Foto von aufgeschlagenen Büchern

Radiopredigt zum Dreifaltigkeitssonntag

Diakon Matthias Loretan (rk)

03.06.2012 im Schweizer Radio DRS 2

Trinitatis 2012

Gnadenstuhl: Geborgen in Gottes Schoss

© privat

Hier die Predigt hören.

Zusätzliche Informationen und einen Blick hinter die Kulissen der Aufnahme der ersten Radiopredigt von Diakon Loretan finden Sie hier.

 

 

 

Liebe Hörerin, lieber Hörer


Am Sonntag nach Pfingsten feiern die christlichen Kirchen
den Dreifaltigkeitssonntag.

In der evangelischen Tradition heisst der Sonntag Trinitatis.

Diese altmodische Formulierung gefällt mir.

Ihr Klang ruft bei mir ein Bild hervor,

das der Mode ebenfalls entrückt ist.

Die kirchliche Tradition nennt diesen Bildtypus den Gnadenstuhl.


Ein älterer König sitzt auf einem Thron und bückt sich leicht nach vorne.

Sein Gesicht ist betrübt und mitleidend.

Zwischen den Knien hält er ein Kreuz.

Am Kreuz hängt Jesus,

sein Sohn.

Im Schoss dieses fürsorglichen Vaters ist er gestorben.

zwischen Gott-Vater und seinem Sohn schwebt eine Taube.


Dieses Bild vom Gnadenstuhl hat mich immer schon berührt.

Die Innigkeit dieser Vater-Sohn-Beziehung nimmt mich

als Betrachtenden hinein.

Für die Einheit von Vater – Sohn – Betrachter

steht der Heilige Geist,

allegorisch etwas hilflos dargestellt als Taube.


In dieser Einheit, in dieser Liebe, scheint alles möglich.

Sie verbindet, was im Leben, wie wir es kennen, getrennt ist:

Da hält ein väterlicher Gott seinen eingeborenen Sohn,

der sterbend schon am Kreuz hängt.

Gott nimmt teil am Schicksal dieses sterbenden Menschen.

In seiner Anteilnahme als Vater wird er selber ganz Mensch.

In seinem Sohn.

Durch seinen Sohn.



Jesus, sein Sohn, hat den Menschen

so von Gott erzählt, wie es kein anderer vor ihm getan hat.

In Wort und Tat hat er sie gelehrt,

dass Gott ihr Vater sein kann,

wenn sie vor ihm keine Angst haben

und auf seinen Willen vertrauen.

Und dass die Ehrfurcht vor seiner unermesslichen Grösse
die Menschen nicht klein macht,

sondern sie in eine wunderbare Weite führt.

In diesem Vertrauen hat Jesus selber gelebt.

Durch Jesus ist erfahrbar geworden,

was es heisst,

aus Gottes Liebe das Leben zu gestalten,

im Vertrauen auf Gott den Vater

als seine Söhne und Töchter frei zu werden.


Diese neue Freiheit der Kinder Gottes hat nicht allen gepasst.

Indem Jesus die Menschen lehrte,

persönlich und unmittelbar

auf die Liebe Gottes zu antworten,

beschnitt er die Macht der Priester und Schriftgelehrten.


Zu viele Menschen hingen damals an ihrer Macht.

Sie fürchteten sich, Macht loszulassen.

Also liessen die Priester und Schriftgelehrten Jesus umbringen.

Damals.

Es ist nicht ausgemacht,

ob wir es heute anders tun würden.



Gott selber blieb nicht ungerührt,

als jener Mensch am Kreuz starb,

der die Menschen das Vertrauen in Gott lehrte

und deshalb sterben musste.

Gott hat Jesus zwar nicht vom Kreuz befreit
und unsterblich gemacht.

Aber er hat Jesus in seinem Tod nicht allein gelassen,

er hat ihn nicht untergehen lassen.

Noch in der Schande am Kreuz hält Jesus fest an seinem Vertrauen zu Gott,

mit dem er sich als sein Sohn verbunden wusste.

Jesu Sterben wird so zu einem Zeugnis der Hingabe,

der sich hingebenden und verschenkenden Liebe.



Liebe Hörerin

Lieber Hörer


Ich stammle.

