Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 11,29-30

Pastor Axel Rothermundt (ev.-luth.)

02.03.2014 im Gymnasium Harsefeld, als Ausweichort statt der im Bau befindlichen Kirche

Ein Gemeindegottesdienst in der Schule, in der ich, neben dem Gemeindepfarramt, als Schulpastor tätig bin

Thema: "Für das Leben lernen"

© Staake

Die Predigt hören Sie hier.

 

 

Jesus spricht:

„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“.

Liebe Gemeinde, liebe Lernende und Lehrende,

„hast du schon ein Thema für den Gottesdienst im Gymnasium?“ So wurde ich vor einiger Zeit gefragt.

„Ja, ich hab ein Thema“, habe ich geantwortet.

„Das Thema ist: Für das Leben lernen“.

Dabei dachte ich an den berühmten lateinischen Spruch über die Schule: „Non scholae sed vitae discimus“ - nicht für die Schule sondern für das Leben lernen wir.

Das erste, was ich dann bei der Predigtvorbereitung gelernt habe, ist, dass dieser Spruch immer verdreht wird.

In der Originalversion von Seneca lautet er umgekehrt: „Nicht für das Leben sondern für die Schule lernen wir“.

Erstaunlich nicht?

Am Ende stimmt der Spruch dann allerdings doch wieder. Denn Seneca will ja gerade die Philosophenschulen seiner Zeit aufspießen und sie ermahnen:

„Es geht nicht darum, gelehrt zu reden, sondern richtig zu leben. Anstatt für die Schule solltet ihr lieber für das Leben lernen“. Da hat Seneca ganz recht.

Für das Leben lernen: Das heißt für mich von Jesus lernen.

Als ich so 15, 16 war, habe ich Ausschau gehalten nach Vorbildern. Was ist ein überzeugendes Leben? Was lohnt sich wirklich? Wofür will ich mein Leben einsetzen?

Wer weiß wirklich etwas über das Leben und wem kann ich vertrauen? Gibt es überhaupt so etwas wie eine gültige Antwort? Gibt so etwas wie Wahrheit?

Oder muss ich mich zufrieden geben mit dem, was man immer hört: „Das muss jeder selbst wissen“.

Aber was heißt hier überhaupt, das muss jeder selbst wissen? Woher soll man es denn wissen? Ist es vielleicht angeboren, dass man schon weiß wofür das Leben gut ist?

Ist es so eine Art Verdammnis, dass jeder sich mit dieser Frage abquälen muss?

Oder heißt diese Frage stellen gleich schon, sie endgültig aufzugeben?

Etwa so, wie in diesem erfundenen Stammtischgespräch:

Da sitzen zwei Männer in der Kneipe. Die ersten drei Bier sind getrunken. Da sagt der eine plötzlich:

„Hast du ne Ahnung, was man hier soll? –

Der andere hebt den Kopf „Wo denn?“ –

„Na hier auf der Welt“. – Der andere guckt eine Weile in sein Bier. Dann sagt er: „Logisch: großwerden!“.

– „ Und dann?“ fragt der erste wieder.

„Verdienen“. – „Wofür verdienen?“ -

„Für deine Kinder“. – „Aha“, sagt der erste. Dann ist es eine Weile still. Da fängt der erste wieder an:

„Und was solln die?“ –

„Na groß werden natürlich“.

Soweit das erfundene Stammtischgespräch.

Großwerden, verdienen, Kinder groß ziehen, damit die auch verdienen - ist das wirklich alles, was uns erwartet?

Also mir war das schon immer zu wenig.

Vielleicht lag es daran, dass ich aufgehorcht habe, als ich zum ersten Mal von Jesus hörte.

Wenn das stimmt, was man von ihm sagt:

Dass er immer schon bei Gott da war. Dass er auf dieser Welt war und alles mitgemacht hat.

Dass er sich für nichts zu schade war und sich vor niemandem scheute.

Dass er gefoltert und getötet wurde.

Aber dass er ist nicht im Tod geblieben ist. Dass Gott ihn auferweckt hat. Das er also immer noch da ist.

Also das wäre schon stark.

Dann wäre ja jemand da, der das ganze Leben kennt: wie es vor der Geburt ist, wie es auf dieser Welt ist und wie es nach dem Tod ist. Und wenn er immer noch da ist, dann kann ich vielleicht sogar Kontakt mit ihm aufnehmen!

