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Predigt über 2. Mose 3,1-14

Pastor Eko Alberts

16.01.2005 in der Erlöserkirche am Markt, Detmold

Taufgottesdienst

Taufgottesdienst

Liebe Gemeinde,

Exodus- das ist das große Buch der Befreiung. Das Sklavenvolk der Israeliten wird aus den Händen des Pharao erlöst. Das soll Mose tun. Doch der muss selber erst gefunden und befreit werden. Davon erzählt unser Abschnitt aus Exodus 3, Verse 1- 14.

Vielen werden die Zeilen aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse nicht ganz unbekannt sein.

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen.
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Dieses Gedicht hat etwas Geheimnisvolles, tröstend und Zukunft versprechend. Gegensätze werden überraschend und fast spielerisch zusammengefügt – und erweisen sich als zusammengehörig. Wie eben „Abschied“ und „Neubeginn“. Sogar „Todesstunde“ und „jung“ und schließlich: „Abschied nehmen“ und „gesunden“.
In einem so schönen Gedicht, in der Poesie also, mag sich dass alles reizvoll und fast wie im Traum fügen. Aber erfahren wir das auch so?
Es ist ja nicht so selbstverständlich, dass sich Stufe auf Stufe fügt – und sich immer wieder Neues öffnet. Wer könnte so traumwandlerisch, so zauberhaft sicher leben und fortschreiten?

Obwohl - verwundern muss einen Menschen das doch immer wieder, wie im Leben sich das Eine aus dem Anderen zu ergeben scheint.
Beides: zum Glück oder zum Unglück.
Hätte die junge Familie sich nicht so spät entschieden, die
Weihnachtsferien in Thailand verbringen zu wollen
und hätte sich die Buchung im Reisebüro durch eine Nachlässigkeit
nicht noch verzögert
und wäre am Urlaubsziel nicht alles ausgebucht gewesen, so dass sie
etwas ganz anderes planen mussten, dann... ja, dann...
Wäre die Freundschaft nicht gerade geplatzt
und der Traum von der gemeinsamen Zukunft auch
und hätte man daraufhin nicht die Reise storniert, dann wäre man in Puket gewesen... und dann...und dann...
Und bei anderen war es genau umgekehrt...

Es muss nicht immer so dramatisch sein. Im Grunde trifft das auf jedes Leben zu. Jede und jeder hat sich schon gefragt: wenn dies oder das damals anders gelaufen wäre... Wenn nicht diese Schule.. jene Arbeitsstelle... dieses Zusammentreffen, dann...
Nun aber ist es so: Es ist so gelaufen... Es war diese Schule... diese Arbeitsstelle... dieses Zusammentreffen....
Und wohin geht es mit mir? Was wird daraus? Worauf will es mit mir hinaus? Wie fügen sich meine Erfahrungen, meine Wege, ein Glied ins andere fassend - ob ich will oder nicht, ob es mich in Höhen des Glücks führt oder in Tiefen des Schmerzes? Und was ist darin der Kern, der Geist, das Leben, das Zusammenbindende? Und manchmal fragt ein Mensch sich gar: Gibt es darin so etwas wie eine Gegenwart Gottes? Sein Mit- mir- sein? Gibt es darin einen Weg von ihm mit mir, von mir mit ihm?

Wenn da vor ein paar tausend Jahren eine Mutter nicht dem ausdrücklichen Befehl des Diktators, der sich als Gottheit verehren ließ, zum Trotz ihr Kind behalten hätte, versteckt und genährt, dann wäre alles nicht geworden. Und wenn diese Mutter aus dem Sklavenvolk nicht Vorsorge getroffen hätte und für das Kind ein Versteck außerhalb des Hauses gebastelt hätte, wäre es aus gewesen.
Und wenn das kleine Versteck nicht schwimmfähig gewesen wäre, damit es am Ufer des Nils im Schilf verborgen werden könnte und die Schwester des Kindes es im Blick behielt, es wäre nicht weitergegangen..
Dann musste die ägyptische Prinzessin eben dort Badelust verspüren und das schreiende Kind finden und aus Erbarmen als Findelkind für sich behalten wollen, es nähren lassen durch eine Amme, die des Kindes eigene Mutter war, dann das Kind zu sich nehmen und ihm eine hervorragende Bildung und Erziehung zuteil werden lassen.
Und dieses Kind wird nun von der Stufe des zum Tod verurteilten auf die Stufe eines Lebens mit Zukunft gesetzt; es wird erhoben als Kind aus dem Sklavenvolk zu einem Adoptivkind der Prinzessin. Die nächste Stufe führt es vom Wie- ein- Schoßhündchen- vor- dem- Ertrinken- gerettet- sein zur Erziehung und Bildung im königlichen Haus des Pharao – und eine glänzende Karriere steht ihm offen. Wissen und Macht kann der junge Mensch gewinnen. Ein sorgenfreies Leben.

