Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 24,45-53 u. Apostelgeschichte 1,1-8

Friedrich E. Starp (efk)

21.05.2017 Evangelikale Gemeinde Liesing, Wien (Österreich)

Christi Himmelfahrt

Es ist schon einige Jahre her, da war ich einen Tag vor Himmelfahrt beim Friseur, um mich für die bevorstehenden Feiertage aufhübschen zu lassen. Meine Friseurin, Renate, und ich, sprechen – soweit es während des Bartstutzens geht – jeweils über Gott und die Welt.

Ich erzähle Renate, dass am Himmelfahrtstag in Deutschland immer der Vatertag gefeiert wird und berichte aus meiner Jugendzeit, dass mein Vater mit mir ins Grüne gefahren ist und wir dann - natürlich rein zufällig - meine Mutter und meine Schwester getroffen haben, die sich ihrerseits - in anderer Richtung - auf den Weg gemacht hatten.

Auch heute ist es noch so, dass sich viele Männer in Deutschland mit reichlich Alkoholika auf einem Bollerwagen, losziehen und sich unterwegs den Kittel vollsaufen.

Daraufhin erklärt meine Friseurin zunächst ausführlich, dass der Vatertag in Österreich als Pendant zum Muttertag geschaffen wurde, aber nicht zu Himmelfahrt stattfindet, sondern immer am 2. Sonntag im Juni „gefeiert“ wird.

Danach verabschiedet sie sich dann mit den Worten: „Na, dann wünsche ich Ihnen morgen mal einen schönen Vatertag!“

Ich war so überrascht, dass ich nur antworten konnte: „Für mich ist morgen aber Himmelfahrt!“ Aber das nimmt sie kommentarlos hin.

Kurz danach musste ich noch einmal in den Laden zurück, denn ich hatte meine Jacke hängen lassen. Renate kommt wieder angelaufen und fragt: „Was bedeutet eigentlich Himmelfahrt?

Ich dachte spontan: Welche Chance, wenn Menschen uns fragen: „Was bedeutet eigentlich Himmelfahrt?“ Leider gab es dann jedoch nicht die Zeit für ein Gespräch darüber, denn Renate musste zu ihrer Kundin zurück, bei der sie angefangen hatte, die Haare einzudrehen.

Immerhin konnte ich noch fragen, ob sie eine Bibel zuhause hat. Ihr Nicken habe ich als „Ja“ verstanden und ihr empfohlen, doch mal das Ende vom Lukasevangelium und den Anfang der Apostelgeschichte zu lesen, da würde sie einiges zum Thema „Himmelfahrt“ erfahren.

 

Was unsere Mitbürger heutzutage beim Stichwort „Himmelfahrt“ denken, lässt sich mit einer Grafik von idea gut darstellen; wobei sich das auf die deutschen Nachbarn bezieht; da fällt ja der sog. Vatertag auf den Himmelfahrtstag:

Wir sehen, dass rund die Hälfte der deutschen Nachbarn beim Begriff „Himmelfahrt“ an den Vatertag denken.

Soweit mal der Ausflug in die Statistik und zu der kleinen Episode bei meinem Friseur.

Für die heutige Predigt werde ich die Empfehlung an meine Friseurin, zur Himmelfahrt mal in den Schriften von Lukas nachzulesen, in die Tat umsetzen.

Sowohl im Lukasevangelium Kapitel 1, Vers 3, als auch in der Apostelgeschichte Kapitel 1, Vers 2, schreibt der Verfasser – Lukas –, dass die Berichte an den „Hochverehrten“, bzw. den „lieben“ Theophilus geschrieben wurden, wie wir es in einigen Übersetzungen lesen können.

Der Wechsel in der Anrede lässt darauf schließen, dass Theophilus beim Empfang der zweiten Schrift, also der Apostelgeschichte, inzwischen zum Glauben gekommen ist, wenn Lukas auf die ehrenvolle Anrede verzichte, sondern nun an den „lieben Theophilus“ schreibt.

