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Predigt über Lukas 10, 38-42

Werner Schendel, Dipl. RelPäd. i. R.

26.02.2017 Kaufbeuren, Dreifaltigkeitskirche

Reimpredigt am Faschingssonntag

Orgelmusik: Das bisschen Haushalt … (Johanna von Koczian)

 

Der Tag des Herrn, Sonntag ist da.                   

Ein Ruhetag. Halleluja.

Gott verschrieb einen Tag Ruhe,

uns Menschen und der Welt zu Gute.

Der säkulare Souverän

formuliert es auch sehr schön,

ist per Gesetz der Anschauung,

der Sonntag diene der Erbauung,

ja gar der seelischen Erhebung

aus alltagsgleichgrauer Umgebung.

Dies Erheben macht erhaben

und darin kann die Seele baden.

Ja Sonntag ist Seelenbadetag,

dran man sich heut erinnern mag.

 

Orgelmusik: Immer wieder Sonntags.. (Cindy u. Bert)

 

Prinz Carneval regiert die Tage,

dem Frommen sind sie eine Plage,

denn er fürchtet sich der Sünden

Närrisches sind ihm schwere Pfründen,

ihm fehlt die Leichtigkeit des Seins.

er schüttelt sich bei "Mainz bleibt Mainz",

und hinter jedem Faschingsball

wittert er Sittenverfall.

Heut noch Helau, Alaaf und Masken,

bis Mittwoch. Dann beginnt das Fasten.

 

Heut grüß ich sonderlich die Narren,

die Beweglichen, die Starren

Die Groben und die Feinen,

die Großen und die Kleinen,

die Müden und die Wachen,

die oft weinen, die gern lachen,

die Lauten und die Leisetreter,

die Spaßmacher, die Miesepeter,

die Gläubigen, die Atheisten,                                                 

die Opti- und die Pessimisten,                

die Aufreißer, die Hosen.... ( macher),

die Unauffälligen, die " Kracher",

die Lockeren und die Verkrampften,

die Hageren und die Vermampften,

die verkatert- und die Nüchternen,

die Angeber und Schüchternen.

die Trägen und die „Fitnessisten“,                      

die Angezogenen und die Nudisten ,

die Hiesigen und die Touristen 

die röm. kath. und ev. luth. Christen,

die "Wiaschtn" und die gut frisierten,

die Faden und die Interessierten,      

die weniger und die mehr Frommen,                 

ihr alle seid hier sehr willkommen.

 

Orgelmusik: Einfach Spitze, das du da bist… („Kommt atmet auf“ Nr. 0123)

 

Halt. Beinahe hätt ich es vergessen:

Es geht um weibliche Int'ressen.

Ich grüße ausdrücklich euch Frauen,

der Predigttext soll euch erbauen.

                                                    

Im NT steht der heut’ge Text,

hören wir ihn einmal zunächst.

 

Kurz vor der Stadt Jerusalem 

macht Jesus Rast in Bethanien .

Marta hat ihn samt Jüngern hocherfreut 

zum Essen eingeladen heut.

Noch ist nicht Zeit zum Essen, 

so das Jesus unterdessen, 

seine Jünger unterrichtet,

ihnen vom Reich Gottes berichtet,

das in ihm nahe herbeigekommen.

Maria, Martas Schwester, hat ihm zu Füßen Platz genommen.

Sie lässt die Arbeit Arbeit sein.

Martha schafft das schon allein.   

 

Die kommt nun zu Jesus her

und beschwert sich bei ihm sehr:

Meine Schwester sitzt seelenruhig bei dir,

es wär besser sie hülfe mir,

ich rödel hier herum wie toll,

sag du ihr doch dass sie mir helfen soll,

wie's Sitte ist, wie sich's gehört.

Sitzt inmitten deiner Schüler.Männer! Unerhört!

Da sah der Herr Marta an

und sagt, die Schwester hat recht getan.

