Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigtcollage Jesus & Fußball

Pfarrer Ralf Ruckert

02.06.2002 Kirmesgottesdienst in Rodemann

Predigtpreis 2002 für die beste Jugendpredigt

Predigt steht in gekürzter Fassung als mp3-Datei zur Verfügung

Predigtcollage Jesus & Fußball

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserem Herrn Jesus Christus!

Wir beginnen die heutige Predigt nicht, wie sonst meistens, mit einem Bibelwort, sondern mit einem Ausspruch des legendären Bundestrainers Josef (genannt Sepp) Herberger (1897-1977):
"Der Ball ist rund!"
Rund ist auch die Welt, die Gott geschaffen hat.
Aber das ist nicht das einzige, was Fußball mit unserem Glauben zu tun hat.
Da gibt es auch noch die katholischen Fußballer, die sich vor ihrem Einsatz bekreuzigen oder die nach einem Tor das Kreuz küssen, daß ihnen Mama einst um den Hals gehängt hat. Christen spielen Fußball.
Nicht alle Fußballer sind deswegen auch Christen.

Aber Fakt ist, daß wenige Dinge diesen runden Erdball so sehr bewegen und überall auf der Welt präsent sind, wie eben jenes lederne Abbild der Erde und wie der Glaube an Jesus Christus.

Nun sagen die einen. "Jaha, aber für Fußball interessieren sich eben doch noch ein paar mehr Leutchen, als für deine Predigten, und der ist auch nicht so langweilig."
Das stimmt aber nicht. Die Einschaltquote unserer Gottesdienste im Kirchspiel Waßmuthshausen schneidet verglichen mit "ran" oder "Sportschau" gar nicht so schlecht ab. Und langweiligen Fußball und enttäuschte Fans gibt´s genauso, wie manchmal die Leute nach dem Gottesdienst heim gehen und sich fragen: Was hat er denn heute wieder gewollt?

Ein Frommer sagt: Im Fußball hauen die sich aber!
Das ist richtig. Aber die Kirche ist auch nicht frei von Fouls, nicht nur in der Geschichte. Es kommt auch heute mal vor, daß man einander im Kirchenvorstand in die Beine grätscht oder daß der Pfarrer jemandem auf die Füße oder auf den Schlips tritt.

Eine Plakataktion der Kirchen fragt dieser Tage: "Sind Fußballer unsere wahren Götter?" Ich finde, das ist falsch gefragt. Es bringt nichts, Fußball und den Glauben an Jesus Christus gegeneinander antreten zu lassen, nach dem Motto: Möge der Bessere gewinnen.
Wir wollen weder Fußball noch Christentum abwerten, sondern uns vielmehr fragen, wo können sie einander fruchtbare Impulse liefern? Nicht: "Sind Fußballer Götter?", sondern richtiger muß die Frage lauten: "Ist Jesus ein guter Fußballer?"

Da müssen wir an verschiedenen Stellen nachschauen. Es gibt nicht den "Kicker"-Text im Neuen Testament.

Fangen wir bei Markus eins an:
"Als Jesus aber am Galiläischen Meer entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons Bruder, wie sie ihre Netze ins Meer warfen; denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach."

Ein Rabbi, der auch einen guten Fußballtrainer abgegeben hätte, hat einmal gesagt: "Ich weiß genau, daß meine Schüler immer machen, was ich von ihnen verlange." Warum er sich da so sicher sein könne, wurde er gefragt. "Weil ich ihnen immer nur das aufgebe, wozu sie sich imstande fühlen, und manchmal ein bißchen mehr, damit sie über sich hinaus wachsen."

Das zeichnet einen guten Trainer aus, daß er den Spieler da abholt, wo er ist, bei dem, was er kann und dann darauf aufbaut.

Und genau das macht Jesus. Er sieht die Männer bei der Arbeit, die sie können. Er traut ihnen aber mehr zu als das, was er sieht. "Ihr seid Fischer." Auf diesen Kenntnissen baut er auf und macht sie neugierig auf eine neue Aufgabe. Etwas, das sie schon können wird erweitert. Fischer werden zu Menschenfischern.