Ich stammle mit alten Bildern und Bildworten aus der christlichen Glaubenstradition.

Eigentlich möchte ich nur ausdrücken,

was für ein religiöser Umsturz sich damals am Kreuz ereignet hat;

und dass dieser Umsturz damals

etwas mit mir, und vielleicht auch mit Ihnen,

hier und heute zu tun hat.



Nun, am Versuch, die Dreifaltigkeit,

diesen Umsturz im Gottesbild, verständlich zu machen,

sind auch schon Gescheitere gescheitert.

Vom heiligen Augustinus, dem grossen Kirchenlehrer wird erzählt,

dass er einem Strand entlang gegangen sei und

über die Dreifaltigkeit nachgedacht habe.

Dabei traf er auf ein Kind,

das versuchte, mit einem Löffelchen das Meer

in ein kleines Loch im Sand zu schöpfen.

Der Heilige machte das Kind freundlich darauf aufmerksam,

dass dieses Unterfangen nicht gelingen könne.

Worauf der Junge geantwortet habe:

Mein Unternehmen ist nicht aussichtsloser als dein Vorhaben:

Du willst nämlich mit deinem kleinen Verstand

das grosse Geheimnis der Dreifaltigkeit erschliessen.



Mit Augustinus stehe ich vor der Verlegenheit:

Über Gott reden können wir nicht,

ihn verschweigen dürfen wir nicht (…)“

also – was dann?



Der Glaube an den dreifaltigen Gott

ist jedenfalls nicht einfach ein Dogma,

das man glauben muss – Vogel friss oder stirb.

Das Symbol der göttlichen Dreifaltigkeit

erschliesst sich mir vielleicht am ehesten,

wenn ich danach frage, was dieses Geheimnis mich angeht.

Seine Wahrheit, seine Glaubwürdigkeit erschliesst sich mir,

wenn ich begreife, was dieser Umsturz im Gottesbild

mit meinem Leben zu tun hat.


Der Glaube an die Dreifaltigkeit ist ein Versuch,

mich in die unendliche Liebe Gottes hineinnehmen zu lassen,

aus ihr zu leben

und darauf zu antworten

mit meinem eigenen endlichen Vermögen.


Der Glaube an die Dreifaltigkeit ist eine Gottes-Revolution,

die erst wahr und erfüllt sein wird,

wenn ich mich als der „Vierte im Bunde“ verstehe,

wenn wir uns als die „Vierten im Bunde“ verstehen

und bereit sind,

aus dieser Liebe und Hingabe zu leben.



Liebe Hörerin, lieber Hörer,

Um zu verstehen, was das für mich bedeuten könnte,

nehme ich in einer spontanen Intuition

ein Foto meines Enkels Mael

von der Pinnwand in der Küche.

Ich lege das Foto unter die Darstellung der Dreifaltigkeit im Gnadenstuhl.

Das Foto zeigt Mael als ein Kleinkind von etwa vier Monaten.

Er hat sich mit den Armen so aufgestützt,

dass sein Kopf fast das ganze Bild einnimmt.

Es ist alles da,

was zu einem menschlichen Kopf gehört.

Noch fast ein Säugling,

und doch schon ein paar hunderttausend Jahre alt,

weise, wie die Menschen vor ihm,

doch (noch) ohne eigene, willentliche Anstrengung.


Das Gesicht weiss nichts

vom Bruder, der gut anderthalb Jahre vorher

noch im Mutterleib gestorben ist.

Das Gesicht weiss nicht,

warum es schreit und die Eltern zuweilen zur Verzweiflung bringt.

Jetzt strahlt das Gesicht.

Es ist alles da.

Und doch auf Hilfe angewiesen.

Es ist verletzbar.

Und lacht und strahlt.

Und als Grossvater bleibt mir nichts Anderes

als dankbar zu schauen,

mit einem Lächeln zu antworten.

Und hinein genommen zu sein

in eine grosse Freude.



Wenn das Kind im Bild jetzt fragen würde:

Wer bist du?


Ich würde lange schweigen.

Es wäre nicht einmal ein verlegenes Schweigen.

Ich würde vielleicht meinen Namen nennen.

Aber dann weiter auf das Gesicht schauen,

um nicht aus diesem Glück herauszufallen.


