Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 14,22-33

Antonia Köpf, Studentin ev. Theologie

02.02.2017 Observantenkirche in Münster

Homiletisches Hauptseminar

Die Predigt ist in Form eines Poetry-Slams geschrieben.

Manchmal hab ich Angst, mich vor Anderen zu blamieren,

mich unpassend zu verhalten, um dann entsetzte Blicke zu kassieren.

Dich zu enttäuschen und nicht dem zu entsprechen, was von mir erwartet wird,

dich von Neugier gepackt anzusehen,

dich wie mit Kinderaugen anzunehmen,

bleibe ich lieber die, die im Trockenen mit der Menge irrt.

Manchmal hab ich Angst, auf mein Gefühl zu hören und impulsiv zu reagieren,

meine Träume stärker zu fixieren,

mich dir zu öffnen und dir zu sagen, was ich fühle,

mich dem hinzugeben, was ich spüre,

bleibe ich lieber auf dem Boden der Tatsachen und verlass mich auf das, was ich kenne,

ehe ich gegen meinen Verstand im Dunkeln über´s Wasser renne.

Manchmal hab ich Angst, meinen sicheren Standpunkt aufzugeben,

mich aus meinem wohlig warm zurecht gemachtem Nest zu bewegen.

Du wirfst mich aus der Bahn, tohu wawohu in meinem Leben,

aber eine Garantie für deine Liebe kannst du mir nicht geben.

Bevor ich mich kopflos dem Sturm des Lebens entgegen stelle,

klammer ich mich an dem fest, was mir Halt gibt, und das ist sicherlich keine Welle.

Manchmal hab ich Angst, etwas zu wagen,

bleibe still stehen, anstatt was zu sagen.

Volles Risiko, dir zu glauben und dir zu vertrauen, empfinde ich als auf Sand zu bauen.

Bleibe ich lieber die, die nicht nach deinen Worten handelt,

die, die nicht mit dir auf dem Wasser wandelt.

Ich wäre wohl wie die Jünger, die im Boot sitzen bleiben,

die in Not sind und schreien vor Furcht um ihr Leben,

die entgeistert Gespenster sehen,

und die am Ende des Gesehenen die Erkenntnis teilen:

Wahrhaftig du bist Gottes Sohn!

Petrus sitzt mit in dem Boot auf tobender See in der gleichen Notsituation,

der Wagemut überwindet die ängstliche Emotion:

tollkühn, verrückt, waghalsig,

selbstmörderisch, forsch, unvernünftig,

beherzt, halsbrecherisch, Heldenzeit,

kühn, tapfer und risikobereit.

Er ist kein Ertrinkender oder Sinkender, oder einer der ersäuft,

zunächst einmal ist er einer, der jesuswärts übers Wasser läuft.

Zugegeben es ist ein Wunder, eine Demonstration Jesu Vollmacht,

und wenn wir jetzt auf's Wasser rannten, um es nachzumachen,

wäre ich vermutlich die Erste, bei der das Eis kracht.

Und vermutlich auch im Sommer, ist es nicht der See der mich trägt,

weil vermutlich physikalisch das nun einfach nicht geht.

Doch es gibt die übers Wasserläufer, die Ausprobierer und Wegbereiter,

die Bahnbrecher, Vorläufer und Spitzenreiter,

und für mich auch manchmal Wegbegleiter.

Pippi Langstrumpf, die übers Drahtseil stolziert,

und damit alle Annikas dieser Welt irritiert.

Rosa Parks, die im Bus sitzen bleibt,

und die Gleichberechtigung antreibt.

Dietrich Bonhoeffer, der im Gefängnis sitzt,

und noch immer von guten Mächten umgeben ist.

Martin Luther King, der im Angesicht der erdrückenden Ungerechtigkeit mutig von seinem Traum erzählt,

und hofft, dass man eines Tages in Freiheit lebt und, dass es um den Kern vielmehr als um die Schale geht.

Und wo ist jetzt mein Mut? Ich hab weder Ungerechtigkeiten noch Unfreiheit bezwungen,

ich bin nicht einmal von irgendwo herunter Bungee gesprungen.

Seid guten Mutes, Ich bin es, Fürchtet euch nicht!

Doch vielleicht geht's gar nicht darum, wie hoch ich springe,

wie hoch ich singe,

wie schwer die Berge sind, die ich beweg,

wie klein mein Glaube ist, der mich doch trägt.

Seid guten Mutes, Ich bin es, Fürchtet euch nicht!

Doch vielleicht geht's gar nicht darum, wie weit Petrus auf dem Wasser geht oder wie lang er darauf steht.

Seid guten Mutes, Ich bin es, Fürchtet euch nicht!

Vielleicht geht’s ja darum, dass er an Gottes Wort glaubt; und indem er aus dem Boot steigt uns zeigt:

Ich bin guten Mutes, Ich glaube, du bist es, Ich fürchte mich nicht!

Und der Mut, das zu zeigen, kommt nicht aus Petrus allein,

das übers Wasserlaufen soll nicht ein „Ich probier' mich mal aus“ sein.

Jesu Zuspruch und Petrus vertrauender Glaube, dass es sich um Jesus handelt,

geht dem voraus, dass Petrus dem traut, den er nur hört und dann übers Wasser wandelt.

Das Beispiel radikaler Jesu Nachfolge ist nicht das Ende,

denn Petrus verliert Jesus aus dem Blick und es kommt zur Wende.

Vielleicht wird ihm bewusst, wo er sich gerade befindet, er sieht den Wind,

wobei Ängste und Zweifel ihm den Glauben rauben und er schließlich sinkt.

Petrus ist kein Superheld mit Superkraft,

er ist ein Bekennender Jesu, den er dann wieder vergessen hat.

Ein Mensch, der Glaube für Angst aufgibt, einer der verfehlt,

Ein Mensch, authentisch und menschlich, was erklärt, warum er mir so Nahe geht.

Und genau da, wo der Wille und Tatendrang Petrus untergeht,

ist Jesus da, der hilft und ihn rettet, sodass er wieder aufsteht.

Und vielleicht mehr verstehend als urteilend erkennt Jesus an,

dass der Kleinglaube, ihn wohl auch zweifeln lassen kann.

Kleinglaube ist das, was Petrus, wenn vielleicht auch nur kurz, über's Wasser gehen lässt,

was dann wohl schon mit Kleinstglaube möglich ist?

Und ist er so klein wie ein Senfkorn werd' ich ihn nicht verlachen,

denn wie Petrus zeigt, lassen sich große Dinge daraus machen.

Ja, natürlich beim Glauben gibt es keinen doppelten Boden, keine Versicherung,

kein Sicherheitsseil, keine Schwimmweste, keinen Rettungsring,

aber Jesu Wort:

Seid guten Mutes, Ich bin es, fürchtet euch nicht!

Wagemut zu Glauben,

in Spannung zwischen sich ängstigen und trauen.

Ich habe Angst wie die Jünger dem Wind entgegen zu stehen,

und in das Meer meiner Ängste zu sehen.

Doch Jesu Wort steht felsenfest,

nur die Frage ist, welche Antwort du darauf gibst?

Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.

Amen.