Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Psalm 139,13-18

Dr. Fredrick O. Shoo, Leitender Bischof der Evang.-Luth. Kirche von Tansania

24.05.2017 Berlin am Brandenburger Tor

Eröffnungsgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentags

Predigttext in leichter Sprache – Psalm 139,13–18

Im Körper von meiner Mutter: | Da wurde ich zum Mensch. Zu einem Mensch mit Gefühlen. Du Gott: Du hast mich gemacht. | Das ist gut. Du hast alle Dinge gut gemacht. | Dafür danke ich dir, Gott. Du Gott: Du siehst mich. Und kennst mein Leben. Und kennst auch meine Zukunft. Du Gott: Du weißt so viel. So viel mehr als alle Menschen.

 

 

Liebe Freundinnen und Freunde! Liebe Kirchentags-Gemeinde!

Gott hat mich gemacht. Gott hat alle Menschen gemacht. Gott hat die ganze Welt gemacht. Und: Gott hat alle Dinge gut gemacht!

Diese Worte aus Psalm 139 sind für uns in Afrika sehr wichtige Worte. Wir feiern sie in jedem Gottesdienst. Mit unseren Gebeten. Mit unseren Tänzen. Mit unseren Liedern. 

Ja wir feiern sie an jedem Tag. Wir feiern sie mit unserem Leben.

Denn wir sehen: die hohen Berge: Gott hat sie gemacht. Die weiten Steppen: Gott hat sie gemacht. Die Bäume und die Sträucher: Gott hat sie gemacht. Die Elefanten, die Löwen und die Zebras: Gott hat sie gemacht. Die Felder und die Wiesen: Gott hat sie gemacht. Die Ziegen und die Rinder: Gott hat sie gemacht. Dich und mich: Gott hat uns gemacht.

Und wir danken Gott: wie wunderbar hast du diese Welt gemacht! Wie wunderbar hast du uns Menschen gemacht! Wie wunderbar hat Gott dich und mich gemacht!

Und wir wissen: Gott kennt mich. Gott sieht mich. Gott liebt mich.

Doch manchmal fragen wir auch: stimmt das wirklich, was der Psalm sagt und was wir Menschen in Tansania und anderen Ländern Afrikas feiern?

Gott hat alles gut gemacht. Aber es gibt keinen Regen in Somalia, Nigeria, Südsudan, Kenia, Äthiopien und anderen Ländern in Afrika. Der Mais und das Getreide vertrocknet auf den Feldern. Das Grass verdorrt. Die Tiere haben nichts zu fressen, viele Menschen haben nicht genug zu essen. Viele Millionen Kinder und Erwachsene leiden Hunger, ja, sind von Hungertod bedroht. Heute. Jetzt. In Afrika.

Gott hat alles gut gemacht. Aber Menschen und Völker kämpfen gegeneinander. Boko Haram in Nigeria. Andere in der Zentralafrikanischen Republik, in Somalia, im Südsudan …

Menschen töten Menschen – wegen ihrer Religion. Wegen ihrer Volkszugehörigkeit. Wegen ihrer politischen Ansichten. 

Gott hat alles gut gemacht. Aber Menschen fliehen aus Afrika. Weil sie Hunger haben. Weil sie keine Arbeit haben. Weil sie dort keine Zukunft sehen für sich und ihre Kinder. Sie ziehen nach Libyen ans Mittelmeer und bezahlen viel viel Geld für einen Platz auf einem überfüllten Schlauchboot. Sie fahren über das Mittelmeer nach Italien, Griechenland oder Spanien. Sie ertrinken zu Hunderten und Tausenden im Mittelmeer. 

Und Europa? Und die Vereinigten Staaten von Amerika?

Donald Trump, der Präsident der USA sagt: Mich interessiert nicht, wie es anderen geht. „America first!“ Ich sehe keinen Klimawandel. Wir machen weiter mit dem Ausstoß von CO2. 

Europa sagt: wir wollen den Ausstoß von CO2 begrenzen, um den Klimawandel zu stoppen. Aber Deutschland hat im April schon so viel CO2 ausgestoßen, wie für das ganze Jahr geplant…

Für die Kriege auf unserem Kontinent Afrika liefern große Firmen aus Europa und den USA Waffen und verdienen damit viel Geld.

Bei den Flüchtlingen auf ihren Schlauchbooten auf dem Mittelmeer schaut Europa zu und macht seine Grenzen dicht.

Gott hat alles gut gemacht?

Ja, ich glaube: Gott hat alles gut gemacht. 

Aber Gott will auch, dass wir Menschen dabei mitarbeiten, dass alles gut ist.

Deshalb pflanzen wir in meiner Heimat, an den Hängen des höchsten Berges von Afrika, dem Kilimandscharo, Bäume. Jeder Konfirmand und jede Konfirmandin pflanzt 10 Bäume. Denn wir wissen: Bäume binden CO2. Bäume sorgen für gute Luft. Bäume halten Wasser. Bäume sind Leben. So haben wir geschafft: In 10 Jahren sind so schon über 3 Millionen Bäume am Kilimandscharo gepflanzt worden.

Gott will, dass wir Menschen dabei mitarbeiten, dass alles gut ist.

Deshalb arbeiten wir in meinem Land daran, dass Christen und Muslime sich begegnen und sich kennenlernen. Denn wer sich kennt, kämpft nicht gegeneinander!

Gott will, dass wir Menschen dabei mitarbeiten, dass alles gut ist.

Deshalb bietet meine Kirche Ausbildungsplätze an für junge Menschen. Sie sollen mit guter Ausbildung eine gute Arbeit finden und nicht nach Europa oder Amerika gehen müssen.

Gott hat alles gut gemacht. Aber Gott will auch, dass wir Menschen dabei mitarbeiten, dass alles gut ist.

Deshalb bitte ich auch euch: 

Kämpft gegen den Klimawandel! Reduziert den Ausstoß von CO2! Verringert die Luftverschmutzung! Wirtschaftet nachhaltig!

Liefert keine Waffen nach Afrika! Tretet ein für die Versöhnung zwischen Völkern und Religionen!

Bietet unseren Ländern faire Wirtschaftsbeziehungen an! Nehmt euch der Flüchtlinge an! Teilt euren Reichtum! 

Denn für alle Menschen gilt:

Im Körper von meiner Mutter: | Da wurde ich zum Mensch. Zu einem Mensch mit Gefühlen. Du Gott: Du hast mich gemacht. | Das ist gut. Du hast alle Dinge gut gemacht. | Dafür danke ich dir, Gott. Du Gott: Du siehst mich. Und kennst mein Leben. Und kennst auch meine Zukunft. Du Gott: Du weißt so viel. So viel mehr als alle Menschen.

Amen.