchten.

Gewaltiges hat er vollbracht mit seinem Arm,

zerstreut hat er, die hochmütig sind in ihrem Herzen,


Mächtige hat er vom Thron gestürzt

und Niedrige erhöht,

Hungrige hat er gesättigt mit Gutem

und Reiche leer ausgehen lassen.

Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen,

und seiner Barmherzigkeit gedacht,

wie er es unseren Vätern versprochen hat,

Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.


Maria blieb etwa drei Monate bei ihr und kehrte dann nach Hause zurück.


Amen.



Liebe Mitchristen,


der eben gelesene Bibeltext gehört zum Advent wie das Amen zur Kirche.


Nachdem Maria durch den Engel Gabriel erfahren hat,

dass sie ein Kind gebären wird,

das viele dann später für den Sohn des Höchsten halten,

besucht die künftige Mutter Jesu ihre etwas ältere Verwandte Elisabeth,

die ebenfalls schwanger ist

und die die Mutter von Johannes dem Täufer werden wird.


In welchem Verwandtschaftsverhältnis Elisabeth und Maria zueinander stehen,

erfahren wir nicht,

aber man könnte versucht sein,

an das Verhältnis einer Tante zu ihrer Nichte zu denken

oder an jenes zwischen Cousinen.


Die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth hat auf alle Fälle die Phantasie

vieler Menschen während vielen Jahrhunderten beschäftigt;

– und so gibt es ja auch ganz viele Bilder von Malern und Künstlern,

welche die Begegnung der beiden Frauen darzustellen versuchten.


---


Auch die Worte, die uns der heutige Bibeltext überliefert,

haben ihre Spuren in der Frömmigkeits- und Kulturgeschichte

des Christentums hinterlassen:


Im heutigen Bibeltext steht nämlich das so genannte „Magnificat der Maria“,

da der Lobgesang der Maria auf lateinisch mit den Worten beginnt:

Magnificat anima mea dominum“

– was auf Deutsch übersetzt heisst:

„Meine Seele preist den Herrn.“


Dieses Magnificat gehört zu den Stundengebeten der Mönche;

– und ganz viele musikalische Werke von Komponisten

lehnen sich an den Text und das Thema des Magnificats an.

 

Wir können also mit Sicherheit davon ausgehen,

dass in der Adventszeit schon ganz oft

über den heutigen Bibeltext gepredigt wurde.


In diesem Bibeltext geht es um die Begegnung zweier Frauen,

die beide guter Hoffnung sind,

denn wir hören die Frauen voller Stolz und Freude sagen:


Gesegnet bist du unter den Frauen,

und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! (Vers 42)


Oder:

Meine Seele erhebt den Herrn,

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter,

denn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd.

Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter,

denn Grosses hat der Mächtige an mir getan. (Vers 47-49)


---


Nun – ;

warum

– so möchte ich nun fragen –

sind die beiden Frauen derart zu lobpreisen?


Und warum soll Maria – nach dem Urteil Elisabeths – gesegnet sein unter allen Frauen,

wenn doch wir Nachgeborenen darum wissen,

dass Maria den schändlichen Tod ihres Sohnes miterleben

und unmittelbar beim Kreuz stehend mit erleiden muss?


Weshalb also gehört dieser Text in die Zeit des Advents?

Und aus welchem Grund ist eine werdende Mutter zu beglückwünschen,

wenn doch ihr Kind ihr noch ganz viel Kummer bereiten wird?


---


Im Folgenden versuche ich dieser Frage nachzugehen;

– und wenn ich das tue,

dann möchte ich die Fragestellung von Maria etwas ablösen

und verallgemeinern

und damit auf uns alle, die wir Eltern sind oder werden können,

übertragen.


Warum – so frage ich für heute einmal – ist jemand zu beglückwünschen,

der oder die ein Kind bekommt

und Vater oder Mutter wird,

– wenn man doch auch darum weiss,

dass das Kindererziehen nicht nur ein Honigschlecken ist,

sondern einen im einen und anderen Fall auch an seine ganz persönlichen Grenzen bringt

– und sich vermutlich schon mancher Vater und manche Mutter gefragt haben muss,

ob er oder sie eigentlich noch bei klarem Verstand war,

als er oder sie sich dazu entschied,

Vater oder Mutter zu werden?


Warum also dürfen eine werdende Mutter und auch ein werdender Vater

– nach dem Urteil des heutigen Bibeltextes –

gesegnet und voller guter Hoffnung sein?


Wenn ich diese Frage aufgreife,

dann rede ich also vom Wert des Kinderkriegens und des Kindererziehens;

– und ganz besonders davon,

welcher Wert aus der Erziehungsarbeit auch für einen selber

als Vater oder als Mutter resultiert.