Es wird angenommen, dass der Evangelist Lukas, einer der Begleiter von Paulus bei seinen Missionsreisen war. Im Brief an die Kolosser erwähnt Paulus den Arzt Lukas als seinen geliebten Begleiter.

Über die Herkunft von Lukas und sein persönliches Umfeld ist nicht sehr viel bekannt. Es gilt jedoch als historisch gesichert, dass Lukas aus Antiochia in Syrien stammt; viel mehr wissen wir jedoch nicht. Aber wir wollen ja auch nicht über den Evangelisten nachdenken, sondern über das, was er uns als Evangelium überliefert hat.

Eine letzte Vorbemerkung: Einige werden den Namen Anselm schon mal gehört haben. Anselm war im frühen Mittelalter ein italienischer Theologe, der später zum Erzbischof von Canterbury eingesetzt wurde. Anselm hat berühmte theologische Werke verfasst und dabei als Besonderheit immer wieder Gespräche mit seinem Diener Boso einfließen lassen. Allerdings gab es diesen Boso gar nicht; Anselm benutze diese fiktive Figur nur, um seine Überlegungen besser darstellen zu können. Bei der Überlegung, wie man über den umfangreichen Predigttext sprechen kann, habe ich diese Vorgehensweise von Anselm übernommen und dem Evangelisten Lukas eine Frau an die Seite gestellt, mit der er seine Manuskripte bespricht. Die Anregung dazu habe ich aus einer Predigt von Paul Kluge.

Lukas hatte seiner Frau bereits den ersten Band, also „sein“ Evangelium, zu lesen gegeben; es war ihr bekannt und jetzt gab er ihr den Anfang des zweiten Bandes zum Lesen.

Wir lesen jetzt zunächst Lukas 24, ab Vers 45 - 53  nach der NGÜ

45  Und er öffnete ihnen das Verständnis für die Schrift, sodass sie sie verstehen konnten,

46  und sagte zu ihnen: »So steht es doch in der Schrift: Der Messias muss leiden und sterben, und drei Tage danach wird er von den Toten auferstehen.

47  Und in seinem Namen sollen alle Völker zur Umkehr aufgerufen werden, damit sie Vergebung ihrer Sünden empfangen. In Jerusalem soll damit begonnen werden.

48  Ihr seid Zeugen für das alles.

49  Ich aber werde die Kraft aus der Höhe auf euch herabsenden, wie mein Vater es versprochen hat. Bleibt hier in der Stadt, bis ihr damit ausgerüstet werdet.«

50  Jesus führte die Jünger aus der Stadt hinaus bis in die Nähe von Bethanien. Dort erhob er die Hände, um sie zu segnen.

51  Und während er sie segnete, wurde er von ihnen weggenommen und zum Himmel emporgehoben.

52  Die Jünger warfen sich nieder und beteten ihn an. Dann kehrten sie nach Jerusalem zurück, von großer Freude erfüllt.

53  Und sie waren von da an ständig im Tempel und priesen Gott.

Apostelgeschichte 1,1-8  nach der Neuen Genfer Übersetzung.

1    Im ersten Teil meines Berichtes, verehrter Theophilus, habe ich über alles geschrieben, was Jesus getan und gelehrt hat, von seinem ersten Auftreten an

2    bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel hinaufgenommen wurde. Bevor das geschah, gab er den Aposteln, die er ausgewählt hatte, unter der Leitung des Heiligen Geistes Anweisungen für die Zeit nach seinem Weggang.

3    Sie waren es auch, denen er sich nach seinem Leiden und Sterben zeigte und denen er viele überzeugende Beweise dafür gab, dass er wieder lebendig geworden war: Während vierzig Tagen erschien er ihnen immer wieder und sprach mit ihnen über das Reich Gottes und alles, was damit zusammenhängt.

4    Einmal – es war bei einer gemeinsamen Mahlzeit – wies er sie an, Jerusalem vorläufig nicht zu verlassen, sondern die Erfüllung der Zusage abzuwarten, die der Vater ihnen gegeben hatte. »Ich habe darüber ja bereits mit euch gesprochen«, sagte er.

