Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Philipper 2,4

Pfarrer Karsten Weyer (ev.)

08.07.2017 Dorfkirche Diedersdorf

Trauung

Liebe Nicola, lieber Daniel, liebe Festgemeinde,

 

Es gibt vieles Wichtige,

was Daniel und Nicola verbindet.

Zum Beispiel ein Geräusch,

das mit Euch beiden zu tun hat.

Ihr ahnt,

was jetzt kommt…

[Feuerwehrsirene ertönt]

Feuerwehrmann heiratet Feuerwehrfrau.

Das passiert nicht alle Tage.

Ihr beide habt denselben Beruf gewählt.

Die Feuerwehr.

Da sein, wenn‘s brennt.

Gefahren beseitigen.

Menschenleben retten.

Die Aufgaben und Tätigkeiten der Feuerwehr sind zahlreich und vielfältig.

Im Grunde geht es aber immer um dasselbe:

Für Menschen da sein,

deren Leib und Leben bedroht ist.

Wer zur Feuerwehr geht,

sucht nicht das einfache, bequeme Leben.

Wer zur Feuerwehr geht,

will dem Wohl seiner Mitmenschen dienen,

ist bereit,

selbst Gefahren auf sich zu nehmen,

um andere Menschen aus Gefahren zu befreien.

Der Trauspruch,

den Ihr Euch als biblischen Begleiter für Euren gemeinsamen Weg ausgesucht habt,

passt ganz wunderbar zu dieser Haltung,

die in Eurem Beruf dazugehört.

Im 2. Kapitel des Philipperbriefes heißt es:

Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

Ein Leitspruch,

genauso gut geeignet als Motto für den Beruf des Feuerwehrmannes oder der Feuerwehrfrau

wie auch für das Leben als Partnerin und Partner in der Ehe.

 

Liebe Nicola, lieber Daniel, liebe Festgemeinde,

Feuerwehr – diese Bezeichnung sagt deutlich,

worum es geht:

Darum,

sich gegen das Feuer zu wehren.

Es gibt aber auch Feuer,

gegen die man sich nicht wehren soll – nicht einmal als Feuerwehrmann oder –frau.

Vom Entstehen eines solchen Feuers will ich nun erzählen.

 

Die Voraussetzung für dieses Feuer wurde damit geschaffen,

dass Ihr beide im März 2013 im selben Ausbildungsjahrgang der Berliner   Feuerwehr gestartet seid.

Streichholz und Reibefläche waren vorhanden,

kamen aber noch nicht zueinander.

Man sah sich eben hin und wieder im Flur.

So entsteht kein Feuer.

Ein erstes Knistern gab es,

als Ihr Euch durch Zufall – oder war es doch Bestimmung? – in den Sommerferien 2013 auf dem Flughafen von Chicago begegnet seid.

Beide hattet Ihr eine Zeit Eures Lebens in den USA verbracht

und so gab es bis zum Anschlussflug einiges zu erzählen.

Genug,

um Lust zu bekommen,

sich auch nach dem Urlaub mal in Berlin zu verabreden.

Nach einem ausgiebig knisternden Gespräch im Hardrockcafé spricht dann der Feuerwehrmann eine Einladung an die Feuerwehrfrau aus – ausgerechnet zur Pyronale.

Feuerwehrleute bei der Feuerwerks-Show.

Hier sollte nicht gelöscht werden,

ganz im Gegenteil:

hier wurde das Feuer mächtig entfacht.

Bei einem Frühstück in Nicolas Wohnung einige Zeit später hat die Feuerwehrfrau dem Feuerwehrmann dann noch zwei entscheidende Fragen gestellt:

Erstens: Kannst Du Berufliches von Privatem trennen?

Zweitens: Rauchst Du?

Die falsche Beantwortung dieser Fragen wäre dem Löschen eines Teelichtes durch einen F-Schlauch mit 150 mm Durchmesser gleichgekommen.

Nachdem der Feuerwehrmann die erste Frage mit Ja und die zweite Frage mit Nein beantwortet hatte,

stand der Ausbreitung des Feuers von Seiten der Feuerwehrfrau nichts mehr entgegen.

 

Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

 

Eine erste Bewährungsprobe für Euren heutigen Trauspruch gab es ein paar Monate später:

Daniel zog sich eine schwere Fußfraktur zu

und damit war sein weiterer beruflicher Werdegang gefährdet.

Um ihm zur Seite zu stehen und ihn zu unterstützen,

zog Nicola bei Daniel ein,

sobald er aus dem Krankenhaus entlassen war.

Mit dieser Geste der Liebe und Fürsorge war beiden deutlich,

wie sehr das Feuer zwischen ihnen schon am Lodern war.

Eine weitere brandfördernde Maßnahme war der Bezug der gemeinsamen Wohnung in Berlin-Marienfelde und das beglückende Erleben des täglich knisternden Miteinanders.

