Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 10,38-42

Pfarrerin Dr. Heike Lipski-Melchior

26.02.2017 Versöhnungskirche Bonn-Beuel

Liebe Gemeinde!
Wir haben sie schon oft gehört, die Story, die uns Lukas lehrt,
zwei Schwestern bietet er uns an, als Spiegel Dir, ob Frau ob Mann.
Er stellt uns hier die große Frage, wie hältst Du’s mit der Liebe, sage:
lebst Du sie praktisch mehr im Tun?
Lässt Du die Glieder auch mal ruhn,
um Jesus einfach zuzuhören,
ohne dass dich die Pflichten stören?
Wer ist dir nah, sag es ganz frei, ob es Maria oder Marta sei?
Oder geht es dir eher so wie mir?
Ich kann mich schlecht entscheiden hier.
Ich kenne beide Schwestern gut, die, die sich sorgt
und die die ruht.
Sie wollen Jesus beide gut, er ist ihr Gast, was tut jetzt Not?
Ist es jetzt wichtig, alles zu richten,
zu erledigen alle Gastgeberpflichten?
Damit er sich zuhause fühlt,
mit Wasser den Schmutz an den Füßen abspült,
sich setzen kann nach der weiten Reise
und sich stärken kann mit leckerer Speise?
Oder will er vielmehr von Gott erzählen
und freut sich über alle, die das erwählen,
die sich zu seinen Füßen setzen und Pause machen mit dem Hetzen, um mehr zu erfahren, von Gottes Reich,
von seiner Liebe, die allen gilt gleich?
Was ist jetzt dran, was erwartet der Gast?
Will er uns rufen zur geistlichen Rast?
Was kommt zuerst, will ich Jesus ehren?
Das praktische Dienen? Das geistliche Hören?
Kann man aus dieser Geschichte entnehmen,
dass Jesus loben will und beschämen,
je nachdem, wie die Schwestern sich haben entschieden,
den Gast zu empfangen und zu lieben?
Hat Maria das bessere Teil erwählt?
Ist Bewirten des Gastes nichts, was zählt?
Wird Marta beschämt und muss zornig sein
oder lädt Jesus sie liebevoll ebenfalls ein,
sich Pause zu gönnen und die Sorge zu lassen,
das Evangelium zu hören und Mut zu fassen?
Dann könnte für sie Pause Stärkung sein
und alle genießen später Brot und Wein.
Ergreift der Evangelist Partei,
welche Haltung gegenüber Jesus die bessere sei?
Besteht Konkurrenz zwischen Dienen und Hören
oder will Lukas insgesamt seine Leser aufstören:
schau hin und entscheide nach Situation,
mal liegt auf Hören mal auf Dienen der Ton?
In seinem Evangelium, Kapitel zehn
ist Gottes- und Nächstenliebe zu sehn.
Mal hat das eine mal das andere Priorität,
im Gleichnis vom Samariter ist es fast zu spät,
bis der Überfallene praktische Hilfe erhält,
weil bei Priester und Levit nur der Tempeldienst zählt.
Sie gehen vorbei, sie lassen ihn liegen,
der Samariter muss gerade biegen,
was sie an Liebesdienst unterlassen,
weil sie im Opfer den Nächsten verpassen.
Hier zeigt Lukas Jesu Willen genau,
prüfe was dran ist, prüf‘ jetzt und schau:
Gehst du vorwärts zum Tempel, zum Hören und Beten
oder ist auf dem Weg Deine Hilfe vonnöten?
Du bist ein Kind Gottes, mit Freiheit begabt,
entscheide, was jetzt Notwendigkeit hat.
Das Gebot zu lieben hat mehrere Seiten,
Gott, dem Nächsten und Dir selbst sollst Du Freude bereiten.
Hör auf dein Herz und vertrau dem Gemüt, damit das, was nötig ist, auch geschieht.
