Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt „Was ist der Mensch wert?“

Laienprediger Hugo Ganslmayer (ev.-freik.)

19.03.2016 Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Landshut

Was ist der Mensch wert?

Was für den Australier Pip Joyce eine Selbstverständlichkeit war, war für andere höchst seltsam. Als einer seiner Fische, der Goldfisch George, an einem Tumor litt, bezahlte er eine teure Operation, um ihn davon zu befreien.

Für einige war das eine Spinnerei. Ein neuer Goldfisch kostet in Australien 2 Dollar 95 Cent. Pip musste sich einiges an Kritik anhören. Für die 300 Dollar, die der Tierfreund auf den Tisch einer Spezialklinik legte, hätte man doch auch ein Kind in Afrika retten können.

Für Goldfisch George hingegen war die Operation eine Erlösung. Durch die Geschwulst hatte er Schmerzen, konnte kaum mehr Nahrung aufnehmen, die anderen Goldfische mobbten ihn bereits deswegen.

Der Eingriff rettete ihm das Leben.

Was ist das Leben eines Goldfischs wert?

Für Pip Joyce viel. George gehörte für ihn zur Familie.

Andere sahen das anders.

Meinten, das war Verschwendung. Ein Goldfisch sei den Aufwand nicht wert.

Nun, wer bestimmt den Wert eines Goldfischs? Außer der Liebe, die jemand für ihn hat?

Gegenfrage: Was bestimmt den Wert eines Menschen?

Sind wir unbezahlbar, der Goldfisch hingegen nicht?

Die Wirtschaft sieht das anders, die rechnet durchaus mit menschlichen Werten, nur nicht so wie wir das gerne hätten.

Welche dieser Rechnungen verrät aber etwas über unseren wahren Wert? 

Der Wert unserer chemischen Bestandteile, also Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasser, beträgt aufaddiert ungefähr 10 Euro.

Ist das unser wahrer Wert? Oder zumindest unser Wert als Ware?

Oder bekommt man eher eine Ahnung davon, wenn man weiß, dass man für 800 Euro in Albanien eine Frau bekommt, oder für 20.000 Euro in Afrika ein Kind adoptieren kann?

Bemisst sich der Wert eines Menschen nach dem Energiewert seiner Atome? Dem Wert seiner Arbeitsleistung? Dem Verkaufswert seiner Organe? Dem Versicherungswert im Todesfall?

Grade mit Versicherungswerten wäre ich vorsichtig. Versicherungen kalkulieren, ob sich unsere Operation noch lohnt, welche Arbeitsleistung von uns noch zu erwarten ist und wie groß der Verlust unserer Hinterbliebenen sein wird. Solche Rechnungen ergeben dann, dass das Leben des umgekommenen Tellerwäschers in den New Yorker Twin Towers 250.000 Dollar wert ist, das des Investmentbankers 7,1 Millionen. Auch im Tod sind wir nicht gleichwertig. Zumindest nicht nach solchen Rechnungen. 

Der Wert eines Menschen kann extrem unterschiedlich sein:

20.500.000 € Belohnung versprach die amerikanische Bundespolizei FBI damals für Hinweise zur Ergreifung von Bin Laden. Am Schluss waren auf seinen Kopf glatte 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Wer sie letztlich bekommt ist bis heute umstritten.

Aber es gibt ja weitere Chancen, Millionär zu werden.

Denn Kopfgelder in vergleichbarer Höhe hat die US-Regierung auf die vier ranghöchsten IS-Mitglieder ausgesetzt. Niedrigerrangige IS-Terroristen bringen es immerhin noch auf 5 Millionen Euro.

Aber nicht nur Terroristen sind teuer.

16.500.000 € war die Höhe der Lebensversicherung des Formel-1-Rennfahrers Ayrton Senna; sie wurde von Lloyd’s of London an Sennas Familie ausgezahlt, nachdem er 1994 in Imola tödlich verunglückt war.

Und nicht nur der Tod, auch das Leben kann teuer sein.

Die Sicherheit des US-Präsidenten? Ziemlich teuer!

6.000.000 € kostete es, den US-Präsidenten George W. Bush während seines dreitätigen Besuchs in London im November 2003 zu schützen. Als 2009 Barack Obama für einen Tag Dresden besuchte beliefen sich die geschätzten Kosten bereits auf 30 bis 40 Millionen Euro. Billiger wird’s also nicht. Beim deutlich weniger beliebten Donald Trump wird der Aufwand wohl noch höher sein.

Billiger hingegen sind die Soldaten, die zum Schutz der Staatsoberhäupter eingesetzt werden.

