Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Römer 11, 33-36

Pastor Thomas Klappstein (ev.-freik.), Diplom-Verwaltungswirt

16.10.2016 Friedenskirche Remscheid (Baptisten)

 

 

‚Dankbares Staunen über die Größe Gottes – weil es allen Grund zum Staunen und Danken gibt!’

 

Warum dieses Thema ?

Zum Herbstbeginn wird in unseren Breitengraden traditionell das Erntedankfest gefeiert.  Dankbarkeit für Versorgung im letzten Jahr wird zum Ausdruck gebracht. Trotz seit Jahren – oft medial - immer wieder beklagter wirtschaftlich ungünstiger Umstände gibt es in unserer Gesellschaft immer wieder und immer noch genug zum Essen und Leben. Und Zeit für Reisen und viele andere schöne Dinge bleibt auch noch. Ein Grund zum Danken, zum Staunen. Das Jammern ist ja oft genug ein „Jammern auf hohem Niveau“. Zumal aktuell die Wirtschaft einen positiven  Aufschwung nimmt.

Und viele Menschen zieht es, auf Ihrer Flucht vor menschenunwürdigen Verhältnissen, vor Krieg, vor Terror und Angst, nicht nur in unser Land, sondern generell in die westeuropäischen Gesellschaften

Und das hat ja auch seinen guten Grund.

Das Erntedankfest werden Sie und werdet Ihr hier in der Gemeinde bereits gefeiert haben. Aber da der Oktober ja immer so ein bisschen der “Erntedankmonat” ist, für mich zumindest, würde ich gerne das Thema “Dankbarkeit / Staunen” aufgreifen. Sicherlich ein eher “weiches Thema”, aber da ich das Innenleben Ihrer und Eurer Gemeinde wenig kenne, liege ich damit hoffentlich nicht völlig daneben. Gott schenkt dann durch seinen Geist hoffentlich gute und wichtige Impulse durch meine Ausführungen, durch meine Predigt. Das ist zumindest mein Wunsch und Gebet.

 

Also, keine weitere und auch keine klassische Erntedankpredigt - eher eine Staunpredigt über das, was Gott uns erleben läßt, wie er sich in seiner Schöpfung zeigt und beweist und die uns, Sie, Dich und mich, in die dankbare Anbetung führen kann.

Deswegen soll es heute heißen:

‚Dankbares Staunen über die Größe Gottes –

weil es allen Grund zum Staunen und Danken gibt!’

 

Römer 11, 33-36:

„Wie groß ich doch Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit, wie tief seine Gedanken! Wie unbegreiflich für uns seine Entscheidungen und seine Pläne!

Denn wer könnte jemals Gottes Absichten erkennen? Wer könnte ihm raten?

Oder: Wer hätte Gott jemals etwas gegeben, das er von ihm zurückfordern könnte?

 

Denn alles, aber auch wirklich alles ist von ihm, dem Schöpfer, ausgegangen, besteht durch ihn, und er wird alles vollenden. Ihm gehören Lob und Ehre in alle Ewigkeit. Amen!“

 

- Gebet – (frei formuliert)

STAUNEN

Staunen über Gott, seine Größe, sein Wirken!

Ich habe von einem Mann Gottes gelesen, der auf dem Sterbebett lag, und zu seinem Freund sagte:

„Sam, ich empfinde nur Dankbarkeit für mein Leben, für jeden Augenblick, den ich gelebt habe. Ich bin bereit zu gehen. Ich habe in meinem Leben so viele Wunder gesehen.“

Und dann hielt er erschöpft inne, Minuten vergingen, bis er fortfuhr:

„Ich habe Gott nie in meinem ganzen Leben um Erfolg oder Weisheit gebeten, oder um Macht oder Ruhm. Ich habe ihn darum gebeten, dass er mich zum Staunen bringt!“

Staunen über Gott, Staunen über seine Schöpfung - können wir das eigentlich noch?