Meine Antworten hierbei bauen mitunter auf eigenen und subjektiven Lebenserfahrungen und Beobachtungen auf;

und deswegen bitte ich Sie

– wenn Sie im Folgenden mit meinen Ausführungen nicht einverstanden sind

oder gewisse Dinge ganz anders sehen –

meine begrenzte Wahrnehmung durch Ihre eigene, ganz persönliche Wahrnehmung

zu ergänzen und zu relativieren.

Sie hören heute also alles andere als die „Wahrheit in Reinkultur“

– es ist mir wichtig, das zu betonen – ;

Sie hören heute einzig einige subjektive Gedanken von mir

im Zusammenhang mit dem Kinderkriegen,

da ich ja selber auch der Vater bin von drei Kindern,

wovon zwei – zumindest juristisch betrachtet – bereits erwachsen sind.


---


Nun – ;

vor einiger Zeit hörte ich einen Vater sagen:

Kinder kriegen und in die Welt setzen und erziehen

das ist in der heutigen Welt noch das letzte, grosse und einzig richtige Abenteuer.“


Wenn ich an diesen Satz anknüpfe, dann hat das vor allem zwei Gründe:

Erstens ist der Satz wahr,

und zweitens passt er zum Advent.


Denn mit dem Advent

– das Wort bedeutet „Ankunft“,

da es vom lateinischen „adventus“ abgeleitet ist –

beginnt das Auf-die-Welt-Kommen eines Kindes;

und zugleich ist das Wort „Advent“ auch mit dem englischen Wort „adventure“ verwandt,

was auf Deutsch übersetzt „Abenteuer“ bedeutet.


Mit dem Advent beginnt also das Abenteuer des Kinderkriegens und des Kindererziehens;

da in Marias Bauch das Abenteuer einer besonderen Menschwerdung seinen Anfang nimmt.


Nun – :

Das Kinderkriegen ist wirklich ein Abenteuer,

denn man weiss als Vater oder als Mutter überhaupt nicht,

auf was man sich einlässt

und was einem bei diesem Abenteuer noch alles begegnet.

Wie oft man also die Sonne zusammen mit dem Kind scheinen sieht

oder wie oft man beim Geschäft des Kindererziehens auch mal im Regen stehen bleibt

und nass gemacht wird.


Denn es gibt vielerlei Gefahren, denen ein Kind ausgesetzt ist,

– und die einen als Vater und als Mutter ja immer irgendwie mit betreffen:

Kinder können – wie wir alle wissen – auf die schiefe Bahn geraten

und beispielsweise in der Drogenwelt abstürzen.

Sie können aber auch krank werden oder gar sterben;

– und sie können einen auch masslos ärgern

und einem auf der Nase herumtanzen

und Dinge sagen,

die einem sonst auf der ganzen Welt – auf diese Art und Weise – überhaupt niemand

sagt.


Wie oft schon hörte ich in der Auseinandersetzung mit meinen Kindern beispielsweise den Satz: „Sei ruhig!“ oder: „Du kommst nicht draus!“,

wiewohl ich der Meinung war, dass mein Gegenüber nicht draus kommt.


Aber letztlich ist es ja nicht von Bedeutung,

wer nun draus kommt und wer nicht,

vielmehr wesentlich wurde mir in der Auseinandersetzung mit meinen Kindern das,

dass meine Kinder mich schon ganz oft auf die Palme getrieben

und mich schon ganz oft frisch gemacht haben,

wiewohl ich mir das nicht unbedingt wünschte.


Indes – :

Genau darin

– in dieser zwar nicht unbedingt erwünschten, aber dennoch ungeschönten Auseinandersetzung –

liegt für mich die ganz spezifische Qualität des Elternseins,

wofür man uns Eltern

– obwohl wir darin vordergründig gewiss nicht zu beneiden sind –

im Letzten eben doch beneiden muss.


In der Auseinandersetzung mit den eigenen Kindern wird einem als Elternteil nämlich bewusst,

dass man im Letzten immer nackt ist,

egal, wie viele Feigenblätter und Doktorhüte,

Titel und Auszeichnungen

oder Orden und Uniformen man sich im Laufe seines Lebens

auf seinen Leib zu schneidern versuchte.


Vor den eigenen Kindern ist man ständig nackt und bloss,

genau wie das kleine Kind in der Krippe.

Und so ist man verletzlich und wird auch verletzt,

da die eigenen Kinder einen immer mal wieder am Wickel haben

und einen mitunter kränken,

weil sie in ihrer Lebendigkeit und manchmal auch Rücksichtslosigkeit

ein Abbild für das Leben schlechthin sind,

das einen ebenfalls mit allerlei Dingen konfrontiert

– und niemals fragt, ob es uns passt oder eben auch nicht.


