Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Psalm 91,11f.

Pfarrer Roland Dürmeier (ev.)

08.01.2017 ev. Kirche in Birstein (Hessen)

Die Predigt bezieht sich auf das Lied "I love my life" von Robbie Williams

 

Am vergangen Donnerstag auf der Fahrt zum Baumarkt

hab ich dieses Lied wieder im Radio gehört.

 

Ich liebe es, beim Autofahren Musik zu hören.

 

Da höre ich viel besser und konzentrierter zu als zuhause,

wenn ich noch tausend andere Dinge dabei tue.

 

Und als ich diesem Lied aufmerksam zuhörte,

dachte ich mir,

der Text passt eigentlich auch zu einem Taufgottesdienst.

 

Es geht in dem Lied nämlich

um das Elternsein,

um das Verhältnis zum eigenen Kind

und wie es sich entwickelt.

 

Da können wir uns alle gut einfühlen.

Die Tauffamilie und wir anderen.

Wir alle waren Kinder und hatten Eltern.

Und viele von uns selbst sind Eltern.

 

Die deutsche Übersetzung des Liedes haben sie hoffentlich vor sich,

nach der Predigt hören wir es uns auch noch an.

 

Gesungen wird es von Engländer Robbie Williams.

Er ist Vater von zwei kleinen Kindern.

 

I love my life, heißt das Lied.

„Ich liebe mein Leben“.

 

Schauen wir uns den Text ein wenig näher an.

 

Binde deine Seele an mich.

 

 

So wünschen es Eltern sich:

Dass eine Verbindung zwischen ihnen und ihrem Kind entsteht,

die tiefer geht.

 

Nicht nur eine Verbindung,

der gemeinsamen Familie und Abstammung,

der gemeinsamen Eigenschaften oder des ähnlichen Aussehens.

 

Nein, eine Verbindung unserer Seelen.

 

Die Seele als das verstanden, was unser Ureigenstes ist:

 

Unsere Wünsche und Träume,

unsere Hoffnungen und Sehnsüchte.

 

All das,

was uns antreibt und Kraft gibt,

was uns Freude schenkt und glücklich macht.

 

Ich denke,

dieser Vater ist sich sicher,

dass es gelingen wird,

diese tiefe Verbindung zueinander aufzubauen

und das sie von seiner Seite aus

niemals abgebrochen oder aufgekündigt werden wird.

Ich werde dich nie ganz gehen lassen, singt er.

 

Eines Tages werden deine Hände
stark genug sein, mich zu halten.

Ich bin vielleicht nicht für alle deine Kämpfe da,
aber du wirst sie schlussendlich gewinnen.

 

Die Hände der Eltern sind für die Kinder ganz wichtig.

 

Diese Hände umsorgen, streicheln,

umarmen, pflegen,

schützen, richten auf und vieles mehr.

 

Doch diese Hände können mit der Zeit,

auch mehr und mehr loslassen,

weil klar wird,

das Kind kommt immer besser selbst zurecht.

Es braucht keine Hilfe mehr

und meistert sein Leben allein.

 

Und eines Tages sind es die starken und geschickten Hände des Kindes,

die vielleicht die schwachen und zittrigen Hände

der Eltern unterstützen werden.

 

Doch bis dahin ist es noch lange

und der Vater will seinem Kind zur Seite sein

und ihm in den Kämpfen des Lebens beistehen.

 

Aber das Vertrauen ist da,

sein Kind wir diese Kämpfe

irgendwann auch ganz ohne ihn meistern können.

 

Ich bete, dass ich dir alles gebe, was zählt.

 

 

In dem Stichwort

„ich bete“,

klingt für mich eine Art Demut und Bescheidenheit

über die eigene Elternrolle an,

die ich für Eltern entlastend und hilfreich finde,

weil sie vor Überforderung schützt.

Denn:

 

Eltern können sich noch so sehr anstrengen,

um bei ihren Kindern alles richtig zu machen,

es wird ihnen nie gelingen:

denn auch Eltern sind eben nicht perfekt.

 

Auch Eltern machen Dinge falsch

und nicht alles,

was Eltern für Ihre Kinder für richtig halten,

ist tatsächlich für die Kinder das beste.

 

Da ist es gut,

wenn Eltern tatsächlich auch für sich und ihre Kinder beten können,

wenn es schwierig miteinander ist

oder man sich umeinander sorgt.

 

So lässt sich nämlich manche Last und Not

leichter tragen und überwinden.

 

So dass du eines Tages zu mir sagen wirst

 

(Refrain)

Ich liebe mein Leben
Ich bin stark
Ich bin schön
Ich bin frei
Ich liebe mein Leben
Ich bin wundervoll
Ich bin magisch
Ich bin ich
Ich liebe mein Leben

 

Ja, so wünschen wir uns unsere Kinder,

dass Sie diese Dinge einmal über sich und ihr Leben sagen können.

