Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 2,14

Pastor Arun J. Mathur (kath.)

04.07.2017 Gemeindekirche Herz-Jesu in Oberhausen-Sterkrade

Christmette

Liebe Mitchristen,

als ich meine heutige Predigt vorbereitet habe, stellte ich erschrocken fest, dass ich in diesem Jahr denselben Gedanken gehabt habe, wie im vergangenen Jahr.

 

Mit einem Unterschied:

Heute kommt mir meine letztjährige Predigt wie Hohn vor. Besonders im Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate.

 

Das Leitwort jener Predigt war: „Und Friede auf Erden“ (Lk 2,14)

 

Kriege und Terror, Populisten und Spalter, bestimmen eine Welt, die aus den Fugen geraten ist.

 

Selbst die Botschaft des Engels scheint sich wie ein wunderschöner Traum anzuhören.

Ein Traum, der in diesem Jahr, besonders in diesem Jahr, sich zu einem Alptraum verwandelte.

 

„Und Unfriede auf Erden bei den Menschen seiner Ungnade“ (vgl. Lk 2,14)

 

Ist es nicht so, dass der Ruf nach „Frieden“ ungehört verhallt. Und stattdessen man sich lieber zurückzieht.

 

Manchmal kommen mir dabei die drei chinesischen Affen in den Sinn: „Nichts sehen, nichts sagen, nichts hören“.

 

Nichts sehen, dann sehe ich nur meine kleine scheinbar heile Welt.

Nichts sagen, dann kann mir auch nichts passieren.

Nichts hören, dann belastet mich auch nichts.

 

Jedoch besteht genau darin mein Problem, wenn ich nichts sehen will,

dann habe ich entweder ein Brett vor dem Kopf,

oder nehme meine Verantwortung als Mensch, als Christ nicht ernst;

 

Wenn ich nichts sagen will,

dann bekomme ich entweder ein Magengeschwür,

oder nehme meine Verantwortung als Mensch, als Christ nicht ernst;

 

Wenn ich nichts hören will,

dann sollte ich entweder meine Ohren vom Ohrenschmalz befreien,

oder nehme meine Verantwortung als Mensch, als Christ nicht ernst.

 

Ansonsten bleibt dieses Fest, dass wir heute feiern, nur ein sentimentales Fest, dass schöne Kindheitserinnerungen hervorruft.

 

Ich weiß, liebe Mitchristen, dies war ein harter Einstieg, und hatte sehr wenig von Weihnachtsgefühlen.

 

Jedoch es ist einfach vom Frieden zu predigen, und mittlerweile ist die Forderung nach Frieden zu einer leeren Worthülse geworden.

 

Und dennoch ist die Forderung nach Frieden notwendiger denn je, allerdings liegt die Verantwortung nicht allein bei der Politik, bei den Sicherheitskräften, sondern bei jedem einzelnen Menschen, und ganz besonders bei jedem einzelnen Christen.

 

Denn Friede kann ohne den Glauben an Gott nicht werden.

 

Nein, nein, dies ist nicht frommes Gerede, sondern, wenn wir genauer nachdenken, ist dieser Satz die Kernaussage von Weihnachten.

 

Was wäre, wenn Maria dem Boten Gottes keinen Glauben geschenkt hätte, wenn sie diesen Engel nicht gesehen und gehört hätte, wenn sie nicht gesagt hätte: „Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ (Lk 1,38)

 

Was wäre, wenn die Hirten den Boten Gottes, den Engeln, keinen Glauben geschenkt hätten;

 

Was wäre, wenn keiner Jesus gehört hätte,

dann wäre die Botschaft von der wahren Freiheit und dem wahren Frieden, von der wahren Gerechtigkeit und der Nächstenliebe, von der Solidarität ungehört geblieben, und es gäbe keinen Glauben, und somit keinen Frieden.

 

In jeder Heiligen Messe beten wir nach dem Vater Unser:

„Schau nicht auf unsere Sünden,“

Oder wie ich es bete:

„Schau nicht auf unsere Schuld und unser Versagen, sondern schau auf den Glauben deiner Kirche, und schenke ihr und der ganzen Welt nach deinem Willen, Einheit und Frieden.“ (Liturgie)

 

Anmerkung:

Mit ‚Kirche‘ ist nicht die Institution gemeint, sondern wie es in der Übersetzung des Wortes schon heißt: „Alle, die zu Gott gehören“, also alle Getauften.

 

Mir kommt in der letzten Zeit immer wieder ein Gedanke, dass es einen Zusammenhang gibt:

 

„Je weniger glauben, desto weniger gibt es Frieden.“

 

Und dies erleben wir nicht nur in unserem Land, sondern leider auch weltweit.

 

Nicht nur in der Anhäufung von Kriegen und Terror,

sondern in der gesteigerten Bereitschaft zur Gewalt, sowohl körperlich als auch die Gewalt mit Worten,

sondern auch im Aufstieg von Möchtegern-Heilsbringern, die das Blaue vom Himmel versprechen, aber nur Chaos, Unfriede und Unfreiheit bringen, siehe Polen, siehe Ungarn, siehe Türkei, siehe vielleicht auch demnächst USA.

 

Wer aus dem Glauben an Gott herauslebt, kann und muss trotz Ängste, Sorgen und Nöten, gegen solche Tendenzen Widerstand zeigen.

 

Und dieser Widerstand zeigt sich besonders in der Einstellung eines Menschen.

 

Am vergangenen Donnerstag war ich kurz auf dem Weihnachtsmarkt beim Centro.

 

In einem kurzen zufälligen Gespräch mit einer Standbetreiberin, in der es um die Stimmung nach dem Terroranschlag in Berlin ging, erzählte ich von einem Fernsehinterview mit einer Standbetreiberin von einem anderen Weihnachtsmarkt, dass sie in Zukunft aus Angst nicht mehr auf den Weihnachtsmarkt ihren Stand eröffnen will.

 

Darauf sagte die Standbetreiberin am Centro zu mir:

 

„Das ist die falsche Einstellung. Jetzt erst recht, und man muss optimistisch sein, sonst wäre alles verloren.“

 

Liebe Mitchristen, „Man muss optimistisch sein, sonst wäre alles verloren.“

 

Welch ein Satz, und dazu noch von einer Deutschen, die ja gewohnheitsmäßig gerne alles schwarzsehen.

 

Ich weiß nicht, ob diese Standbetreiberin eine Christin war,

aber dies muss die Einstellung eines Christen sein,

denn seitdem Gott in dem Stall menschgeworden ist,

denn seitdem dieses Kind die Botschaft der Erlösung verkündigt hat,

haben die Christen die Macht die tatsächliche göttliche Wahrheit zu sehen, zu hören und von ihr zu reden,

und so können sie, werden sie einen wehrhaften Frieden, den wahren Frieden bringen, der einen optimistisch die Zukunft sehen lässt.

 

Wer diesen Glauben hat, und ihn mit anderen teilt, kann Großes leisten, damit Gott auf den großen und starken Glauben schaut, und endlich Friede auf Erden wird. Amen.