2004 erhielten die Angehörigen eines Bundeswehrsoldaten, der während eines Auslandseinsatzes getötet wurde, 38.350 €, 2007 wurde das dann immerhin auf 60.000 € aufgestockt. Na toll. Da weiß man was man wert ist, wenn man den Kopf hinhält.

Allerdings immer noch kein Vergleich zum Wert eines Sklavenlebens.

Im Nordsudan kostet ein 13jähriges Mädchen rund 160.000 sudanesische Pfund, umgerechnet 50 Euro. Ein Spottpreis!

Wer meint, dass nur in Afrika so zynisch mit Menschenleben gerechnet wird, hat nie hinter die Kulissen der Automobilindustrie geblickt.

Denn der ist ein Mensch noch weit weniger wert.

Beweis: Durch einen Konstruktionsfehler beim Chevrolet Malibu (Baujahr 1979-1983) konnte der Mittelklassewagen bei Auffahrunfällen leicht Feuer fangen. Dem Hersteller General Motors war dieser Mangel bekannt, dennoch wurde er nicht behoben. Der Grund war eine simple Rechnung: Die Entschädigungen wegen Unfalltods wurden mit 1,98 € je produziertes Auto und Jahr veranschlagt. Den Konstruktionsfehler zu beheben hätte hingegen 7,00 € je produziertes Auto und Jahr gekostet.

Aber das ist noch lange nicht die Grenze nach unten.

Es gibt Mörder, denen ein Menschenleben rein gar nichts wert ist.

Da muss man gar nicht mal so weit weg blicken. Nur die Zeitung lesen, wenn wieder ein Kind verwahrlost verhungert ist, zu Tode geprügelt oder geschüttelt wurde.

Sind wir also wirklich wertvoller als ein Goldfisch? Und wenn ja, warum?

Vielleicht wird ja auch uns unser Wert vor allem dadurch zuteil, dass jemand uns liebt.

So sehr, dass er für uns keine Kosten und Mühen scheut.

Was tun liebende Eltern nicht alles, um das Leben ihres Kindes zu retten, wenn es ernsthaft krank ist. Geld spielt da in der Regel keine Rolle.

Darin sind sie dem Vater ihm Himmel durchaus ähnlich.

Nach der Bibel sind wir „teuer erkauft“ (1. Korinther 7,23), und zwar nicht mit „Silber oder Gold „ (1. Petrus 1,18),sondern mit dem teuren Blut Christi (1. Petrus 1,19), also nicht via Scheckkarte, sondern mit dem Kostbarsten überhaupt, dem Leben von Gottes eigenem Sohn.

Das toppt deutlich das Lösegeld bei der Entführung von Jan Philipp Reemtsma, der nach seiner Entführung gegen eine Zahlung von 30 Millionen DM wieder freikam.

Dass Gott keine Kosten und Mühen scheut, wenn er liebt, das lesen wir schon im Alten Testament, beim Propheten Jesaja:

Gott erlöst sein Volk

Jesaja 43 1 So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

2 Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.

3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben, Kusch und Seba an deiner statt,

4 weil du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe. Ich gebe Menschen an deiner statt und Völker für dein Leben.

Wer meint, dass das nur Blabla ist, der werfe mit mir einen Blick in die Weltgeschichte, was da für Lösegelder gezahlt wurden:

Als Richard Löwenherz auf dem Rückweg vom Kreuzzug in Österreich gefangen genommen wurde, bezahlte England für seine Freilassung 6000 Eimer Silber.

Als der Inka-König Atahualpa von Francesco Pizarro gefangengenommen wurde, zahlte sein Volk 25 Tonnen Gold und Silber. Über Wochen hinweg schmolzen die Inkas alles ein was sie hatten und schleppten es an. Trotzdem wurde Atahualpa zuletzt, als Pizarro nichts mehr rauspressen konnte, vom spanischen Eroberer getötet.

Jeder, der Lösegeld zahlt, weiß, dass das keine sichere Sache ist. Aber er hofft. Hofft, dass er den geliebten Menschen bei Zahlung wieder in die Arme schließen kann.

Wer liebt, macht keine kühle Rechnung wie die Versicherung auf, sondern gibt alles.

Und Gott gab und gibt mehr als alle anderen.

Er gab seinen Sohn. Er gab sich selbst.

Er gab sein Blut am Kreuz.

Für uns.

Deren chemischer Wert 10 € beträgt.

Für uns.

Deren Leben kaum einer mit 16 Millionen versichern würde.

Für uns.

Die wir störrisch sind und bockig und miserable Sklaven abgäben.

Für uns Menschen.

Deren Liebe zu Jesus im Gegenzug oft ziemlich billig ist.

Judas ließ sich seinen Verrat immerhin noch 30 Silberlinge Kopfgeld kosten.

Viele verraten ihn schon für weit weniger.