Das Glück dieses Schauens verändert mich als Betrachtenden.

Ich habe keine Lust mich zu rechtfertigen.

Meine Leistungen,

meine Erfolge und Misserfolge kommen mir nebensächlich vor.

Mit keiner meiner Meinungen will ich jetzt rechtbekommen.

In diesem Schauen ist ein Glück.

Eine lebendige Gegenwart.

Alles ist da,

was von Belang ist.


Wer bist du?

Es ist ein Glück,

in diesem Angeschaut werden

sich neu zu erfinden.

Nichts diesem Blick zu entziehen.

In ihm alles heilen zu lassen,

was noch verletzt und

noch nicht gegenwärtig ist.


Einwilligen in die eigene Endlichkeit und Verletzbarkeit.

Auch in die Verletzbarkeit dieses Kindes.

In seine Bedürftigkeit.



Wer bist du?

In diesem gütigen Schauen geborgen

sage ich

vielleicht

ohne Spur von Rechthaberei

jetzt aber dankend und lobend:

Im Namen des Vaters

und des Sohnes

und der Heiligen Geistkraft.

Ich bin da.

Gegenwärtig.

Erfüllt.

Verbunden – frei.

Amen.



 



Als Andacht im Betagtenheim Abendfrieden in Kreuzlingen, 6. Juni 2012,

mit ppt-Präsentation, nach Vorlage frei in Dialekt



Zur Eröffnung Musik

Begrüssung und Besinnung Im Zeichen des Kreuzes


Lied: Komm, Schöpfer Geist, Kehr bei uns ein: KG 228,1-4


Evangelium: Matthäus 28,16-20

Lied: Geist der Wahrheit, Geist der Liebe KG 230,1-2


Predigtgedanken: Meditation zum Gnadenstuhl

Lied: Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen KG 236,1-3


Fürbitten, Vater unser, Segen

Zum Schluss Musik




Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein: KG 228 (102)

Gib uns Weisheit, gib uns Mut: KG 229

Geist der Wahrheit, Geist der Liebe: KG 230

Der Geist des Herrn erfüllt das All: KG 232

Nimm du mich, heiliger Atem: KG 233

Nun danket alle Gott: KG 236 (131)

Dreifaltiger, verborgner Gott: KG 240

Lasst uns loben, freudig loben: KG 504

Weit wie das Meer ist Gottes weite Liebe: KG 596


Zur Eröffnung Musik

Begrüssung und Besinnung Im Zeichen des Kreuzes


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heilligen Geistes

Amen.


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus,

die Liebe Gottes des Vaters

und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch.

Und mit deinem Geiste.

Einführung

Liebe Brüder und Schwestern, Liebe Mitchristen


Was würde sich an Ihrem Glauben ändern,

wenn in Gott nicht drei Personen,

sondern nur eine wäre,

wenn in Gott nur zwei

oder gar vier oder fünf Personen wären.

Wenn Gott nicht dreifaltig,

sondern einfaltig, zweifaltig, vierfaltig,
vielfaltig wäre?


Was glauben wir eigentlich,

wenn wir an Gott in drei Personen glauben?

Haben wir Christen es schwerer als die anderen Religionen,

weil wir zuerst an den Vater glauben müssen,

dann an seinen Sohn Jesus Christus

und schliesslich noch an den Heiligen Geist.


Nein!

Wir glauben nicht an eine Addition von Göttern.

Wir glauben an den einen Gott!

Aber dieser Gott hat eine Geschichte mit uns.

Eine Liebesgeschichte.


Uns so begegnen wir ihm in ganz verschiedenen Etappen,

in ganz verschiedenen Weisen.

Er zeigt sich uns immer wieder neu und anders.

Deshalb hat Gott verschiedene Namen, verschiedene Gesichter.


Uns Christen ist dieses Bild geschenkt
im Geheimnis der Dreifaltigkeit.

Gott ist ganz und gar Liebe, sogar dreifach:

in der Schöpfung,

in unserer Erlösung,

in unserer Heiligung und Vollendung.

Und Liebe ist auch in unserer Erfahrung ein Geschenk,

das wir nicht erklären können.

Ein Wunder, das Köpfe und Herzen einnimmt.


