Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Matthäus 13,44-46

Gemeindereferentin Elfi Weiß

28.05.2016 St. Maria Magdalena, Sießen im Wald

Trauung

Hinführung - Kyrie

 

Liebe Britta, lieber Christian,

 

„Halte dir jeden Tag ein Stück Himmel offen.“

 Mit diesem Satz von Marcel Proust  grüße ich euch

und eure Festgemeinschaft ganz herzlich.

 

Heute ist euer Tag, der lang geplante und ersehnte Hochzeit.

Öffentlich, vor allen Leuten, vor euren Freunden und Familien

und vor allem euch gegenseitig bekundet und versprecht ihr,

dass ihr zueinander gehören, miteinander gehen, weitergehen,

 - und so nun bedingungslos „Ja“ sagen wollt.

 

Ihr tut das auch hier in der Kirche, weil ihr euch bewusst seid,

dass euer Leben letztlich einer anderen Kraft verdankt ist,

die euch trägt,  und die bisher in euerm Leben schon eine Rolle gespielt hat

und die dies auch weiterhin tun wird,- der  liebende Gott.

Und ihr seid hier, weil ihr um Seinen, - um Gottes Segen -, bitten wollt.

 

„Halte dir jeden Tag ein Stück Himmel offen.“

 

Heute ist euer Stück Himmel sehr groß.

Jesus Christus hat uns das, sein, Himmelreich verheißen.

 

Zu ihm der in unserer Mitte ist rufen wir zu Beginn dieser Feier:

 

Herr Jesus Christus,

durch dich erfahren wir die Liebe Gottes.

Herr, erbarme dich!

 

Du zeigst uns den Weg zum Leben.

Christus, erbarme dich!

 

Mit dir beginnt das Himmelreich auf Erden.

Herr, erbarme dich!

 

 

 

 

 

Evangelium (Mt 13,44-46)

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

 

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:

Mit dem Himmelreich

         ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.

Ein Mann entdeckt ihn,

         grub ihn aber wieder ein.

Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß,

         und kaufte den Acker.

 

 

Ansprache

 

Liebe Britta, lieber Christian, liebe Festgemeinde!

 

„Halte dir jeden Tag ein Stück Himmel offen.“

 

Was ist Himmel? Was ist Liebe?

Eine schöne Geschichte, die uns Antwort auf diese Fragen geben will, habt ihr als Lesung für euren Tag heute ausgesucht.

 

Bin ich geliebt? Eine zentrale Frage für jeden Menschen, eine wichtige Frage. Was ist nun eigentlich Liebe? Liebe ich dich? Liebst du mich?

Reicht das? Ist das genug? Und - Wie ist das genau? 

Wir haben es gehört in der Geschichte: so wie der Fluss den Regen, 

die Blumen die Sonne und der Sand das Meer brauchen,

so brauchen sich liebende Menschen.

Sie brauchen das Gefühl, dass es ohne den anderen nicht geht,

dass sie sich glücklich machen, zum Lächeln bringen,

sich nacheinander sehnen und immer zusammen sein wollen.

Wir alle,  jeder Mensch,  ist auf der Suche nach dem Besonderen, nach Glück, nach Erfüllung seiner Wünsche, nach Anerkennung und Liebe,

hier auf der Erde, aber auch darüber hinaus, außerhalb des Menschlichen,

weil das hier meist doch unvollkommen ist. Es ist die Sehnsucht nach dem Vollkommenen, nach Überirdischem, Transzendentem,  nach Gott.

Und es ist die Sehnsucht der Menschen in allen Kulturen etwas von diesem Transzendenten in ihrer fest festzuhalten

 

„Halte dir jeden Tag ein Stück Himmel offen.“

 

Ein Stück Himmel, was kann das sein?

Vom Himmelreich, vom Reich Gottes, von einem Stück Himmel, erzählt Jesus in seiner Botschaft für die Menschen. Ein Stück davon haben wir im Evangelium gehört, das wir für den heutigen Hochzeitstag ausgewählt haben.

 

Man könnte fragen: Ist das eine Geschichte für eine Hochzeit?

Ich denke, wenn wir genau hinschauen ganz bestimmt.

 

Jesus erzählt da von einem Mann und einem Acker.

Der Acker gehört ihm nicht, er hat ihn wohl gepachtet, jedenfalls darf er ihn bewirtschaften, vielleicht weil der Acker nicht sonderlich viel wert war.

Doch beim Pflügen und Gaben findet er einen Schatz, unverhofft, überraschend, keiner weiß, dass er da liegt, dieser Schatz.

Jetzt könnte der Mann herumgehen und lauthalsverkünden:

Leute ich habe einen Schatz gefunden. Aber das tut er nicht, denn er würde den Schatz verlieren, weil ihm ja der Acker gar nicht gehört.

Also bleibt er still, gräbt den Schatz wieder ein, bewahrt sein Geheimnis und tut auf den ersten Blick, vor allem aus der Sicht der anderen, etwas völlig Unverständliches.

Er verkauft alles, was er hat und kauft den Acker und kauft somit das Recht auf den vergrabenen Schatz, den er gefunden und erkannt hat.

Jetzt endlich kann er hingehen und allen zeigen:

Das ist mein Schatz, er gehört mir allein.

 

 Ja, dazu sagt Jesus: So ist es mit dem Himmel, dem Reich Gottes.

