Foto von aufgeschlagenen Büchern

Kirche als Kleinod

Jörg Ackermann

17.05.2003 in Radio Power 4

Manches Kleinod liegt im Verborgenen und wird deswegen gerne übersehen. Obwohl ich, als ich in den Nordosten Brandenburgs, in die Uckermark kam, schon versucht habe, auch die nähere und weitere Umgebung von Angermünde kennen zu lernen, hat es doch ein paar Jahre gedauert, bis ich nach Görlsdorf gekommen bin, einem Dorf, nur wenige Kilometer entfernt. Dass es dort einmal eine umfangreiche Bebauung, ein Schloss, gar eine Parklandschaft gegeben hat, war mir dabei noch gar nicht bewusst.

Zur Zeit wird diese Parklandschaft zumindest in Teilen mit großem Aufwand saniert. Und man kann ein wenig erahnen, wie die damaligen Gestalter versucht haben, ein richtiges Landschaftsbild zu gestalten. Vom vorbeifahrenden Zug her sollte sich dem Betrachter dieses Landschaftsbild erschließen. Das sollte nicht nur auf einen kurzen Streckenabschnitt beschränkt sein, sondern ganz weite Landschaften umfassen. Das, was heute in Görlsdorf wieder in die beabsichtigte Form gebracht wird, ist nur ein kleiner Ausschnitt des Gesamtplans gewesen.

Einen unbestreitbaren Mittelpunkt und Blickfang bildete dabei die Kirche. Sie ist nicht besonders groß. Ursprünglich als Dorfkirche errichtet, in unmittelbarer Nähe zum Gutshof, wurde sie dann ein wenig weiter ausgebaut, mit einer Fürstengruft versehen, als die Gutsfamilie an Macht und Einfluss gewann. Als es dann an die Landschaftsgestaltung ging, bekam die Kirche einen Turm. Einen ziemlich mächtigen und massiven Turm. Durch diesen wurde sie Blickfang, wurde sie deutlich erkennbar in dem Kunstwerk der Landschaftsgestaltung. Von weitem her konnte man sehen: hier ist eine Kirche, hier ist ein Ort, an dem sich Menschen zum Gottesdienst versammeln. Die ebenfalls zu dieser Zeit eingebaute Orgel trug dazu bei, dass die Gottesdienste auch musikalisch schön gestaltet werden konnten.

Die Kirche in Görlsdorf war beinahe aufgegeben, fast vergessen worden. Heute steht sie wieder im Blickfeld. Denn nach umfangreichen Sanierungen wird die Kirche heute nachmittag wieder geweiht, wieder ihrem Hauptzweck übergeben, dass Menschen sich dort zum Gottesdienst versammeln können. Und auch der kulturelle Aspekt darf dabei nicht zu kurz kommen, nach dem Einweihungsgottesdienst wird es noch ein Chorkonzert geben. Die Kirche ist wieder in den Blickpunkt gerückt worden, sie macht wieder auf sich aufmerksam. Da bin ich mit den Landschaftsarchitekten des 19. Jahrhunderts einer Meinung: Die Kirche gehört als Blickfang und Mittelpunkt zum Leben dazu. Man muss ein solches Kleinod für sich entdecken.