Sie tat woran zur Stunde Not:

Mir zuhören ist das Gebot.

Sie hat jetzt das Richtige gemacht,

es hätte dir auch was gebracht.

 

(Ich habe nur etwas verdichtet

was Lukas in der Schrift Prosa berichtet.

Das Original könnt ihr sehn

bei Lukas im Kapitel zehn.)

 

Damit ich‘s recht auslegen kann,

nicht immer leicht für einen Mann,

hab ich mich in Trance begeben                                   

bin aufgewacht im früheren Leben

und – bin als Frau aufgewacht.

(das „hammse“ sicher nicht gedacht.)

Ich wohnte in Bethanien

Via Jerusalem, Hausnummer 10

zwei Häuser weiter wie die Beiden

konnt sie als Nachbarn sehr gut leiden.

Sarah wurde ich genannt,

war den Schwestern gut bekannt.

Marta,  angesichts der Vielen,

bat, ob ich helfen könnt, beim Spülen.

Wohnte, wie gesagt, ganz nah

erzähle euch was da geschah.

 

Da sitzt er, der Jesus redet von Gott.

Marta, ganz Hausfrau zügig und flott,

sieht zu dass auf den Tisch was kommt,           

Maria glaubt dass ihr Zuhören frommt.

Setzt sich hin und hört Jesus zu.

Marta kommt, fragt Jesus: Du   

was hältst du denn davon, dass sie

einfach so dir vis a vis

dahockt, im Kreise deiner Jünger Schar,

ohne Kopftuch auf dem Haar,

wie sich‘s eigentlich nicht gebührt.

Ganz selbstverständlich, ungeniert.

Ich müh mich, hab die Schnauze voll.

Frag sie doch einmal, was das soll.

 

Orgelmusik: Das ist die Frage aller Fragen … (Howard Carpendale)

 

Du siehst, mir steht, wo weiß ich, der Kopf

da überm Feuer acht ich auf den Topf,

gleichzeitig back ich‘s Fladenbrot,

das lindert ersten Hungers Not,

Wäre Maria auch dabei,

dann gäb es schon den Hummusbrei

und ich könnte bereits ein Huhn

fangen, schlachten. Aber nun

sitzt Madam bei dir und du

lässt das selbstverständlich zu.

 

Jesus sah sie mildlächelnd an                           

und sprach ohne Vorwurf dann:                                                

Marta deine Sorge ums Trinken und Essen.

Glaub mir, wir hätten es nicht vergessen

Dazu muss man uns nicht betteln.

Du versuchst in allen Sätteln 

der Gastfreundschaft gerecht zu werden,

als beste Hausfrau hier auf Erden.

Lass einmal alle Fünfe grade sein

dein Sorgen, dein Mühen allein,

kann dir in deinem Leben nicht

Erfüllung geben, wird lästige Pflicht.

Hausarbeit hat man alle Tage,

mich und mein Wort nicht. Keine Frage.

 

Orgelmusik: Das bisschen Haushalt … (Johanna von Koczian)

 

Schön, dass du uns eingeladen hast.

Du weißt, wir sind gern bei dir zu Gast              

Komm und setz dich her zu mir,

ich bin das letzte Mal bei dir.

Ich geh jetzt nach Jerusalem.

Was da kommt, das muss geschehn.

Nimm dir,  wie deine Schwester Zeit,

denn die macht es richtig heut,

weil sie es begriffen hat:

Essen alleine macht nicht satt.

 

Ich bin selbst das Brot zum Leben

Ich bin der Weinstock, ihr die Reben.

Ich bin der gute Hirt. Ich bin

die Tür zu meinem Vater hin.

Ich bin das Licht, der Welt gegeben

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Ich bin die Auferstehung  gegen allen Tod,

der nun nicht mehr ängstigt und droht.

                                                                

(Wer mit der Heiligen Schrift vertraut

weiß die „Ich-bin-Worte“ sind geklaut                                                    

Die stehen so bei Lukas nicht,

sie sind aus des Johannes Bericht.)                                                                                                     4

 

Marta schafft, rennt und wühlt.