Man kann nicht sagen, wir hätten ihn damals, als er Mensch war, immer nett behandelt.

Und doch hat Gott das Lösegeld bezahlt, in der Hoffnung, uns wieder in die Arme schließen zu können.

Ohne die Wahrscheinlichkeit eines positiven Ausgangs zu kalkulieren.

Damit geht Gottes Liebe sogar weiter als die Liebe von Pip Joyce zu seinem Goldfisch.

Gott steht ja noch einiges höher über uns als wir über den Fischen, mit denen wir immerhin einen Teil unserer Gene und unseres Lebensraums teilen.

Gott könnten wir egal sein. Viel Freude machen wir ihm ja in aller Regel nicht.

Einige meinen, es wäre kein Verlust, wenn der Mensch von der Oberfläche diese Planeten verschwände.

Einige meinen auch, Pip Joyce hätte nicht so einen Aufstand machen sollen, den Fisch human töten und sich einen neuen kaufen. Niemand hätte ihn daran gehindert.

Auch Gott könnte uns jederzeit vernichten und sich aus Kohlenstoff einfach neue Menschen machen, welche ohne den Tumor der Sünde, der in unsren Köpfen wuchert. (vgl. 1. Mose 2,7 und Matthäus 3,9)

Tut er aber nicht. Aus irgendeinem seltsamen Grund sind wir ihm sogar wertvoller als Sperlinge (Matthäus 10,29+31). Oder Goldfische.

Muss wohl Liebe sein. Eine sehr große Liebe. Für ihn zählen wir zur Familie. So sehr, dass er alles gibt, damit wir wieder gesund werden und möglichst lange leben.

Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben (Johannes 3,16).

Du, genau du hier. Mit all deinen Fehlern und deinem Versagen und deinen Selbstzweifeln, du bist ihm sein Leben wert. Und seinen Tod am Kreuz.

Verrückt, oder?

Nicht für Leute wie Pip Joyce.

Und, wie ich hoffe, auch nicht für dich.

Gott sieht etwas in dir. Und es hat nichts damit zu tun, wie deine Versicherung dich einschätzt. Es hat auch nichts damit zu tun, was du für andere tust oder wie du dich ihnen gegenüber darstellst, um wertvoller in ihren Augen zu erscheinen.

Was misst dir deinen Wert als Mensch zu?

Deine Muskelstärke? Deine Intelligenz? Deine sexuelle Attraktivität? Deine besonderen Fähigkeiten? Deine Arbeitsleistung? Deine beruflichen Erfolge?

All das, was du gerne herzeigst, damit dich jemand mag?

Gott sieht mehr als das.

Er sieht den Menschen, den er erdacht hat, das Kind, das er schon mochte, ehe es nass und faltig und wie am Spieß brüllend auf dem Bauch seiner Mutter lag. Er hat dich aufwachsen sehen, auch dann wenn keiner dich beachtet hat. Er hat dir zugehört, wenn andere die Ohren einklappten, weil du schon wieder mit demselben Problem kamst. Er hat auf dich gesetzt, wenn keiner gewettet hätte, dass du auch nur einen Nachttopf gewinnst.

Und daran hat sich nichts geändert.

Auch nicht, wenn du schlecht drauf bist. Wenn du nicht die volle geistliche Leistung bringst.

Er rückt nicht ab von dir, wenn dir der Hals zuschwillt.

Er ist für dich da. Du bist ihm wertvoll.

Auch wenn du kein Ronaldo bist, für den ein Fußballclub 94 Millionen Euro hinblättert.

Auch dann, wenn keiner sonst auch nur einen Cent auf dich setzt. Wenn dich die anderen meiden, sogar deine Geschwister im christlichen Fischteich.

Er hat den Preis dafür bezahlt, dein Freund zu sein. Für ihn bist du unbezahlbar.

Wenn das verrückt ist, dann sei mit ihm verrückt.

Und tu Gott einen Gefallen: Bring den anderen, die Gott genauso wichtig sind, Wertschätzung entgegen. Sei kein Fisch, der andere Fisch mobbt. Viele wissen nicht, was sie wert sind. Die sind leicht zu verunsichern. Die brauchen es dringend, dass ihnen jemand das Evangelium zuspricht statt sie abschätzig taxiert, dass ihnen jemand sagt: Du bist etwas wert. In Gottes Augen. In meinen Augen.

Wie Gott mir so ich dir. Amen.

 

Segen:

Es segne dich der Herr,

der dich nie auf Ebay verhökern wird,

der nicht kalkuliert, was du gebraucht noch wert sein könntest,

für den du kein Sklave bist

Er segne dich mit dem Wissen,

was du ihm wert bist

und was die, die dich nerven, ihm wert sind

Das ist kein leichter Segen,

aber er gehört dir.

Amen.