Das Himmelreich ist also wie ein Schatz, wertvoll, kostbar, bedeutend, reichmachend, anziehend, für den, der es findet; oft aber auch geheimnisvoll, mitunter verborgen und muss daher immer wieder neu entdeckt werden.

Wer ihn jedoch entdeckt hat, ist bereit dafür alles herzugeben,

zu verzichten, sich vom Alten zu trennen, um das Neue, das Größere, das Wertvolle zu besitzen, es rechtmäßig und offen herzeigen zu können.

Ich denke,  dass diese Geschichte sehr wohl auch eine Geschichte für eine Hochzeit für eure Hochzeit, für euren gemeinsamen Lebensweg sein kann.

Ihr beide, Britta und Christian, seid bereits einen längeren gemeinsamen Weg gegangen und habt sozusagen schon einige Äcker gemeinsam beackert und habt bestimmt auch schon viele Schätze mit einander und aneinander gefunden.

Schon ganz zu Beginn das Kennenlernen, als ihr euch gegenseitig entdeckt habt, auf dem Fasching in Dietenheim, ihr habt da den Schatz im anderen gefunden, ein Glück, das euch nicht mehr losgelassen hat.

Und dann gab es da viele Eigenschaften, die ihr aneinander entdeckt habt,

die wertvoll geworden sind: das Dasein füreinander, das liebevolle miteinander Umgehen, das Strahlen in den Augen, das Anziehende, die Verbundenheit,

die Liebe,  die Geduld,  das Miteinanderauskommen, auch in schwierigeren Tagen.

 

Und ihr habt einen ganz besonderen Schatz eurer Liebe

als Geschenk annehmen dürfen: Luisa.

Luisa, die einmalig ist und Freude bringt und die wie jedes neugeborene Kind ein lebendiger, liebenswerter Beweis der Liebe Gottes in die Menschheit ist.

Luisa ist eine Beweis eurer Liebe und ein hoffnungsvolles Zeichen des Lebens, eures gemeinsamen Lebens, das sich auch in ihr entfaltet.

 

Ihr habt aber bestimmt auch gelernt, dem anderen zuliebe und dem Schatz des Gemeinsamen zuliebe auf etwas zu verzichten, zurückzustehen mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen, vielleicht alte Gewohnheiten zu lassen,

nicht nur aus Frust, sondern auch im Wissen, dass es letztlich um etwas Wichtigeres, Bedeutenderes, Wertvolleres geht.

 

Um ein Stück vom Himmel, das offen bleiben soll, oder das sich dem anderen dann wieder neu öffnen wird.

Bisweilen muss ich für dieses Stück Himmel auch selbst etwas tun:

Meine Energien einsetzen, Platz schaffen, Bedingungen erfüllen,

mitunter dafür kämpfen und auch streiten, damit himmlische Erfahrungen, Stücke vom Himmels auf Erden, entstehen können.

 

Die Ehe und die Familie ist die Kernzelle der Kirche, das Reich Gottes  im Kleinen, so sagt es die Lehre der Kirche

Ehe und Familie ist also der Ort, wo das Himmelreich, das Jesus verheißen hat, beginnen soll, wo wir erste Erfahrungen mit Gott machen:

 

Ein Ort des Lebens und der Liebe im Alltag, jeden Tag

Ein Ort der Gemeinschaft, aber auch der Eigenständigkeit,

         denn Gemeinschaft kann nur leben, wer auch eigenständig leben kann.

         Dazu gehören auch gemeinsame und eigene Hobbies und Freunde

Ein Ort des Vergebens und Verzeihens,

         denn wir alle sind nicht perfekt und machen Fehler.

Ein Ort der Freude und des Trostes

Ein Ort der Geborgenheit, des Angenommen Seins und des Annehmens

Ein Ort des Teilens und Verschenkens

Ein Ort für das neue Leben, geschützter Raum für die Kinder

Ein Ort also der erfahrbaren Nähe Gottes            .

Das macht die Ehe zum Sakrament, zum heiligen Zeichen, weil wir im alltäglichen Leben, in unserem Handel und Denken, die göttliche Dimension, Gott selber erfahren und so spüren,  dass Gott mit uns und in uns ist,

uns trägt und uns in seiner Liebe birgt, die Liebe Gottes, die sich uns gerade eben auch in den anderen Menschen zeigt.

 

Liebe Britta, lieber Christian, ich wünsche euch, dass ihr euch jeden Tag ein Stück Himmel offen halten könnt.

 

Und ich habe euch eine Schatzkiste mitgebracht von der Nordsee,

eigentlich eine einfache Holzkiste.  

Aber vielleicht wird sie für euch zur Schatzkiste,  wenn ihr darin sozusagen himmlische Erinnerungsstücke sammelt.

Dinge, die für euch wichtig geworden sind, die zu Schätzen geworden sind,

die euch an besondere Momente, Gegebenheiten, Erfahrungen erinnern.

So dass ihr dann, wenn ihr Lust habt oder wenn es nötig ist,

wenn der Himmel ganz offen oder auch gerade ganz zu zu sein scheint,

dass ihr euch daran erinnern könnt,  wie es sein soll.

Und dass ihr dann auf neue Ideen kommt, wie ihr euch jeden Tag ein Stück Himmel offen halten könnt.

 

Ich wünsche euch viele himmlische Erfahrungen, Glück, Freude und Liebe,

und Gottes reichen Segen für eure Familie.