Beispiel:

Meine Frau Claudia wollte mit mir spazieren gehen, eine „Runde um den See drehen“ – um einen der Seen der „Sechs-Seen-Platte“ in einem schönen Waldgebiet, in deren Nähe wir in Duisburg leben. Nach einem anstrengenden Tag in der Schule am frühen Abend frische Luft schnappen, auf andere Gedanken kommen. Eigentlich mache ich das sehr gerne mit ihr, aber gerade in dem Moment passte es mir gar nicht. Da hatte ich die Erledigung einiger vermeintlich wichtiger Jobs auf meiner „To-Do-Liste“ geplant.

Schließlich ließ ich mich dann doch (gerne J) überreden. Es war einer der ersten Frühlingstage. Nicht kalt, nicht warm – angenehm frisch. Mit einem interessanten „Sonne-Wolken-Wechselspiel“ am Himmel. Wir hatten interessante Gesprächsthemen und weil es so ein schönes Farbspiel am Himmel gab, daß zudem noch mit dem frischen Grün der Bäume korrespondierte, setzten wir uns – eigentlich gegen unserer Gewohnheit -  auf einem Anglersteg, der ein wenig übers Wasser hinausragte, auf eine Bank und genossen den Augenblick. Auf einmal landet nicht weit weg von uns ein Reiher im flachen Uferwasser und verschwindet im Dickicht der Uferböschung. Und wenige Minuten später landet vor uns ein Entenerpel: fährt sein „Fahrgestell“ aus, stellt die Schwingen bzw. Flügel entsprechend auf und legt genau vor unseren Augen eine perfekte Landung auf dem Wasser hin.

Innerhalb von nur 10 Minuten ein Einblick in eine faszinierende Schöpfung, den ich nicht  bekommen hätte, wenn ich das Abarbeiten meiner „To-Do-Liste“ nicht einfach mal unterbrochen hätte.

 

Als ich mich daran jetzt erinnert habe, habe ich so gedacht:

Ein Gleichgültiger sieht das alles, bohrt in der Nase und schmeißt die leere Cola-Dose oder Bierflasche ins Gebüsch. Steckt die Kopfhörer ins Ohr und dreht den Lautstärkeregler seines musikalischen Datenträgers etwas lauter. 

Ein staunender Mensch steht da, lässt das alles auf sich wirken und kämpft u. U. mit seinen Emotionen.

 

Wie viele Menschen in unseren Tagen haben das Staunen
verlernt! Dabei muß man, um Staunen gar nicht so weit weg fahren. Schau mal zur Zeit morgens gegen 7 Uhr, aktuell vielleicht 7:30 Uhr aus dem Fenster: wenn es nicht total bewölkt ist und regnet, wirft die aufgehende Sonne tolle Lichtspiele an den Himmel oder an die weißen Wolken.

Wie viele Menschen in unseren Tagen haben das Staunen
verlernt! Die tägliche Berieselung durch das Fernsehen, das Internet und andere audiovisuelle Medien hat unsere Sinne betäubt, die Welt entzaubert!

Wir sind erwachsen geworden:

·     Wer zeigt noch begeistert auf den Regenbogen und atmet entzückt den Duft der Rose ein!

·     Unsere Kids schwärmen von den neuesten Smartphones oder irgendwelchen Computerspielen - dagegen hat der Regenbogen keine Chance.

·     Und der Duft der Rose geht unter im Meer der synthetischen
Gerüche.

Über all unserem menschlichen Vermögen wird Gott überflüssig. Wir haben ja alles im Griff.

Beispiel:

Wenn es in meiner Kindheit ein schweres Gewitter gab, dann haben wir uns als Kids möglichst schnell in’s Haus geflüchtet und versucht in

der Nähe der Eltern zu sein. Und wir haben uns winzig und klein gefühlt und den Donner manchmal als Reden Gottes empfunden. Uns zumindest den Naturgewalten ausgesetzt gefühlt.

