Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zum Dreifaltigkeitsfest

Pater Franz Büttner SAC (r.-k.)

30.05.2010 in Rif /Österreich

Liebe Schwestern und Brüder!

Im Laufe der Menschheitsgeschichte gibt es mehr als genug Gottesvorstellungen, aber genauso gibt es auch Menschen, die behaupten, dass es Gott überhaupt nicht gibt. Er wäre nur eine menschliche Erfindung. Kann das uns Christen im Glauben an den dreifaltigen Gott nicht zum Zweifeln bringen? Nun, meine Schwestern und Brüder, es kommt nicht darauf an, was Menschen sich über Gott ausdenken, oder ihn nur für ein Märchen halten. Wer Gott wirklich ist, kann ER nur uns selber sagen. Dabei hat er einen einmaligen Weg gewählt. Er wird Mensch in Jesus Christus, der von sich sagt: „Ich bin von Gott ausgegangen, wer mich sieht, der sieht den Vater, ich und der Vater sind eins“. Joh 10, 30 Nun, behaupten kann man viel, wer sagt mir aber, dass es stimmt? Ist Jesus glaubwürdig, oder gibt es  ernstzunehmende Gründe, die dagegen sprechen?  In der Bibel stoßen wir auf eine sehr auffällige Tatsache: Nicht einmal seine Gegner konnten ihn zu seinen Lebzeiten einer einzigen Lüge überführen. Und Jesus bleibt beim Verhör vor dem Hohen Rat dabei, dass er Gottes Sohn ist, was letztlich zu seinem Todesurteil führt. vgl Lk 22, 69f

Aber auch wenn Jesus die Wahrheit über Gott sagt, können wir diese göttliche Realität nie fassen Und so wenig wie ein Waschbecken das Meer fasst, oder eine Million Euromünzen in einem Geldbeutel Platz haben, so wenig können wir den unendlichen Gott begreifen, weil die Kapazität des menschlichen Geistes zu gering ist. Darum musste Gott selbst sich durch seinen Sohn uns verständlich machen, der von sich sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Joh 14, 6 Wer mit Gott Erfahrungen machen will, der muss sich darum auf Jesus einlassen. Er ist der Weg, der durch sein Leben, seine Worte und Taten uns die Wahrheit über Gott und den Menschen erschließt und in das Leben in Fülle führt. Wenn Jesus vor seiner Himmelfahrt seine Jüngern auffordert: „Lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ Mt 28, 19, dann  spricht er ganz eindeutig vom dreifaltigen Gott. Wer aber dieser dreifaltige Gott ist, verdeutlicht Johannes in seinem Brief mit den Worten: „Gott ist die Liebe“! 1 Joh 4,16 Das Wesen Gottes ist absolute, ewige göttliche Liebe. Ist Gott aber Liebe, dann muss er in einer göttlichen Beziehung leben, dann muss er Gemeinschaft sein; denn Liebe ohne Beziehung gibt es nicht. Liebe ist Geben und Nehmen, Empfangen und Schenken. Trotzdem bleibt der dreifaltige Gott für uns ein Geheimnis, und darum können wir diese dreifaltige göttliche Lebensgemeinschaft letztlich nicht ergründen, aber weil die Liebe auch eine menschliche Erfahrung ist, und wir Ebenbilder Gottes sind, weil „Gott den Menschen nach seinem Bild  als Mann und Frau erschaffen hat“ ,1 Moses 1, 27 tappen wir nicht im Dunkeln. Wenn wir nämlich Gottes Abbilder sind, sagt uns unsere tiefste Sehnsucht nach Glück etwas über Gott selber aus. Menschliches Glück ist: Geliebt werden und selber lieben können.

Wie erfahren wir Menschen Liebe? Niemand kann von sich aus anfangen zu lieben. Wir alle müssen zuerst geliebt werden; denn weil es in uns noch keine Liebe gibt, müssen wir erst mit Liebe 'gefüllt' werden. Nur ein geliebter Mensch kann Liebe weitergeben. Lieben kann nur, wer Liebe zuvor erfahren hat. Geben kann man nur, was man hat. Wenn sich also die menschliche Liebe in dreifacher Form dastellt: 1. der Geliebte, 2. der Liebende, 3. der liebende Austausch, wir aber Ebenbilder Gottes sind, bedeutet die Aussage, dass Gott dreifaltig ist nichts anderes als dass ER in einer göttlichen Beziehung lebt, die seit Ewigkeit im Austausch dieser göttlichen Liebe besteht.

Nach Aussage der Bibel sind wir Kinder Gottes, dann auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, vgl Röm 8, 17. Wir werden darum endgültig einmal mit hinein genommen in diese göttliche Liebe des dreifaltigen Gottes. Wenn aber menschliche Liebe uns schon glücklich machen, ja in Ekstase versetzen kann, was wird dann erst die göttliche Liebe in uns bewirken? Darum schreibt Paulus: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist, wird Gott denen bereiten, die ihn lieben“. 1 Kor 2, 9 Himmel wird darum nichts anderes sein als die Erfahrung, die wir Menschen mit Gott machen, der nichts als Liebe ist. Dieser Himmel ist Geschenk. Der Weg dorthin heißt Jesus. Wer immer die Werte lebt, die Jesus gelebt hat, wer sich an ihm orientiert, dem steht der Himmel offen. Und wie es für ihn ein Ostern gab, so wird es auch an uns geschehen: Ewiges Leben im dreifaltigen Gott, der die Liebe ist. Amen