Wenn das stimmen würde! Ich weiß noch, wie mich das als Jugendlicher begeistert hat. Und dann habe ich es getan.

Ich habe alles auf die Jesus Karte gesetzt. Bis hin zu meinem Beruf.

Und ganz ehrlich: Wenn das mit Jesus nicht stimmt, bin ich echt angeschmiert. Dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Denn weniger will ich nicht mehr.

Wenn es aber stimmt – und davon bin ich überzeugt - dann gibt es tatsächlich einem, von dem es sich lohnt zu lernen.

Jesus spricht:

„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“.

Ich wusste dass es so ein Bibelwort gibt. Während meine 12. Klässler neulich ihre Klausur schrieben, habe ich danach gesucht.

Bei Matthäus im 11. Kapitel bin ich fündig geworden.

„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir;“ Hier bietet Jesus uns an von ihm zu lernen. Er will uns zeigen, was richtiges Leben ist.

Viel bekannter als dieses Wort ist der Vers davor

„Kommt her zu mir all die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“.

Bei Trauerfeiern wird er gerne gelesen. Aber vielleicht ist er gar nicht in erster Linie für Trauerfeiern gedacht.

Vielleicht geht es viel eher um die mühselige Frage nach dem richtigen Leben.

Vielleicht ruft Jesus hier auch alle die zu sich, die die schlauen Sprüche nicht mehr hören können.

Die, wie schon Seneca, nicht schlaue Reden, sondern wirkliche Antworten suchen.

Die, die sich nicht mehr mühen wollen mit einer Sackgasse nach der andern. Die, die endlich Gewissheit haben wollen.

Von Jesus können Sie lernen.

„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“.

Jesus begründet auch, warum er uns einlädt. „Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“. So sagt er von sich. Die Gute Nachricht übersetzt das so:

„Ich quäle euch nicht und sehe auf niemanden herab“.

Mich erinnert das an Schreckensbilder, die manche Schüler von uns Lehrern haben. „Die quälen uns nur. Und außerdem sehen uns auf uns herab“.

Schlimm genug, wenn die Schüler damit recht haben. Schlimm auch für Lehrer, die so etwas nötig haben. Ganz nebenbei ist Jesus hier auch ein Vorbild für Lehrer.

„Stellt euch unter meine Leitung und lernt bei mir; dann findet euer Leben Erfüllung. Was ich anordne, ist gut für euch, und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.“ So übersetzt die Gute Nachricht weiter.

„Wir gehen in die Schule des Lebens und Jesus ist unser Lehrer. Was für einen besseren Lehrer können wir haben als Jesus selbst.

Jesus sagt von sich, wir sollen von ihm lernen. Kommt her zu mir! Jesus fordert uns auf zu ihm zu kommen, und zwar jeder von uns. Er sagt: „Kommt her zu mir alle die ihr mühselig und beladen seid“. Er weiß, wie wir uns abmühen mit unserem Leben, er weiß dass wir unsere Lasten alleine nicht tragen können, denn jeder einzelne von uns hat seine Not im Leben. Darum ruft er uns Alle zu sich und macht keine Ausnahme.

Weil Jesus uns so sehr liebt, ist auch er durch unsere Lebensschule gegangen. Er, der Sohn Gottes war Mensch hier auf Erden und hat das Elend am eigenen Körper verspürt. Er weiß also ganz genau mit was wir uns abmühen, er versteht es aus eigener Erfahrung. Jesus sagt: kommt her zu mir, ich versteh euch und will euch helfen. Helfen, leben zu lernen.

Jesus will uns auch helfen, uns zu verändern - hin zu dem Ebenbild, das der Vater in uns geschaffen hat. Er sagt deshalb, ''Kommt her zu mir und lernt von mir, nehmt mein Joch auf euch!'' weil er weiß, dass wir dann leichter leben können“.

So steht es in einer Andacht über unsern Text. Die Sprache ist vielleicht etwas fromm, aber verkehrt ist das alles nicht, finde ich. Ich fand die Andacht übrigens im Internet auf der Seite daily message.de Da gibt es für jeden Tag eine Kurzandacht. Jeden Tag kann man da ein bisschen von Jesus lernen.

Und was genau lehrt Jesus uns?

