Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zu Pfingsten

Diakon Dr. theol. Emmerich Beneder (rk)

28.05.2012 in der Pfarrei Innsbruck- Kranebitten

Pfingsten – Vision für die ganze Menschheit

 

1. Der Pfingsttag kennt keinen Abend

Wenn ich in Wien bin, gehe ich auch in den Stephansdom. Nach dem Haupteingang rechts befindet sich die Eligiuskapelle, in der täglich das Allerheiligste ausgesetzt ist. Da steht in einem Glasfenster der schöne Satz: „Der Pfingsttag kennt keinen Abend, denn seine Sonne, die Liebe kennt keinen Untergang“. Da wird mir klar, dass Pfingsten eine Vision für die ganze Menschheit darstellt.

Jerusalem ist keine große Stadt, aber weltberühmt. Da fand das erste Pfingstfest statt, das eine Weltrevolution auslöste, die bis heute andauert und bis zum Ende der Welt weiter wirkt. Das ist das Großartige, dass der Pfingsttag keinen Abend kennt.

Aus diesem Grund ist in der oststeirischen Stadt Weiz Pfingsten das wichtigste Fest des Kirchenjahres. Da wird das ganze Jahr Pfingsten gefeiert. Der Geist Gottes will immer das Antlitz der Erde erneuern. Er gliedert uns in den mystischen Leib Christi ein, macht aus unserem staubigen Dasein etwas unendlich Wertvolles. Da kann man Gott nur loben und preisen.

2. Sehnsucht nach dem Heiligen Geist

Viele haben eine ungeheure Sehnsucht nach diesem Geist, damit endlich Neid, Hass und Kriege aufhören. Wir brauchen diesen Geist so notwendig, weil nur eine „Zivilisation der Liebe“ einen bleibenden Frieden bringen kann. Übertriebene Selbstverwirklichung und Narzissmus zerstören so viel. Wir brauchen die Berührung mit dem Heiligen Geist, damit wir mit dem Alltag zurecht kommen.

Gott gießt seinen Geist in unsere Herzen ein, damit wir zu seinen Kindern werden. Das eröffnet uns eine Zukunft, die über das Grab hinausgeht. Zu welch großer Hoffnung sind wir berufen (Eph 1,15). Pfingsten schenkt der ganzen Schöpfung ein neues Gesicht, sodass die Theologen von einer Neuschaffung der Welt sprechen.

Pfingsten ist die Zeit des Aufbruchs. Das war auch das Thema des 98. Deutschen Katholikentages in Mannheim. Warum brechen wir auf? Weil alle Menschen, die unter dem Anruf des Geistes Gottes stehen, sich auf den Weg machen. Der Heilige Geist führt das Werk Jesu weiter und lässt uns immer tiefer in die Gedankenwelt Christi eindringen.

Jesus hat einmal gesagt: “Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt.“ Das ist etwas Unbegreifliches. Das heißt: Christus gibt uns den Geist der Liebe, der zwischen Vater und Sohn herrscht, weiter.

Der gute Hirt, gibt sogar sein Leben für die Menschen hin. Warum? Weil sein Geist, ein Geist der Hingabe ist. Ich glaube: „Das schönste Glück des Lebens besteht in der Überzeugung geliebt zu werden“ (V. Hugo)

Katharina von Siena nennt den Heiligen Geist „Philocaptus“. D.h. er ist wie ein Gefangener in seiner Liebe zum Menschen. Denn Gottes Geist sucht Menschen, an die er sich verströmen kann. Und wo Platz für Gottes Geist gemacht wird, fängt jede Person zum Blühen an.

3. Ausweg und Trost

Ein Firmkandidat meinte: „Unsere Kirche hat momentan kein gutes Image. Aber Pfingsten bietet einen Ausweg mit Vollgas an“. Je mehr sich der Mensch auf Gottes Geist einlässt, desto mehr kann er in einem bewirken. So fängt der Mensch wieder an Gott zu loben. Dieser Lobpreis ist nach der Meinung des Pfarrers von Bad Gastein das beste Antidepressivum. Der Lobpreis verwandelt uns, macht uns frei von den vielen Ängsten, schenkt uns das Vertrauen, dass Gott alles gut macht.

Pfingsten ist für mich etwas Tröstliches. Ich brauche Pfingsten nicht machen. Gottes Geist verschenkt sich umsonst. Ich brauche nur offen sein für die Aufnahme des Geistes. Gott verlangt von mir nicht Leistung, sondern Liebe. Trotz menschlicher Schwächen bleiben wir ein „Kind des Heiligen Geistes“. Und immer wieder kommt dieser Geist auf uns herab. Das macht Mut.

Pfingsten ist daher mehr als ein Fest im Kirchenjahr. Pfingsten ist eine Bewegung, die der Geist Gottes selbst in diese Welt gebracht hat. Pfingsten ist das Programm Gottes zur Heilung der Welt.