Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Lukas 24,13–35

Pfarrer Otto Rüter (kath.)

03.06.2017 St. Marien, Rastede

Liebe Rona, Lieber Johannes, Liebe Eltern und Geschwister des Brautpaares, Verwandte, Freunde, Weggefährten!

Wäre aus irgendeinem Grund irgendein Unglück passiert und die ganze Bibel wäre verloren gegangen und wir hätten nur dieses Evang. Von den Emmausjüngern, es würde uns genügen für unseren Lebensweg, für unseren Weg als Glaubende, denn hier haben wir das Ganze im Fragment. Passend zu dieser Aufbruchsgeschichte, zu dieser Weg-Geschichte habt Ihr euch das schönste Bild ausgesucht, das ich kenne; das Original hängt im Kloster Kornelimünster bei Aachen. Es zeigt uns: der Weg zum Glauben, zum Osterglauben ist oft weit und mühsam und der Glaube überhaupt ist immer ein Weg, niemals ein Haus, schon gar nicht ein Fertighaus.

Ein Erst-Wichtiges: Der Weg Gottes führt immer über die Wege der Menschen, nicht daran vorbei; also über unsere Straßen und Wege, und Treppen und Stufen des Alltags.Daher ist es für den Gott des Aufbruchs, den Gott des Weges ganz typisch: Jesus gesellt sich dazu, er ist schon da, er geht mit. Und dadurch werden die Jünger ermutigt, aufgerichtet, lernen sie den aufrechten Gang nach aller Enttäuschung, eben durch das mitgehen, reden, das Leben deuten.

Zwei sind unterwegs und ER gesellt sich dazu!

Nur deshalb sind wir jetzt hier in der Kirche, weil ihr beide euch nicht nur irgendwann, irgendwo kennen- und lieben gelernt habt, sondern weil ihr nicht einfach nach Vörden oder Rastede oder Emmaus gehen, sondern weil ihr mir Gottes Segen alle eure Lebenswege miteinander gehen wollt. Ihr wollt miteinander das Leben teilen und daher Ja sagen und durch“dick und dünn“ gehen  mit Gottes Hilfe. Irgendwann hat es „klick“ gemacht, da kam bei Euch beiden der „jumping point“; die Entdeckung: dieser Johannes ist mehr als nur der nette Kerl; diese Rona ist mehr als nur eine nette junge Frau..

Vielleicht könnt Ihr wenigstens so gut singen wie die  Sportfreunde Stiller, wo es heißt im Lied:

„Du kommst wie gerufen, trittst auf den Plan, den es nicht gibt,

wie ein Bild, das Götter schufen, dich hat der Himmel geschickt,

 dich hat der Himmel geschickt,  Und weil ich an dir teihabe und immer an dich denk‘,

und weil du mir so viel bedeutest: Du bist ein Geschenk; Du bist ein Geschenk!“

 

II.

Daher hieß es auf der Einladung: es ho- ho- hochzeitet sehr und ihr sagt euch gleich das Ja-Wort, in die Hand versprochen, auf den Ring verpfändet: Du bist ein Geschenk!  Ich will dich lieben,achten... Ich verspreche Dir....

Nun ist unsere deutsche Sprache nicht immer die schönste, nicht immer die reichste; und so kennen wir für die vielen Weisen der Liebe nur das eine Wort „Liebe“ für die Liebe. Die alten Griechen hatten zwischen Eros und Agape etliche verschiedenen Worte für die Liebe. Die erste Stufe, Vokabel, das augenblickliche Verliebtsein habt ihr schon hinter euch gelassen, wo man sich nur  gegenseitig anschaut, und für nichts anderes mehr Augen und Ohren hat. So heißt es in einem Gedicht von Rose Ausländer: „Wir wohnen Wort an Wort, sag mir dein liebstes, meines heißt: Du!“   Deshalb, weil ihr miteinander – mit diesem Du – durch alle Höhen und Tiefen des Lebens gehen wollt, schaut ihr schon auf dem Foto der Einladung uns an, die geladenen Gäste, nicht einander, sondern in die gleiche Richtung. Das ist zukunftsweisend und deshalb sagt ihr gleich einander, was ihr für diese eure Zukunft einander versprecht.