Auf diese Weise kommen 12 Mitspieler zusammen.
Unter denen fordert Jesus unbedingten Teamgeist:
Als sie sich streiten, wer der Beste von ihnen wäre, da sagt Jesus in Markus 9: "Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener" (Mk 9,35).

Er bringt ihnen den Fairnessgedanken bei. Denn in der Bergpredigt Matthäus 7 steht: "Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!" (Mt 7,12).

Ein andermal kann er aber auch selbst foulen: Als er die Tische der Wechsler und Händler im Tempelhof umwirft und die Leute mit Gewalt rauswirft.

Aber Jesus braucht keine Gewalt. Ganz oft trixt Jesus seine Gegner einfach aus. Andere stellen ihm eine Falle, und er verwandelt sie in ein Eigentor für seine Feinde.
Zum Beispiel bei der Heilung am Sabbat: Darf man am Sabbat arbeiten? Nein? Dann darf auch dem Mann mit der verdorrten Hand nicht geholfen werden! sagen die Gegner. Jesus heilt ihn trotzdem: Der Mensch ist nicht für die Einhaltung der Feiertagsruhe da, sondern die Feiertagsruhe ist gemacht, damit der Mensch an Körper und Geist gesund wird.
Einmal wollen sie ihn gegen die Römer ausspielen: Ist es richtig, daß wir dem Kaiser Steuern zahlen?
Sagt Jesus: "Ja, das wollen wir tun", dann entlarvt er sich Kompromißler, als Abweichler von seinem Volk.
Sagt Jesus: "Nein", dann hat er sofort die Behörden auf dem Hals, die diese Steuern haben wollen. In der Falle.
Aber Jesus läßt sich eine Münze zeigen: "Welches Bild ist denn da drauf?" fragt er. Und da ist eben das Bild vom Kaiser drauf. "Ja dann gebt den Kaiser doch seine Münze. Als fromme Juden dürft Ihr ohnehin keine Bilder besitzen." Eigentor!

Die Jünger sind noch nicht so fit. Das kriegen sie auch gesagt. Zum Beispiel als sie im Sturm vor Angst den Kopf verlieren, ruft Jesus: "Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?" (Mk 4,40).
Aber, wenn sie etwas richtig machen, werden sie auch gefördert und gelobt. Als Petrus erkannt hat, daß Jesus Gottes Sohn ist, heißt es: Selig bist du... und auf diesen Petrus-Felsen will ich meine Gemeinde bauen (Mt 16,16-18).

Obwohl Jesus derjenige ist, der die gute Botschaft am besten in Umlauf bringen kann, tut er doch folgendes: Markus 6 (,7.12f)
"Und er rief die Zwölf zu sich und fing an, sie auszusenden je zwei und zwei, und gab ihnen Macht über die unreinen Geister. Und sie zogen aus und predigten, man solle Buße tun, und trieben viele böse Geister aus und salbten viele Kranke mit Öl und machten sie gesund."

Er gibt er auch den Jüngern eine Chance, sich zu bewähren. Das heißt: Jesus kann abgeben. Er muß nicht auf Teufel komm raus selber die Tore schießen und den Ruhm einfahren. Auf die Mannschaft kommt es an.

Und das ist ganz wichtig, denn die Gemeinschaft der Kinder Gottes soll nicht auf eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort begrenzt sein. Die ganze Welt soll die gute Botschaft von Gottes Liebe hören. Oder, wenn Sie wollen: Die Mannschaft soll die Saison überdauern und aufsteigen.

Deshalb sorgt Jesus für Nachwuchs:
"Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

So sind schließlich auch wir Nachwuchsspieler in dieser Mannschaft geworden.
Manch einer ist Spielmacher, ständig auf dem Platz, gestaltet das Spiel, trifft Entscheidungen.
Manch einer ist immer gerade da, wo er gebraucht wird.
Manch einer sitzt am liebsten auf der Bank.

Auch das ist erlaubt, denn beim Glauben gilt wie beim Sport: Dabeisein ist alles.

Und mit seinem Heiligen Geist, der ein Mannschaftsgeist ist, ist Jesus bei uns alle Tage bis an der Welt Ende.

Amen.