Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 4,3-9

Pfarrer Joachim Wehrenbrecht (ev.)

09.04.2017 Ev. Markuskirche in Herzogenrath

Konfirmation

Wachsen und Reifen

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

„Ihr seid gut!“

Gott hat euch erschaffen und seine Gaben in euch hineingelegt.

Gott findet euch gut.

„Ihr seid gut!“ Könnt ihr das glauben? Fühlt ihr das?

Das zu glauben setzt Kräfte frei und schenkt Selbstvertrauen.

„Ihr seid gut!“

„Ich bin gut?“

Doch da sind Sätze im Kopf, die das bestreiten. Das sind auch „Glaubenssätze“. Sie können ganz schön hartnäckig sein.

Sie machen ein schlechtes Gefühl und gleichen der Saat, die nicht aufgeht.

Drei Glaubenssätze, die verhindern, dass wir glauben können: Ich bin gut.

1: Ich bin nicht beliebt genug

Wir Menschen wollen gut angesehen sein. Wenn wir das Gefühl haben, die anderen mögen mich nicht, sind wir verunsichert und es geht uns nicht gut. Wir können gar nicht genug davon bekommen, dass andere, besonders unsere Freundinnen und Freunde, uns zeigen, dass sie uns mögen.

Wie zeigen sie es uns?

Dass sie sich mit uns beschäftigen. Dass sie mit uns reden. Dass sie mit uns Zeit verbringen. Dass sie uns das Gefühl geben, du bist mir wichtig.

 

 

 

Wir sind geradezu süchtig danach in Kontakt zu sein. Whats App ist überlebenswichtig für euch und für viele von uns Erwachsenen. Wer schreibt was in der Gruppe? Bin ich noch dabei? Wird schlecht über mich geredet? Schon seit zwei Stunden hat niemand geantwortet! Was ist denn los?

Wir alle brauchen Bestätigung. Das ist normal.

Doch wir gleichen auch der Saat, die auf den Weg fällt. Da bekommen wir Bestätigung und im nächsten Moment ist schon alles wieder weg. Wir können es nicht glauben, dass wir gemocht werden. Wir wollen es wieder und wieder lesen und hören, um es „glauben“ können.  Doch wenn der Kontakt – und sei es nur für kurze Zeit – abbricht, dann schleichen sich  Gedanken ein wie:

Ich werde nicht mehr gemocht. Niemand schreibt mir.

Und diese Gedanken kommen wie Vögel und picken die Bestätigung weg. Von einem zum anderen Moment fühlen wir uns verloren und verlassen. Wir denken: Ich bin einfach nicht liebenswert, egal wie ich mich anstrenge.

Ich bin nicht beliebt genug ist ein Glaubenssatz, der sich selbst erfüllt. Es ist nie genug. Der Satz macht klein und unglücklich.

Du bist geliebt! Ich werde geliebt?

Gott liebt dich wie du bist – auch mit deiner Angst, nicht genügend beliebt zu sein.

 

 

 

2: Ich bin nicht gut genug

Unser Selbstwertgefühl gleicht dem feinen Sand am Strand. Wie Sand wird es leicht weggeweht oder weggeschwemmt von Gefühlen der Minderwertigkeit. Unsere Selbstzweifel aber sind eher wie Felsen (felsenfest). An den Felsen prallt alles ab. Die kleine Pflanze des Selbstwertgefühls kann keine tiefen Wurzeln bilden. Wir sind anfällig, wenn die Mehrheitsmeinung sich ändert, trauen uns nicht klar und deutlich unsere Meinung zu sagen, zu unseren Gefühlen zu stehen, vergleichen uns ständig mit anderen und kommen schlecht dabei weg. Unser Perfektionismus, der uns zu immer mehr Leistung antreibt und für den nichts gut genug ist, wiederholt mantrahaft in uns: Du bist nicht gut genug.

Im Gleichnis spricht Jesus davon, wie die Saat von der Erde aufgenommen wird, aber keinen Halt findet, weil der Untergrund zu felsig ist. Die Wurzeln finden kein Wasser, die Saat vertrocknet.

Wer keinen Halt in sich hat, der neigt dazu, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Die anderen haben bessere Klamotten. Wenn ich die hätte, ginge es mir gut. Die anderen können besser Sport, Musik machen, Malen und ich kann das nicht. Die anderen haben mehr Geld, mehr Ansehen, mehr Glück.

Ich schäme mich. Ich bin nicht gut genug. Ich habe es nicht verdient. Wenn wir nicht damit aufhören uns ständig zu vergleichen und uns nur gut zu fühlen, wenn wir oben sind, wird das Selbstwertgefühl klein und kleiner werden. Da können wir den größten Erfolg haben und sind doch innerlich vertrocknet. Es ist

 

 

 

anstrengend und überfordert uns, wenn wir uns ständig antreiben oder wenn wir ständig angetrieben werden, immer gut oder gar der oder die Beste sein zu müssen. Kein Wunder, dass viele Menschen heute ausbrennen.

