Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Matthäus 13,44-46

Pfarrer Anton Seeberger (kath.)

20.05.2017 Kath. Kirche St. Konrad, Stuttgart

Trauung

Vorbemerkung

Das Paar, dem ich diese Ansprache gewidmet habe, heißt mit Familien-Name „Reich“. Der Predigttext wurde mir vom Brautpaar vorgeschlagen. Der Name ist natürlich ein wunderbarer Bezugspunkt, der sich mir für die Verkündigung förmlich aufgedrängt hat. Nicht immer ist ein biographischer Bezugspunkt so leicht mit der Verkündigung zu verknüpfen. Dennoch braucht eine Predigt zur Trauung auf jeden Fall einen biographischen Bezugspunkt, damit die Brautleute spüren können, wir sind wirklich ganz persönlich mit unserem Namen und unserer Geschichte gemeint. Insofern ist eine solche Trauungspredigt nur schwer übertragbar, aber vielleicht inspiriert sie eine Predigerin, einen Prediger zum Weiterdenken!  

 

Predigt

 

Reich heißen und reich sein

Liebes Brautpaar, verehrte Hochzeitsgemeinde, Schwestern und Brüder!

Beate Reich, Felix Reich und Himmelreich – das sind die Gründe unserer heutigen Feier. Sie beide heißen Reich; der Bräutigam seit seiner Geburt und die Braut seit der bürgerlichen Trauung.  Sie haben sich zur Hochzeit ein Wort vom Himmelreich ausgesucht; ein Gleichnis davon, was dieser himmlische Reichtum ist und wie man dazu kommt: das Gleichnis vom Schatz im Acker und vom Kaufmann mit seiner Perle. Das eine Bild erzählt vom überraschend gefundenen Schatz; das andere Bild von der leidenschaftlich gesuchten Perle. Der entdeckte Schatz und die erlesene Perle – beide Bilder sind Ausdruck Ihres Empfindens füreinander. Darum heiraten Sie. Schatz und Perle sind Ihnen auch Bild und Verheißung Ihres Glaubens an das Himmelreich. 

 

Himmelreich, ganz nah und weit weg

Das Himmelreich ist weit weg. Es könnte aber schon sein, dass heute jemand flüstert: „Himmlisch, dieses Paar!“ Vielleicht empfinden manche von uns: „Himmlisch, dieses Fest!“ Sie beide werden Ihr Fest am Ende wohl ziemlich erschöpft, aufgekratzt und wortlos bewahren:  „Ein himmlischer Tag!“ Sie dürfen es zu einander sagen und es wird Ihnen zugesagt: Der Himmel wird Sie beide ein Leben lang tragen!

 

Das Himmelreich ist ganz nah. Eine oder einer entdeckt einen Schatz. In einem Acker, der einem anderen gehört. Zufällig stößt er darauf. Sorgfältig deckt er den Schatz wieder zu. Die Entdeckung muss verborgen bleiben. Freudig verkauft er seinen Besitz. Er kann den Acker erwerben. Jetzt gehört der Schatz ihm. Es hat ihn alles gekostet!

 

Das Himmelreich ist ganz nah. Einer oder eine sucht Perlen. Und sie entdeckt eine, die schönste, die sie je gesehen hat; so erlesen, dass sie alles darum gibt. Und die Perle gehört ihr; im Schmuckkästchen sorgsam verwahrt oder stolz am Hals getragen.