Im letzten Halbjahr hatten wir in der Oberstufe das Thema „Christliche Ethik“. Es ging darum, welche Maßstäbe und Werte die christliche Überlieferung uns anbietet.

Was können Christen von ihrem Glauben her zu den Fragen sagen, die heute diskutiert werden? Ich habe versucht, den Schülern zu sagen, dass Jesus uns vor allem anstecken will mit seiner Art die Menschen zu sehen.

Das beste Beispiel für die Art, wie Jesus die Menschen sieht, ist die Geschichte vom barmherzigen Samariter.

Da liegt ein Überfallener am Wegesrand. Ein Priester kommt vorbei und lässt ihn links liegen. Er hat wohl wichtigeres zu tun. Ein Levit, der ebenfalls am Tempel Dienst tut, geht auch vorbei.

Dann endlich erbarmt sich einer über den Verletzten. Ein Ausländer. Von dem hätte man es am wenigsten erwartet. Aber vom ihm heißt es: Als er den Verletzten sah, ergriff ihn das Mitleid“. Darum geht es Jesus. Er sieht, was wir brauchen. Er lässt sich davon betreffen. Er lässt sich davon bewegen. Auch wenn seine Pläne davon durcheinander gebracht werden.

Diesen Blick möchte er auch uns lehren.

Schüler in Deutschland und den USA haben vor einigen Jahren angefangen sich Armbänder umzubinden. Auf den Armbändern stand eine Abkürzung: „WWJD?“.

What wouldt Jesus do? Was würde Jesus tun? Damit wollten sie sich an den Blick Jesu erinnern lassen. Sich bei allem, was man tut, zu fragen, wie Jesus Christus in dieser Situation reagieren, handeln oder denken würde.

Manche fanden das lächerlich. Ich fand es anrührend. Denn es zeigte doch, dass da junge Menschen sind, die gerne von Jesus lernen wollen.

Viele Erwachsene sind darüber längst zur Tagesordnung übergegangen. Der Priester, von dem Jesus erzählt, hatte auch keine Zeit. Er musste zum Tempel. Nicht auszudenken, wenn der Gottesdienst ausfallen müsste, weil er von einem Überfallenen aufgehalten wurde. Und doch hat er das Wichtigste in seinem Leben verpasst.

Liebe Gemeinde,

liebe Lernende und Lehrende,

Für das Leben lernen heißt für mich von Jesus lernen. Dabei geht es aber nicht nur darum, was zu tun ist. Es geht um viel mehr.

Die beiden Männer an der Theke haben ja die richtige Frage gestellt. Was soll man hier eigentlich? Wozu bin ich überhaupt da? Wofür soll ich das begrenzte Kapital meines Lebens denn einsetzen? Wohin soll die Reise meines Lebens eigentlich gehen? In welchem Zielhafen wird das Schiff meines Lebens eines Tages mal einlaufen? Was erfüllt eigentlich mein Leben?

Jesus sagt dazu einen Satz, den ich bis heute nicht ganz fassen kann.
„Wer sein Leben festhalten will, wird es verlieren. Wer es aber um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ 2 x

Was ich daran verstehe ist: Ein erfülltes Leben hat etwas mit Hingabe zu tun. Es hat damit zu tun, sein Leben aus der Hand zu geben.

Kann es sein, dass jeder Mensch sich danach sehnt? Sich an etwas hinzugeben, das größer ist als er selbst?

„Es muss doch im Leben mehr als alles geben“. So heißt es in einer Geschichte. Kann es sein, dass unser begrenztes Leben Anschluss an das ewige Lebens sucht?

Jesus sagt: „Wer sein Leben festhalten will, wird es verlieren. Wer es aber um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ Kann es sein, dass wir erst dann das Leben gewinnen, wenn wir es Jesus anvertrauen?

„Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen“. So übersetzt Martin Luther unsern Text. Ich verstehe das so:

Wer von Jesus leben lernt, dessen Seele kommt zur Ruhe.

Die unruhige Suche kommt zum Ziel.

Die bange Frage wird beantwortet.

„Ja, ich bin da“ sagt Jesus zu uns.

„Ich war da, ich bin da und ich werde immer da sein“.

Mit weniger will ich mich nicht mehr zufrieden geben.

Amen.

Jugendband Vortrag