5    »Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden, und das schon in wenigen Tagen.«

6    Diese Ankündigung führte dazu, dass die Apostel, als sie ein weiteres Mal mit Jesus zusammen waren, ihm die Frage stellten: »Herr, ist jetzt die Zeit gekommen, in der du das israelitische Reich wiederherstellst?«

7    Jesus gab ihnen zur Antwort: »Es steht euch nicht zu, Zeitspannen und Zeitpunkte zu kennen, die der Vater festgelegt hat und über die er allein entscheidet.

8    Aber, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr mit seiner Kraft ausgerüstet werden, und das wird euch dazu befähigen, meine Zeugen zu sein – in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und ´überall sonst auf der Welt, selbst` in den entferntesten Gegenden der Erde.«

Soweit mal die biblischen Texte, über die wir nun nachdenken wollen.

Jetzt also das Gespräch zwischen Lukas und seiner Frau:

„Für den Anfang ganz gut", sagte seine Frau und gab ihm ein paar Manuskriptseiten zurück.                        

Lukas hatte sie ihr gegeben, weil ihre Meinung ihm schon oft weitergeholfen hatte. Nun aber war er von ihrer Formulierung leicht irritiert: Meinte sie, dass er alles noch einmal schreiben solle, oder spielte sie mal wieder mit Worten? Fragend sah er sie an, sie schmunzelte.

 „Ich meine", sagte sie dann, „der Anfang deines zweiten Bandes ist dir wirklich gelungen. Du knüpfst genau da an, wo dein erster Band aufhört. Damit nimmst du den Faden wieder auf und verbindest die Jesusgeschichten mit der Zeit danach."

Lukas freute sich, denn genau das war seine Absicht gewesen: Deutlich zu machen, dass das, was mit Jesus begonnen hatte, trotz der Kreuzigung und wegen der Auferstehung weiterging.

„Ich hab' da aber mal eine Frage", bemerkte seine Frau recht leise. Die Freude in Lukas' Gesicht überschattete sich, denn leises Fragen seiner Frau war ihm stets ein Alarmsignal.

„Stimmt etwas nicht?" fragte er und lehnte sich zurück.

„Ich bin mir nicht ganz sicher", bemerkte seine Frau, „doch, wenn ich mich richtig erinnere, endet der erste Band etwas anders, als der zweite anfängt. Darüber bin ich sozusagen gestolpert. Warum nicht die gleiche Szene am Ende und am Anfang?"

Lukas sagte zunächst einmal gar nichts. Er wusste zwar, wie er den ersten Band beendet hatte, wollte aber mit dem zweiten Band, seinem Freund Theophilus, weitere Aspekte der Geschichte von Jesus Christus mitteilen.

Er schlug ein Bein über das andere, faltete die Hände vor seinem Bäuchlein und schloss die Augen. Seine Frau setzte sich und wartete. Ein Windhauch trug leichten Blütenduft aus dem Garten herein.

„Weißt du", begann Lukas schließlich, „die Tage nach Ostern in Jerusalem müssen für die Jünger sehr bewegt gewesen sein.

Da ist etwas geschehen, dass sie noch nicht recht begreifen, dass aber ihr Leben schon verändert hat und täglich mehr verändert.

Und da sitzen sie zwischen der Angst vor Verhaftung und dem Drang nach Verkündigung. Wenn die Angst abnimmt, nimmt der Drang zu; wenn der Drang wächst, wird die Angst weniger, und das kann leicht zu Übereifer führen."

Die Frau von Lukas lächelte ein wenig, die Bedachtsamkeit ihres Mannes, die manchmal an Bedenklichkeit grenzte, war ihr natürlich bekannt und hatte sich auch oft schon als nützlich erwiesen – bisweilen aber auch als hinderlich.

„Du meinst also, leuchtende Augen genügen nicht?" fragte sie, und Lukas nickte.

