Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Richter 9,8-14

Bibelkreis Kirchengemeinde Geesthacht-Düneberg, Moderatorin Sabine Stürzer

20.03.2016 Kirchengemeinde Geesthacht-Düneberg

Ingrid:

Einst gingen die Bäume, sie gingen, denn sie wünschten über sich einen Herrscher zu salben.

Und die Bäume sprachen:     .....   Erzähler ab....

 

Jutta:

„Ölbaum, wir wünschen einen Herrscher über uns zu salben. Sei du Herrscher über uns.“

                                             ......Öl geht zum Mikro..............

 

Maja:

„Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Menschen heilt und nährt und hingehen, zerrissen von Macht, über den Bäumen zu schwanken?“

                                               ........Öl ab................

                                               ........Feige zum Mikro .....

 

Jutta:                                    

„Feigenbaum, wir wünschen einen Herrscher über uns zu salben.
Du, sei Du Herrscher über uns!“

 

 

Heike:

„Soll ich meine Süße aufgeben und meine köstliche Frucht

und hingehen, aufgeblasen von Macht über den anderen Bäumen zu schweben?“

                                               ........Feige ab ........

                                               ........Wein zum Mikro .....

 

 

Jutta:

„Weinstock, wir wünschen einen Herrscher über uns zu salben.
Du, sei Du Herrscher über uns!“

 

Bea:

„Soll ich meinen Wein aufgeben, der Götter erheitert und Menschen ernährt und hingehen, um trunken von Macht über den anderen Bäumen zu torkeln?“

                                                .......Wein ab .........

 

.....Bäume schauen umher..............................blicken dann zur Kanzel....

 

Jutta:

„Dornbusch, wir wünschen einen Herrscher über uns zu salben.
Du, sei Du Herrscher über uns!“

                                                ........Bäume ab .......

 

 

Sabine:

„Wenn Ihr wahrhaftig mich salben wollt, damit ich Herrscher über Euch bin,

kommt und sucht Zuflucht in meinem Schatten!

Wenn aber nicht, dann soll Feuer aus dem Dornenbusch hervorgehen und soll Euer Wertvollstes, die Zedern des Libanon, auslöschen!“

                                               ...... Dornbusch ab ........

 

Kurze Musik............

 

4 andere Personen gehen nach vorne und stehen etwas 'bedropst' herum.

 

 

Ingrid:

Das war also Jotams Fabel aus dem Buch Richter. Ich wusste nicht, dass es in der Bibel Fabeln gibt.

 

Bea:

Und sogar eine Baumfabel! Ich habe gehört, davon gibt es nur sehr wenige, die überliefert sind.

 

Gabi:

Na, und wenn ich das weiß, was nützt mir das? Verstanden habe ich gar nichts. Liegt wohl am AT. Ist doch sehr weit weg von uns.

 

Maja:

Aber wir dürfen nicht vergessen, Jesus ist mit diesen Büchern groß geworden und hat daraus gelehrt. Dann werden wir sie doch wohl auch verstehen können.

 

Ingrid:

Ja gut, aber trotzdem. Ich verstehe nicht, warum sich die drei Bäume vor ihrer Verantwortung drücken.

 

 

Bea:

Das tun sie doch gar nicht. Der Ölbaum will weiter heilen, die Feige weiter ernähren und der Wein weiter glücklich machen.

 

Gabi:

Aber warum weigern sie sich dann eine Führungsrolle zu übernehmen?

 

Maja:

Die haben sie doch bereits auf Grund ihrer Talente. Sie sind nur nicht bereit, sich über alle zu erheben. Als Jesus Mensch war, hat er das auch nicht getan. Er hat gelehrt und andere geheilt und hat trotzdem gefeiert und am Ende um sein Leben gebettelt. Er war Gott und trotzdem einer von uns.

 

Ingrid:

Ok, aber wenn sich die drei Bäume verweigern, sind die restlichen Bäume doch gezwungen weiter nach einer Führungskraft zu suchen.

 

Bea:

Das wären sie aber nicht, wenn sie sich ihrer eigenen Talente und Kraft bewusst würden, statt vor Angst zu erstarren. Das ist die Botschaft der drei Bäume.

 

Maja:

Und das ist auch die Botschaft, die Jesus uns gebracht hat. Jeder ist wertvoll an seinem Platz. Ohne Macht und Gewalt.

 

Gabi:

Apropos Gewalt. Der Dornbusch ist ja richtig fies. Er hat wohl keinen Nutzen?!