 

Heute sagt uns der Wetterbericht oder die Wetter-App, was wir davon zu halten haben.

Wir sehen alles auf den Satellitenfotos und sind versichert!

 

Worüber staunen wir noch? Wofür danken wir noch?

Die einsame Wolke, die vor dem Mond dahinschwebt sehen wir nicht, weil gerade ‘Hully Gully“, „Schlag den Star“ oder der „Tatort“ läuft.

Gestern habe ich ein Brautpaar verheiraten dürfen. Durch den Gottesdienst, die Hochzeitszeremonie leiten und  dabei auch predigen dürfen. Im Schloß Diersfordt bei Wesel. Tolle Location. Auf der Rückfahrt ging die Sonne gerade unter, „aus den Wiesen stieg der weiße Nebel wunderbar“ – um mal Matthias Claudius ins Spiel zu bringen – insbesondere wenn ich Flussniederungen überquert habe und dann stieg im Osten tatsächlich ein prächtiger Vollmond auf. Mal verschwand er in einer Wolke, mal lugte er hinter einer Wolke hervor, mal zog das Wolkenband genau durch seine Mitte und teilte ihn optisch in zwei Hälften. Und dann war er auch wieder in seiner ganzen Pracht zu sehen. Phantastisch!

Ich musste beim Autofahren auf der Landstraße von Wesel zur A3 sehr konzentriert fahren, weil ich immer wieder dieses Schauspiel vor mir hatte und auf der A 3 dann dauernd nach links Richtung Osten schauen.

Und fast wäre ich tatsächlich jemandem aufgefahren – einem Auto, das einen Pferdeanhänger hinter sich herzog. Ich hab’s gerade rechtzeitig gemerkt. – Habe ich meiner Frau noch gar nicht erzählt ...

Aber ich bin hier – also ging alles Gut!

Der liebe Gott hatte ein Auge auf mich...

Und trotzdem, so weit muß das Staunen dann auch nicht gehen.

 

Aber DANKEN hat tatsächlich auch viel mit STAUNEN zu tun.  Staunen über Gottes Schöpfung.

Ich habe bisher in meinem Leben das Vorrecht gehabt, Gottes Schöpfung an tollen Plätzen dieser Erde erleben zu dürfen.  Am Grand Canyon in Arizona, im Big Basin Redwood State Park oder in den Pinnacles in Kalifornien, in einem Haus von Freunden in Kanada an der Sunshine Coast direkt am Pazifischen Ozean – Claudia und ich waren in diesem Jahr wieder einmal an der kalifornischen Westküste. Wir haben das Vorrecht, Verwandte und Freunde dort zu haben und daher immer einen guten ersten Aufschlagplatz. Für die ersten Tage müssen wir uns keine Gedanken um ein Quartier und Versorgung machen. Bräuchten wir überhaupt nicht, wenn wir nicht auch ein bisschen unterwegs sein wollten. Dieses Mal haben wir es auch geschafft, einige der Nationalparks des Westens zu sehen und darin zu wandern: Den Grand Canyon, den Bryce Canyon, den Zions Canyon und einen meiner Lieblingsplätze, den Yosemite Nationalpark. 

Ich war in den Bergen der Balagne und in der Bucht von Calvi auf Corsica, in den Tiroler Alpen, um  nur einiges zu nennen. Schöne Dinge.

Dabei muß man zum Staunen gar nicht weg fahren, stelle ich immer wieder fest, wenn ich in heimischen Gefilden unterwegs bin.

Seit vielen Jahren jogge ich regelmäßig. An der Sechs-Seen-Platte in Duisburg. Meistens Abends. Und da erlebe ich oft Gottes Schöpfung in den unterschiedlichsten Facetten: Tolle Sonnenuntergänge und Mondaufgänge – je nachdem wann ich zum Laufen komme -, aufsteigende Nebel aus den Wassern, Schwäne, die gerade auf dem See zur Landung ansetzen, Wildgänse die gerade abheben.