 

Das Himmelreich ist weit weg und es ist ganz nah. Es gehört uns nicht. Und keiner verfügt darüber. Es ist die Zugabe bei dem, was wir auf unserer Lebenssuche entdecken. Es ist der Wert, den der leidenschaftliche Sucher findet; die Gabe, um die der kundige Kenner weiß. Himmelreich – es wird Ihnen gegeben! Sie geben sich selbst einander. Und Sie sind einander gegeben. Und Gott gibt sich Ihnen. Das Himmelreich ist die Zugabe zu allem, was Sie einander geben, geben wollen und geben können. Betrachten Sie es so: Du bist mir und ich bin dir gegeben. Und Gott ist die Zugabe. Sie brauchen einander nicht selbst Himmelreich sein; das kommt von Gott und wird Ihnen gegeben! Das Leben wird ja leicht zur Hölle, wenn einer meint, der Andere sei ihm den Himmel schuldig. Geben Sie einander von Ihrem so reichlich Sie können, weil Gott Ihnen bei Ihrem Geben alles von sich gibt! Und fühlen sie sich nicht überfordert! Christus, der uns das Himmelreich verkündet, er sorgt auch dafür, dass es reicht; dass es reicht, auch Ihnen, den Reichs!

 

Ich bin Acker und du bist Finder

Das Gleichnis vom Schatz im Acker, gewählt für den heutigen Tag, könnte Ihnen sagen: Du bist Acker und ich bin Finder. Und umgekehrt: Ich bin Acker und du die Finderin.  Räumen Sie einander diese Erlaubnis ein: Du darfst auf dem Acker meines Lebens pflanzen und ernten, du darfst graben und pflügen, du darfst entdecken und behalten. Du darfst finden, was du gar nicht gesucht hat; und du darfst behalten, was dich reich macht. Aber denk daran: Du musst vielleicht alles darum geben! Und bleib wach für das ganz Andere, das dir einfach mitgegeben wird.

 

Du bist Perle und ich bin Kauffrau

Das Gleichnis vom Kaufmann und von der Perle, gewählt für den heutigen Tag, könnte euch sagen: Du bist die Perle und ich bin der Kaufmann. Und umgekehrt: Ich bin die Perle und du bist die Kauffrau. Du darfst das Kostbarste entdecken, das ich in mir trage. Niemand anderem  werde ich es geben als Dir. Du darfst suchen in mir, was das Wertvollste ist. Aber vergiss nicht: Es kostet dich alles. Und du wirst einen unschätzbaren Wert empfangen; du darfst das Kostbarste dein nennen. Und du wirst einen Glanz entdecken, der vom Himmel kommt, reich an Licht und Leben.

 

Gabe und Zugabe

Sie sind einander gegeben, jeder des Anderen Gabe. Und das Himmelreich wird Ihnen mitgegeben, es strahlt auf im Geben und Empfangen. Es wird auch eine Kraft, eine Anziehung entfalten für die Menschen aus Ihrer Umgebung. Für manche Andere auch, die Ihnen als Paar begegnen und Sie hoffentlich einmal als Familie erleben. Wo es gelingt, zu geben und zu empfangen, ohne zu rechnen, ohne Vorbehalt und ohne Absicht, da scheint das Himmelreich auf und die Leute werden es wahrnehmen. Wir sind in unseren Gemeinden auf ein solches Zeugnis angewiesen: Menschen geben der Liebe Raum, geben dem Geheimnis Gottes Raum unter sich, inmitten einer Welt, die es kaum zulässt, geschweige denn ermöglicht, was sich nicht rechnet; was in jeglichem Sinn umsonst ist.

 

Geschickt sein auf ewig

Sie beide haben einander gefunden. Mit den Augen des Glaubens betrachtet, sind Sie einander geschickt. In dieser Feier sprechen Sie zueinander aus Glauben: Du bist mir geschickt! Und in Ihrem Versprechen sagen Sie einander: Bleib mir geschickt; geschickt zu unserem Glück; geschickt im gemeinsamen Leben.

 

Im Lied besingen wir nachher den ewigreichen Gott (Martin Rinckart), ein Wort zum Staunen!  In ihm, dem Ewigreichen, vergeht die Angst, zu verarmen, wenn man reichlich gibt; und es vergeht die Angst, selbst nicht genug zu sein, wenn man reichlich empfängt. Darum der Wunsch für Sie: Der ewigreiche Gott woll euch in eurem Leben, ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und euch in seiner Gnad erhalten fort und fort und euch aus aller Not erlösen hier und dort. Amen. Es reicht!