Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Ruth 1,16

Pfarrer Uwe Krauß (ev.)

08.07.2017 St. Franziskus Kirche Bernsfelden

Trauung

Liebes Hochzeitspaar,

 

hohe Zeit,

unterschieden vom alltäglichen Lauf der Tage

hohe Zeit, Hochzeit

Stunden, Augenblicke,

in denen der Weg zweier Menschen unauflöslich

zusammenfindet.

 

Martin und Kristin,

Bernsfelden und Finsterlohr

Grundschule

und danach das Gymnasium

in Weikersheim und Bad Mergentheim

 

vielleicht wärt Ihr Euch nie begegnet,

wenn es nicht den Triathlonverein

in Freudenbach gegeben hätte …

die gemeinsame Sportbegeisterung

hat euch mit 12 und 13 Jahren zusammengeführt

da hat es ganz gut gepasst,

dass der Vater des Bräutigams

in den Anfangsjahren

Triathlontrainer der künftigen Braut gewesen ist

(noch ohne zu ahnen,

dass er seine zukünftige Schwiegertochter ausbildet …)

Aus Freundschaft wurde Liebe und

so geht ihr schon seit 11 ½ Jahren

miteinander euren Lebensweg

auf Höhen, durch Tiefen,

ein lebendiges Auf und Ab

gerade so wie Ihr es beide von eurer Leidenschaft,

dem Rennradfahren her kennt und liebt.

 

Von Anfang an waren eure Eltern begeistert

von eurem gemeinsamen Weg

und haben euch in unzähligen Kilometern

zwischen Finsterlohr und Bernsfelden

hin und her gefahren,

um euch zu unterstützen

es hat alles von Anfang an so gut gestimmt.

 

Heute genau vor einem Jahr,

am 8. Juli 2016

habt Ihr in Creglingen standesamtlich geheiratet,

heute nun sagt Ihr Euer JA

vor Gott und dieser christlichen Gemeinde.

 

Hohe Zeit, Hochzeit,                                  

Zeit der Freude aneinander,                       

dass Ihr beide euch gefunden haben!

Mann und Frau,

Kristin und Martin.

 

Aus einer Begegnung wird ein gemeinsamer Weg,

durch Höhen und Tiefen, Leid und Freud

Fundament des Weges:

Das JA zueinander.

Das lebenslange Versprechen füreinander.

 

Keine salopp daher geredeten Worte,

sondern Worte

mit letztem, tiefen Ernst

und unvergleichlicher Würde und Schönheit:

 

 

Wohin du gehst, 

dorthin gehe ich auch;

wo du bleibst,

da bleibe ich auch.

Dein Volk ist mein Volk

und dein Gott ist mein Gott.

 

Worte 3000 Jahre alt,

wer hat sie zuerst gesprochen?

 

Es ist schon lange her ...

In Israel herrscht eine Hungersnot.

Naemi verlässt ihr Heimatland Israel,

nimmt ihre beiden Söhne mit.                     

Vielleicht kann man im Ausland,

in Moab überleben.

Es gelingt,

mehr als das –

die beiden Söhne finden schnell Anschluss,

sie heiraten beide in der neuen Heimat

Frauen aus Moab.

 

Naemi aber trauert um ihre

verloren gegangene Heimat.

Die Jahre gehen ins Land.

Die beiden Söhne sterben.

 

Naemi hat nur noch

ihre beiden moabitischen Schwiegertöchter.

 

Sie entschließt sich,

wieder in ihre Heimat zurück zu gehen –

sie will

in der Muttererde begraben werden.

 

Die beiden Schwiegertöchter begleiten sie

bis zur Landesgrenze.                                             

Dort bleibt die eine zurück in Moab.

Naemi sagt auch zur anderen:

"Ruth, bleibe auch du hier in deiner Heimat Moab ..."

Aber Ruth will mit ihrer Schwiegermutter

in das für sie neue Land gehen

und deshalb sagt sie:

 

Wohin du gehst,

dorthin gehe ich auch;

wo du bleibst,

da bleibe ich auch.

Dein Volk ist mein Volk

und dein Gott ist mein Gott.

 

Liebes Hochzeitspaar,                                 

 

in diesen Worten der Ruth

habt Ihr Eure

Situation wiedergefunden.