 

Oft denke ich: DANKE GOTT, DASS DU DIES ALLES IN GANG GESETZT  HAST UND DANKE, DASS ICH DIES GERADE JETZT ALLES ERLEBEN DARF. Oft bin ich der  einzige, der dann gerade da rumläuft.

Über Gottes Größe und Kreativität ins Staunen kommen – mitten im Alltag, mitten im Ruhrgebiet, mitten in Duisburg. Und es geht auch hier, mitten in Remscheid, im Bergischen Land.

 

Worüber staunen wir noch? Wofür danken wir noch?

Die einsame Wolke, die vor dem Mond dahinschwebt sehen wir nicht, weil gerade ‘Hully Gully“, „Schlag den Star“ oder der „Tatort“ läuft.

Die wilden Brombeeren vergammeln, weil Schwartau für uns geerntet hat.

Das Fleisch ist abgepackt, der Fisch tiefgefroren, die Erdbeeren kommen aus Südafrika.

Die Amsel, die vor dem Fenster sitzt, und ihre Eier ausbrütet, nehmen wir gar nicht mehr wahr.

Wo sind die Augenblicke, in denen wir innehalten und staunen?

In denen wir Gottes Spuren entdecken in den großen und kleinen Dingen dieser Welt?

Vers 36:

„Denn alles, aber auch wirklich alles ist von ihm, dem Schöpfer, ausgegangen, besteht durch ihn, und er wird alles vollenden. Ihm gehören Lob und Ehre in alle Ewigkeit.“

 

 

Gottes Gegenwart offenbart sich in dieser Welt:

·     im Flug des Bussards

·     in der sanften Brise und dem wohltuenden Sommerregen

·     in der Urgewalt einer Sturmflut

·     in Beethovens fünften Klavierkonzert

·     in einem Kind, das im Sand spielt

-       in einer Frau, der der Wind durchs lange Haar streicht

-       im bunten Laub eines sonnigen Herbsttages

·     in dem ersten Grün nach einem langen kalten Winter

 

Diese Welt besteht nur durch IHN.

Zugegeben: Es ist eine gefallene Welt. Wir haben sie gründlich niedergemacht.

Und trotzdem können wir nur staunen, wenn wir mit offenen Sinnen Gottes Schöpfung wahrnehmen.

 

Aber was tun wir statt dessen?

Wir rennen durch Gottes gute Schöpfung und quasseln pausenlos.

Die digitale Musik- und Hörbuchabspielstation ist überall dabei, selbst bei der Radtour an einem schönen Sommertag haben einige den Knopf im Ohr.

Man verläßt die Wohnung, um ein wenig Luft zu schnappen und zündet sich eine Zigarette an.

 

Wer will da noch staunen?

 

Gott kennen bedeutet: Staunen lernen! Danken lernen!

Staunen über seine Gnade, seine Liebe, seine Fürsorge.

Von Herzen wünsche ich es mir, daß Menschen das Staunen über die Größe Gottes neu entdecken. Das auch Christen es immer wieder neu entdecken. Und darüber zum Danken kommen.

Diese Predigt habe ich begonnen mit den Worten:

„Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen!“

Das rede ich nicht einfach so daher, sondern das wünsche ich mir!

Das Gottes Gegenwart uns bewußter wird, wir seine Schöpfung und seine Menschen mehr wahrnehmen und staunen lernen.

Daß die Gottesdienste und Veranstaltungen in dieser Gemeinde – der Friedenskirche Remscheid – verstanden werden als Begegnung mit dem dreieinigen Gott.

Daß überhaupt Gottesdienste und Treffen von Christen verstanden werden als Begegnung mit dem dreieinigen Gott.

Wer hier anbetend zuhört und mitmacht, der staunt über den Glanz, den unser Leben bekommt!

Wir sehen in unserem Alltag plötzlich Fingerzeige der Größe Gottes!

Weil wir uns bewußt der Gegenwart Gottes aussetzen.