Lukas ergreift also keine Partei,
welche Handlung grundsätzlich die bessere sei.
Er erzählt zwei verschiedene Geschichten,
um Aufmerksamkeit auf Beides zu richten.
Der Samariter hilft und Maria hört zu.
Lies die Geschichten und danach tu,
was jeweils dran ist, überprüfe, was zählt,
dann hast du bestimmt das Gute erwählt.
Doch jetzt zurück ins Haus der Schwestern,
Marta bräuchte nicht über Maria zu lästern.
Sie könnte wie sie dasselbe tun,
die Sorge verschieben, einen Moment ruhn.
Doch ist sie von ihrem Sorgen erfüllt,
und vom Ärger über Maria gequält.
Sie könnt‘ ihr doch helfen den Gast zu bekochen,
so war das Verhalten nicht abgesprochen,
dass die eine hört und die andere tut,
in Marta steigert sich die Wut.
Doch anstatt zu fragen und um Hilfe zu bitten,
tritt sie ins Zimmer, vom Zorn geritten
und schwärzt Maria bei Jesus an: Herr, schau dir mal die Faule an! Jesus hört die Beschwerde, wendet sich ihr zu:
Marta, Marta, höre Du:
du hast so viel Sorgen, ich will dich befreien,
schau auf dich selbst, du musst nicht schreien.
Maria hat das gute Teil erwählt,
dein Teil ist nicht schlecht, doch wenn sie dich quält,
dann lass die Sorge ums Essen sein,
komm, setz dich zu uns, komm zu uns herein.
Ihr müsst nicht um Zuwendung konkurrieren,
versucht, das was Not tut, selber zu spüren.
Maria spürt, Zuhören tut ihr jetzt gut.
Komm dazu, komm heraus aus deiner Wut.
Gesteh dir doch auch deine Sehnsucht ein,
eine von Gott geliebte Tochter zu sein.
Es gibt nicht das eine, das bessere Teil,
mal bringt das Hören, mal Handeln Heil.
Ich bin bei euch beiden im Hause zu Gast.
Stillt eure Sehnsucht, legt ab eure Last.
So spricht Jesus: Marta, du bist nicht allein,
komm zu uns und stimme ins Gotteslob ein.
Lukas zeigt etwas Neues: Jesus lädt Frauen ein,
bei ihm dürfen alle Lernende sein.
Alle solln kommen, vom Reich Gottes zu hören,
die gewohnten Bahnen, die will er stören.
Bei den Schriftgelehrten durfte das nicht sein.
Die Männer waren als Schüler allein.
Jetzt könnten Sie sagen und wer macht das Essen?
Hat Maria nicht ihre Schwester vergessen?
Lukas schreibt nicht mehr weiter, wir überlegen,
wie könnte die Geschichte weitergehen?
Die Phantasie vieler Menschen hat sie angeregt,
so mancher hat sich eine Lösung überlegt.
Wie wär es mit dieser, sie gefällt mir gut,
Marta lässt ab von ihrer Wut.
Sie setzt sich bei Maria Jesus zu Füßen
und kann seine frohe Botschaft genießen.
Sie lässt sich bei Jesus aufs Zuhören ein.
Den Tisch decken alle gemeinsam dann ein.
Nach dem Essen beim Spülen gibt es Schürzen für drei.
Marta, Maria und Jesus sind dabei.
Zweifeln Sie, dass es an diesem Tag so gewesen?
Dann sollten Sie bei Lukas weiterlesen.
Mit Rollenwechseln kann Jesus Perspektiven umkehren,
er ist Gottes Diener für uns auf Erden.
Am Ende, wenn die Jünger mal wieder streiten,
ist er es, der für sie lässt ein Mahl bereiten.
Er selbst ist der Diener, er wird sie bewirten.
Seine Rolle ist Gastgeber und guter Hirte.
So lädt er sie ein und auch dich und mich:
Ich bin euer Diener, kommt an meinen Tisch.
Amen.