Kyrie

Lasst uns um Gottes Liebe bitten:


Gott, unser Vater,

du hast die Welt so wunderschön und reich erschaffen.

Mit Neid und Missgunst machen wir sie klein und eng.

Kyrie 71


Herr,

du bist für uns gestorben und hast uns erlöst. –

Wir sind schnell entmutigt, für andere Menschen einzutreten.

Kyrie 71


Heiliger Geist,

du schenkst uns die Gabe der Heiligkeit und vollendest uns.

Wir lassen uns von schlechten Erfahrungen gefangen nehmen.

Kyrie 71


Vergebungsbitte

Es erbarme sich unser der gütige und barmherzige Gott.

Er verzeihe uns Kleinglaube und Schuld und gewähre uns sein Heil. Amen


Lied: Komm, Schöpfer Geist, Kehr bei uns ein: KG 228,1-4


Evangelium: Matthäus 28,16-20

Lied: Geist der Wahrheit, Geist der Liebe KG 230,1-2

Nimm du mich, Heiliger Atem KG 233,1-3
Gib uns Weisheit, gib uns Mut KG 229,1-4




Predigtgedanken: Meditation zum Gnadenstuhl


Liebe Männer, liebe Frauen

Liebe Mitchristen


Im Evangelium hat uns Jesus geheissen,

zu taufen, +

im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Damit steht am Anfang des Lebens jeder Christin, jedes Christen
das Kreuzzeichen.


Mit geweihtem Wasser und mit dem Kreuzzeichen

erinnern wir uns bei jedem Begräbnis an den guten Anfang in der Taufe.

Wir bitten Gott, dass Er nun auch

bei diesem letzten Übergang dem Verstorbenen beistehe.


Nehmt das Kreuzzeichen

nicht als ein kath. Herrschaftszeichen.

Sondern als ein Zeichen der Zuversicht.

Mit der Geste des Kreuzzeichens +

umkreisen wir unser Herz.

Damit stellen wir uns und unser Herz hinein in einen grösseren Zusammenhang:


Vater: den guten Anfang. Grund des Lebens, uns väterlich zugewandt.


Sohn: Gott, der unsere Not kennt,

weil er selber Mensch geworden ist und

elend am Kreuz gestorben ist.


Heilige-Geist-Kraft: Die uns mit ihm und miteinander verbindet.



Am Sonntag nach Pfingsten feiern die christlichen Kirchen
den
Dreifaltigkeitssonntag.

In der evangelischen Tradition heisst der Sonntag Trinitatis.

Diese altmodische Formulierung gefällt mir.

Ihr Klang ruft bei mir ein Bild hervor,

das der Mode ebenfalls entrückt ist.

Die kirchliche Tradition nennt diesen Bildtypus den Gnadenstuhl.


Ein älterer König sitzt auf einem Thron und bückt sich leicht nach vorne.

Sein Gesicht ist betrübt und mitleidend.

Zwischen den Knien hält er ein Kreuz.

Am Kreuz hängt Jesus,

sein Sohn.


Im Schoss dieses fürsorglichen Vaters ist er gestorben.

zwischen Gott-Vater und seinem Sohn schwebt eine Taube.


Dieses Bild vom Gnadenstuhl hat mich immer schon berührt.

Die Innigkeit dieser Vater-Sohn-Beziehung nimmt mich

als Betrachtenden hinein.

Für die Einheit von Vater – Sohn – Betrachter

steht der Heilige Geist,

allegorisch etwas hilflos dargestellt als Taube.


In dieser Einheit, in dieser Liebe, scheint alles möglich.

Sie verbindet, was im Leben, wie wir es kennen, getrennt ist:

Da hält ein väterlicher Gott seinen eingeborenen Sohn,

der sterbend schon am Kreuz hängt.

Gott nimmt teil am Schicksal dieses sterbenden Menschen.

In seiner Anteilnahme als Vater wird er selber ganz Mensch.

In seinem Sohn.

Durch seinen Sohn.


Jesus, sein Sohn, hat den Menschen

so von Gott erzählt, wie es kein anderer vor ihm getan hat.