Dabei darf ich euch nun wirklich nicht unterstellen: ihr seid „Wahnsinnig und „leichtsinnig“, aber zumindest sehr mutig, denn ihr wollt ja nicht Ja sagen, „solange es gut geht“, denn ihr wisst gar nicht, was das Ja-Wort in Zukunft für euch bedeutet, bereithält und mit einschließt und auch zumutet!!

Es wäre ja mal lohnend, Mutter Christa Maria zu fragen, woher sie die Kraft nahm: drei kleine Kinder zu haben mit so viel Elan und Leben, das man auch sechs Kinder davon hätte machen können und gleichzeitig über  Jahre ! Oma und Tante zu Hause zu pflegen!

Oder: Fragt mal Marita und Martin, wie sie es machen und schaffen, nicht über Tage und Wochen, sondern über Jahre und Jahrzehnte und Tag und Nacht und ständig mit 180 % das schwerstbehinderte Gotteskind Tobias zu pflegen und zu umsorgen ?  Und doch den Mut und die Lebensfreude nicht zu verlieren, obwohl der Junge immer den Takt angibt?

Ihr könnt auch viele andere von uns hier fragen, denn jeder weiß aus seiner eigenen Biographie: es geht nicht immer „cool und easy“, das Leben ist kein Picknick, es ist nicht immer Hochzeit, sondern viel Alltag und meistens kein „Ruheplatz am Wasser“ !

Daher auf unserem Weg nach Emmaus ein kleines Gedicht von Goethe mit nur 23 Worten:

Freudvoll und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Langen und bangen in schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt;
Glücklich allein ist die Seele, die liebt.

III.

Dies ist das schönste, das vollkommendste erotische Gedicht deutscher Sprache, das ich kenne; denn immer ist unser Leben ausgespannt zwischen himmelhoch jauchzend – und zum

Tode betrübt – immer leben wir zwischen den Sonnenfinsternissen verschiedener Karfreitage und den Sonnenaufgängen am Ostermorgen. Und, zwischen Eros und Agape ist glücklich allein die Seele, die liebt!

Umso schöner, umso leuchtender, umso handfester und tragfähiger wird unser Glaube: Er, Jesus der Christus ist da,geht immer mit! Der älteste Name für den Gott unserer Hoffnung ist JHWH – Ich bin der ich da bin; wo ihr seid, wo sich euer Leben abspielt!

Und das älteste Bundeszeichen dieses Gottes mit den Menschen ist der Regenbogen, der sich auf eurer Hochzeitskerze findet( und die Taube als Symbol für den Hl. Geist, der nicht nur jetzt zu Pfingsten in Fülle in unsere Herzen ausgegossen wird.)

In dieser großen Verheißung war es typisch für Jesus das Brot zu brechen, daran erkannten sie den Auferstandenen, den Lebenden, den Todgeglaubten, den Gekreuzigten.

Das war schon vorher typisch, denn er war der Kumpel, der Kum- panis ( mit – Brot ), der, mit dem sie Brot brechen und teilen. Gemeint ist zunächst das Brot der Eucharistie, aber auch das Brot des Alltags auf den Straßen unseres Lebens.

Wer sind meine Kumpel, meine Kum-panis; wem bin ich Kumpel, mit wem teile ich das Brot des Alltags?

Und manchmal muss auch gefragt werden: Wenn jedermann der Nächste ist, wer ist dann mein Proximus, der Allernächste?

Daraus ermutigt, gestärkt für’s Leben gingen sie zu den Brüdern, um die Osterfreude zu teilen: Er lebt, Er geht mit, brannte uns nicht das Herz..., wir haben ihn erkannt, als er das Brot brach und mit uns betete!

Daraus können wir leben und gehen und unseren Glauben alltagstauglich machen. Dabei wird es gut und notwendig, weil Not-wendend sein, immer wieder zu beten:

„Bleibe bei uns, du Wanderer durch die Zeit, geh‘ nicht vorüber, kehre bei uns ein; sei unser Gast und teile mit uns Brot und Wein.“

Macht ganz einfach in euren Gebeten für’s Leben, für den Weg nach Emmaus und zurück, für Euren Weg in Ehe und Familie den eigenen Glauben zu einer Tankstelle, einem Akku, der nicht veraltet, sich nicht abnützt oder verbraucht!! Und,unter dem Segen des dreifaltigen Gottes, der mitgeht, der da ist und da sein wird,

sagt einander immer wieder:

Ich liebe dich – heute mehr als gestern – und weniger als morgen.

amen