 

Bea:

Was aus Gottes Schöpfung ist nur fies und nutzlos? ..außer vielleicht Zecken!

 

Ingrid:

Der Dornbusch könnte Schutzraum für Vögel sein, deren Brut sonst von Räubern zerstört würde.

Meine Freundin hat dornige Sträucher vor ihre Fenster gepflanzt, als Schutz vor Einbrechern

 

Gabi: Also ist er ein echter Beschützertyp. Warum droht er dann mit Gewalt?

 

Maja:

Er hat auch ein Talent. Nur setzt er es nicht für alle ein, sondern ist bestrebt, sich mit Gewalt Macht zu verschaffen, die ihm nützt.

 

Bea:

Du meinst es also so, als hätte der Weinstock gesagt; Ja, ich werde euer Herrscher. Kommt, trinkt von meinem Saft und ich mache euch so besoffen, dass ihr nicht mehr wisst, wie ihr heißt und nicht mehr merkt, wie ich euch für meine Zwecke missbrauche. Dann mache ich Branntwein und damit setze ich alle Zedern des Libanon in Brand.

 

Ingrid:

Du meinst, wer etwas machen kann, soll es nicht mit Gewalt, sondern mit seiner Macht für die Allgemeinheit durchsetzen.

 

Maja:

Ja genau, das hat auch Jesus gelehrt und uns vorgelebt.

 

Gabi:

Aber was ist so schlimm daran, wenn ein paar Zedern verbrannt werden? Wälder werden doch auch heute abgebrannt.

 

Bea:

Nun, du weißt sicher auch, wie sehr das dem Weltklima schadet. Außerdem waren die Zedern des Libanon die wertvollsten Holzlieferanten ihrer Zeit und damit Sinnbild für Reichtum und Sicherheit des Volkes.

 

Ingrid:

Die Zedern des Libanon sind auch ein Hinweis für die gute Schöpfung Gottes. Werden sie dem Feuer übergeben, dann ist das ein Angriff auf Gott selbst, auf seine gute Schöpfung, die er den Menschen anvertraut hat.

Salomons Tempel war mit Zedernholz ausgekleidet.

 

Maja:

Eben! Gewalt führt zum Verlust von Wertvollem. Kriege zerstören Leben, die Ausbeutung von Ressourcen führt zu Armut und Umweltschäden. Gewalt schadet vielen und nutzt nur den Wenigen, die die Macht haben, sie auszuüben.

 

Ingrid:

Das ist wahr. Trotzdem muss doch manchmal einer das Sagen haben.

 

Bea:

Genau darum geht es! Wer etwas zu sagen hat, hat auch die Macht etwas zu machen. Der Ölbaum heilt, der Feigenbaum ernährt und der Weinstock erfreut. Sie wollen ihre Fähigkeiten verantwortlich zum Wohle aller und eben nicht im eigenen Interesse einsetzen.

 

Gabi:

Das ist der Grundgedanke unserer Demokratie. Das Grundgesetz sagt: 'Alle Macht geht vom Volke aus.' und die Politiker agieren nur in dessen Interesse.

 

Ingrid:

Anders als z.B. der so genannte Islamische Staat. Er nutzt das Gute einer großen Religion um ihre eigenen Interessen mit Gewalt durchzusetzen.

Aber welche Macht habe denn ich?

 

Maja:

Im Falle der Demokratie hast du die Macht zur Wahl zu gehen. Und im Alltag hat jeder eine Fähigkeit, die ihm Macht verleiht. z.B. den Mut sich für andere einzusetzen. Das kann eine Unterschrift bei Amnesty International sein, Deutschunterricht für Ausländer, eine Kleiderspende oder auch nur ein freundliches Wort zu einem Mitmenschen. Diese Fähigkeiten sollen wir einsetzen - und zwar verantwortungsvoll zum Wohle aller.

 

Bea:

Genau wie die drei Bäume in der Fabel sollen wir selbst etwas machen und nicht darauf warten, dass ein großer Starker kommt, der es für uns macht.

Genauso wie Jesus es gesagt hat:

Was ihr dem Geringsten unter euch getan habt, habt ihr auch mir getan. Und was ihr nicht getan habt, habt ihr auch mir gegenüber verweigert.

 

Ingrid:

Das muss der Maßstab sein, für unser Tun. Nicht 'machen' um der Macht willen, sondern zum Wohle aller.

AMEN