Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zum Karnevalsonntag 2005

Diakon Bertram Bolz

in Puerto de la Cruz/Teneriffa

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
so also rauscht die Zeit vorüber.
Gestern noch stand ich an der Krippe,
heut’ jedoch will sie hör’n die heilige Sippe,
eine Predigt in Versform, s’ ist Karneval,
würd’ ich’s nicht tun, es wäre fatal.
Küsschen gab es letztes Jahr für alle Frauen,
mancher fragte: Was wird er sich wohl dieses Mal trauen?

Dabei muss ich sagen, es war nicht ganz leicht,
als die Nachricht vom Tsunami mich hat erreicht,
wollt ich nicht reimen, das Ganze schlicht lassen,
doch der Geist gab mir ein, das darfst du nicht machen.
Ob’s der Heilige war, kann ich nicht sagen,
doch ich werd’ die Predigt wieder in Versen vortragen.

Denn in allem Unglück, bleibt eines doch klar,
was auch passiert, was auch immer war,
der Herrgott ist bei uns, leidet mit allen mit,
und lässt seine Herde ganz gewiss nicht im Stich.
Er weiß und sieht die Macken der Schöpfung,
doch das, das macht auch mir Trost und Hoffnung;
denn wenn selbst ihm nicht gelingt das gesamte Werk,
dann ist sicherlich auch bei uns nicht alles verkehrt.
Darauf aber bau ich, dass ER bringt letztlich alles ins Lot,
deshalb ist und bleibt er für mich, der liebende Gott.

Was in allem Unglück großen Trost und Hilfe gebracht,
das war die grandiose weltweite Hilfsbereitschaft.
Ein Licht waren viele, mit all ihren Gaben,
nur kein Licht, ja nicht mal ne Funzel waren,
all jene die meinten, sie müssten dort trotzdem Urlaub machen,
nur weil sie halt gepackt hatten, ihre sieben Sachen.

Das Bild von dem Mann, der im Liegestuhl saß,
das Bier in der Hand und nen Hamburger fraß,
während daneben Menschen den Dreck wegschleppten,
ja gibt’s eigentlich auch noch größere Deppen?
Dies Bild ging um die Welt und zeigt jedermann,
so schizophren unsere Welt eben auch sein kann.

Ein Bild von arm und reich kannst auch in Deutschland seh’n,
die einen machen sich’s dabei reichlich bequem,
haben schon lange ihr Schäfchen im Trockenen sitzen,
während andere mit Hartz IV kommen gewaltig ins Schwitzen.

Ob nun selbständig, verbeamtet oder angestellt,
jeder jammert, es gibt immer weniger Geld.
Die Konjunktur kommt nicht in die Gänge wie gewohnt,
deshalb bleibt leider Gottes auch niemand verschont;
selbst in der Kirche werden die Messer ganz scharf gewetzt,
in Köln sogar ein Weihbischofstuhl nicht mehr besetzt.

Allenthalben hört man heute aus vollen Tönen,
man müsste sich an Unterschiede eben gewöhnen.
Dass es einigen gut geht und anderen schlecht,
das sei ja nicht verkehrt, nein – eigentlich ganz recht.
Für mich heißt das im Klartext nichts anderes als das:
Wer im Wohlstand lebt und besitzt etwas,
der soll es auch in Zukunft ganz klar behalten,
und für den, der nichts hat, bleibt halt alles beim Alten.

Der soll mit Hartz IV sogar den Gürtel noch enger schnallen,
so hört man’s durch alle Parteizentralen schallen.
Bei den Renten, der Gesundheit und auch im Sozialen,
könnt man eben schon längst nicht mehr alles bezahlen.
Mit weniger müssten wir uns zufrieden geben,
erzählen uns nicht nur Parteitagsstrategen.

Ich denk mir: Wenn jemand uns zu erklären ist bestrebt:
Dass wir über unsere Verhältnisse hätten gelebt,
dann ist das ehrlich, vernünftig - wenn auch nicht toll,
aber steckt euch dann bitte nicht die Taschen voll,
mit Abfindungen, Vorstandsgehältern und Provisionen,
meine Damen und Herren in den gehobenen Positionen.
Sonst seid ihr nämlich keine Politiker, sondern habgierige Geier,
ob ihr nun heißt Flach oder Vollmer oder auch Laurenz Meyer.

Wenn ihr so weiter macht, dann droht von rechts die Gefahr,
denn große Unzufriedenheit bei den Menschen schon immer war,
ein gefundenes Fressen für extreme und braune Jecken,
die bereits in Potsdam und Dresden im Landtag stecken.