In Wort und Tat hat er sie gelehrt,

dass Gott ihr Vater sein kann,

wenn sie vor ihm keine Angst haben

und auf seinen Willen vertrauen.

Und dass die Ehrfurcht vor seiner unermesslichen Grösse
die Menschen nicht klein macht,

sondern sie in eine wunderbare Weite führt.

In diesem Vertrauen hat Jesus selber gelebt.

Durch Jesus ist erfahrbar geworden, was es heisst,

aus Gottes Liebe das Leben zu gestalten,

im Vertrauen auf Gott den Vater

als seine Söhne und Töchter frei zu werden.


Diese neue Freiheit der Kinder Gottes hat nicht allen gepasst.

Indem Jesus die Menschen lehrte,

persönlich und unmittelbar

auf die Liebe Gottes zu antworten,

beschnitt er die Macht der Priester und Schriftgelehrten.


Zu viele Menschen hingen damals an ihrer Macht.

Sie fürchteten sich, Macht loszulassen.

Also liessen die Priester und Schriftgelehrten Jesus umbringen.

Damals.

Es ist nicht ausgemacht,

ob wir es heute anders tun würden.


Gott selber blieb nicht ungerührt,

als jener Mensch am Kreuz starb,

der die Menschen das Vertrauen in Gott lehrte

und deshalb sterben musste.

Gott hat Jesus zwar nicht vom Kreuz befreit
und unsterblich gemacht.

Aber er hat Jesus in seinem Tod nicht allein gelassen,

er hat ihn nicht untergehen lassen.

Noch in der Schande am Kreuz hält Jesus fest an seinem Vertrauen zu Gott,

mit dem er sich als sein Sohn verbunden wusste.

Jesu Sterben wird so zu einem Zeugnis der Hingabe,

der sich hingebenden und verschenkenden Liebe.



Liebe Mitchristen


Ich stammle.

Ich stammle mit alten Bildern und Bildworten aus der christlichen Glaubenstradition.

Eigentlich möchte ich nur ausdrücken,

was für ein religiöser Umsturz sich damals am Kreuz ereignet hat;

und dass dieser Umsturz damals

etwas mit mir, etwas mit uns,

hier und heute zu tun hat.


Nun, am Versuch, die Dreifaltigkeit,

diesen Umsturz im Gottesbild, verständlich zu machen,

sind auch schon Gescheitere gescheitert.

Vom heiligen Augustinus, dem grossen Kirchenlehrer wird erzählt,

dass er einem Strand entlang gegangen sei und

über die Dreifaltigkeit nachgedacht habe.

Dabei traf er auf ein Kind,

das versuchte, mit einem Löffelchen das Meer

in ein kleines Loch im Sand zu schöpfen.

Der Heilige machte das Kind freundlich darauf aufmerksam,

dass dieses Unterfangen nicht gelingen könne.

Worauf der Junge geantwortet habe:

Mein Unternehmen ist nicht aussichtsloser als dein Vorhaben:

Du willst nämlich mit deinem kleinen Verstand

das grosse Geheimnis der Dreifaltigkeit erschliessen.



Mit Augustinus stehe ich vor der Verlegenheit:

Über Gott reden können wir nicht,

ihn verschweigen dürfen wir nicht (…)“

also – was dann?


Der Glaube an den dreifaltigen Gott

ist jedenfalls nicht einfach ein Dogma,

das man glauben muss – Vogel friss oder stirb.

Das Symbol der göttlichen Dreifaltigkeit

erschliesst sich mir vielleicht am ehesten,

wenn ich danach frage, was dieses Geheimnis mich angeht.

Seine Wahrheit, seine Glaubwürdigkeit erschliesst sich mir,

wenn ich begreife, was dieser Umsturz im Gottesbild

mit meinem Leben zu tun hat.


Der Glaube an die Dreifaltigkeit ist ein Versuch,

mich in die unendliche Liebe Gottes hineinnehmen zu lassen,

aus ihr zu leben

und darauf zu antworten

mit meinem eigenen endlichen Vermögen.


Der Glaube an die Dreifaltigkeit ist eine Gottes-Revolution,

die erst wahr und erfüllt sein wird,

wenn ich mich als der „Vierte im Bunde“ verstehe,

wenn wir uns als die „Vierten im Bunde“ verstehen

und bereit sind,

aus dieser Liebe und Hingabe zu leben.