 

Und Gott, unser Schöpfer, könnte all dies unterschreiben,

denn er will,

dass wir ein glückliches und gutes Leben haben,

aber er würde ergänzen:

 

„Denk nicht nur an dich,

hilf denen, denen es schlechter geht

und denk an mich,

sei mir dankbar, dass ich dir das Leben geben habe

und zeige mir deinen Dank.“

 

Ich bin nicht meine Fehler
Und Gott weiß, ich habe ein paar gemacht

Dieser Vater gefällt mir,

denn er hat wirklich etwas sehr Schönes verstanden.

 

Gott mag unsere Fehler und schlechten Taten überhaupt nicht,

aber er liebt uns als Mensch, als Person, als einzigartiges Geschöpf.

 

Gott legt uns niemals auf unsere Fehler und Schattenseiten fest.

 

Er sagt nicht:

„Taugt nichts, weg damit, schlechte Qualität,

der schafft das nie,

die bekommt das niemals hin.“

sondern er sagt:

 

„Sieh mal, da sind zwar ziemliche Ecken und Kanten

– schrecklich, gefällt mir gar nicht, -

aber ich seh das was,

da steckt was ganz Gelungenes und Gutes drin.

 

Der kann´s noch besser,

Die schafft das.

Mach weiter, hör nicht auf.

Das wird noch eine ganz runde Sache.“

 

Herrlich!

 

Nein, wir sind nicht unsere Fehler.

Wir sind weit mehr.

 

 

Ich habe angefangen, die Engel in Frage zu stellen
Und die Antwort, die sie gaben, warst du

 

Zweifel.

Wer kennt sie nicht?

 

Der Vater hier hat an den Engeln gezweifelt,

an den Boten Gottes.

 

Er konnte nicht Glauben,

dass da noch etwas Gutes kommen sollte.

 

Und die Antwort,

die er bekam,

war die Geburt seines Kindes.

 

Eine der schönsten Antworten in unserem Leben,

die Gott uns gibt.

 

Nicht umsonst sagte Martin Luther:

„Wenn du ein Kind siehst,

hast du Gott auf frischer Tat ertappt.“

 

Bei andern sieht die Antwort Gottes anders aus.

Vielleicht so:

 

Sie werden gesund oder lernen ihre Krankheit anzunehmen.

Sie treffen einen Menschen, der ihr Leben verändert.

Sie finden eine interessante Anzeige und wechseln die Firma

oder beginnen eine neue Ausbildung.

 

Ihr Eltern von X

zweifelt heute nicht an den Engeln.

 

Im Gegenteil,

ihr traut ihnen mit dem Taufspruch aus Psalm 91 für X viel zu:

 

Gott hat seinen Engeln befohlen,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

dass sie dich auf Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

 

X,

wird vielen Menschen in seinem Leben begegnen.

 

Manche werden für ihn tatsächlich zu Boten Gottes,

dann wenn sie seinem Leben wirklich gut tun,

wenn sie für ihn sorgen,

auf ihn aufpassen,

ihn unterstützen und ihm helfen.

 

Darum bitten wir heute alle mit euch für X.

 

Dass Gott diese Engel immer wieder zu  ihm sendet

und X die Augen und das Herz haben möge,

um sie zu erkennen.

 

Ich kann nicht versprechen,

dass es keine Traurigkeit geben wird

Ich wünschte, ich könnte das von dir nehmen

Aber du wirst die Stärke finden

um dem Wahnsinn zu begegnen
Und es sehen, weil es stimmt.

 

Eltern können ihre Kinder ein gutes Stück auf das Leben vorbereiten,

aber leben müssen die Kinder dieses Leben selbst.

Mit allen Höhen und Tiefen.

 

Auch X wird beides in seinem Leben erfahren.

Das Fröhliche und das Traurige.

 

Der Vater des Liedes vertraut auf die Stärke des Kindes,

wenn es später einmal schwierig werden sollte

und keine Eltern da sind, um helfen zu können.

 

Wir - hier in der Kirche - vertrauen auf mehr:

auf Gottes Schutz und Beistand.

Deshalb feiern wir ja heute auch Taufe

und machen so die Verbindung zwischen Gott und X sichtbar.

 

Refrain... (s.o.)

 

Finde die Anderen
Mit Herzen wie deinem
Renne weit
Renne frei
Ich bin bei dir

 

Die Zeilen sind eine Art Segen.

 

Der Vater lässt sein Kind irgendwann auch ziehen.

 

Es darf und muss seine eigenen Erfahrungen machen.

 

Neue Menschen finden,

die sein Leben teilen und begleiten.

 

Der Vater stellt sich dem nicht entgegen,

sondern ermuntert sein Kind dazu.

 

Er macht kein schlechtes Gewissen

und schürt auch keine Ängste.

 

Er öffnet die Hände und lässt das Kind gehen,

doch mit seiner Seele,

seinen Gedanken

und mit seiner tatkräftigen Hilfe

wird auch er es weiter begleiten.

 

2 x Refrain (s.o.)

 

Und schließlich
Bin ich, wo ich sein will

 

Und am Ende,

wir der Vater feststellen:

 

Genauso hat er es gewollt und so ist es gut.

 

Ich wünsche euch als Eltern

dass ihr auch einmal so zufrieden

auf eurer Leben für und mit X

blicken könnt.

Amen.

 

Und der Friede Gottes,

der höher ist als alles menschliche Denken und Verstehen,

bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.