Der Predigtpreis - Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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Dialogpredigt über Johannes 6,66-68

Pfarrerin Cordula Zellfelder&Pfarrer Christian von Rotenhan

in Schweinfurt

Als sie das hörten, wandten sich viele seiner Anhänger von ihm ab und wollten nicht länger mit ihm gehen.
Da fragte Jesus die Zwölf: "Und ihr, was habt ihr vor? Wollt ihr mich auch verlassen?" Simon Petrus antwortete ihm: "Herr, zu wem sonst sollten wir gehen? Deine Worte bringen das ewige Leben."

Chr. beginnt Predigt:
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

den biblischen Text, der meiner heutigen Predigt zugrunde liegt, haben wir gerade schon als Lesung gehört.
Viele Menschen, die zuerst begeistert von Jesus waren, wenden sich wieder von ihm ab.
Sie sind enttäuscht, weil.....

Co. kommt mit Narrenkappe durch die Kirche gelaufen.

Chr: Was ist das denn. Die hat sich ja wohl in der Zeit geirrt. Fasching ist doch vorbei.
He, das hier ist keine Faschingssitzung, das ist ein Gottesdienst. Ein ganz besonderer sogar, nämlich eine Konfirmation. Da können wir keine Narren hier gebrauchen.

Co: Konfirmation? Dann bin ich ja genau da, wo ich hin wollte.

Chr: Ich glaub, du hast mich noch nicht richtig verstanden: Das ist ein Konfirmationsgottesdienst und keine Faschingssitzung. Heute sagen diese Jugendlichen hier selber "Ja" zum Glauben. Und das tun sie, nachdem sie sich ziemlich lang - nämlich 11/2 Jahre lang drauf vorbereitet haben. Das ist eine ernste und wichtige Sache.

Co: Ich sag's ja, ich bin hier genau richtig. Denn wenn sie das ernst meinen mit dem Glauben, dann werden sie sich ziemlich oft zum Narren machen.

Chr: Wie bitte? Wie meinst du das: Sie werden sich zum Narren machen, wenn sie das mit dem Glauben ernst meinen?

Co: Hast du das noch nicht gemerkt? Na, dann will ich es dir erklären. Paß auf.
Das ging bei mir schon los, als ich selber Konfirmandin war. Das heißt genau genommen gleich danach. Ich bin nämlich immer ganz gern in den Gottesdienst. Und darum bin ich auch danach noch ab und zu gegangen. Nicht mehr so oft -aber trotzdem. Was meinst du, was ich da zu hören bekommen habe: "Du spinnst wohl, du machst dich ja vor der ganzen Clique zum Narren, wenn du jetzt noch in die Kirche gehst, wo du das doch gar nicht mehr mußt."

Chr: Stimmt, das sagen ganz viele. Da hast du recht.

Co: Na siehst du. Aber das ist noch nicht alles. Das geht so weiter. Zum Beispiel als wir im Skikurs waren. Die beste Gruppe wollte eine Tiefschneeabfahrt machen. Und es wurde dunkel und die waren immer noch nicht zurück. Alle haben sich schrecklich Sorgen gemacht, dass denen was passiert ist. Und da habe ich den Vorschlag gemacht, wir könnten ja beten.
Was meinst du, was ich da zu hören bekam: "Du spinnst ja! Für was soll das denn gut sein."
Und schwupp - hatte ich wieder eine Narrenkappe auf.
Chr: OK. Das kann ich mir auch vorstellen, dass das so war.

Co: Ich könnte dir noch viel mehr Beispiele erzählen. Aber ich will das ganze hier nicht so lang aufhalten. Die haben bestimmt alle noch einiges vor heute. Nur eines will ich dir noch erzählen. Das war, als meine Oma gestorben ist.
Die anderen haben mich alle gefragt, wie das denn so ist auf einer Beerdigung. Und ich hab gemeint: Na- auf der einen Seite war das sehr traurig, denn sie ist ja nun wirklich und endgültig tot und ich hab sie echt gern gemocht. Aber auf der anderen Seite war es auch ganz tröstlich, zu hören, dass Gott uns ja das ewige Leben schenkt.
Kannst dir sicher denken, was ich da zu hören bekam: "Ewiges Leben, du spinnst ja. Tot ist tot. Deine Oma verwest da unten in ihrem Sarg, sonst passiert da gar nichts."

Chr: Hm, weißt du, was ich nicht verstehe? Wenn das alles so ist, wie du das erzählst, warum glaubst du dann eigentlich weiter? Warum machst du dich dann immer wieder zum Narren? Das könntest du doch auch sein lassen, dann hättest du's in deiner Clique sicher einfacher.

Co: Einfach sein lassen? Jetzt machst du dich zum Narren. Das kann man doch nicht einfach sein lassen. Wenn man glaubt, dann lebt man doch ganz anders. Mit mehr Mut und mehr Hoffnung.

Chr: Wieso macht dir der Glauben Mut?

Co: Mir macht es auf jeden Fall Mut, dass ich weiß: da ist jemand, dem ich alles anvertrauen kann. Und mir macht Mut, dass ich weiß: Gott will mir die Kraft geben, die ich brauch, damit ich das jetzt gut schaffe, was gerade so ansteht. Und wenns trotzdem schief geht oder ganz anders kommt, als ich gedacht habe, dann vertrau ich drauf, dass Gott schon weiß, wies jetzt weiter gehen kann.

Chr: Und wieso macht dir der Glaube Hoffnung?