„Ich nehme an", antwortete Lukas dann, „dass die Jünger damals zwischen Enttäuschung über Jesus und Begeisterung für seine Botschaft schwankten. Einige werden in ihm den gescheiterten Befreier Israels aus römischer Abhängigkeit gesehen und sich gefragt haben, ob und wie das jetzt weitergehen könne. Andere werden ihn als Prediger einer Welt des Friedens und der Gerechtigkeit verstanden und sich gefragt haben, wie sie diese Botschaft weitersagen können.

Für das eine wie für das andere braucht man Vorbereitung, Zurüstung, Stärkung. Und das braucht Zeit. Die Jünger mussten sich darauf vorbereiten, ihre Zeit nach Jesus so zu gestalten, als sei er mitten unter ihnen."

Ihre Zeit?" fragte seine Frau etwas verwundert, und Lukas antwortete: „Zunächst einmal ja. Und erst danach konnten sie sich an die Arbeit machen, die Zeit so zu gestalten. Durchs Predigen, vor allem aber durch eigenes Vorbild und Beispiel. Dass das nicht leicht ist, erleben wir ja täglich."

„Leider", bestätigte seine Frau, „doch wen wundert's! Was Jesus gelehrt hat und was seitdem verbreitet wird, ist so anders als alles andere, ja, es steht im Widerspruch zu vielem, was im römischen Reich als Recht und Ordnung gilt. Darum machen sie es uns ja auch so schwer."

„Und ich fürchte, das wird sich auch nicht ändern", ergänzte Lukas, „jedenfalls da nicht, wo Menschen regiert werden wie wir von Rom aus."

Lukas schwieg nachdenklich, und auch seine Frau dachte an Glaubensgenossen, die wegen ihres Glaubens den Tod erlitten hatten, an andere, die in Gefängnissen saßen.

Sie dachte an die kleinen, alltäglichen Schikanen der Behörden, denen auch sie und ihr Mann ausgesetzt waren. Sie dachten an gute Bekannte und Freunde, von denen sie seit ihrer Taufe gemieden wurden. Umso wichtiger war ihnen die Gemeinschaft, die sie in der Gemeinde erlebten: die gegenseitige Bestätigung und Stärkung; die Vergewisserung, das gute Teil erwählt zu haben.

Auch die zum Teil heftigen Diskussionen über den rechten Weg empfanden sie als hilfreich, auch wenn sie manchmal mühsam waren, aber sie gaben ihnen Halt, denn sie fanden darin auch Orientierung.

„Die Zeit nach Jesus ist die Zeit mit Christus", unterbrach Lukas die Stille und blickte in die Manuskriptseiten. „Darum das Bild von der Himmelfahrt. Das verstehen alle, Juden, Griechen und Römer, Ägypter sowieso. Aus Christus werden wir Kraft schöpfen und seine Zeugen sein bis ans Ende der Welt!"

Seine Frau nahm den Faden auf: „So ähnlich hast du es geschrieben. Aber: verstehst du das Ende räumlich oder zeitlich?"„Beides", antwortete Lukas. „Zwar haben wir viel Zeit und viel Raum, Jesus als den Christus zu bezeugen. Doch unendlich sind weder Zeit noch Raum.

Darum sollen wir - im Glauben gestärkt und des Heils vergewissert - Christus immer und überall verkündigen. Durch unser Wort und mehr noch durch unsere Tat."

„Du solltest mal wieder predigen", schlug seine Frau vor, „und ich setz mich jetzt in den Garten zwischen die Blumen. Kommst du mit?" Lukas tat seiner Frau den Gefallen.                                                                                  

Soweit mal ein Gespräch zwischen dem Evangelisten Lukas und seiner Frau – das sich so zugetragen haben könnte.

Doch jetzt will ich das, was Lukas uns über die Himmelfahrt Jesu hinterlassen hat, auch in die heutige Zeit stellen, damit wir heute darüber nachdenken können.

Himmelfahrt ist heute für viele Menschen ein Ausflugstag im schönen Monat Mai.

Dabei ist Himmelfahrt – wie wir natürlich alle wissen – ein in Vergessenheit geratener christlicher Feiertag.

