Foto von aufgeschlagenen Büchern

Radioandacht über Markus 4,30-34

Thomas Klappstein, Pastor im Mülheimer

22.07.2008 im Evangeliums-Rundfunk (ERF)

Sendereihe: Bibel Heute

Hier die Predigt hören

 

„Kleine Ursache - Riesenwirkung“

 

Wenn ich mein Neues Testament in der Übertragung von Hans Bruns aufschlage, klebt es gleich auf der ersten Seite: das kleine Senfkorn. Beides, Senfkorn und Neues Testament, habe ich vor vielen Jahren als Geschenk von meiner Gemeinde in Hamburg erhalten. Zum Andenken an die Entlassungsfeier aus dem Biblischen Unterricht. So wurde der Konfirmandenunterricht in der Gemeinde genannt, zu der ich damals gehörte.

Jedesmal wenn ich diese Übersetzung zur Hand nehme, werde ich an diese Zeit erinnert und an die Predigt über den „Senfkornglauben“, die Pastor Gajewski anlässlich der Konfirmation meines Jahrgangs gehalten hat.

 

Es ist ganz schön klein, so ein Senfkorn. Mit dem bloßen Auge gerade noch zu erkennen.

Kaum zu glauben, daß sich daraus ein so großes Gewächs wie der Senfbaum entwickeln kann. Er ist wirklich riesig.

Interessant finde ich, daß Jesus den Beginn und die Ausbreitung des Reiches Gottes, seines Reiches, unter anderem mit diesen beiden Extremen vergleicht.

Die Vorstellung, daß etwas Wunderbares aus etwas ganz Kleinem und Schlichtem wachsen kann, ist für die Welt und ihre Menschen nicht leicht zu begreifen, aber – schaut man in die Bibel – sie war schon immer typisch für Gott.

Ich kann mir z. B.  kein irdisches Komitee denken, und seien seine Mitglieder noch so weise, das zu dem Schluß käme, daß die Geburt Jesu in einem Stall in Bethlehem der ideale Start für einen Heilsplan wäre. Gott sieht Senfkörner und das Ergebnis, das daraus entstehen kann, wo andere nichts sehen. Man vergißt leicht, wie erstaunlich es ist, daß dieser kleine Anfang sich zu einer Situation ausgewachsen hat, in der allein z. B. in den deutschsprachigen Ländern und Staaten fast jede Stadt, jede Ortschaft, jedes Dorf, jedes Kaff mindestens ein Gebäude enthält, das zu Ehren des Kommens des Sohnes Gottes errichtet wurde. Falls Sie noch rätseln was ich meine: ich spreche von Kirchen.

Und diese symbolisieren ja zumindest ein bisschen von der Ausbreitung des Reiches Gottes. Auch wenn man heute manchmal den Eindruck hat, daß diese Kirchen als Scheunen zweckentfremdet werden, in denen das Christentum gelagert wird.

Reich Gottes aber will in das Alltagsleben hineinwirken.

 

Gott hat klein angefangen. Ganz klein.

·        Aus dem Nichts machte er die Welt

·        Aus einer Handvoll Erde machte er die Menschen

·        Aus einem klitzekleinen Senfkorn macht er respektablen Strauch bzw. Baum

Gott fängt immer ganz klein an. Sein Reich in dieser Welt beginnt mit allzu menschlichen Menschen. Mit Abraham, „einem umherziehenden Aramäer“, wie das Alte Testament notiert. Mit Mose und mit David, angefochtenen und anfechtbaren Gottesmännern. Und vor allem mit dem kleinen Kind in der Krippe, Jesus von Nazareth.   Seinem,  Gottes Sohn. Er selbst. Mitten in dieser Welt.

 

Gott fängt klein an.

Damit niemand sagen kann: Gott, Du bist mir zu groß.

Gott fängt schwach und verletzlich an.

Damit niemand sagen kann: Gott, Du bist mir zu stark.

Gott fängt niedrig an.

Damit niemand sagen kann: Gott, Du bist mir zu weit weg.

 

Gott fängt klein an. In einem kleinen Ort. Über den heute noch die ganze Welt spricht.

Weil sich seit diesen Tagen so viel getan hat von den Dingen, die mit der Ausbreitung des Reiches Gottes zu tun haben. Und es hat sich ausgebreitet.

In diesem Gleichnis vom Senfkorn erläutert Jesus, daß das Christentum trotz seiner sehr unscheinbaren Anfänge zu einer weltweiten Gemeinschaft von Gläubigen heranwachsen würde. Es ist tatsächlich so gekommen. Und die Geschichte geht weiter. Sollten Sie sich an ihrem Platz als Christ alleine fühlen, dann machen Sie sich bewußt, daß Gott ein weltweites Königreich baut. Er hat in jedem Teil der Erde treue Nachfolger, und ihr Glaube – sei er noch so klein – kann sich mit dem anderer Christen verbinden, um große Dinge zu bewirken.

 

Dabei macht Jesus vor, wie es gehen kann: Seinen Schülern wäscht er die Füße. Er verbüßt die Strafe für unsere Gottesferne. Diese Haltung ist Programm. Einmal sagt er: „Ihr wisst, daß die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch. Sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener.“ Sagt es und lebt es. Und möchte, daß wir es auch leben.

Gottes Sohn dient uns. Dabei hätte er das Zeug zum Herrschen. Dabei hätte er Grund, seinen Untertanen kräftig den Marsch zu blasen. 

Man findet Gott, wenn man nach unten schaut. Gott hat sich klein gemacht. Ganz klein. Ist uns in unsere tiefsten Tiefen nachgestiegen. Will uns ganz nahe sein. Will uns verstehen. Will uns wirklich helfen können. Nachhaltig helfen. Und dann baut er aus vielen kleinen Menschen sein Reich. Und das ist größer, als wir’s uns in unserer größten Fantasie vorstellen können.

Ein interessantes Reich. Gott kommt nach unten und macht uns vor, wie es  geht. Und ich sehe manchen, der anfängt, es ihm gleich zu tun: Ich sehe Chefs, die ihre Angestellten fördern und nicht immer nur etwas von ihnen fordern. Ich sehe Eltern, die ihren verlorenen Söhnen und Töchtern nachlaufen. Ich sehe Regierende, die sich als Staatsdiener begreifen.

Sie mögen sich fragen, was Sie als Einzelperson in Ihrer Umgebung schon bewirken können. Aber so wie das Königreich Gottes aus einem kleinen Samen wächst, so breitet es sich auch durch einzelne Gläubige aus, die Gott dienen.

Fragen Sie Gott, wodurch Sie dazu beitragen können, daß sein Königreich wächst.

Fragen Sie nach Ihrem Senfkorn, das Sie einsetzen können.