Ich weiß genau wie sie sich fühlt.

Ich weiß es deshalb so genau,

war in ‘nem frühren Leben Frau.

Erfuhr‘s im Zustand einer Trance.

(Erwähnte vorhin die Seance.)


Wie hab ich damals mich erschreckt,

als Jesus den Lazarus erweckt,

der schon drei Tag begraben lag,  

nach der Schwestern große Klag.

Jesus nahm das nicht so wichtig.

Da kam er grad bei Marta richtig

Die hat sich ihn zur Brust genommen

er sei zu spät hier her gekommen          

um durch ein Wunder Lazarus zu heilen

doch Jesus kennt dabei kein Eilen.

 

 Orgelmusik: Warte, warte nur ein Weilchen…. (aus der Operette „Marietta“)

 

(Zu der „Zu-spät-komm-Situation

eine kleine Exkursion.)

 

An Gorbatschow denk ich soeben,

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.

das sind typisch menschliche Maßstäbe

Jesus tut als ob es die für ihn nicht gäbe. 

Woran es uns manchmal gebricht

Ein  ZU SPÄT gibt’s bei ihm nicht!

Seine Wunder, seine Zeichen 

sind  mit Irdischem nicht zu vergleichen 

oder hätt man bei uns je gesehn,

einen von den Toten Auferstehn?

 

Gottes Wunderwirken in Raum und Zeit,

öffnet den Himmel spaltenbreit.

Daraus ergießt sich Heil und Segen, 

gleich einem wohltuend warmen Regen.

 

Orgelmusik: Wunder gibt es immer wieder.. (Katja Epstein)

 

Jesus sagt: Ich bin der Weg,

der zum Vater führt und geht,

Wer mir folgt geht auf Gottes Wegen

dem Nächsten und der Welt zum Segen,

Öffnet den Himmel. Und Ewigkeit

umhüllt uns. Gottes endlose Zeit.

und gnadgewährte Heiligkeit

befähigt zur Barmherzigkeit.

Das sagt Jesus immer wieder.

Man sitzt gebannt vor ihm nieder,

vergisst die Welt vor lauter Hören. 

Geschäftigkeit will da nur stören.

 

Martanische Geschäftigkeit

raubt dem Mensch genau die Zeit,                    

die er irgendwann vermisst,

dem Leben gar verloren ist.

 

Zurück ins Haus der beiden Frauen

wie‘s weitergeht wollen wir schauen.

 

Marta, die agile, helle.

Trägerin der „Goldenen Schöpfkelle“

und des „Kochlöffels am Bandl“,

ohne Eichenlaub, aber mit „Brilliantl“,

sie nimmt sich allerhand heraus,

denn Lazarus ist nicht zu Haus.

(Sie) gibt als Frau den Herrn im Hause,

lädt wie ein Haus-Herr ein zur „Jause“,    (Jause = Brotzeit)

Sie hat sich der Vorschrift beraubt:

Frau bedient Mann – ist nicht erlaubt.

Sie spielt sich auf wie ein Mann

und gibt frech den „Chef de rang“.         

Und ihr liebes Schwesterherz,

hockt einfach da auf ihrem Sterz,          

tut auch als wäre sie ein Mann,

denn sie als Frau, als Frau! Sie kann

nicht vor einem Rabbi sitzen,

(das tät den Herrn vielleicht erhitzen.)

 

Orgelmusik: Ein reines Herz, Herr..(EG Nr.389)

 

(Zu der Frauen-Situation

eine kleine Exkursion)

 

Eigentlich ist es ja ein Witz,

aber - die Frau ist damals des Mannes Besitz!

Sie ist die Dienerin des Mannes,

bei Tag und bei der Nacht. Sie kann es

vor allem in religiös-heiligen Dingen,

ohne Mann zu gar nichts bringen.

