Foto von aufgeschlagenen Büchern

Radioandacht über das Vater Unser

Fritz Penserot

16.01.2009 Radio RPR.1 - "Angedacht"

Predigtpreis 2009 für die „Beste Predigt im Fernsehen, Rundfunk und Internet“

Hier die Predigt hören

 

Letzter Teil einer insgesamt 6-teiligen Reihe über das Vater Unser

„ …die Kraft und die Herrlichkeit“

Ich bin gerne auf Friedhöfen: Die Ruhe, die Abgeschiedenheit. Der Lärm der Welt tritt zurück. Der mir liebste Ort der Ruhe: Das ist jenes Familiengrab auf dem Friedhof meiner Heimatstadt.

„Hier ruht in Gottes Ewigkeit“ steht da auf einem Grabstein, und darunter der Name.
Wenn man sich umschaut, sieht man, wie sich die Generationen hier gegenseitig die Hand geben: „Philipp“ heißen die Männer mit Vornamen, und das seit bald 200 Jahren.
Und wenn die Sonne scheint, kann man sich hier ausruhen, auf der steinernen Bank. Sie ist für die Besucher aufgestellt, als werde man erwartet.

„Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit… in Ewigkeit“, so heißt es im Vaterunser. Das wird spürbar auf der Bank zwischen all den Toten: Gott war da, bevor ich gewesen bin, er wird da sein, längst nachdem ich vergangen bin und mein Leib hier in der Erde liegt bei den anderen. So, als ob ich erwartet werden würde am Ende, willkommen geheißen. Nicht nur von all den Verwandten da mit dem Vornamen Philipp, auch von Gott, der mich erwartet. Da, unter den Zweigen bei den alten Bäumen. - Ewigkeit.

Und mehr noch: Während ich hier sitze, ist er auch da. Ist bei mir, wie er bei den ganzen Vorfahren ist und war, und auch bei denen, die da hinten auf dem Friedhof die Gräber herrichten und sich um ihre Verwandten sorgen.

Ein Engel steht auf einem Grabstein, mit einer Trompete, erhoben. Er singt, er verkündet den Sieg. Nicht den Sieg der Menschen, die darunter liegen, auch wenn die sich das manchmal gewünscht hätten: Er singt von der Auferstehung, am Ende der Tage. Den Sieg des Reiches Gottes, den verkündet er! Dass Christus lebendig ist und dass er alle befreien wird.

Ich sitze unter dem Engel und kann darüber nachdenken, wie das ist.
Vielleicht so ähnlich wie hier zwischen all den Toten: Geborgen, geschützt in Gottes Hand. In Ewigkeit.

Das ist ein ganz neues Leben, das macht frei und offen und es macht gelassen und gibt Zuversicht. Und es lässt mich Anteil nehmen am Schicksal anderer: So wie ich mich beschützt und umsorgt fühle, so kann ich auch andere schützen, und sie umsorgen kann ich.

Dein ist das Reich und die Kraft… herrlich, diese Ewigkeit. Amen.