Ich wünsche Euch und mir immer wieder Zeiten und Tage, in der es für etliches zu bestaunen gibt

 

 

 

Beispiel:

Ich habe eine herrliche Geschichte von Fiorella LaGuardia gelesen. Er war in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs Bürgermeister von New York. Er hat sich in dieser Zeit wie kein anderer für die Menschen eingesetzt. Er war nur 1.60 m groß aber eine mitreißende Persönlichkeit.

An einem bitterkalten Abend im Januar 1935 besuchte er ein Gericht in einem der ärmsten Stadtteile New Yorks. Er schickte den diensthabenden Richter nach Hause und setzte sich selbst in den Richterstuhl.

Verhandelt wurde der Fall einer Frau, die Brot gestohlen hatte. Wie sich herausstellte, war die Frau wirklich arm, hatte eine kranke Tochter und mußte zudem zwei Enkelkinder versorgen.

Der geschädigte Geschäftsinhaber bestand auf einer abschreckenden Strafe.

 

LaGuardia seufzte und sagte: „Dem Gesetz muß Genüge getan werden. Ich verhänge eine Strafe von 10 Dollar.“

Dann griff er in die eigene Tasche und warf eine 10-Dollar-Note in seinen Hut.

Und dann sagte er: „Die Strafe übernehme ich. Außerdem verurteile ich jeden der hier Anwesenden zu einer Strafe von 50 Cent dafür, dass er in einer Stadt lebt, wo eine Frau Brot stehlen muss, um ihre Enkelkinder zu versorgen.

 

 

 

Am nächsten Tag stand in der Zeitung, dass einer völlig irritierten alte Frau, die ein Brot gestohlen hatte, 47 Dollar und fünfzig Cents ausbezahlt worden waren. Davon habe 50 Cents der Ladenbesitzer mit hochrotem Kopf bezahlt und den Rest die über 70 Anwesenden im Gerichtssaal, die stehend applaudiert hätten!

Was für ein Augenblick der Gnade, des Staunens in diesem Gerichtsaal!

Bemerken wir solche Augenblicke überhaupt noch?

Verursachen wir sie überhaupt noch, weil wir Leute sind, die in dieser Gnade leben?

Wenn wir mit Jesus unterwegs sind, dann werden wir zu Trägern der Gnade die wiederum in die Dankbarkeit und zum Staunen führt.

 

Beispiel:

Wenn für mich Predigtvorbereitung und Vorbereitungen für andere Vorträge o. ä. angesagt sind, lasse ich mich ungern stören. Auch bei anderen Arbeiten die konzentriert erledigt werden müssen. Ich bin dann eher ein wenig ungehalten, wenn es an der Tür klingelt oder irgendjemand etwas von mir will.

 

In der Zeit, als ich noch hauptamtlich als Pastor aktiv war für die Christus-Gemeinde in Duisburg und in meinem Büro saß um z. B. eine Predigt in Ruhr vorzubereiten, war das manchmal so: Es klingelte und ich dachte: Wer stört mich denn jetzt schon wieder.

Und dann stand da Lenchen Hinzmann vor der Tür und drückt mir ein kleines Päckchen in die Hand mit den Worten: „Du mußt doch immer soviel arbeiten. Hier hast du ein bisschen Nervennahrung.“

Und als ich dann das meistens liebevoll eingepackte Päckchen öffnete, fanden sich ein paar Köstlichkeiten für das zweite Frühstück! Einfach so!

Da bleibt einem die Spucke weg!

Lenchen Hinzmann ist inzwischen bei Gott in der Herrlichkeit. Und auch wenn ihr nichts  Besseres passieren konnte, als dort bei Gott zu sein – wir als Familie vermissen sie. Nicht wegen der netten Mitbringsel, die es immer wieder mal gab. Sondern wegen ihres Wesens und ihrer liebevollen Art, die nach meinem Empfinden viel von dem Wesen Gottes wiederspiegelte. Und immer wenn ich mal wieder ein Bild in der Hand halte, wo sie mit drauf ist oder einen Gegenstand, der von ihr stammt, muß ich auch an diese Begegnungen an der Bürotür denken.