Das war Daniel noch nicht genug und so plante er,

noch einmal eine stattliche Menge Öl ins Feuer zu gießen.

So geschehen vor etwa einem Jahr in den USA – immerhin in der Nähe einer großen Löschwasserquelle, nämlich bei den Niagarafällen.

Daniels Herz war in Flammen und pochte gewaltig, der Puls schlug auf Anschlag, die Hände zitterten.

Nicola stand etwas irritiert daneben.

Sollte ein heldenhafter Feuerwehrmann in so einem Moment in die Knie gehen? – Ja!

Daniel ging in die Knie.

Und da verstand Nicola,

hier war keine sofortige Rettungsmaßnahme angebracht,

sondern hier kam es darauf an,

eben nicht einzuschreiten und sich selbst weiter entflammen zu lassen.

Daniel fragte,

ob Nicola seine Frau werden möchte.

Nicola zögerte keine Sekunde.

Es war geschehen – der Flächenbrand hatte beide erfasst.

Und heute erleben wir,

wie sich das Feuer von den Niagarafällen ausgebreitet hat,

bis zu uns nach Diedersdorf.

 

Und wir freuen uns über das Licht und die Wärme,

die davon ausgehen,

die an Euren Augen abzulesen sind.

 

Nun gibt es – das wissen Feuerwehrleute am besten – auch bedrohliche Feuer.

Bisher – so mein Eindruck – blieb Eure Liebe weitgehend davon verschont.

 

Oft sind es Kleinigkeiten,

die im Laufe der Zeit gehöriges Brandpotential zwischen zwei Menschen entwickeln.

Es könnte sein,

dass einer von beiden seine Wäsche nach Bundeswehr-Faltmuster ordnet,

während der andere einen sehr viel kreativeren und individuelleren Umgang mit der Wäsche pflegt.

Oder dass der eine tiefenentspannt und fröhlich lächelnd durch den Tag geht,

während sich der andere echauffiert,

weil bestimmte Vorhaben nicht so schnell und gut umsetzbar sind wie geplant.

An solchen Bagatellen hat sich im Laufe der Weltgeschichte der Ehe schon mancher bedrohlicher Brand entzündet.

Aber Ihr beide solltet ja auch Experten im Löschen sein.

Und wenn Ihr allein nicht weiterkommt,

denkt an Nicolas Urgroßmutter und ihre Worte:

Man darf sich streiten,

aber hinterher muss man darüber nachdenken und sprechen.

Und dann muss man vor allem einen Strich drunter machen.

1A-Löschmethode, würde ich sagen.

Oder Ihr denkt an Euren Trauspruch:

Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

Damit wird ein gewisser Abstand zu sich selbst und ein aufmerksames Auge für den anderen und seine Bedürfnisse propagiert.

Durch solche Schutz- und Präventionsmaßnahmen könnt Ihr Brände schon im Vorfeld verhindern.

Schließlich eine dritte Maßnahme zur Brandbekämpfung:

Hilfe holen.

Heute sagt Ihr nicht nur vor Euren Familien und Freunden JA zueinander,

sondern auch vor Gott.

Und Ihr werdet Gottes Segen für Euren gemeinsamen Weg empfangen.

Gott ist auf Eurer Seite.

Er will,

dass Euer Feuer der Liebe weiter lodert.

Und er will,

dass alle Feuer der Entzweiung und Bedrohung zwischen Euch im Keim erstickt werden.

Euer Ja-Wort und Euer Wille,

gemeinsam durchs Leben zu gehen,

wird umfangen und gestärkt von Gottes großem Ja-Wort zu Euch und zu Eurer Ehe.

Gott will bei Euch sein und Euch dienen.

Ruft ihn an, nicht unter 112,

sondern im Gebet oder in der Gemeinschaft unserer Kirchengemeinde.

Auch wir wollen für Euch da sein und Euch unterstützen und mit Euch feiern,

hoffentlich eines Tages die Taufen Eurer Kinder in unserer schönen Kirche.

 

Liebe Nicola, lieber Daniel,

zum Abschluss eine Frage an Euch:

Kennt Ihr das alte Motto der Floriansjünger, also der Feuerwehrleute?

Auf manchen Wachen kann man es noch lesen…

Gott zur Ehr, den Menschen zur Wehr.

Die Feuerwehrleute handeln zur Ehre Gottes,

indem sie Feuer und andere Gefahren von ihren Mitmenschen abwehren.

Auch Ihr handelt in Eurer Ehe Gott zur Ehre,

indem Ihr Euren Teil dazu beitragt,

dass das Feuer Eurer Liebe erhalten bleibt

und alle bedrohlichen Flammen von Eurer Liebe ferngehalten oder gelöscht werden.

In diesem Sinne: [Feuerwehrsirene ertönt]

 

Amen.