Bedenkt:
Jeder Rentner schaut seit Jahren auf dieselben Zahlen,
5 Millionen ohne Arbeit, das sind besondere Qualen.
Wenn der Staat lernen muss Geld einzusparen,
dann bitte nicht bei denen, die schon immer unten waren.
Was ist mit denen, die Gewinne erzielen Jahr für Jahr?
Denen wird gekrümmt nicht ein einziges Haar!
Sie zahlen immer weniger in Vater Staat’s klamme Kassen,
und sagt man ihnen dann, so kann man’s nicht lassen;
beginnen viele zu drohen ganz unverhohlen,
dann produzier ich ab morgen halt einfach in Polen.

Wie aber soll die Politik darauf reagieren?
Der Kanzler tut lieber auf der Weltbühne agieren.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt,
doch so man am Besten von Problemen ablenkt.
Ein gutes Vorbild hat er ja in George Busch, dem Dubbelju!
Bei den Wahlen schlug der ganz gewaltig zu,
ist noch einmal gezogen ins Weisse Haus,
nicht nur John Kerry sah dabei alt aus!

Der Irak-Feldzug wurde wohl zu schnell vergessen,
der Präsident ist schon wieder ganz drauf versessen,
sich mit neuen Feldzügen auseinander zu setzen,
ob sich das für die Welt aber wendet zum Besten?

Gleich 6 Staaten hat er auf der Abschussliste,
ich hoff’ nur, George Busch, so gescheit biste,
die Welt nicht unnötig in Kriege zu zerren,
und dabei Tausende zu stürzen in Not und Verderben.

Gebt bitte der Diplomatie alle erdenkliche Chancen,
macht den Iranern und allen anderen neue Nuancen,
dass sie Teil dieser Weltengemeinschaft sind,
und seid auf dem Verhandlungsauge bitte nicht blind.

Blind könntest meinen ist in Deutschland die Opposition.
Träumt seit Wochen vom sicheren Wahlsieg schon,
und eigentlich war ja diesbezüglich auch alles in Butter,
bis er ins Trudeln geriet, der CDU/CSU-Kutter.

Zuerst wurde Wolfgang als Präsident Schäuble ausgeknockt,
dann hat sich Angela mit Friedrich mächtig gezofft,
als das vorbei war, nahm sie den Horst ins Visier,
und seit ein paar Tagen trinkt der Laurenz alleine sein Bier.
Das, liebe Frau Merkel, ist halt Politik in Natur,
da hilft mitunter nicht mal eine neue Frisur.

So hat sie verschließen Mann um Mann,
sie dabei locker mit Schröder und Fischer mithalten kann,
nur: Die verschleißen statt Politikern lieber ihre Frauen,
angeblich lässt sich der Vize demnächst zum 5.Mal trauen.
Gäbe es dafür auch noch Flugbonusmeilen,
der Joschka würd’ wohl nur noch im Flugzeug verweilen.

Nun ist er ja aber auch viel unterwegs im Flieger,
wird deshalb immer runder, der einstige Sportschuh-Tiger,
von Amerika, nach Nahost und den Iran,
nach Korea, Russland und Afghanistan,
pass auf Joschka, sonst wirst du noch dicker,
und kannst tauschen mit dem Bullen von Tölz – ist ja auch ein Fischer.

Etwas rundlich macht derzeit ein Kirchenmann,
auch von sich reden – genau: Kardinal Lehmann.
Was wäre die Kirche in Deutschland denn ohne ihn;
deshalb wurde ihm auch ein besonderer Orden verlieh’n.
Für Mut, Standhaftigkeit und gewitzten Humor,
denn der kommt in der Kirche recht selten vor.
Wie sagt er denn auch treffend, für jeden vernehmbar,
verschmitzt und doch laut, also für alle hörbar:
„Wer kennt die Hintertreppen des Vatikan,
den auch der Karneval nicht mehr schrecken kann.“

Gelobt hat er all die Bischöfe, die streitbar Mut haben gemacht,
dagegen über den Kollegen in Köln – und nun habt acht:
Ihm nur ein „Allmächtiger“ kam über die Lippen,
ob er das nicht noch einmal wird büßen müssen?

Das würd’ mich nicht wundern, denn es ist sonnenklar,
zwischen den beiden noch nie große Freundschaft war.
Dabei wäre es wichtig und täte nicht nur Kardinälen gut,
wenn wir für Reformen auch nur hätten ein klein wenig Mut.
Nicht nur St. Pölten hat doch eines allen gezeigt,
für grundlegende Änderungen ist es höchste Zeit.

Der letzte Ort tiefsten rechtmässigen Glaubens,
sei St. Pölten – hörte man Bischof Krenn immer schnauben.
Dass ausgerechnet dort, der größte Skandal wurde entdeckt,
hat nicht nur Gläubige in Österreich ganz gewaltig erschreckt.
Zu Tausenden zogen aus der Kirche die Menschen,
zogen – wer kann’s denn verdenken – schlicht Konsequenzen.
Denn Küsse unter Männern nur ein dummer Jungenstreich?
Ich würde mal behaupten, sagt’s doch lieber gleich,
dass hier im Schweigen eines Seminars schlicht wird gewährt,
wogegen man sich sonst zwischen Priester und Frau heftigst wehrt.
Eine solche Praxis aber kann nicht darauf hoffen,
dass der Gläubigen Ohren wären dafür offen.