Ich erzähle Euch das jetzt nicht, um Euch einen dezenten Hinweis auf mein noch ungeklärtes zweites Frühstück zu geben.

Nein, ich erzähle Euch das, weil Gott Menschen zu Trägern der Gnade macht, damit wir das Staunen nicht verlernen. Und das DANKEN!

Dankbarkeit für das was wir haben und sind. Mit der Bereitschaft zum Teilen. Mit den Menschen z. B., die diese für uns oftmals Selbstverständlichkeiten, nicht als Selbstverständlichkeiten erlebt haben.

Die für Ihre und die Freiheit ihrer Familie lange und schwierige Wege auf sich genommen haben. Die sich Gefahren ausgesetzt haben.

Heute sind es die aktuellen Flüchtlinge, die bei uns angekommen sind, Schutz suchen, ein neues Zuhause. Früher waren es u. U. unsere Vorfahren.

Meine Eltern waren Flüchtlinge. Deutsche, aber Flüchtlinge. Meine Mutter ist in den 50er Jahren vom Gebiet der damaligen DDR, aus ihrer angestammten Heimat Mecklenburg-Vorpommern geflüchtet. Mein Vater ist in einem deutschen Siedlungsgebiet in Wolynien geboren, nachdem seine Familie schon mehrere Generationen dort lebte – von daher weiß ich nicht, welches Erbgut alles in mir steckt – und ist auf der Flucht nach Deutschland zunächst Polen hängen geblieben, bevor es nach dem Krieg weiterging nach Westdeutschland, in den Norden, nach Hamburg.

Wo sich meine Eltern dann kennengelernt haben. Mein Vater war schon lange etabliert, bevor er meine Mutter im damaligen Flüchtlingslager kennenlernte, in dem er Cousins besuchte, die zu einem späteren Zeitpunkt als er im Westen gelandet sind.

Also, ich bin „Flüchtlingskind“ – und dem guten Gott sehr dankbar, das die Familien meiner Eltern – meine Mutter ja schon sehr bewusst aus eigenen Stücken – den Weg in den freien Westen gesucht haben.

Und Menschen haben damals mit ihnen geteilt. 

Jetzt sind wir dran.

 

Paulus schreibt:

„Wie groß ich doch Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit, wie tief seine Gedanken!“

 

Plötzlich ist sie überall: Gnade Gottes.

Auch da, wo wir sie gar nicht vermuten und oft wissen die, die es betrifft, gar nicht viel davon.

Wir beginnen zu staunen über die Möglichkeiten und die Größe Gottes:

·     Größe Gottes in herrlicher Musik!

Ich weiß nicht, ob Beethoven Christ war, aber Gott verherrlicht sich in seiner Musik, ob das dem Herrn Beethoven bewußt war oder nicht!

Mozart war ein seltsamer Geselle, aber Gott verherrlicht sich in seiner Musik. 

 

‘Bridge over troubeld water’ von Paul Simon ist wie eine musikalische Predigt.

‘Tears in heaven’ von Eric Clapton läßt einen innehalten und nachdenken, ob es im Leben nicht mehr gibt, als all der vordergründige Lärm.

Größe Gottes, und wir staunen über die Wege Gottes, der sich auch da verherrlicht, wo es die Betroffenen gar nicht merken!

 

·     Größe Gottes in der Literatur!

‚Das Testament’ z.B., ein Roman, der lange Zeit auf den Bestsellerlisten stand, mit detailierter Beschreibung, wie ein Mensch Christ wird. Herrlich!!

Was ist das für ein Gott, der mitten in unsere gottlose Zeit solche Zeichen setzt.

Ich staune und bete an!

 

·     Oder Gottes Größe in Filmen!