Schriftgelehrte, Priester und Leviten

haben acht auf Brauch und Sitten.         

(Noch Martin Luther rechnet sie

zum Hausstand, zu Knecht, Magd und Vieh.)

Religion ist Männersache und Frau inmitten

ist gegen allen Brauch und Sitten.

Regelmäßig, tageweis,

ist sie, das ist des Frau-seins Preis,

unrein, vom Kult ausgeschlossen.

(Wer hat sowas wohl beschlossen.)

Frau an sich irritiert die Frommen,

die auf so Gedanken kommen,

Über die Frau und ihr Wesen,

ist in der Heilgen Schrift zu lesen.

Da steht:  sie hat ganz ungerührt

den Mann mit einer Frucht verführt,

mit unschuldigem Gesichtchen.

Sie scheint ein rechtes Früchtchen.

Sein selektiver Mannesblick       

übersah, was faul war an dem Stück

     

Orgelmusik: Beiß nicht gleich in jeden Apfel…  (Wencke Myhre)

 

Noch trug Frau kein Feigenblatt

und das setzte ihn schachmatt.

Ihr Anblick, wie schön sie gestaltet,

hat seinen Verstand ausgeschaltet,       

 

er verfiel in den Modus: Kirren.

Später hat er dies verwirrte Irren

der Frau in die Schuhe geschoben

und sich selbst aller Schuld enthoben:

„Die Frau, die du mit gegeben hast,

ist schuld an der Welt Sündenlast“.

Der Teufel steckt nicht m Detail,

Nein, er ist vom Weib ein Teil.

Mann hat die Gleichung aufgestellt:

Mann ist Himmel, Frau ist Welt.

Mann ist Himmel, Frau ist Höll‘.

Schluss. Aus. Basta. Es gehe wie es wöll.

 

 Leider hat sich dies Frauenbild             

bei vielen bis heut eingebildt.

Z.B. erst  seit 1975 (sprich -fünfundsübzich)

ist es im Lande Bayern möglich, üblich

dass Frau, die Theologie studiert,

in vollem Umfang Pfarrerin wird.

Damals  Landesbischof Dietzfelbinger

war durch und durch "hard core" PfarrHERR

Zu seiner Zeit, das war nicht fein,

konnte sie nur eine Vikarin sein.

Heut - unsre Landeskirche* ohne Frauen –  (* die Bayerische Landeskirche)

da täten wir gar nicht gut ausschauen.

Frauen im Ehrenamt, in Kirchenbank

und am Altar – Gott sei Dank!

 

Und aus den ewig Gestrigen

wurden Gott sei Dank die "Jetztigen".    

Die Anrede Frau Pfarrer war früher Narretei.

Davon hätt’s in Kaufbeuren so g‘sehn drei.

Rockmäßig  gesehen eine Dreifaltigkeit der Damen,

nicht verwandt mit der göttlichen, mit gleichem Namen .

 

Wie lang dauert bei den röm. kath. Brüdern und Schwestern

wohl das frauenpriesterlichlose Gestern.

Der Wandel ist nicht des Müllers* Lust,
*Gerhard Ludwig Kardinal Müller,

ihm kein Gewinn wohl eher Verlust.
Präfekt der Glaubenskongregation

      Frau als Priesterin, sie wäre

      auch eine „Zölibatäre“

      oder eine „Zölibatesse“?

      unvorstellbare Prozesse.

Papst, manchem Bischof und Kardinal

scheint die Vorstellung eine Qual.

Und sie schütteln sich betroffen.

Jesus war da vor 2 000 Jahren offen.

 

Nach dem Bericht                                   

zurück zur Gschicht.

                                                                            

Jesus, mutig, überhaupt nicht scheu,

sein Siehe ich mache alles neu,

gilt auch und gerade hier,                       

er öffnet Frauen die Jüngerschafts-Tür.

Genau ist es die Jüngerinnen-Schaft.