Doch dann der jähe Absturz. Und musste es so kommen? Der Hebräerbrief, Jahrhunderte später und bekannt mit dem Ausgang, wird sagen: „durch den Glauben, durch den Glauben...“
Auch in der Erzählung unseres Textes, der weit im Nachhinein alles komprimiert und verdichtet erzählt, schimmert das Licht der späteren Lösung schon immer durch - doch im Geschehen selbst ist die Frage riesengroß: Hat es einen Sinn? Und wird sich alles fügen? Zum Glück oder zum Unglück?

Der aus dem Wasser gezogene, der Mose, weiß auf irgendeine Weise, woher er kommt: dass die vornehme Prinzessin nicht seine wahre Mutter ist; eine andere, die wahre Mutter hat ihn gestillt. Und er weiß: die von den ägyptischen Machthabern unterdrückt, geschlagen, der Würde beraubt werden, sind seine Brüder.
Er sieht, „dass ein Ägypter einen seiner hebräischen Brüder schlägt“.(2,11) Ein Blick: keiner schaut zu – da schlägt er den Ägypter tot. Tags darauf: zwei aus seinem Sklavenvolk im Streit. Mose will schlichten – und wird angefahren: „Willst du mich auch umbringen, wie du den Ägypter umgebracht hast?“
Schon ist die Kunde im Palast. Und noch einmal das Todesurteil des Pharao – Mose flieht.
Karriere adieu! Zukunft? Vorbei! Reichtum? Vergiss es. Macht? Nur noch Angst um das nackte Leben. Pläne zur Befreiung für sein Bruder-Sklavenvolk? Aus und vorbei.
Mose ist politisch tot; gesellschaftlich auch; moralisch ebenfalls. Wer auf ihn setzt, hat schon verloren.

Stufe um Stufe war sein Leben so wunderlich-wunderbar gewesen. Jedes Neue ein Neubeginn ins bessere, reichere Leben. Doch jetzt stürzt er nicht nur eine Stufe, jetzt stürzt er die ganze Treppe hinunter.
Er selber wird auch nicht viel Vertrauen für seine Zukunft gehabt haben. Er verschwindet von der Bühne, begibt sich ins Abseits. Alle Träume sind verbrannt. Er mag die Asche zusammenkratzen – aber ein neues Feuer kann er nicht entfachen. Er zieht in die Einöde; weg aus Ägypten und in Steppe und Wüste des Sinai.

Immerhin, als die Töchter eines Priesters und Herdenbesitzers durch Hirten vom Wasser verjagt werden, setzt er sich für sie ein. So kommt er in die Zelte Jithros und bekommt bald eine der Töchter zur Frau. Mose, der Mann aus Ägypten, Ex-Prinz und Flüchtling, wird Hirte für seinen Schwiegervater. Ehrenwert der Beruf und sein Tun, gewiss; aber ist das nicht das Ende aller Träume?

„Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne...“
Aber Mose hört keinen Lebensruf. Wie die Steppe selbst sein Leben: karg und ohne Aussichten. Sand darüber, Sand der Wüste.
Resignation klingt an.
„Bereit zum Aufbruch“? Nein, hier brach alles ab. Jetzt nur noch ein ruhiges Gleichmaß; Leben im Kreis der täglichen Pflichten, des Wechsels von Tag und Nacht, Sommer und Winter.
„Des Lebens Ruf“ ? Hört man den auch dort? Wohl kaum. Sicher, für Touristen können Wüste und Steppe unerhörte Erfahrungen bieten. Aber hier ist nur Flucht und Rückzug zu lesen. Verstecken und untertauchen.