Der einzige Weg ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen, ist sich mit seinen Gaben und Schwächen realistisch wahrzunehmen und anzunehmen. Das geschieht innen, nicht durch Äußeres. Wir schließen Freundschaft mit uns selbst, stehen zu uns und unseren Gefühlen.

Der Glaubenssatz: Ich bin nicht gut genug ist verheerend. Er zerstört jegliche Lebensfreude. Vergleichen versklavt uns, dabei ist die Freiheit das große Geschenk des Glaubens.

Du bist gut. Du darfst an dich glauben. Du bist angenommen.

Gott findet dich gut – selbst dann, wenn du dich selbst nicht gut findest.

 

3: Ich bin nicht schön genug

 

Kennt ihr Disteln? Das sind stachelige Wildkräuter, die schnell emporschießen, sich rasant verbreiten und alles andere was mit ihnen wächst überwuchern und ersticken.

Ich bin nicht schön. Dieser Glaubenssatz ist weit verbreitet unter heranwachsenden Mädchen, jungen Frauen, Frauen mittleren Alters und älteren Frauen, aber nicht nur Frauen können nicht mehr glauben, dass sie schön sind, auch zunehmend Männer. Könnt Ihr, können Sie den Satz: „Ich bin schön“ von Herzen sprechen?

Macht Ihr/ machen Sie das einmal jetzt in der Stille.  – Stille –

 

 

 

Wir mögen einen Gott, der von uns erwartet, dass wir seinen Willen tun, abgeschafft haben. Stattdessen dienen wir einem Körperkult, dem wir nie genügen. Da können noch so viele oder gerade der, der uns liebt, zu uns sagen:

„Du bist schön.“ Wir glauben es nicht. Wir beten lieber Schönheitsideale an als

ein gutes Gefühl für unseren schönen Körper zu entwickeln. Und wer heute nicht schön ist, ist – so denken viele – selber schuld. Wir ersticken an unserer verzerrten Selbstwahrnehmung und den Schuldzuweisungen – an den Disteln und Dornen der Schönheits- und Gesundheitsindustrie. Wir glauben ihnen mehr als unserem Körper.

An Gott den Schöpfer glauben heißt zu glauben: Ich bin schön. Ich habe einen schönen Körper. Auch Runzeln und Falten sind schön. Selbst Pickel können schön sein. Schönheit kommt von innen. Wer sich liebt ist schön.

 

Der Glaubenssatz: Ich bin nicht schön genug ist gnadenlos. Das Fatale ist: Wir lehnen die ab, die in unseren Augen „hässlicher“ sind als wir. Wir sehen nicht mehr den ganzen Menschen. „Ich bin nicht schön“ ist die am weitesten verbreitete Fake-Nachricht.

 

Du bist schön. Gott findet dich schön. Gott hat dich herrlich gemacht.

Gott findet dich schön – selbst wenn du mit deinem Body im Clinch liegst.

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Ich habe eine gute Nachricht für dich:

Du bist gut.

Gott meint es gut mit dir.

 

 

 

Darum segnen wir dich in diesem Gottesdienst. Wir alle miteinander, damit du spürst: Ich bin geliebt. Ich bin gut. Ich bin schön.

Mit dem Segen geben wir euch frei, euer Leben zu leben, es zu entfalten, Halt in euch zu finden, Vertrauen und Liebe zu spüren und zu schenken.

 

Es ist tröstlich und hoffnungsvoll, dass die Saat aufgeht, dass ihr eurer Leben

meistert, den Widrigkeiten trotzt und viel Frucht bringt.

 

Wir ahnen, und wenn es passiert, darf es sein: Manches wird in eurem Leben auf den Weg fallen, dann kommen Vögel und picken es weg, anderes hat keinen Halt in euch und kann deshalb auch nicht wachsen und reifen, wieder anderes wird erstickt von Sorgen und Problemen.

 

Aber immer, immer, immer werdet ihr etwas entfalten und leben, was Gott in euch hineingelegt hat. Das wird euch nähren und anderen Freude machen.

 

Die Jüngerinnen und Jünger Jesu haben das Gleichnis nicht beim ersten Hören verstanden. Es ist auch nicht nötig alles zu verstehen, aber eins ist nötig, sagt Jesus: Hört genau hin. Öffnet eure Ohren und Herzen, damit ihr das gute Wort Gottes hört und bewahrt wie einen Schatz oder wie eine Saat, die von selbst aufgeht. 

 

Gott meint es gut mit euch.

„Ihr werdet geliebt. Ihr seid schön.

Ihr seid gut.“

Amen