Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 24, 13-35

Markus R. T. Cordemann (rk)

29.10.2011 in der Hauskapelle der Stiftung Diaconis (ehemals Diakonissenhaus) Bern (Schweiz)

im Rahmen eines Trauergottesdienstes

Liebe Angehörige, Verwandte und Freunde von <Vor- und Nachname>

Die eben gehörte Emmaus-Erzählung gehört sicherlich zu den bekannteren Geschichten unseres Neuen Testaments und sie ist eine sehr vielschichtige Erzählung.

Zuerst und ganz offensichtlich ist es eine Geschichte vom Unterwegssein, genauer gesagt vom gemeinsamen Unterwegssein. Der Evangelist Lukas berichtet uns, dass zwei der Jünger Jesu sich auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus befinden. Und so wie diese beiden Jünger unterwegs waren, so sind auch wir, so war auch <Vorname> unterwegs.

Eine wichtige Station auf <Vorname> Lebensweg war <Stadt 1>: Dort gründete er zusammen mit seiner Frau <Vorname Ehefrau> in jungen Jahren seine – liebe <Vorname Ehefrau>, eure – Familie. Gegründet wurde dort ebenfalls seine Firma. Ganz pragmatisch wurde das Gebäude für diese Firma einfach im Garten gebaut und der Mut für diesen Schritt in die Selbstständigkeit war ein Glücksfall für die ganze Familie. Denn durch die räumliche Nähe, so haben es mir <Vorname Tochter> und <Vorname Sohn> erzählt, konnte <Vorname> immer für seine Kinder da sein. Später haben <Vorname Tochter> und <Vorname Sohn> dann auch im Unternehmen mitgearbeitet und dadurch, dass <Vorname Ehefrau> ebenfalls mitgearbeitet hat, wurde <Vorname> Unternehmen zu einem Familienunternehmen im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine weitere wichtige Station war sicherlich Irland. <Vorname> hat mir erzählt, dass es schon lange sein Wunsch war, nach Irland auszuwandern. Doch als sich mit Mitte Fünfzig dann auf einmal die Chance hierzu bot, habe er eigentlich schon gar nicht mehr daran gedacht. Aber gemeinsam mit <Vorname Ehefrau> hat er den Schritt gewagt. Ganz unverhofft, hat er dann in Irland neues entdeckt. Ich meine damit nicht nur eine neue Kultur und neue Menschen, sondern sozusagen die Wurzeln unseres Christentums hier in der Schweiz. Als Menschen, dem der Glaube wichtig war, hat es <Vorname> fasziniert, dass im 6. und 7. Jahrhundert die Schweiz und weite Teile Nordeuropas von irischen Mönchen missioniert worden sind. Generell war <Vorname> ein Mensch, der spirituelle Angebote gerne wahrgenommen hat. Etwa bei seinem Onkel, einem Benediktinerpater, oder bei der Bethlehem Mission Immensee, wo sein Sohn die Schule besucht hat.

<Vorname> letzte Station war dann hier in <Stadt 2> und <Stadt 3>. In <Stadt 3> war es auch, wo ich <Vorname> kennengelernt habe. Nach einer Andacht im <Name Seniorenwohnheim>, seinem neuen zu Hause, hat er mich angesprochen und nach seelsorglicher Begleitung gefragt. Schon bei diesem ersten, kurzen Gespräch habe ich gemerkt, dass mir dort ein Mensch gegenübersteht, der von seinem Glauben getragen wird. In den wenigen Wochen, die ich <Vorname> dann auf seinem Weg begleiten durfte, habe ich dies immer wieder und auch immer mehr gespürt. Dafür bin ich dankbar!

Liebe Trauergemeinde, so wie der Psalmist es im vorhin gebeteten Psalm 91 ausgedrückt hat, so hat es <Vorname> empfunden. Er hat sich auf seinem Lebensweg von Gott, von Jesus Christus begleitet und beschützt gefühlt. Damit bildete <Vorname> einen Gegensatz zu den zwei Jüngern aus der Emmaus-Erzählung. Denn die beiden Jünger wurden auf ihrem Weg von Jerusalem nach Emmaus von Jesus begleitet und haben dies nicht erkannt. <Vorname> hingegen hat dies erkannt. Er wusste, dass Jesus Christus ihn auf seinem Weg, besonders auf dem letzten Wegstück, begleitet.

Doch nicht nur durch seinen Glauben wurde <Vorname> getragen, sondern auch von vielen verschiedenen Menschen. Ganz besonders von seiner Frau <Vorname Ehefrau>, seinen Kindern <Vorname Tochter> und <Vorname Sohn>, den Schwiegerkindern <Vorname Schwiegertochter> und <Vorname Schwiegersohn> sowie von seinem Enkel <Vorname Enkel> – seinem Herzblatt wie er selbst geschrieben hat – und der noch ungeborenen Enkeltochter.

Die Emmaus-Erzählung ist aber nicht nur eine Geschichte vom Unterwegssein mit Jesus, sondern auch eine Geschichte der Hoffnung. Wenn wir schauen, an welcher Stelle des Lukas Evangeliums sie steht, dann können wir sehen, dass sie im letzten Kapitel – fast ganz am Ende – steht. Der Tod Jesu, der Karfreitag liegt bereits in der Vergangenheit. Der Tag an dem die beiden Jünger den Weg nach Emmaus gehen, ist der Tag der Auferstehung Jesu: Ostern!

Und die Auferstehung Jesu, sie gibt uns Hoffnung. Hoffnung darauf, dass mit unserem Tod nicht alles vorbei ist, sondern dass es weitergeht. Das wir wie Jesus Christus auferweckt werden und Anteil erhalten am ewigen Leben bei Gott. Vor diesem Hintergrund konnte der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, von dem wir am Beginn dieses Gottesdienstes das wunderschöne Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ gesungen haben, sagen: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“

<Vorname> kannte Ostern und er war voller Zuversicht, dass der irdische Tod nicht sein Ende sein wird. Bei unseren Gesprächen auf der Station für palliative Therapie – hier in diesem Haus – hat er mir immer wieder gesagt, dass es für ihn ein heimgehen ist. Mit diesen Worten hat er genau das aufgegriffen, was der Apostel Paulus im zweiten Brief an die Korinther geschrieben hat: das uns im Himmel ein ewiges Haus errichtet ist; dass wir also eine Heimat bei Gott haben (vgl. 2 Kor 5,1). Und dieser Gedanke, der <Vorname> erfüllt hat, kann uns vielleicht etwas Trost in diesen schweren Stunden spenden.

Liebe Mitchristen, getragen von vielen Menschen und im Glauben an Jesus Christus ist <Vor- und Nachname> seinen Weg, seinen Heimweg gegangen. Mit ihm haben wir einen lieben und fürsorglichen Menschen verloren und sein Tod ist schmerzlich und traurig für uns. Aber im Wissen um die Auferstehung Jesu Christi dürfen wir hoffen. Hoffen, dass <Vorname> nun seine Wohnung bei Gott bezogen hat.

Noch einmal möchte ich Dietrich Bonhoeffer zitieren: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln“ – Amen