Ihr wollt beieinanderbleiben,

egal,

wohin es Euch in Eurem Leben ziehen wird.

 

Ihr seid beide Promotionsstudenten

an der Uni Würzburg

in dem Fach Bio-Informatik

mit verschiedenen Schwerpunkten:

bei Kristin

ist es die Bildanalyse in der Elektronenmikroskopie,

bei Martin

die Netzwerksimulation.

 

Beide werdet Ihr am Ende des Jahres fertig

und Ihr seid bereits jetzt dabei,

herauszufinden,

wohin es euch zieht,

damit Ihr eure Begabungen

einbringen und leben könnt –

aber egal,

wohin die Lebensreise geht:

sie soll gemeinsam unternommen werden.

 

 

Wohin du gehst, 

dorthin gehe ich auch;

wo du bleibst,

da bleibe ich auch.

 

Ihr habt den festen Entschluss gefasst:

MITEINANDER

geht Ihr Euren Lebensweg.

Nichts kann Euch mehr auseinanderbringen,

Ihr gehört zusammen!

 

Ihr habt ja bereits ein langes Stück

gemeinsamen, guten Weges hinter Euch

 

Ihr seid keine blauäugigen Teenager mehr –

schon seit 2009 wohnt Ihr zusammen,

Ihr kennt euch so gut,

seid einander vertraut,

wisst um die Schwächen und Stärken des anderen.

 

Miteinander verbindet euch nicht nur

das gemeinsame Studieren,

das Forschen und Erkennen,

das gemeinsame Rennradfahren

im Radsportverein Würzburg,

das gemeinsame Schwimmen,

sondern auch die Verwirklichung

kreativer Projekte

 

zum Glück war Martins Onkel Schreiner

und so konntet Ihr bis vor einem Jahr

in der Schreinerei

handwerklich miteinander tätig werden -

in unserem Traugespräch

habt ihr mir

mit einem Leuchten in den Augen

vom Couchtisch erzählt,

der zum Esstisch

umfunktioniert werden kann

 

und natürlich auch von eurer Schatulle

für eure Eheringe,

die ihr aus dem Holz eines Lebensbaums hergestellt habt.

Auch eure Eheringe

habt ihr beide selbst

bei einem Goldschmied in Heidelberg füreinander gemacht

wenn ich es recht in Erinnerung habe

schmückt zumindest bei Kristin

ein wunderschöner Saphir den Ring …

bei Martin muss ich nachher schauen …

 

Und dann natürlich noch euer Siegel

mit den beiden Initialen:

K für Kristin,

M für Martin,

unauflöslich miteinander verbunden,

geborgen im Herz der Liebe,

umgeben von der perfekten Form des Kreises

so als ihr damit sagen wollt: 

unsere Liebe

ist eine runde Sache …

 

Als ich von eurer kreativen Ader gehört habe,

habe ich euch gleich 2 Texte

unserer Igersheimer Bibel zukommen lassen,

die ja gerade von 500 Menschen handschriftlich geschrieben wird

und dann im Sommer

in Heidelberg gebunden wird …

 

Kristin und Martin

Ihr habt wirklich so gute,

ja allerbeste Voraussetzungen,

dass euch Euer JA zueinander

ein Leben lang glücklich macht –

 

wir alle wünschen Euch von Herzen,

dass Ihr in Eurem Ehealltag

dieses JA leben könnt.

 

Es gibt ja nicht wenige Ehepaare, 

denen im Laufe ihrer gemeinsamen Jahre

die Liebe abhandengekommen ist.

 

Es gibt nicht wenige Ehepaare,

die machen sich das Leben miteinander ...

zur Hölle!

 

Zerfressen von Gewöhnung aneinander

fristen sie ein liebloses, trostloses Dasein ...

Es gibt Ehepaare,

die können v.a. die Fehler am Ehepartner aufzählen

 

Liebenswertes finden sie                                                                

nur noch wenig an ihm.  

Und sie merken oft erst

nach dem Verlust des Partners,

was sie an ihm gehabt haben-

 

Liebes Hochzeitspaar,

so soll es bei Euch nicht sein!