Er erkennt der Frauen Kraft ,                 

er ist der, der in Herzen sieht,

der, wenn er liebt, ganz anders liebt,

er hat nie ein Vorurteil,

er macht den ganzen Menschen heil.

 

 

Er sieht nicht auf Beruf , Geschlecht,

nicht Bildung, nicht des Stärkeren Recht,

nicht auf 90 - 60 -90ger Figur,

nicht auf Kleidung und Frisur,

nicht auf arm oder reich,

vor ihm sind wirklich alle gleich.             

Ist selber Gott und Sohn zugleich.

Wo er ist, da ist Himmelreich.

Das ist nicht nur der Männer Hort.         

auch den Frauen heil'ger Port.

Maria Magdalena war ihm so vertraut,

dass viele heute glauben, sie war seine Braut  (flüstern)

Das könnte man durchaus so sehn.

Ich lasse das einmal so stehn.

 

Orgelmusik: I don’t know how to love HIM   (aus “Jesus Christ Superstar)

 

Er ließ zu, dass Frauen ihn zuerst ansprachen

und erinnert euch, aufregende Sachen,

die Frau die Parfüm über ihn vergossen.

Die Schrift sagt Jesus hat‘s genossen,

Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar

und sie küsste sie sogar.

Dem Pharisäer war das zu viel

zu viel Erotik, das heißt Sünde, im Spiel.

 

Jesus lässt Frau nahe zu sich hin,

macht sie zu seiner Botschafterin.         

Wie die Frau am Jakobsbrunnen, die sein Wort 

verkünden sollte in ihrem Ort.

Manche Theologen sehen hier schon

den Beginn und Auftrag zur Mission,                 

nicht erst wie es den Männern  g'fällt,

beim: Gehet hin in alle Welt...

 

Jesus erbost die (Selbst-)Gerechten,

sie suchten wie sie ihn umbrächten.      

die so genannten Sittenwächter

und die: ‚Das war schon immer so‘  Pächter.

Er wusste was ihm wird geschehn.

Geht trotzdem nach Jerusalem.

Der Herr handelt carnevalesk

nicht wenig finden’s grotesk.

Nein, er schert sich nicht darum

er kehrt die herrschende Meinung um:

Frauen können Jünger sein,

er ruft zu sich die Kinderlein

er lädt sich bei dem Zöllner ein

wäscht dienend der Jünger Füße rein,

die Unseligen nennt er selig,

wer viel hat gilt ihm wenig,

er sagt, hab deine Feinde lieb.

Das Establishment beriet,

die Versteinerten noch mehr erstarren.

Weg, weg mit dem, mit diesem Narren.

Jetzt schon, ich könnts beschwören,

kann ich bereits das Echo hören,

von dem was noch gar nicht geschrien.

Ich hör das: Kreuzige, kreuzige ihn !

     

Orgelmusik: Beethovens 5. Tatatataaaa, Tatatata..

 

Will noch einmal auf Marta sehn

sie wollte ja auch nahe bei Jesus stehn.

Deswegen lud sie ihn ja ein.

und nebenher weiter geschäftig sein.                                        

Ihr Dienst galt zuerst dem Leib,

danach wäre doch auch noch Zeit

im Hören und im Reden

der Seele Labsal geben.

Genau genommen hat Jesus dabei       

ihre Gschaftlhuberei                               

wie  man es vielleicht gedacht

nicht gerügt und schlecht gemacht,

nur im Moment als zu viel erscheint.

Marta hat's ja gut gemeint

(Vielleicht hat sie sich ja besonnen und bei Maria Platz genommen

und hat genauso unerhört Jesus einfach zugehört.)

 

Maria hat das gute Teil erwählt.                                                                    

Das ist der Satz, der viel zählt:

Das Gute, zu dem sie sich setzt.

DER GUTE, der alleine gilt - jetzt.

