Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über 1. Korinther 16,14

Pastorin Julia Atze

24.06.2017 Hauptkirche St. Michaelis, Hamburg

Hinweis: Namen durch "Frau" und "Mann" anonymisiert.

 

Liebe Frau, lieber Mann,

nun ist er da, euer großer Tag! Alle Aufregung, alle Vorfreude, alle Nervosität, die euch die letzten Tage und Wochen begleitet und erfüllt haben, lassen jetzt hoffentlich so langsam nach und wandeln sich in Freude und Glück, denn: ihr seid angekommen – hier in der Kirche und bei einander.

Schön, dass ihr da seid und dass wir alle zusammen heute eure Liebe feiern!

Die Liebe steht heute natürlich im Mittelpunkt – so auch in eurem Trauspruch:

Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!

Diesen Vers aus der Bibel habt ihr euch ausgesucht zur Trauung, dieser Vers soll über eurer Ehe stehen:

Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!

Das ist ein schöner, aber auch ganz schön hoher Anspruch, den ihr da an euch und eure Ehe stellt. Denn die Liebe ist ja nichts, was wir erlernen können oder uns aneignen. Die Liebe ist unverfügbar – sie geschieht – oder eben nicht. Sie bleibt – oder eben nicht. Wir können uns um sie bemühen, für sie kämpfen, sie hegen und pflegen, aber das alles ist kein Garant dafür, dass sie bleibt. Und genauso können wir sie auch nicht abstellen oder aufhören zu lieben. Unser Verstand und unser Wille haben da kein Mitspracherecht. Die Liebe ist eine Herzensangelegenheit, sie kann uns großes Glück, aber auch großen Schmerz bescheren.

Beides habt ihr erlebt, liebe Frau und lieber Mann, und ihr habt gemerkt: eure Liebe ist stark – sie trägt euch und euren gemeinsamen Weg. Darum:

Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!

So wie ich euch zusammen erlebt habe und erlebe, neulich in unserem Gespräch und heute hier in der Kirche, kann ich nur sagen: Ihr macht das schon richtig gut, macht einfach so weiter!

Denn ich glaube, Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen! ist schon längst euer Motto, euer Leitsatz seit eurer ersten Begegnung. Diese wunderbare, besondere erste Begegnung, damals, als ihr euch kennengelernt habt, ins Gespräch gekommen seid und die halbe Nacht geredet habt. „Dieser Abend war wie nach Hause kommen“ habt ihr beide zu mir gesagt. Was für ein wunderbares Bild für eure Begegnung, eure Verbindung, ja eure Liebe – denn eigentlich war euch das schon damals klar, dass ihr euch liebt und dass ihr zusammengehört.

Aber uneigentlich war Fraus Herz noch nicht frei und darum konnte diese Liebe irgendwie noch nicht so richtig als solche wahrgenommen werden.

Ihr konntet eure Liebe noch nicht zulassen, aber einander in Ruhe lassen konntet ihr auch nicht. Ihr habt euch geschrieben, habt euch getroffen, habt geredet – stundenlang, tagelang – bis eure Liebe füreinander schon so groß war, dass nur Freundschaft einfach nicht mehr ging. Also nicht mehr sehen, nicht mehr reden nicht mehr schreiben… Aber das ging auch nicht auf Dauer. Eure Herzen wussten schon, was sie wollten und haben euch nicht mehr in Ruhe gelassen. Bis – ENDLICH!!! – Mann war schon ziemlich am Ende – der erlösende Anruf von Frau kam: Ich und meine Herz sind frei für dich!

Und von da an machte alles, das ganze Leben, alles, was bis dahin passiert ist, endlich Sinn – so Manns Worte. Und eigentlich könnte man jetzt auch sagen: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Aber das Wunderbare ist: es ist kein Märchen, was hier passiert, sondern es ist das echte Leben. Es ist wahre Liebe im echten Leben.

Hier haben sich zwei gefunden, die spüren: wir gehören auf besondere Weise zusammen. Wir sind für einander der Ort, der Raum, der Zustand, das Gefühl, in dem wir uns am wohlsten fühlen: zuhause eben.

Miteinander könnt ihr sein, wie ihr eben seid, fröhlich und glücklich – so wie heute, oder auch traurig, oder genervt oder wütend. Ihr könnt miteinander lachen und weinen, aber es können auch mal so richtig die Fetzen fliegen. Wie das eben so ist, wenn man zuhause ist und sich wohlfühlt – man nimmt kein Blatt vor den Mund, sagt ehrlich, was man denkt und weiß: hier geht das, hier ist das möglich, denn hier bin ich zuhause, hier muss ich mich nicht verstellen, hier muss ich keine Rolle spielen, hier muss ich niemandem etwas vormachen, hier werde ich geliebt so wie ich bin – mit all meine Begabungen und mit all meinen Macken, mit allem, was ich kann und mit allem, woran ich immer wieder scheitere.

Liebe Frau, lieber Mann,

Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!

Ihr tut das, das wisst ihr und darauf könnt ihr euch verlassen. Und ihr könnt euch auch darauf verlassen, dass eure Dinge in Gottes Liebe geschehen. Seine Liebe eröffnet euren Raum der Liebe, euer Zuhause der Liebe. Seine Liebe trägt euch in eurer Liebe in allem, was ihr tut. Sie begleitet euch durch die schönen, hellen und leichten Tage – von denen wünschen wir euch alle natürlich ganz viele! – und sie trägt euch, wenn es mal dunkler und schwerer wird – denn auch solche Zeiten werden immer wieder einmal kommen. Gottes Liebe ermöglicht euch, einander in Liebe anzublicken und anzunehmen, als Segen wird sie euch gleich spürbar zugesprochen – ein Zeichen, dass ihr auch bei Gott immer willkommen und zuhause seid.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.