Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Römer 15,7

Pfarrerin Irmtraud Fischer (ev.)

01.05.2016 Evangelische Christuskirche Buchen / Odenwald

Konfirmation

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

liebe Eltern, Paten und Gäste,

liebe Festgemeinde!

 

Was war das für ein Gefühl, liebe Jugendliche, auf einem roten Teppich einzuziehen? Links und rechts standen eure Familien und viele Gäste Spalier. Fotoapparate wurden gezückt. -

 

Normalerweise bleibt der rote Teppich den VIPs unserer Welt vorbehalten: "Very important persons", ganz besonders wichtigen Personen: Stars aus Film, Theater und Musik, Staatsoberhäuptern, Fürsten und Königen.

 

Doch der rote Teppich liegt nicht zufällig da - nicht bei uns und nicht in anderen Kirchen. Im neuen Testament heißt es einmal: Gott verleiht uns durch den Glauben an Jesus Christus königliche Würde (1. Petrus 2,9 "königliche Priesterschaft").

Heute, an eurer Konfirmation feiern wir Gottes Ja zu euch in der Taufe und euer Ja zu ihm in der Konfirmation. Das Thema eurer Konfirmandenzeit spielt darauf an:

"Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat - zu Gottes Lob!"

 

Wenn das kein Grund ist, auf einem roten Teppich einherzuschreiten!

 

Ihr singt uns nun den Kanon zum Konfi-Thema, den unser Organist Herr Herbst für unsere Gemeinde geschrieben hat.

 

LIEDVORTRAG der Konfirmandinnen und Konfirmanden:

     „Nehmt einander an" (Kanon von Rolf Herbst)

"Nehmt einander an, nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat,

zu Gottes Lob, zu Gottes Lob!"

 

                                                 

Um Gottes Lob geht es. Darin besteht das Ziel unseres Lebens als Christen.

Das schreibt der Apostel Paulus den Christen in Rom ins Herz. Diese hatten - so würdet ihr Jugendlichen sagen - ganz schön Zoff miteinander. Und beide Seiten waren sich sicher: Nur unser Verhalten entspricht dem Glauben an Jesus Christus.

 

Paulus wird um Rat gefragt. Er antwortet anders als erwartet. Er gibt nämlich keiner der Parteien recht, sondern schreibt:

 

 

LESUNG: Römer 15, 1-7 in Auszügen   

KonfirmandIn

Wenn wir einen starken Glauben haben, ist es unsere Pflicht, die anderen in ihren Schwächen mitzutragen, an-statt uns selbstgerecht über sie zu erheben. Auch Jesus hat nicht einfach sein Ding gemacht, sondern das, was ihm Gott aufgetragen hat.

Gott, der Geduld und Mut schenkt, gebe euch, dass ihr untereinander einig seid, so  wie es dem Glauben an Jesus Christus entspricht. Dann könnt ihr miteinander wie aus einem Mund den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus loben.

Lasst einander also gelten und nehmt euch gegenseitig an, so wie Christus euch angenommen hat. Das dient zum Ruhm und zur Ehre Gottes.

(aus Röm. 15,1-7, kursiv: paraphrasiert)

 

Das folgende Lied überlegt, was das konkret bedeutet: "Nehmt einander an". Text und Musik stammen von Friedemann Wutzler, einem christlichen Songschreiber und Komponisten.

 

LIEDVORTRAG der Konfirmandinnen und Konfirmanden: 

     „Nehmt einander an" (Friedemann Wutzler)

Kehrvers:  Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. Denn Hoffnung auf Einheit beginnt durch den, der uns liebt, wie wir sind.

1.    Statt Mauern die uns noch trennen, können Brücken neu entstehn. Lass und Chancen der Vielfalt erkennen, und die Saat der Liebe sä'n. Kehrvers: Nehmt einander an ...

2.    Lasst die Sonne nicht untergehen, wenn der Zorn noch in euch wohnt. Lasst den Weg der Versöhnung uns sehen, der zu gehn sich wirklich lohnt. Kehrvers: Nehmt einander an ...

3.    Denn kein Grund soll uns daran hindern, auf den andern zuzugehn. Herr, lass durch unsere Köpfe und Herzen, deinen Geist der Liebe wehn. Kehrvers: Nehmt einander an ...

4.    Selbst Geborgenheit zu erleben, heißt dem andern zu vertraun. Angenommen zu sein heißt auch geben, schafft zum atmen Lebensraum.

 

Bridge (Überleitung): Diese Hoffnung ist nicht verloren, wenn die Liebe uns berührt. Es ist Liebe, die aus Gott geboren, und die uns zur Einheit führt.

Kehrvers: Nehmt einander an ...

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

liebe Eltern, Paten und Gäste,

liebe Festgemeinde!

 

"Diese Hoffnung ist nicht verloren,

wenn die Liebe uns berührt.

Es ist Liebe, die aus Gott geboren,

die uns zur Einheit führt."

So habt ihr Jugendlichen am Ende gesungen.

 

"Nehmt einander an" - das muss nicht aus eigener Kraft geschehen. Gottes Liebe berührt uns und will durch uns überströmen auf andere. So können wir Brücken bauen statt Mauern, aufeinander zu gehen, Versöhnung wagen, Geborgenheit schenken ...

 

Ihr selbst habt in der Konfirmandenzeit vielfältige Erfahrungen damit gemacht - vermutlich oft, ohne dass es euch bewusst war!