 

Jetzt ist Jesus da,

jetzt bin ich bei ihm, ganz nah.

jetzt Zeit für ihn haben, ist richtig,

jetzt wird alles andere nichtig.

jetzt hat Gewicht was er sagt,

jetzt gibt er Antwort wenn man fragt,     

jetzt ist mir sein Wort Brot

jetzt lindert er Seelen-Not

jetzt muss ich mich zu ihm bekennen,

jetzt ihn als Gottes Sohn erkennen,

jetzt ist Reich Gottes, ich mit ihm drin,

jetzt komme ich und folge ihm,

jetzt rühme, preis ich seinen Namen,

jetzt sag ich ihm mein Ja und Amen.

 

Orgelmusik: Jetzt ist die Zeit…   (DACAPO Nr. 65)

 

Marias guter Teil? Genau.

Sie ist eine solche JETZT-FRAU.

 

Wir, ob Frau oder Mann,

wir leben oft mit dem DANN                  

oder mit einem JA GLEICH

und sind sehr erfindungsreich,

ja es könnte sogar sein,

GLEICH heißt an St. Nimmerlein.

Und selbst ein schnelles SOFORT,

ist oft für DANN ein andres Wort.           

JETZT, ist die Zeit und der Ort

zu hören auf des Herren Wort,

Wir hier in der Dreifaltigkeit

leben grad in der Jetzt-Zeit.

 

Wir sind jetzt Marianisch,                       

(ich meine das nicht vatikanisch)           

sind nicht Maria als reine Magd

nicht als jungfräulicher Smaragd,

sind's nicht wegen ora pro nobis  ¹  

nicht nunc et in hora mortis. ²           

 

Die „Evangelisch-marianische Ars Vivendi“,

ist hier das. nunc est hora audiendi ³      

Die meisten sind wie Unsereiner

wahrscheinlich keine Lateiner,

weil das eben Latein gewesen,

will ich‘s auch in Deutsch vorlesen

sind‘s nicht wegen des: „…bitt für uns jetzt¹

und in der Stunde unseres Todes²“ zuletzt.

Das typisch Evangelisch-marianische:

jetzt ist  Zuhörn das Richtige

Jetzt ist die Stunde zu Hören³,

da soll nichts, nichts anderes stören.

 

Hören heißt aktives Ruhn,

ist eine andere Form vonTun,

ist der erwähnt, erwählte „gute Tei“,

Auf Jesus hören, führt zum Heil.

 

(Zum Schluss zur heutgen Situation

noch eine kleine Exkursion.)                                                                 

 

Wär alles wie damals geblieben,            

dann würde ich hier, meine Lieben,

nur mit euch Männern hier sitzen.

Die Frauen täten zu Hause schwitzen,              

sich mit nörgelnden Kindern rumquälen.

vom Spätzlesbrett die Spätzle schälen,             

Suppe kochen, achten dass der Braten brät

es feinen Nachtisch geben tät.

Und sie warteten ergeben,                     

bis wir, ihr „Ein und alles Leben“,

bis wir Heilige und Frommen,

zum Mittagsmahl nach Hause kommen.

Mir ruafat gschwind dahoim no a:

Marta, stells Essa na, i bin glei da.

 

Damit hat Jesus quasi über Nacht         

ein für allemal Schluss gemacht.

 

Vielleicht, hosiann-halleluja

wünscht man(n) sich hälftig ‘ne Mari-ta.

Nur wäre die etwas gequält,

weil sie zur Hälfte nur gewählt

hätte für sich den guten Teil

und auch zur Hälfte nur das Heil.

Beim Bier gibts Halbe und beim Wein

darf es auch gern ein Viertel sein.

Aber beim Heil wär das ein Schmarren,

das glaubten wahrlich nur die Narren.

Wir gehn mit der Gewissheit heim,

solche Narren wollen wir nicht sein.

Nein meine Herrn und meine Damen,

vor Gott gilt nur das ganze Gut-Teil. Amen.

 

Orgelmusik: Halleluja (Händel)