Zugleich ist Himmelfahrt aber für viele Menschen auch immer noch eine biblische Geschichte, die den Gesetzen der Schwerkraft widerspricht, obwohl es eigentlich das logischste Fest der Christenheit ist.

Außerdem ist dieses Fest der Beweis, dass Glaube und Vernunft sich nicht ausschließen, wie man uns immer mal wieder einzureden versucht, sondern dass Glaube und Vernunft ziemlich gut miteinander bestehen können und auch sehr interessante Verbindungen eingehen können.

Vielleicht denken einige jetzt, der will uns auf den Arm nehmen! Himmelfahrt, das ist doch die Geschichte zu einem Fest, die von allen am schwersten zu glauben ist.

Also: Was genau wird eigentlich an Himmelfahrt gefeiert? Und welche Bedeutung hat dieser Feiertag noch?

Von den 4 christlichen Festen, die wir bis heute weltweit feiern, Also  Weihnachten,  Ostern,  Himmelfahrt und  Pfingsten, sind vielen Menschen die wirklichen Bedeutungen verlorengegangen.

 Weihnachten ist noch ganz klar – da wird Jesus geboren.

 Ostern ist schon schwieriger – dass Jesus stirbt, begraben wird und dann aufersteht? Also an die Auferstehung zu glauben fällt vielen Menschen schwer.

 Dass zu Pfingsten die Gemeinde gegründet wurde, haben zwar auch viele Menschen heutzutage vergessen; aber es wird nicht bestritten.

Aber Himmelfahrt?  Kann das wirklich sein, dass Jesus abhebt und durch die Wolken schwebt? Vor allem, welchen Sinn soll diese Geschichte haben? Auf einer Wolke in den Himmel gefahren, was für ein Kinderglaube ist das denn?

Nein, mit Himmelfahrt können wir kaum noch etwas anfangen. Das ist ein Relikt aus einer Zeit, die die naturwissenschaftliche Aufklärung noch nicht kannte.

Ich will das alles gar nicht bestreiten, aber ich will uns eine andere Perspektive anbieten. In der kann man zeigen, dass Himmelfahrt das logischste dieser 4 genannten christlichen Feste ist. Weihnachten, Ostern und Pfingsten sind eigentlich ziemlich zufällig.

Himmelfahrt dagegen ist logisch nahezu zwingend!

Denn wenn man alle diese doch eher zufälligen Feste zusammensieht, dann wird ganz schnell klar, dass ein Bindeglied fehlt:

Wenn Jesus geboren, gestorben, auferstanden ist von den Toten dann müsste er ja noch immer hier unter uns leben, wenn er nicht doch gestorben und endgültig begraben ist.

Sicher muss man nicht alle Voraussetzungen für diesen logischen Schluss teilen. Aber wenn man es tut, dann ist eine Himmelfahrt die einzig mögliche Konsequenz, so unwahrscheinlich sie auch ist.

Im Mittelalter versuchte die katholische Kirche, die Himmelfahrt ganz realistisch darzustellen. Eine Christusfigur wurde vor den Altar gestellt und dann mit einem Seil nach oben gezogen. Durch eine versteckte Klappe regnete es Blumen auf die Gemeinde herunter.

Wir modernen Menschen von heute schmunzeln über eine solche Vorführung. Wir wissen: Dort oben gibt es keinen Himmel, zu dem man hinaufsteigen könnte.

1961 umkreiste der russische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch die Erde. Nach seiner Landung meldete er in Moskau: »Ich habe keinen Himmel, sondern nur das Weltall gefunden«.

Doch wenn die Bibel über die Himmelfahrt berichtet, dann wird kein Flug in den Weltraum beschrieben. Sondern wir sollen verstehen, was mit Jesus nach seiner Auferstehung geschehen ist. Es geht nicht um Naturwissenschaft, sondern um Glaubensgeschichte.

Am kommenden Donnerstag, dem 25. Mai 2017, sind seit Ostern 40 Tage vergangen. 40 Tage ist es dann her, seit drei Frauen am frühen Morgen das leere Grab entdeckt haben.