Liebe Mitchristen

Stellen Sie sich einen Menschen vor, den Sie ganz lieb haben. –


Bei der Vorbereitung der Predigt kam mir mein Enkel Mahel in den Sinn.

In einer spontanen Intuition nahm ich

das Foto meines Enkels Mael

von der Pinnwand in der Küche.

Ich legte das Foto unter die Darstellung der Dreifaltigkeit im Gnadenstuhl.


Das Foto zeigt Mael als ein Kleinkind von etwa vier Monaten. (Vgl. ppt)

Er hat sich mit den Armen so aufgestützt,

dass sein Kopf fast das ganze Bild einnimmt.


Es ist alles da,

was zu einem menschlichen Kopf gehört.

Noch fast ein Säugling,

und doch schon ein paar hunderttausend Jahre alt,

weise, wie die Menschen vor ihm,

doch (noch) ohne eigene, willentliche Anstrengung.


Das Gesicht weiss nichts

vom Bruder, der gut anderthalb Jahre vorher

noch im Mutterleib gestorben ist.

Das Gesicht weiss nicht,

warum es schreit und die Eltern zuweilen zur Verzweiflung bringt.


Jetzt strahlt das Gesicht.

Es ist alles da.

Und doch auf Hilfe angewiesen.

Es ist verletzbar.

Und lacht und strahlt.

Und als Grossvater bleibt mir nichts Anderes

als dankbar zu schauen,

mit einem Lächeln zu antworten.

Und hinein genommen zu sein

in eine grosse Freude.



Wenn das Kind im Bild jetzt fragen würde:

Wer bist du?


Ich würde lange schweigen.

Es wäre nicht einmal ein verlegenes Schweigen.

Ich würde vielleicht meinen Namen nennen.

Aber dann weiter auf das Gesicht schauen,

um nicht aus diesem Glück herauszufallen.


Das Glück dieses Schauens verändert mich als Betrachtenden.

Ich habe keine Lust mich zu rechtfertigen.

Meine Leistungen,

meine Erfolge und Misserfolge kommen mir nebensächlich vor.

Mit keiner meiner Meinungen will ich jetzt rechtbekommen.

In diesem Schauen ist ein Glück.

Eine lebendige Gegenwart.

Alles ist da, was von Belang ist.


Wer bist du?

Es ist ein Glück,

in diesem Angeschaut werden

sich neu zu erfinden.

Nichts diesem Blick zu entziehen.

In ihm alles heilen zu lassen,

was noch verletzt und

noch nicht gegenwärtig ist.


Einwilligen in die eigene Endlichkeit und Verletzbarkeit.

Auch in die Verletzbarkeit dieses Kindes.

In seine Bedürftigkeit.



Wer bist du?

In diesem gütigen Schauen geborgen

sage ich

vielleicht

ohne Spur von Rechthaberei

jetzt aber dankend und lobend:

Im Namen des Vaters

und des Sohnes

und der Heiligen Geistkraft.

Ich bin da.

Gegenwärtig.

Erfüllt.

Verbunden – frei. Amen.


Lied: Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen GB 131, KG 236,1-3


Hymnus

Sei du bei uns, bleib uns nahe,

geh mit uns, Gott, durch die Zeit.

Lass dich spüren, dich erfahren,

sei uns nah, Gott, sei nicht weit.


Sei in uns, Gott, schenk uns Augen
für die Schönheit deiner Welt.

Hilf sie hüten, sie bewahren,
schenk den Geist uns, der erhält.


Sei du mit uns, hilf uns tragen,
wo uns Schweres trifft und kränkt.
Sei im Jammer dunkler Stunden,

Gott, die Hand, die uns auffängt.


Gott sei bei uns, schenk den Atem
für ein Leben, das gelingt.

Hör uns singen, hör uns beten:

Hier und jetzt dein Lob erklingt.


Vater Unser


Segen

Der Herr segne euch und behüte euch,

er lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr wende sein Angesicht euch zu

und schenke euch Frieden.

Das gewähre uns der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.


Entlassungsruf

Geht hin und bringet Frieden.
Dank sei Gott dem Herrn.



Zum Schluss Musik