Kinder sind also mit ihrem egozentrischen Verhalten

eine grosse Herausforderung für ihre Eltern;

– sie sind aber in ihrer Lebendigkeit auch eine Personifizierung des Lebens an sich!


Sie halten ihre Eltern auf Trab,

– und da sie ihre Eltern immer wieder auf die eine und andere Art erfrischen und frisch zu machen vermögen,

bleiben die Eltern letztlich eben auch länger frisch

– und jugendverträglich mit einem grossen Haltbarkeitsdatum.


Und:

Weil in der Auseinandersetzung mit den eigenen Kindern oft auch eine Auseinandersetzung mit sich selber geschieht und möglich wird,

tragen die Kinder das Ihre dazu bei,

dass man sich als Elternteil unter Umständen den Gang zum Psychiater ersparen kann.

Das Behandeln von Neurosen und Animositäten

und das Schleifen des je eigenen „Gummis“

geschieht dann quasi ganz von alleine in der Familie.


Voraussetzung dafür allerdings ist,

dass die Eltern ihre Kinder nicht autoritär erziehen,

sondern sich auf die Kinder einlassen

und sich von ihnen auch etwas sagen lassen,

wiewohl sie ihnen nicht alles durchlassen.


---


Und so komme ich zu folgendem und letztlich paradoxem Schluss:


Wer sich dazu entschliesst, Vater oder Mutter zu werden,

lässt sich auf ein Abenteuer mit unbekanntem Ausgang ein.

Er gibt zunächst einmal sehr viel von seiner Jugendlichkeit preis,

da er von nun an ja zu den „Älteren“ – mit „ä“ geschrieben – gehört,

wovon das Wort „Eltern“ herrührt.


Eltern können also idealtypisch nicht mehr nach Lust und Laune jeden Abend ins Kino gehen wie andere junge Erwachsene,

da sie soziologisch „älter“ und in die Verantwortung für ihren Nachwuchs gerufen sind

und nun auf ihr Kind aufpassen müssen.


Auf die lange Dauer jedoch bleiben Eltern

– in der Tendenz zumindest –

gerade dank ihren Kindern,

die sie immer mal wieder so und anders zum Leben erfrischen,

auch länger frisch und jung und jugendverträglich als kinderlose Erwachsene.


Eltern sind also mit zunehmendem Alter weniger der Gefahr ausgesetzt,

innerlich zu vergreisen,

und auch im höheren Alter sind sie

– zumindest in meiner Wahrnehmung –

etwas weniger auf sich selber fixiert als jene Menschen, die kinderlos blieben.


Gewiss – ;

ich weiss um die Gefahren,

die in so einem Pauschalurteil liegen,

weshalb ich sofort ergänzen will,

dass es selbstverständlich hüben und drüben Ausnahmen gibt,

welche diese Regel bestätigen.


Aber in der Regel haben gute Eltern eben gelernt,

sich selber nicht mehr so furchtbar wichtig zu nehmen,

da sie flexibel wurden

und auch mit der zweit- oder drittbesten Lösung für sich selber leben gelernt haben.

Ihre eigenen Kinder haben ihnen das

– gewissermassen in einem jahrelangen Trainingscamp –

segensreich beigebracht.


---


Im heutigen Bibeltext sagt nun Elisabeth:

Gesegnet bist du unter den Frauen,

und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!


Und Maria ergänzt für sich selber:

Von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter,

denn Grosses hat der Mächtige an mir getan.


Ich glaube, diese zwei Aussagen gelten letztlich für alle Menschen,

die Kinder bekommen

und die eine lebendige Auseinandersetzung mit ihren Kindern suchen und eingehen.


Kinder haben nicht nur einen Selbstwert

– den haben sie selbstverständlich auch (!) – ;

sondern sie haben auch einen ganz spezifischen Wert im Lebenslauf ihrer Eltern.


Sie helfen den Eltern, zu reifen.

Sie helfen den Eltern, weiser und menschlicher zu werden.


Und wiewohl die Kinder von ihren Eltern also immer wieder ganz viel Zeit, Geld und Nerven fordern,

so geben sie ihren Eltern in der Regel doch auch ganz vieles wieder zurück.


Das ist die grosse Hoffnung, die bei jedem Advent mitschwingt;

– und die tatsächlich in der einen und anderen Familie im Laufe der Zeit

wahr zu werden vermag!


So kann ich im Hinblick auf meine eigenen Kinder behaupten,

dass viele Begegnungen, Handreichungen und Diskussionen inzwischen auf Augenhöhe geschehen und von gegenseitigem Wohlwollen und Respekt geprägt sind.

Dafür bin ich sehr dankbar, denn es war nicht immer so!