40 Tage hatten die Jünger Zeit, das Unvorstellbare zu begreifen: Jesus lebt! Gott hat seinen Sohn von den Toten auferweckt. In diesen 40 Tagen erscheint Jesus immer wieder, redet mit ihnen und feiert das Abendmahl. Die Männer und Frauen begreifen: Die Predigt Jesu vom Reich Gottes soll Wirklichkeit werden!

Gott hat etwas vor mit dieser Welt. Das Kreuz und die Auferstehung sind nicht das Ende der Jesus-Geschichte, sondern ihr Anfang. Und die Jünger hoffen, dass Jesus machtvoll handeln wird. Sie malen sich aus, wie er die Welt verändert.

Doch dann erleben sie eine Überraschung. Jesus sagt ihnen ganz direkt: Nicht ich - sondern ihr! »Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen«.

Spontan dachte ich: Moment Mal, Jesus – Du bist doch der Sohn Gottes, der Messias, der Retter, der Auferstandene. Auf Dich setzen wir unsere Hoffnung, Du sollst die Verheißungen Gottes erfüllen.

Doch den Jüngern bleibt keine Zeit mehr, ihre Fragen und Einwände vorzubringen. Während sie staunend dastehen, entschwindet Jesus auf geheimnisvolle Weise und die Bibel beschreibt es so, wie wir es anfangs gelesen haben: »Er wurde zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg.«

Die Jünger bleiben zurück und starren Jesus nach - doch die Himmelfahrt ist noch nicht zu Ende. Plötzlich stehen zwei Männer in weißen Kleidern, zwei Engel da. Sie fragen die Jünger: »Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel?«

Es geht also nicht darum, Jesu Himmelfahrt zu begreifen und eine Erklärung dafür zu finden. Auch unsere moderne Naturwissenschaft kommt hier nicht weiter. Die Himmelfahrt will ganz schlicht beschreiben, dass Jesus zu Gott zurückkehrt ist. Wir können ihn nicht mehr hier auf der Erde sehen, sondern er gehört jetzt wieder zur himmlischen Welt.

Doch das Entscheidende sind seine Worte, die er den Jüngern zurückgelassen hat. »Geht zurück nach Jerusalem - wartet dort auf Gottes Geist - dann werdet ihr meine Zeugen sein bis an das Ende Welt.«

Man könnte die Botschaft der Engel auch anders ausdrücken: Schaut nicht in den Himmel - sondern bleibt der Erde treu! Trauert Jesus nicht nach, sondern wagt euch fröhlich an eure Aufgabe.

Bis zum Wiederkommen Jesu, bis zur Vollendung des Reiches Gottes gibt es genug zu tun.

Die Jünger haben diese Botschaft verstanden. Sie sind nach Jerusalem zurückgekehrt, wie es Jesus gesagt hatte.

Sie sind nicht bei ihren Fragen und Zweifeln stehen geblieben, sondern haben auf die Worte Jesu vertraut.

Und Schritt für Schritt haben sie begriffen, was sich durch die Himmelfahrt für uns Christen verändert hat.

Das ist den Jüngern nicht leichtgefallen. Denn Himmelfahrt ist zuerst einmal ein Abschied, der schwer wiegt. Die sichtbare Gegenwart Jesu auf dieser Erde ist jetzt zu Ende.

Unser Glaube hat nichts zum Vorzeigen. Wir reden von einem unsichtbaren Gott in einer Welt, die nur das für wahr hält, was sich sehen und begreifen lässt.

Wie schwierig das ist, merkt jeder von uns, wenn er mit Menschen redet, die noch nicht gläubig sind, wenn man von Jesus erzählt.

Ist es wahr, was Jesus versprochen hat: »Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen?«

Besonders die jungen Leute sind heutzutage eher skeptisch und fragen: Wie können wir uns das vorstellen, dass Jesus unsere Gebete hört, dass er im Gottesdienst bei uns ist durch seinen Geist?

Aber bei weitem nicht nur die jungen Leute – den älteren geht es ebenso!

Ohne die Himmelfahrt wäre Jesus noch an seine irdische Gestalt gebunden. Doch weil er für uns Menschen unsichtbar geworden ist, kann er für die ganze Welt da sein.

