Foto von aufgeschlagenen Büchern

Trau- und Taufpredigt über 2. Samuel 16,7

Pastorin Anneke Ihlenfeldt (ev.)

01.10.2016 Georgskirche in Kirch-Westerweyhe bei Uelzen

Trauung und Taufe

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

I Die Geschichte von Zweien, die auszogen

Das ist die Geschichte von Zweien, die auszogen in das Abenteuer ihres Lebens.

Es ist die Geschichte von Zweien, die auszogen, den König des Herzens, die Königin des Herzens zu finden.

Zwei, die auszogen, die Liebe zu finden.

Sonja und Christian.

Zwei so perfekte Menschen. Filialleiterin bei Douglas und Mister Germany.

Schön die eine: besonders eben, als sie den Gang entlang kam. Am Arm ihres Vaters. Perfekt, oder Christian?

Wunderschön dazu. Schon so lange. Wunderschön. Seit 2007.

Seit diesem Moment bei ihr im Laden.

So schön zwischen Flakons und Cremes.

Zwischen den Düften der Welt...

War sie wunderschön. Schon damals. Und heute noch mehr.

Eine – nein die – perfekte Frau. Würde sie niemals so sagen. Ist sie aber für Dich.

Eine Frau, für man kämpfen muss, so hast Du erzählt.

Fast eine Nummer zu hoch war sie damals in ihrem „Schloss“ in Holdenstedt.

Und er, liebe Sonja, war er nicht auch ein perfekter Mann?

Naja, zumindest so perfekt, dass Du trotz des festen Vorsatzes, dich auf ihn eingelassen hast. Trotz 8 Jahren und trotz der Sperre im Kopf.

Trotz alledem war - ist Christian der perfekte Mann.

Und dann habt ihr – fast wie Cinderella – eine Nacht durch gefeiert. Mit dem grünen Nissan Micra als Kutsche. Ohne eine Uhr, die schlägt.

Ein perfekter Mann. Nicht nur attraktiv, sondern auch rührend bemüht.

Mit „Feuriger Leidenschaft“ und Liebesgedichten zu Nikolaus.

Mit akribisch vorbereiteten Weihnachtsgeschenken. Detailverliebt.

Und bestimmt auch ziemlich verliebt in Dich.

Ein Märchen von Zweien, die auszogen, um die Liebe zu finden.

König und Königin des Herzens haben sich gefunden. Ganz schnell war es klar, so hat Sonja gesagt.

Und dann eine Hochzeit, Happy End, ausgeblend', ein Kuss und Schluss.

Buch zu klappen, runter von der Kanzel.

 

II Die Geschichte von zweien, die auszogen, für das Leben zu kämpfen

Neeee.

So ist das nicht. Ihr wisst es und ich weiß es.

So war das auch nicht mit Euch beiden. Kein Märchen, sondern das reale Leben. Nicht König, nicht Königin, sondern eben nur Sonja und Christian.

Zwei Menschen. Und bald schon kam ein dritter Mensch dazu.

Nicolas' Geburt war alles andere als Märchen und Disney.

War ganz schön viel Realität.

Ganz schön viel Krankenhaus und Schmerz.

In dieser Zeit haben die beiden gelernt. Sich kennen gelernt. Gelernt, wie man sich aufeinander verlassen kann. Wie der andere mit Krisen umgeht. Das die gemeinsame Liebe trägt.

„Das hat uns sehr schnell einen anderen Weg gezeigt“, hat Sonja gesagt und Christian hat genickt.

Zwei, die auszogen, jeden Tag nach Lüneburg. Drei Monate lang.

Um für das Leben zu kämpfen.

Und sich gegenseitig zu finden.

Christian sagt, er habe zu seiner Mitte gefunden.

 

III Die Geschichte von einem, der auszog, einen König zu finden

Die Geschichte, von einem, der auszog, einen König zu finden. Diese Geschichte habt ihr Euch ausgesucht für heute. Für Eure Trauung und für David, den wir heute getauft werden.

Eine uralte Geschichte ist das. Das Volk Israel hatte ihn schon, den perfekten König. Groß und stark, ein Kriegsfürst und ein Held. Und er war grausam und brutal, hat Dinge getan, die Gott nicht gefielen. Also schickte Gott seinen Propheten Samuel aus, einen neuen König zu finden.

Und Samuel traf viele Männer: große und kluge, stark und geschickt, aber sie alle waren nicht der perfekte König. Schließlich kam ein kleiner Jüngling (so heißt es in der Bibel). Der war klein und schmächtig. Ein . Und da hörte Samuel die Stimme Gottes: „Den“, sagte Gott.

Und Samuel war ganz ungläubig: „Den Hänfling?! Der ist schwach und klein.“ Und Gott sagte. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“ Ein uraltes Gotteswort habt ihr Euch ausgesucht. Für David, Euren zweiten Sohn und für Euch.

 

IV Dieser Blick von oben, ganz von oben

Ach, was wünschen wir uns manchmal diesen Blick: Der göttliche Blick, der nur das Herz sieht. Nur die Seele. Nur das, was uns zu Königen und Königinnen macht. Was uns liebenswert macht und lieben lässt.

Wie wünschen wir uns diesen Blick manchmal, zwischen Job und Kindergeschrei, zwischen Fläschchen und Elterngesprächen.

Einfach so angesehen zu sein, wie Gott das macht.

Den Blick von oben, ganz von oben, wünschen wir uns. Heute besonders. Und sonst auch.

Der sieht, dass wir nicht nur schön sind und erfolgreich und groß.

Der nicht nur sieht, dass wir klein sind und schmächtig, diesen Blick wünschen wir uns.

Oder wünschen uns, selber so sehen zu können: Dass wir nicht den Hektor sehen oder die überbesorgte Mama, das Kind, um das man Angst haben muss. Den anderen mit Gottes Augen sehen, das wünschen wir uns manchmal.

„Gott sieht das Herz an.“

Ich glaube, dass wir das können. Manchmal.

So sehen wie Gott. Der erste Blick des Kindes auf eine Mutter.

Der Moment, in dem man einen anderen sieht und weiß: Trotz allem: dies ist der König und die Königin des Herzens.

Der göttliche Blick: ganz von oben und ganz tief hinein.

Er sieht auch die zwei hier, die sich aufmachen. Schon seit 2007.

Sonja und Christian.

Die auf dem Weg sind. Mit David und Nikolas.

Und heute feiern.

Man nennt das Liebe.

Und der Friede Gottes, der höher ist alle menschliche Vernunft, er bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.