So bin ich als Vater des Öftern auch an meine Grenzen gestossen

und musste mich wiederholt fragen,

was ich denn in der Erziehungsarbeit falsch gemacht habe;

inzwischen jedoch glaube ich,

dass genau diese Frage bei den Eltern irgendwann mal auftauchen muss,

wenn sie ihr Erziehungsgeschäft ernst nehmen und richtig machen wollen.


Ich bin also – wie Maria – durch meine Kinder reich gesegnet worden¸

und so kann ich in ihr Magnificat, in ihren Lobgesang, einstimmen:


Meine Seele erhebt den Herrn,

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter,

denn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd

– oder in meinem Falle: seines Knechts.

Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter,

denn Grosses hat der Mächtige an mir getan.


---


Zum Schluss erlaube ich mir darum einzig noch ein kurzes und allerletztes Wort an all jene zu richten,

die keine Kinder – aus welchen Gründen auch immer – bekommen haben:


Heute hörten Sie quasi einen Lobgesang auf das Abenteuer des Elternseins.


In den Ohren all jener, die kinderlos blieben,

muss sich das wohl furchtbar angehört haben,

weil bei ihnen vermutlich der Eindruck entstanden ist,

als ob das Leben nur dann gelingen könnte,

wenn man eigene Kinder hat.


Bedenken Sie deswegen:


Das Abenteuer der Elternschaft ist nicht das einzige Abenteuer,

zu dem einen das Leben einladen und herausfordern kann.


Unter Umständen erleben kinderlose Erwachsene ein anderes Abenteuer,

zu dem sie erst ihre Kinderlosigkeit befähigt;

– das kann eine berufliche Herausforderung oder Karriere sein,

vielleicht ist es nochmals etwas anderes.


Im Advent jedoch dürfen wir alle leben

– egal, ob wir nun Kinder haben oder eben auch nicht – ,

nämlich in jener Grundstimmung,

die voller Erwartungen und guter Hoffnungen ist,

weil wir einstimmen dürfen in den Satz Marias:


Meine Seele erhebt den Herrn,

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter,

denn hingesehen hat er auf die Niedrigkeit seiner Magd.


Diese Niedrigkeit der Maria kann folglich bei jedem von uns ein wenig anders aussehen:

– es kann sein, dass sie sich vor allem darin zeigt, dass wir Kinder haben,

die wir ätzend empfinden,

– es kann aber auch sein, dass sie sich vornehmlich darin zeigt, dass wir gerade keine Kinder haben, so sehr wir uns das wünschen.

– und es kann auch sein, dass wir uns im Beruf nach Anerkennung sehnen;

– oder dass wir an einer ernsthaften Krankheit leiden, die uns die Lebensfreude raubt.


Gemeinsam jedoch hoffen wir alle im Advent darauf,

dass Gott uns wie Maria in unserer Niedrigkeit sieht

– und zu uns kommt und in uns kommt,

und wir mit seinem Geist wie Maria schwanger gehen dürfen

und wir somit das Unsere zu einer friedlicheren und menschengerechteren Welt beitragen lernen.

 

Denn es ist Advent!

Die Ankunft Gottes steht vor der Tür,

der uns zum Abenteuer unserer je eigenen Menschwerdung einlädt.


Amen.

Ich bitte Sie, sich zum Gebet zu erheben:


Unser Gott,


lass uns mit deinem Geist schwanger gehen.


Gib uns die Reinheit Marias,

die etwas in unserem Innern zulässt

und etwas Gutes und Heilvolles mit sich geschehen lässt.


Gib uns deinen Geist,

der in uns wirkt und etwas an uns bewirkt.


Wir bitten primär nicht um den grossen Weltfrieden fernab von uns

– wir bitten darum,

dass wir etwas von deinem Frieden ausstrahlen und leben.


Wir bitten in erster Linie nicht um das grosse Heil für diese Welt,

– wir bitten darum,

dass wir etwas von deinem grossen Heil

mit unseren kleinen Gedanken und begrenzten Taten verwirklichen helfen.


Wir bitten damit also auch um den grossen Frieden und um das grosse Heil auf dieser Welt,

– aber wir wissen zugleich darum,

dass dein grosser Heilswille immer nur durch gute, reine, selbstbewusste und dennoch selbstlose Menschen geschieht,

die sich wie Maria für deinen Geist öffnen

und diesen zur Welt bringen wollen.


Lass auch uns darum mit deinem Geist schwanger gehen

und ihn in der Form des einen und anderen Weihnachtfriedens auf die Welt bringen.


Und alles, was uns sonst noch bewegt, das fassen wir zusammen,

wenn wir gemeinsam das „Unser-Vater“ beten:


Unser Vater im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Sie können sich wieder setzen,

und vom Lied 363 singen wir nun alle 5 Strophen.


Lied NRG: 363; 1-5 (Macht hoch die Tür, die Tor macht weit)