Eure Liebe ist auf Dauer angelegt

mehr als nur eine flüchtige Bekanntschaft,

mehr als nur ein paar Monate ...

 

Ihr habt schon Höhen und Tiefen

miteinander geteilt,

gemeinsame Projekte verwirklicht.

Eure Liebe

musste sich bereits im Alltag bewähren,

und sie hat sich

als stark und tragfähig erwiesen.

 

Nun soll sie weiterhin Bestand haben,

dauerhaft soll sie sein

und den Stürmen des Lebens trotzen.

Wie aber kann das gelingen,

damit es nicht nur ein paar schöne Wünsche am

Hochzeitstag bleiben ...?

 

Ich glaube, es kann nur gelingen, 

indem ich mich g a n z  auf den anderen einlasse.

Indem ich ganz JA zu ihm sage.

 

LIEBE ... das ist der Entschluss,

das GANZE eines Menschen zu bejahen,

die Einzelheiten mögen sein, wie sie wollen ...

 

Ich gehe auf´s Ganze –                                                            

ich trete in Begegnung

zu diesem bestimmten Menschen,

zu dieser Kristin, zu diesem Martin.

Ich suche Nähe zu ihm und                                                             

lasse Nähe zu.

Das Ganze eines Menschen bejahen

dieser bestimmte Mensch also,

mit seinen Schwächen und Stärken.

Nicht nur ein Teil von ihm,

sondern ihn ganz.

 

Wenn ich einen Menschen liebe,

wenn ich ihn ganz bejahe

dann mache ich mit meiner Liebe

meinen Partner ganz,

ich mache ihn mit meiner Liebe heil,

ich tue ihm gut.

 

Ich beschränke ihn nicht

auf seine Einzelheiten,

sondern ich bejahe ihn ganz,

sozusagen mit Haut und Haaren.

 

Hierin liegt das Geheimnis der Liebe,

ihre Schönheit, ihre Würde

wenn ich geliebt bin,

darf ich so wie ich bin

bei meinem Partner ankommen.

 

Ich muss keine Show mehr spielen,

kann die Masken ablegen – 

ich darf stark und schwach sein,

traurig oder fröhlich

 

ich bin stets willkommen,

erwünscht,

gemocht, gewollt, geliebt.   

                            

Ich kann mich fallen lassen

in die Arme meines Partners,                                                                   

einfach nur bei ihm da sein.

 

 

Er sieht mein manchmal                                                   

so unfertiges Leben,

er sieht mein Stückwerk

und trotzdem,

vielleicht gerade deshalb,

b e j a h t  er mich,

liebt er mich,

nimmt er mich an.

 

Er geht mit mir meine Wege,

auf Höhen und durch Tiefen.

Er begleitet mich.

Denn er hat mir gesagt:

 

Wohin du gehst,

dorthin gehe ich auch;

wo du bleibst,

da bleibe ich auch.

 

Mehr noch:

Wir haben es einander versprochen.

Zueinander JA gesagt,

ohne Wenn und Aber.

 

Und durch unsere Liebe

sind zwei Familien miteinander verbunden –

 

Schuchs und Kaltdorfs,

Bernsfelden und Finsterlohr.

Dein Volk ist mein Volk.

 

Durch unsere Liebe

sind zwei Konfessionen miteinander verbunden:

katholisch und evangelisch

nichts mehr Trennendes,

sondern miteinander Hand in Hand

katholischer Mann und evangelische Frau

Dein Gott ist mein Gott.

 

Gott freut sich,                                                                    

dass Ihr beide einander gefunden habt,

er gönnt euch von Herzen dieses Fest,

diese hohe Zeit,

Hochzeit.

 

Gott schenkt euch seinen Segen –

er bejaht euren Weg,

ist bei euch,

egal, was kommt,

im Tag für Tag,

in schweren wie in guten Zeiten.

 

Wir feiern mit euch

dass zusammenkommt,

was schon immer zusammengehört

und füreinander bestimmt ist:

 

Martin und Kristin

 

Wohin du gehst,

dorthin gehe ich auch;

wo du bleibst,

da bleibe ich auch.

Dein Volk ist mein Volk

und dein Gott ist mein Gott.

 

 Amen.