Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Markus 4,35–41

Diakon Horst Dany (kath.)

18.07.2017 Basilika St. Kastor, Koblenz

Liebe Michele, lieber Daniel,

 

in unserem Gespräch, bei dem wir diesen Trauungsgottesdienst vorbereiteten, überließen Sie mir die Auswahl eines passenden Bibeltextes und sind nun vielleicht überrascht, welche Bedeutung diese Schriftstelle, die die Überschrift „Der Sturm auf dem See“ trägt, für Ihre Hochzeit bzw. Ihre Ehe haben kann.

 

Schiff, Meer, Sturm, Gefahr, Angst, Kleingläubigkeit und Rettung.

 

Liebe Michele, lieber Daniel, verehrte Hochzeitsgäste, sicher ist Ihnen allen der Spruch bekannt: In den Hafen der Ehe einlaufen.

 

Hafen, das bedeutet gemeinhin Sicherheit, Geborgenheit, ruhige See, Windstille, andocken am Kai, und – falls sie nicht gerade wahnsinnig an Verladekränen und Containern interessiert sind  -  Langeweile, ja Trostlosigkeit.

 

Wer das mit seinem Eheschiff sucht und sich darin einrichtet, fordert ja geradezu unerwünschte Landgänge heraus.

 

Nein, lieber Daniel, liebe Michele, heiraten, gemeinsam das Eheschiff besteigen, bedeutet nach meiner Erfahrung auslaufen aus dem Hafen, hinaus in die offene See.

 

Das gerade vom Stapel gelaufene Eheschiff muss aufs rauhe Meer des Alltags hinaus. Hier wird sich zeigen, ob es Stabilität hat, ob es auch in schwerer See den Kurs halten kann, ob es in einer Flaute nicht abdriftet, ob es evtl. Schäden verkraften wird und nicht untergeht.

 

Die Liebe, die gerne als Himmelsmacht bezeichnet wird, muss zeigen ob sie stark genug ist das Schiff durch die Untiefen des Lebens zu steuern. Sie muss sich bewähren zwischen Küche und Büro, Kinderzimmer und Freizeitstress.

 

Die Stürme und die hochgehenden Wogen, die ein Eheschiff bedrohen oder gar gefährden können, sind vielfältiger Art. Es kann sein, dass der gemeinsam eingeschlagene Kurs manchmal nur schwer zu halten ist und von den Insassen Entbehrungen, Verzichtleistungen auch um des Anderen oder der gemeinsamen Sache willen fordert. Dann heißt es: an Bord bleiben!

 

Es kann sein, das man plötzlich unterschiedlicher Ansicht über Reisegeschwindigkeit und Zielanpeilung ist. Der Ehepartner wird nicht mehr als Ergänzung des eigenen Ichs gesehen, sondern als Hemmnis, das einen hindert die eigene Persönlichkeit zu entfalten und voll auszuleben. Dann heißt es: im Logbuch nachschlagen und sich erinnern, was man sich zu Beginn der gemeinsamen Reise vorgenommen hatte.

 

Ich glaube, erprobte Eheleute, oder um im Bild zu bleiben, erprobte Skipper, könnten noch etliche Beispiele anfügen.

 

 

 

Aber liebe Michele und lieber Daniel, ich möchte Sie am Anfang Ihrer Ehe nicht ängstigen, sondern Ihnen Mut zusprechen.

 

Die Insassen des Bootes auf dem See Genezareth, deren Schiff in Gefahr war, erinnerten sich, dass sie jemanden mit im Boot hatten von dem sie Hilfe erwarten durften: Jesus !

 

Mit Ihrem Entschluss, heute Ihren Ehebund vor Gott zu besiegeln und unter seinen Schutz zu stellen haben Sie  ebenfalls Jesus mit in Ihr Boot genommen. Und er ermuntert sie wie damals seine Jünger zum Glauben, zunächst zum Glauben an sich selbst und an Ihre Liebe.

 

Lieben, d. h. einen Menschen in ganz besonderer Weise und einmalig teilhaben lassen am eigenen Leben mit der Erlaubnis, mitzugehen und mitzureden in den Tiefen des Herzens. Das ist wohl das schönste Geschenk, das wir einander geben können. Diese Liebe macht stark.

 

Doch um zum Eheschiff zurückzukehren. Der Kurs wird umso besser gehalten, je besser die Mannschaft aufeinander abgestimmt ist. Überfordern Sie sich nicht.

Ein Mensch, der zu hohe Ansprüche an seinen Partner stellt bringt die Liebe in Gefahr die wir uns tatsächlich geben können.

 

Und ein Letztes: Die Liebe von Menschen, auch wenn sie im Sakrament der Ehe durch Gottes Geist gestärkt wird, kann nicht den Glauben, die Religion, die Bindung an Gott ersetzen.

 

Es heißt: Ehen werden im Himmel geschlossen, aber auf Erden gelebt.

Erinnern sie sich bitte immer wieder daran, dass Sie heute Ihre Fahrt durchs Eheleben unter den Schutz Gottes gestellt und ihn als Lotsen mit an Bord genommen haben.

 

Jeder Mensch und ganz besonders Liebende und Eheleute brauchen die Gewissheit, dass Gott sie trägt, und er wird Ihnen die Treue halten, in guten und in schlechten Tagen.

 

AMEN