‘Forrest Gumpp’ war so einer. Gegen unsere kalte Welt tritt hier auf den Kinoleinwänden in aller Welt Gnade auf!

‘Green Mile’ war auch so einer.  Er spiet im Todestrakt eines amerikanischen Gefängnis der 30er Jahre. Und es wird viel über Gott und die Ewigkeit gesprochen und Menschen gezeigt, die göttliche Heilungskraft besitzen. – Beides Filme mit Tom Hanks.

„Bruce Allmächtig“. Als Komödie konzipiert, aber auch immer wieder tiefer gehend, mit Versuchen, das Wesen und die Handlungsweisen Gottes zu erklären. Echt cool gemacht.

Immer wieder wird der Glaube in den letzten Jahren in nicht wenigen großen Kinofilmen zum Thema gemacht.

Etwas zum Staunen und Danken!

 

·     Oder Staunen über die Größe Gottes in der Tageszeitung

Das steht eine Kolumne in der Tageszeitung unter dem Titel: ‘Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte’:

„Ich würde Freunde zum Essen einladen, auch wenn der Teppich fleckig und das Sofa zerschlissen wäre. Ich würde mit meinen Kindern auf dem Rasen sitzen und mir keine Gedanken über Grasflecke machen. Ich würde nichts mehr kaufen, nur weil es praktisch ist oder unempfindlich. Wenn mich mein Kind ungestüm küssen würde, würde ich niemals sagen: Später, jetzt wasch dir die Hände, wir wollen essen. Es würde mehr ‘Ich-liebe-dichs’ geben, mehr ‘Tut-mir-leids’! Aber wenn ich ein zweites Leben bekäme, würde ich mehr als alles andere jede Minute ergreifen, sie anschauen, sie wirklich sehen und sie niemals wieder zurückgeben.“

 

In der Tageszeitung: Ein Echo der Gnade Gottes!

Bemerken wir das eigentlich noch?

Gott redet auch heute zu den Menschen, mehr, als wir Frommen das vielleicht manchmal meinen.

Er hat Möglichkeiten genug diese Sehnsucht nach IHM zu
wecken, nach wirklicher Freude, nach Erfüllung!

„Wie groß ich doch Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit, wie tief seine Gedanken! Wie unbegreiflich für uns seine Entscheidungen und seine Pläne!“

Selbst Leid und Tod begrenzen die Möglichkeiten Gottes nicht. Oft sind es gerade die Grenzsituationen des Lebens, die Menschen dazu bringen, über Gott nachzudenken.

Beispiel:

In Duisburg habe ich einen guten Freund. Jürgen Focke. Er ist Arzt und hat eine eigene Praxis. Und er ist Christ. Sein Christsein beeinflusst auch seine alltägliche Arbeit. Wenn sich die Gelegenheit bietet und er feststellt, hinter dem Krankheitsbild eines Patienten steckt mehr als körperliche Gebrechen, sondern echte seelische Not, dann nimmt er sich auch mehr Zeit als üblich und manchmal betet er auch mit seinen Patienten.

Eines Tages rief er mich an und bat mich, ihn zu einem Patienten zu begleiten, der Krebs im Endstadium hatte. So um die 70 Jahre alt. Dieser Mann hatte mehrere Läden in Duisburg gehabt. Sein Leben nicht nach Gott gefragt und Gottesdienste so gut wie nie besucht. Als es deutlich war, das dieser Mann nach menschlichem Ermessen keine Chance mehr auf Heilung hatte, begann Jürgen mit ihm über Gott zu sprechen und hat ihm erklärt, wie man in den Himmel kommt. Und der Mann wollte in den Himmel kommen. Dann hat Jürgen mit ihm gebetet und der Mann hat sein Leben Jesus übergeben, bewusst Gott anvertraut. Das brachte Ruhe in sein Leben. Und seine Freunde, die ihn immer wieder besuchten, waren baff erstaunt, als er ihnen immer wieder erzählte, daß er jetzt beten würde, an Gott glaubt und das ihm das unwahrscheinlich viel Kraft gibt.

