Foto von aufgeschlagenen Büchern

Rundfunkpredigt über Jakobus 5,7-12

Pastor Thomas Klappstein (efg)

15.07.2011 im Evangeliums-Rundfunk (ERF)

Morgenandacht in der Sendereihe "Bibel Heute"

„Gezz ma ehrlich ...“

Hier die Predigt hören

 

Gezz ma‘ ehrlich ...“ oder „ Gezz ma‘ Butta bei die Fische“ - diese Redewendungen werden oft genau so herrlich verdreht, wie sie klingen, in der Region verwendet, in der ich als Nordlicht seit vielen Jahre lebe. Im Ruhrgebiet. Ich liebe diesen offenen und ehrlichen Typus von Mensch. Man weiß schnell, woran man ist.

Und ich mag integere Menschen. Menschen, auf deren Wort man sich verlassen kann. Menschen, die aufrichtig sind. Menschen, die ehrlich sind. Die z. B. auch Übermorgen noch wissen, was sie Vorgestern versprochen haben. Und die man „beim Wort nehmen kann“ – „beim versprochenen Wort“. Sie sind Vorbilder für mich.

Frauen und Männer, die eine Gesellschaft gestalten wollen, die für die Öffentlichkeit arbeiten, sollten diese Wesens- und Charakterzüge zeigen, wenn sie ernst genommen werden wollen. Insbesondere Politiker. Natürlich müssen ihre Aussagen nicht auf Ewigkeit in „Stein gemeißelt“ sein. Überzeugungen und Meinungen können sich verändern. Und das darf auch kundgetan werden. Aber die Halbwertszeit einer Legislaturperiode würde ich schon als Maßstab anlegen, wenn es darum geht, Menschen in der Politik ernst und beim Wort nehmen zu können. Und nicht nur hier.

Auf einer dieser kultigen Postkarten mit alten schwarz/weiß Fotos, die man in den allermeisten Postkartenständern von Buchhandlungen oder Schreibwarenläden findet, habe ich folgenden Spruch entdeckt: „Jeder sagt mal die Unwahrheit. Politiker machen einen Beruf daraus.“ Zunächst mußte ich schmunzeln, war dann aber doch betroffen, wie treffend diese Aussage derzeit und immer wieder mal ist.

Sie gilt natürlich nicht nur für die Berufsgruppe der Politiker. Ihre Bestätigung wird in der Öffentlichkeit aber hier mit am ehesten registriert. Aufgrund von Unwahrheiten werden Kriege begonnen und geführt und Versprechen werden nach wenigen Tagen gebrochen, um doch noch die Macht zu erlangen.

„Eure Rede aber sei: Ja, Ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ Das hat mal derjenige mitteilen lassen, der sich das Leben und das ganze „Drumherum“ ausgedacht hat. Gott, durch seinen Sohn Jesus Christus. Nachzulesen im Neuen Testament, Matthäus-Evangelium, Kapitel 5, Vers 37. Das bedeutet ganz einfach:

Wenn ihr „Ja“ sagt, dann muß man sich darauf verlassen können. Und wenn ihr „Nein“ sagt, dann steht auch dazu.

Jakobus greift diese Aussage Jesu in seinem Brief auf. In dem Abschnitt, der gerade eben verlesen wurde. Ebenfalls im Kapitel 5, im 12.Vers.

Diese Aussage, dieses Statement, ist für mich Grundvoraussetzung für Integrität und Verlässlichkeit und vor allem Vertrauen. In der Politik, in der Wirtschaft, im Geschäftsleben, im Verein, im Sport, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis, in der Gemeinde, in Gottes Reich.

Für mich so etwas wie der „Kitt“ in unserer Gesellschaft. Unabdingbar.

„Gezz ma ehrlich“: Vertrauen Sie gerne ? Und - kann man Ihnen trauen?