Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Römer 1,16

Pfarrer Thomas Berke (ev.)

09.04.2017 Ev. Kirche Mülheim a. d. Mosel

Konfirmation

 „Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.“

 

Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

 

wir leben in einer Welt voller schlechter Nachrichten. Wir brauchen nur die Nachrichten einzuschalten oder die Zeitung aufzuschlagen: Terroranschlag in Stockholm, Giftgaseinsatz in Syrien, Korruption und Verbrechen aller Art.

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Wenn zum Beispiel ein junger Mann dem Mädchen seines Herzens seine Liebe erklärt.

Die Ausersehene fragt sich natürlich: Wird dieser junge Mann ganz für mich da sein oder denkt er nur an sich? Das ganze würde in die Leere laufen, wenn das Mädchen nicht auf diesen Bräutigam vertrauen und seine Liebe nicht erwidern würde. Aber wenn sie das Vertrauen hat, dass er ganz für sie da sein will, dann wird sie die Liebeserklärung als eine gute Nachricht hören und mit Freude erwidern.

 

Es ist das „Ja“, das mit ganzem Herzen und ohne Vorbehalte gesprochen wird, durch das eine Liebesbeziehung zustande kommt. Jedes Mädchen, das vor dieser Frage steht, ob es die Liebe des Bräutigams erwidert, weiß ganz genau: Dieses Ja hat Folgen. Ich kann nicht mehr so leben wie bisher. Ich bin dann nicht mehr allein. Ich gehe dann einen Weg zusammen mit ihm. Dann beginnt eine Love-Story, eine Liebesbeziehung, aus der ganz viel erwächst.

 

Jesus Christus vergleicht sich an mehreren Stellen im Neuen Testament mit einem Bräutigam, der seiner Braut seine Liebe erklärt. Die „Braut“ sind an dieser Stelle alle Menschen zu allen Zeiten in der ganzen Welt. Also auch Du und ich, wir alle hier im Gottesdienst und natürlich auch unsere Konfirmanden.

Uns allen ergeht es ganz genauso wie der Braut, die eine Liebeserklärung hört. Wir fragen uns: Wird dieser Jesus Christus ganz für mich da sein? Kann ich ihm vertrauen? Diesem Jesus Christus, der am Kreuz schmachvoll wie ein Verbrecher gestorben ist? Kann ich dem vertrauen?

 

Die Antwort des Evangeliums lautet: Ja, du kannst Jesus Christus voll und ganz vertrauen. In ihm erkennst du Gott, der nicht für sich selbst und ganz für dich da sein will. Darum hat er sein Leben für dich am Kreuz hingegeben.

 

Das heißt: In der Begegnung mit Jesus Christus ergeht es uns wie einer Braut, die mit einer Liebeserklärung konfrontiert wird. Da stürmen Gedanken auf einen ein. Zweifel „Ist das der richtige?“ „Kann ich ihm vertrauen?“  „Ist er gut für mich und mein Leben?“ Aus dem Zweifel folgt ein inneres Ringen. Aber letzten Endes ist es sein Wort und seine Person, die dahinter steht, durch die du vertraust.

 

Wir haben alle das Evangelium, die gute Nachricht von der Liebeserklärung Gottes an uns gehört. Aber wenn sie uns nicht berührt, wenn wir sie nicht erwidern können, wird nichts oder noch nichts zustande kommen.

 

Wir werden jedoch mit „Ja“ darauf antworten, wenn wir auf sein Wort „Ich will für dich da sein in deinem ganzen Leben“ vertrauen. Wenn wir darauf vertrauen, dass Jesus Christus ganz für uns da ist, für uns sorgt und für uns eintritt, was immer kommen mag. Wir gehen dann unseren Weg nicht länger alleine, sondern mit Jesus Christus. Wir werden das gerne tun und gerne auf ihn hören und gerne seine Liebe annehmen.

So wie der Bräutigam zur wichtigsten Person in ihrem Leben wird, so wird Jesus Christus zur wichtigsten Person in unserem Leben, wenn wir seine Liebeserklärung erwidern.

 

Das hat Folgen. Denn wir werden bei all den kleinen und großen Entscheidungen auf Jesus Christus schauen und uns an seiner Liebe orientieren. Dabei gilt: Wer auf Jesus Christus hört, der wird gute Entscheidungen treffen und Sachen meiden, die sinnlos sind oder uns selbst oder andere kaputt machen. Wir werden in unseren Mitmenschen in Not immer auch das Antlitz Christi erkennen.

 

Ihr, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, habt euch entschlossen, die Liebeserklärung von Jesus Christus zu erwidern und „Ja“ des Glaubens zu Jesus Christus zu sprechen. Das geht auch bei Euch nicht ohne inneres Ringen ab. Und dieses „Ja“ wird immer wieder angefochten sein. Die Anfechtung bringt Paulus mit dem „sich schämen“ zum Ausdruck. Vertraue ich da nicht auf einen, der schmachvoll am Kreuz gestorben ist?

 

Aber Paulus hat das Evangelium, die gute Nachricht von der Liebeserklärung als eine Kraft Gottes erfahren, die alle selig macht, die daran glauben. Er hat also erkannt: Am Ende, wenn ich sterben muss, kann mir nur einer helfen. Das ist Jesus Christus, der für mich in den Tod gegangen ist. Kein anderer. Wer jetzt mit einem „Ja“ die Liebeserklärung erwidert, der hat die Gewissheit, dass am Ende Jesus Christus das letzte Wort behält, Er allein kann helfen, damit ich nicht verloren gehe.

 

So wie euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, geht es eigentlich allen hier in der Kirche. Alle kennen das innere Ringen, das Zögern, die Vorbehalte und die Anfechtungen.

Aber ihr könnt euch darauf verlassen, dass ihr so zu Jesus kommen könnt, wie ihr seid, dass Jesus euch beisteht, was immer geschieht, damit ihr nicht verloren geht.

 

Die Erwiderung der Liebeserklärung wird auch Euer Leben verändern. Einfach weil ihr nun Euren Weg nicht länger alleine geht, sondern zusammen mit Jesus Christus. „Ihr könnt zu Jesus Christus kommen wir ihr seid, aber ihr müsst nicht so bleiben, wie ihr wart.“   Weil ihr gerne auf Jesus Christus hört und euch seine Liebe zur Liebe anleitet. Und Liebe bedeutet:

  • Für den anderen da sein, so wie Gott für mich da ist.
  • Mit dem anderen gut umgehen, so wie Gott mit mir gut umgeht.
  • Dem anderen vergeben, so wie Gott mir vergeben hat.
  • Gute Entscheidungen treffen im Hören auf Gottes Wort, indem ich immer wieder auf Jesus und seine Liebe schaue.

Der Glaube bedeutet: Ich erkenne, dass ich unglaublich viel von Gott empfangen habe. Empfangen und Weitergeben, das ist Bewegung des Glaubens zur Liebe.

Dann wird der Satz des Apostel Paulus zu eurem eigenen Satz:

„Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.“ Amen.

 

 

Wir beten:

Herr Jesus Christus, du hast uns mit dem Tod am Kreuz und mit der Hingabe deines Lebens deine grenzenlose Liebe gezeigt. Gib, dass unsere Konfirmandinnen, unsere Konfirmanden und auch wir alle diese Liebe erwidern, in dieser Liebe bleiben und unseren Weg mit dir gehen, in der Gewissheit, dass wir durch dich nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Amen.