Und dann fragte der Mann Jürgen, ob er ihn beerdigen würde, wenn er gestorben ist. Das könne und wolle er nicht, sagte Jürgen, aber wüßte jemanden, der das machen könnte und hat diesem Patienten von mir erzählt. Er wollte mich dann kennenlernen. So sind wir dann zu ihm gefahren und hatten ein langes, intensives Gespräch. Haben auch zusammen gebetet. Und er wollte, daß ich ihn beerdige, wenn es dann soweit ist. Als es soweit war, waren wir als Familie dann leider im Urlaub und ich habe bei der Rückkehr erfahren, das er bereits verstorben und auch schon beerdigt war. Das war zwar einerseits schade, aber er ist bei Gott – egal wer die Trauerfeier geleitet hat. Seine Frau habe ich dann noch besucht und mit ihr und der anwesenden Nachbarin ein langes Gespräch geführt – mit viel Tränen. 

Gott hat im Elend des Lebens dieses Geschäftsmannes, durch einen anderen Menschen zu ihm gesprochen. Ich werde diese Begegnung

Begegnung mit diesem Mann, am Krankenbett in seiner Wohnung, nie vergessen, so kurz vor seinem Tod. Dieser Mann hatte Frieden mit Gott. Die leidvollen Stunden seines Lebens hatte ihn aus der Trägheit des Alltags herausgeholt und ihn Gott finden lassen.

Gott hat wunderbare Möglichkeiten und ich kann nur staunen darüber!

Wißt Ihr, es gab eine Zeit, da wurde in der Kirche gelehrt, daß man Jesus nur wirklich nachfolgen kann, wenn man die Güte, Wahrheit und Schönheit der Dinge dieser Welt leugnet.

Das ist nicht die Lehre der Bibel.

Die Bibel singt ein Loblied auf den Schöpfer. Und wir ehren IHN, wenn wir über seine Weisheit und Macht staunen.

 

Ich lese Euch noch ein paar Verse aus Psalm 104:

„O Herr, welch unermeßliche Vielfalt zeigen deine Werke! Sie alle sind Zeugen deiner Weisheit, die ganze Erde ist voll von deinen Geschöpfen.

Du läßt Gras für das Vieh wachsen und Pflanzen, die der Mensch anbaut. Er pflügt das Land, sät und erntet.

So hat er Wein, der ihn erfreut, Öl, das seinen Körper pflegt, und Brot, das ihn stärkt!

Singen will ich dem Herrn, solang ich lebe, für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang.“

Genießt die guten Gaben Gottes.

Nutze jeden Tag!

 

Freue Dich an allem, was Gott Dir schenkt - nur vergiß IHN nicht, um alles in der Welt, vergiß IHN nicht! Und vergiß nicht IHM zu danken.

Wir verlieren den Himmel, wenn wir über dem Geschöpf den Schöpfer vergessen.

Es kann eigentlich nichts Schlimmeres geben als diese Eine:

Daß wir uns selbst die Ehre geben, die allein Gott gebührt!

 

Ich will mit einem Gebet schließen, das Du zu Deinem Gebet machen kannst, wenn Du das willst:

„Lieber Herr, gewähre mir die Gnade des Staunens. Überrasche mich, versetze mich in Erstaunen, fülle mich mit Ehrfurcht über jeden Winkel deines Universums. Erfreue mich damit, dass ich sehe, wo du in Menschen gegenwärtig bist, wie Jesus an zehntausend Orten spricht, durch die Gesichter der Menschen. Entzücke mich jeden Tag mit deinen zahllosen wunderbaren Dingen. Ich bitte dich nicht, dass ich den Grund für all das sehen kann; ich bitte dich nur, dass ich am Wunder all dessen teilhaben darf. Und um eines bitte ich Jesus: laß mich das Staunen und das Danken nie verlernen und vergessen.“

Amen !