Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Römer 11,33.36

Pfarrer Michael Greßler (ev.)

22.05.2016 Stadtkirche St. Trinitatis zu Camburg/Saale

I. Von ihm

»O welch eine Tiefe des Reichtums,

der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!

Wie unbegreiflich sind seine Entscheidungen

und unerforschlich seine Wege!«

 

Jetzt geht es ja wieder draußen auf dem Rasen.

Es wird Sommer. Und der Ball ist rund.

Sie ziehen sich um, sie gehen hinaus.

Und eine trainiert die Kinderfußballmannschaft.

Zeigt ihnen die Regeln. Und die Tricks.

Und daß man fair sein muß.

Und Ausdauer haben.

Und dann beginnt das Spiel.

Emily.

 

»Denn von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!«

 

Die Hände suchen Halt.

Da ist eine Spalte im Stein.

Zuhause hat er es tausendmal trainiert,

in der Halle an der Kletterwand.

Seine Finger haben Kraft.

Und er greift zu. Die Füße folgen nach.

Zug um Zug nach oben.

Gut gesichert mit dem Seil.

Aber frei.

Immer wieder fährt er zu den Felsen.

Sächsische Schweiz oder Franken.

Und dann ist wieder eine Wand geschafft.

Carl.

 

»Denn von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!«

 

Oben in Zöthen.

Der große Hof.

Die Ställe.

Reithalle und Sandplatz.

Und ausreiten ins Land.

Das Pferd ist stark. Sein Rücken ist warm.

Coyana heißt es.

Sie vertrauen einander.

Und dann reiten sie los.

Lara.

 

»Denn von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!«

 

Das Papier raschelt beim Umblättern.

Und auf jeder Seite geht es weiter.

Die Bilder erzählen eine Geschichte.

Und sie taucht ganz tief ein,

in die Geschichte, in die Bilder,

in die Welt, die da entsteht.

Es ist ein ganz eigener Stil, diese Manga-Comics.

Das gefällt ihr sehr.

Inzwischen kann sie sogar selber welche zeichnen.

Johanna.

 

»Denn von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!«

 

Und einer drückt auf den Knopf –

und die Konsole fährt hoch.

Der Bruder und die große Schwester sind auch da.

Aber jetzt ist seine Zeit.

Das Spiel lädt, dieses eine Spiel,

das ihn grade so fasziniert.

Level um Level.

Fast könnte er die Welt um sich herum vergessen.

Denn da ist eine ganz eigene Welt.

Eine Welt, in der er etwas gestalten kann.

Halb Spiel halb Wirklichkeit.

Mirko.

 

»Denn von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!«

 

Und wenn abends der Fernseher an ist,

dann kann man nicht weggehen.

Es ist einfach zu spannend. FiFa.

Wenn Weltmeisterschaft ist,

dann geht es auch mal bis in die Nacht.

Ich habe keine Ahnung von Fußball.

Einer schon.

Er kennt die Vereine, die Spieler,

die Schiedsrichter und die Tabellen.

Da sitzt er und schaut.

Und jubelt bei manchem Tor.

Und ärgert sich über manches Foul.

Philipp. Philipp Eichholz.

Wir haben ja zwei.

 

»Denn von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!«

 

Der andere springt lieber.

Da ist dieser Metallring mit einem Netz dran.

Als ich klein war, hab ich immer gedacht:

So ein blödes Ding, dieses Netz ist ja unten offen,

da kann der Ball ja nicht drin bleiben.

Soll er ja auch nicht.

Das Spiel muß weitergehen. Punkt um Punkt.

Und er ist dabei. Mit den anderen.

Eine Mannschaft. Ein Team.

Er schaut zu den anderen.

Und dann läuft er. Kämpft. Und wirft.

Philipp. Philipp Teuchert.

 

»Denn von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!«

 

Und dann ist Fasching.

Monatelang haben sie geübt.

Als sie zum ersten Mal

diese blau-weiße Uniform

von den Camburger Fünkchen anhatte,

war sie stolz ohne Ende.

Aber denkt nicht, das ist nur lauter Spaß.

Es sieht ganz leicht aus. Und elegant.

Aber bis es so weit ist, kostet es Arbeit und Schweiß.

Aber sie würde es nie aufgeben,

das Tanzen mit den anderen.

Lena-Sophie.

 

»O welch eine Tiefe des Reichtums,

der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!

Wie unbegreiflich sind seine Entscheidungen

und unerforschlich seine Wege!

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!«

 

II. Durch ihn

Und nun sitzt ihr hier.

Eure Konfirmation.

Euer Tag.

Eine große Gemeinde.

Brot und Wein auf dem Altar.

Euer Ja.

Gottes Segen.

Segen für euch.

 

»Denn von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.«

 

Und als ihr geboren worden seid,

ja noch vorher, als ihr eben erst geworden seid,

da hat Gott schon an euch gedacht,

und an alles, was aus euch werden kann.

 

 

Und wenn ihr mit den Kindern über den Rasen prescht,

wenn ihr auf der Bühne steht beim Fasching,

wenn ihr das Fußballspiel schaut,

wenn ihr Mangas zeichnet oder an der Konsole sitzt,

wenn ihr den Ball gerade noch in den Korb bekommt …

wenn ihr auf Coyana reitet …

und wenn ihr endlich oben seid

und die Wand bezwungen habt …

dann seid ihr genau da, wo Gott euch haben will:

Glücklich.

 

»Denn von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.«

 

Und so wird es bleiben.

Es wird weitergehen.

Ihr werdet wachsen und reifen. Richtig groß werden.

Und wenn ihr etwas tut und werdet,

wenn ihr lernt und plant …

auch wenn ihr weint und wütet … und träumt:

Es ist durch ihn.

 

»Von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.«

 

Eure Glücksmomente.

Und auch schwere Zeiten.

 

Eure Worte:

Mögen sie gut sein, freundlich und weise.

 

Eure Taten:

Mögen sie voll Kraft und Liebe sein

für alle, die euch brauchen.

 

Eure Gedanken:

Mögen sie klug sein und Gedanken des Friedens.

Gott gibt euch auch die Kraft dazu.

 

»Denn von ihm und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.«

 

III. Zu ihm

Und das hört nicht auf.

Von Gott seid ihr gekommen.

Durch Gott lebt ihr.

Mit ihm geht ihr in die Zukunft.

 

»O welch eine Tiefe des Reichtums,

der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!

Wie unbegreiflich sind seine Entscheidungen

und unerforschlich seine Wege.«

 

Wie eure Zukunft wird, weiß niemand.

Wir wünschen Euch, daß sie gut wird. Und glücklich.

Und wenn Leid kommt, dann sollt ihr getröstet werden.

 

Vor allem:

Gott soll euch immer wieder überraschen –

Er hat ganz ungeahnte Möglichkeiten

und neue Wege.

 

Und am Ende sollt ihr einmal dankbar zurückschauen.

 

Und dann kommt die ganz große Zukunft.

 

Einmal endet das Spiel.

Dann ist die letzte Wand erklommen

und der letzte Tanz getanzt.

Das große Finale ist entschieden

und der Ritt eures Lebens kommt ans Ziel.

Die Geschichte ist zu Ende erzählt

und der letzte Highscore erreicht.

 

Aber dann ist es immer noch so.

 

»Von Gott und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.«

 

Alle Dinge.

Eure Dinge. Euer Leben.

Und ihr.

 

»Denn von ihm und durch ihn und zu ihm

sind alle Dinge.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!«

Amen.

 

Der Friede Gottes,

der höher ist als alle Vernunft,

bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

 

Predigtlied:     Ins Wasser fällt ein Stein