Priester sind nun mal keine geschlechtslosen Wesen,
haben Gefühle wie sie und ich – da fress’ ich nen Besen!
Warum nur hält man fest an einem Kirchengesetz,
das letztendlich so viele Menschen verletzt.
Nicht wenige wären gerne Seelsorger geblieben mit Herz und Verstand,
aber da man die eheliche Liebe aus diesem Beruf hat verbannt,
müssen die wenigen, die man als Hl. Rest bald kann seh’n,
mit der Bildung von Pfarrverbänden vor die Hunde geh’n.

Wie war doch einst der Ursprungsgedanke,
damals als man noch kein Zölibatsgesetz kannte?
Jede Gemeinde einen Sorger braucht für die Seelen,
keinen, der nur noch tut den letzten Rest zählen;
vielmehr einen, der die Seelen kennt und mit Liebe anspricht,
sie mit seinen Worten in ihren Herzen trifft.
Ihnen mit seiner Nähe hilft zum Leben,
und jeder und jedem schenkt Gottes Segen.

Heute aber hat der Pfarrer nicht mehr viel Zeit.
Ist eine Sitzung vorbei – ist die andere nicht weit.
Bei ihm muss heut’ gehen alles zack, zack,
die Gemeinden bekommt er wie’s Bier: Im 6-er Pack!
Da brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Menschen fehlen,
denn sorgen wir uns so wirklich noch um die Seelen?

Licht für die Menschen, das sollen wir alle sein,
Salz für die Erde, damit das Leben schmeckt fein.
Das aber kann die Kirche – so könnt ich jetzt lästern,
eben nicht leisten, wenn sie bleibt ewig von Gestern!
Nur wenn Menschen spüren, dass es letztlich um sie geht,
und vielleicht Entscheidendes auf dem Spiel steht,
wenn Gläubige das Gefühl haben, sie können etwas bewegen
nur dann werden sie engagiert wieder in die Kirche gehen.

Ein Schritt, so denk ich, wär deshalb ganz recht,
wär für die Kirche und ihr Anseh’n nun wahrlich nicht schlecht.
Ja, wenn ihre Strukturen demokratischer währen,
dann würde sich das bestimmt auch im Alltag bewähren.

Wenn Diakon, Pfarrer und auch der Bischof im Dom,
ja selbst der Papst im so fernen und heiligen Rom,
von den Getauften selbst würde künftig gewählt,
wenn die Stimme jedes Einzelnen würde dabei gezählt.

Und würden die Christen dann wirklich gefragt,
vermutlich hätten sie es schon lange gewagt.
Und die Grenzen der Konfessionen wären überwunden,
vor Ort sind sie doch eh beinah’ schon ganz verschwunden.
Die alten Wunden sind lange geheilt.
Der Glaube fast eins, das Herz ungeteilt.
Bedenkt doch: Wenn wir Christen nicht die Einheit vorleben,
ja wär soll denn dann noch ein Beispiel heut geben?

Vor Gott ist die Einheit längst schon vollzogen,
ER hätte die Trennung wohl niemals erwogen;
denn Gott denkt völlig anders, zumindest als wir,
immer wieder gibt er durch Menschen Zeugnis dafür.
Unsere – oft kleinlichen – Diskussionen lassen ihn völlig kalt; bei ihm geht’s ja aber auch nie um den Machterhalt.

So wählt Gott oft die Narren in dieser Welt,
weil sie schon immer für ganz wenig Geld,
den Menschen deutlich den Spiegel vorhielten
und genau dadurch letztendlich erzielten,
dass viele sich wieder von Neuem besannen,
was sie in Gottes Namen sind und dann auch begannen,
sein Wort umzusetzen; - deshalb haben Narren erreicht,
dass so manch versteinertes Herz, sich doch hat erweicht.

Ich habe jetzt fertig und komm an’s Ende,
doch einmal ich mich noch an Euch wende,
erinnert euch daran, wozu ihr von Gott seid bestellt,
seid Salz in seinem Namen und Licht für die Welt.

Nun freut euch und lasst es euch in diesen Tagen,
gut gehen im Kopf aber auch im Magen.
Tanzt und schunkelt durch die Strassen der Stadt,
von mir aus bis um 12 oder bis nach Mitternacht.
Vergesst dabei euren Kummer und eure Sorgen,
der Herrgott schenkt uns gewiss ein gutes Morgen.
So ende ich nun – hoff’ es war in seinem Namen
Wenn Ihr das auch meint, dann sprecht kräftig:

Amen.