 

Die Osterkerze hier vorne hat das Motiv eurer Konfi-Kerzen aufgenommen. Es stellt euer Konfi-Thema in einem Bild dar. Darum haben wir die Osterkerze als Blickfang auf die Titelseite des Gottesdienstprogrammes gedruckt.

 

Vier Hände greifen aus vier verschiedenen Richtungen ineinander - so wie mittlerweile in nahezu jedem Land der Erde Menschen aus allen Himmelsrichtungen leben.

 

Die Hände verbinden sich. -

Ich lade Sie ein, dass in den Reihen zu probieren. Dazu bitte ich Sie aufzustehen und jeweils zwei über eine Bankreihe hinweg die Hände zu ergreifen und einen Stern zu bilden. Das heißt, die vorderen drehen sich zu den Hinteren um. Manchmal wird es nicht genau aufgehen. Lassen Sie sich einfach etwas einfallen ...!

Halten Sie einander für einen Moment.

 

AKTION: Hände greifen

 

Vielen Dank! Bitte setzen Sie sich wieder.

 

Als unterschiedliche Menschen hatten Sie den Mut, sich mit ihren Händen für einige Augenblicke zu verbinden. Von hier oben habe ich viele lächeln gesehen.    Die Atmosphäre hat sich verändert. Mit Ihren Händen haben Sie sich auch gegenseitig ein wenig wahrgenommen.

 

Vielleicht haben Sie aber auch gemerkt: Das ist gar nicht so einfach. Dazu braucht man Mut. Nicht jeder oder jede von uns kann das - vor allem dann, wenn wir den anderen nicht kennen.

 

Die unterschiedlichen Hautfarben auf der Kerze  erinnern daran: Jeder Mensch ist einzigartig. Einander anzunehmen kann manchmal sehr leicht, dann wieder erschreckend schwer sein. Da empfinden wir für einen Fremden auf Anhieb Sympathie. Umgekehrt bleibt uns einer, mit dem wir viel tun haben, trotzdem fremd.

 

Weil Gott uns ganz verschieden geschaffen hat, brauchen wir einander. Denn keiner kann alles, aber jeder kann etwas. Gott will, dass wir uns mit unseren Gaben gegenseitig ergänzen und bereichern. Das gelingt nur,  wenn wir uns mit unseren Ecken und Kanten annehmen,  wenn wir uns an den Stärken anderer freuen, statt sie ihnen zu neiden.

 

Darum sind die Hände nicht nur miteinander verbunden, sondern greifen ineinander.

Besonders gut erfahrbar war das für euch beim 2. und 3.  Konfi-Erlebnistag.

Da hieß es zum Beispiel: "Gemeinsam hoch hinauf". Im Hochseilgarten lassen sich die Aufgaben nur miteinander bewältigen. Da muss sich einander auf den anderen verlassen. Da kann sich keiner Animositäten leisten.

 

Beim 3. Erlebnistag "Gemeinsam auf der Suche" habt ihr miteinander Geocaches gesucht. Ihr musstet Gesangbuchlieder herausfinden oder die Zahl der in einer Bibelstelle genannten Tiere oder ... Die einen erwiesen sich da als fit, die anderen hatten ein unglaubliches Gespür, wo der Schatz versteckt sein könnte. Konnte dessen Rätsel gelöst werden, zeigte er den Weg zum nächsten ...

 

Auch Konfi-Band und Konfichor funktionieren nur, wenn alle ihren Teil dazu beitragen.

 

Übrigens: Die Osterkerze selbst ist ein Gemeinschaftswerk von Frau Schleßmann, unserer Diakonin, und einer Jugendlichen, die letztes Jahr konfirmiert wurde. Ganz gespannt habe ich den Entstehungsprozess der Kerze mit verfolgt. Ich war fasziniert davon, wie sie schließlich aus Gedanken und intensiven Gesprächen zu eurem Thema sowie zahlreichen Entwürfen entstand.

 

Auf der Osterkerze ist die Hand von oben in Mattgold gehalten. Sie erinnert daran: Jesus Christus hilft uns dabei, zusammenzufinden, uns zu ergänzen. Jedem und jeder einzelnen von uns gilt sein Ja.

Dafür hat Jesus ein hohen Preis gezahlt.

 

Darum bilden die vier Hände ein Kreuz.

Einander zu akzeptieren gelingt nicht ohne Weiteres. Wir haben unsere Macken. Manchmal kostet es ganz schön Überwindung, den Schritt auf den andern zu zu wagen. Wir scheitern dabei, geraten in Schuld. Diese Schuld hat Jesus ans Kreuz getragen, damit wir aus seiner Vergebung leben können.

 

Die Taube oben auf der Kerze weist auf den Heiligen Geist. Er wirkt, wo immer Menschen Leben gemeinsam anpacken und füreinander da sind.

 

Die Hostie hinter den Händen - auf den Fotos leider nicht zu erkennen - führt uns zum Abendmahl. Jesus schenkt sich uns in Brot und Wein. Er fügt uns zusammen, so unterschiedlich wir  in unseren Gaben und Schwächen sind. Er stärkt uns als Einzelne und als Gemeinschaft.

 

Wo es gelingt, Ja zueinander zu sagen - und zu leben,  da wird es hell! Darum leuchtet die Ostersonne im Hintergrund.

 

Wir wünschen euch,

dass das Ja Jesu zu euch und euer Ja zu ihm euch in eurem Leben trägt,

dass ihr Freude an den Menschen um euch herum habt und dass das, was ihr tut, ineinander greift

dass ihr so zu Gottes Lob lebt und sein Licht weitergebt.

Amen.