Co: Das erklär ich dir am besten mit einer Geschichte. Mit einer Fabel genaugenommen. Paß auf:

Da ist ein Tümpel. Und in dem Tümpel ist eine Libellenlarve - du weißt schon: Eine Libelle ist erst so eine Art Wasserkäfer, bevor sie an einem Halm aus dem Wasser krabbelt und eine Libelle wird. Also: in diesem Tümpel ist eine Libellenlarve und ein Blutegel.
Und die Libellenlarve, die zieht es immer wieder an die Oberfläche, um neu Luft zu holen.
Der Blutegel kann das gar nicht verstehen. Er sagt: "Hab ich vielleicht jemals das Bedürfnis nach dem, was du Himmelsluft nennst?" "Ach, sagt die Libellenlarve, " Ich habe nun mal diese Sehnsucht nach oben. Ich hab auch schon mal versucht, an der Wasseroberfläche nach dem zu schauen, was darüber ist. Da hab ich einen hellen Schein und merkwürdige Schattengestalten gesehen. Aber meine Augen sind wohl nicht dafür gemacht, um das sehen zu können, was über dem Teich ist. Aber wissen möchte ich's doch.!"
Der Blutegel krümmt sich vor lachen, als er das hört: " Was bist du doch für ein Narr. Das redest du dir alles ein. Glaub mir! Ich bin durch den ganzen Tümpel geschwommen. Ich kenne jede Ecke. Und ich sage dir: Dieser Tümpel ist die Welt. und die Welt ist der Tümpel. Und außerhalb von diesem Tümpel gibt es nichts."
"Aber ich hab doch den Lichtschein gesehen und die Schattengestalten."
"Alles Hirngespinste. Was ich fühlen und betasten kann, das gibt es sonst nichts." erwidert der Blutegel.
Aber dann dauert es gar nicht lange, bis sich die Libellenlarve aus dem Wasser herausschiebt, Flügel bekommt und sie in den sonnigen Himmel über den Tümpel davon fliegt.

Chr: O Moment - da muss ich nochmal nachfragen, ob ich das auch richtig verstanden habe. Der Tümpel, der steht für unsere Welt, so wie sie jetzt so ist, wie wir sie kennen, oder?

Co: Richtig

Chr: Und der Blutegel und die Libellenlarve, die stehen für uns Menschen.

Co: Stimmt.

Chr: Und die Libellenlarve, die steht für einen Menschen, der glaubt und die wird von dem Blutegel, der nicht glaubt, ausgelacht.

Co: Genau. Ich seh schon, du verstehst das ganz richtig.

Chr: Das heißt also: manche meinen: nur das gibt es wirklich, was sie sehen und anfassen und berechnen können. Und die lachen die anderen aus, die sagen: Es gibt noch viel mehr. Es gibt noch was, was wir jetzt noch gar nicht richtig erkennen können. Was es aber deswegen trotzdem gibt. Gott, z.B. den wir ja nicht sehen können.

Co: Genau. Oder auch das ewige Leben.
Weißt du, was ich mir immer sage, wenn andere mich mal wieder für einen Narren halten, weil ich glaube? Ich sage mir dann immer: Wer weiß, vielleicht seid ja ihr die Narren. Na ja, irgendwann werden wirs wissen. So jetzt will ich aber den Gottesdienst nicht länger aufhalten. Machts gut - und noch ein schönes Fest.

Chr. setzt den Gottesdienst mit Wort an die Konfirmanden fort.
Wort an die Konfirmanden:

Es kann schon sein, dass es in der heutigen Zeit etwas verrückt ist, sich öffentlich hinzustellen und sich zu einem Leben mit Jesus und einem Leben in dieser Gemeinde zu bekennen. Da wird Euch heute einiges zugetraut.
Aber nicht nur euch, sondern uns allen traut er das zu, sonst wären wir heute nicht hier.

Ohne die Taufe die Ihr alle mehr oder weniger bewusst erlebt habt, wäret ihr heute nicht hier. Ohne sie wäret ihr heute nicht dazu gerufen selbst euch dazu zu bekennen.
Aber ihr wisst ja:
In der Taufe , hat Gott sein großes "Ja" zu euch gesagt. Er liebt euch ohne Bedingungen ohne wenn und aber. Die Taufschals,
( Schal entfalten und umhängen)
die wir gebatikt haben, erinnern daran:
Gott hat versprochen euch ganz nahe zu sein. So nahe wie dieser Schal, wenn ich ihn mir umhänge.

Gott möchte, dass euer Leben gut wird für euch - und durch euch auch für andere: eben indem ihr nicht stumm abwartet was kommen wird, sonder mit gestaltet und so wie die Schals dazu beitragt, dass das Leben und Eure Kirche bunt und lebendig ist.
Wenn es euch gelingt - dann ist das wunderbar. Wenn es euch nicht gelingt, dann dürft ihr sicher sein, dass Gott es euch, nicht nachträgt, sondern vergibt. Und das nächste mal könnt ihr es einfach wieder probieren.

In der Konfirmandenzeit haben wir über all das geredet
und versucht es zu begreifen, mit dem Kopf und mit dem Herzen.
Ihr konntet hin und her überlegen und nach euren Antworten suchen.

Heute nun hört ihr noch einmal das Versprechen Gottes:
Ich will dich segnen. Ich will dich begleiten. Ich will dich an ein gutes Ziel bringen."
Heute bekennt ihr euch auch selbst dazu: Ja, ich will mein Leben führen im Vertrauen auf Gottes Versprechen und ich will, so gut ich es zu guten und farbigen Leben dieser Erde und der Kirche beitragen.

Als Zeichen dafür hängt ihr euch jetzt bitte eure Taufschals um und zündet eure Kerze! an.

Kerzen anzünden

Amen.


 


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