Jesus ist durch die Himmelfahrt nicht mehr auf Jerusalem oder Israel beschränkt. Sein Wirkungskreis reicht jetzt bis an die Enden der Erde. Die Himmelfahrt ist somit die Voraussetzung für den großen Auftrag, den Jesus seinen Jüngern hinterlassen hat.

Und auch mit den Jüngern geschieht eine Veränderung.

Seit der Himmelfahrt tragen sie die Verantwortung dafür, wie es mit der Botschaft Jesu weitergeht. Sie sind in gewisser Weise auf sich allein gestellt.

Sie bleiben mit Gott und Jesus durch den Heiligen Geist verbunden. Und doch müssen sie lernen, in ihrem Glauben erwachsen zu werden.

Auch wir Christen heute stehen immer wieder vor der Frage: Machen wir richtig, was Jesus uns aufgetragen hat?

Die Bibel gibt uns Orientierung und Wegweisung und im Gebet können wir Gott um Hilfe und Rat bitten.

Und doch stehen wir immer wieder selbst vor Entscheidungen.

Jesus hat die Jünger damals in ihren Alltag zurückgeschickt. Er hat sie nicht allein gelassen, er hat ihnen seinen Geist versprochen.

Und doch hat Jesus uns Menschen zugetraut, ohne seine sichtbare Gegenwart in seinem Geist tätig zu werden. Jesus nimmt uns ernst mit unseren Fähigkeiten und mit unserem Glauben.

Auch das wird an Himmelfahrt deutlich: Gott will das wir Menschen Verantwortung übernehmen.

Wir sollen Jesus nicht ersetzen - das können wir auch gar nicht. Aber wir können die Aufgaben anpacken, die er uns gezeigt hat.

In einem Büchlein fand ich dazu eine nette, kleine Geschichte: Als Christus zum Himmel aufgefahren war, fragten ihn die Engel: »Wie soll es nun mit dem Reich Gottes auf der Erde weitergehen?«

Christus antwortete: »Ich habe doch meine JüngerDa erschraken die Engel, denn sie wussten, wie schwach und ängstlich Petrus und die anderen waren. Sie fragten Jesus: »Herr, du hast doch sicher noch einen anderen, einen besseren Plan?« Christus antwortete: »Nein, einen anderen Plan habe ich nicht

Wenn wir in die Kirchengeschichte hineinschauen, dann könnte man meinen, die Engel haben mit ihren Bedenken recht behalten! Die Christen haben in den knapp zweitausend Jahren, die seitdem vergangen sind, viel Schuld auf sich geladen. Bis heute müssen wir uns die Irrtümer der Kreuzzüge oder der Inquisition vorhalten lassen.

Und doch gab es immer wieder Menschen, die sich von Gottes Geist haben anstecken lassen; Menschen, die ernst gemacht haben mit dem Auftrag Jesu; Menschen, die für das Reich Gottes gelebt haben. Ihre Kraft dazu kommt aus dem Himmel, aus der Gegenwart des auferstandenen Christus.

Doch ihr Einsatz richtet sich auf unsere Welt mit ihren vielen Problemen. Ein afrikanisches Sprichwort sagt:  

Damit ist die Aufgabe von uns Christen seit der Himmelfahrt beschrieben. Wir sollen offen sein für Gottes Geist, wir dürfen auf seine Hilfe vertrauen.

Doch unser Auftrag gilt dieser Welt und unseren Mitmenschen. Wer Himmelfahrt nur vom Himmel her versteht, wird das Nachsehen haben. Gott hat die Welt in der Hand - wir sind die Hände der Welt.                                           

Bis Jesus wiederkommt, sollen wir die Hände nicht in den Schoß legen. Die Zukunft liegt nicht in unserer Hand – doch wir sollen daran mitarbeiten!

Durch die Himmelfahrt sind Himmel und Erde miteinander verbunden. Darüber wollen wir uns heute freuen und Gott für die Zukunft loben, die auf uns wartet!                                        Amen