Flucht vor der eigenen Vergangenheit – d.h. zugleich: verschlossen für die eigene Zukunft. Wer sich nicht stellt, sondern flieht, ins Vergessen, in die Ablenkung, der dreht sich bald im Kreis und kommt nicht voran. Einigeln und abstumpfen, sich in sich selbst verbergen – vielleicht eine Zeit lang nötig, der erste Ausweg . Aber es ist kein Weg nach vorn.
Dass der Pharao, der über Mose das Todesurteil sprach, gestorben ist - erfährt Mose das dort irgendwann? Es interessiert ihn nicht mehr. Mose ist abgemeldet. Er hat schließlich versagt.

Sind wir nun mit dieser Geschichte weit abgedriftet? Verlieren wir uns in fernen Welten jenseits unserer Wirklichkeiten und unserer Erfahrungen? Sicher nicht. Es kostet nicht viel Selbstbetrachtung, so Manches wieder zu finden. Nicht in fremden, in der eigenen Biographie. Aufstiege, offene Türen, Stufe um Stufe erreichen – nicht nur beim Gehalt oder Einkommen –, das kennen viele. Und Niedergang? Ja, auch Niedergang, verlieren, einstecken müssen.

Als Lebens-Prinzen und Lebens-Prinzessinnen sind wir fast alle einmal gestartet, behütet und geliebt; standen im Mittelpunkt, wurden vielleicht gar herausgeputzt und haben in den Alben noch alte Bilder davon, schwarz-weiß oder schwach bunt.
Wir können uns eben noch erinnern, wie wir in Kinderjahren uns als Mittelpunkt der Welt fühlten; eigentümlich mit dem eigenen Selbst ganz eins – und alle Welt stand uns offen und alles würde möglich sein. Da war wahrhaftig ein Zauber, der uns beschützte und zu leben half und alle Rollen konnten wir annehmen und alles werden..

Ob du das noch weißt? Ich hoffe, du hast es nicht ganz verloren und preisgegeben! Hol es wieder hervor, dieses Kind, es tut dir gut!
Doch die Welt wurde rauer. Und bei allen Aufstiegen auf den Stufen des Lebens verlor vielleicht auch das Kind, verlor sich die Prinzessin, der Prinz. Und was haben wir dafür eingetauscht?
Vielleicht äußeren Erfolg, Anerkennung als brav und untadelig, vielleicht auch als fromm. Das ist nicht wenig. Aber ist wirklich Leben darin? Leben mit Zukunft? Und findet sich da der rote Faden, der aus dem Vielen ein ganzes Leben machen wird? Der Geist des Lebens, Gottes Geist und Gegenwart?

Andere erkennen noch deutlicher die Flucht und den Absturz. Leben wie in einer Steppe; innerlich tot und ohne rechte Hoffnung; Asche einer verbrannten Zukunft; leere Weite, wie in einer trostlosen Wüste. Was wird daraus? Kann daraus überhaupt noch etwas werden?

Ich habe den Eindruck, dass Mose die Hoffnung begraben hat. Er richtet sich ein im kleinen Kreis. Wie weite Wege er in der Steppe mit den Herden auch zurücklegt, wie betriebsam sein Leben auch Tag für Tag sein mag - kein Weg wird ihn noch auf andere Stufen heben. Sein Leben läuft sich irgendwann aus, läuft sich tot.
Über die Steppe hinaus geht er, bis in die Wüste. Und da geschieht es. Wahrhaftig, es geschieht ihm – er macht es nicht selbst. Es geschieht ihm in seinem kleinen Alltag, dass er erkennt und gerufen wird zum neuen Aufbruch.
Was erkennt er?
Er sieht vor sich einen Dornstrauch. Nichts Besonderes. Nichts Beachtenswertes. Fast totes Holz in der Trockenheit. Man mag es verbrennen, wertlos, weg damit! Was er sieht, ist - ob er es nun erkennt oder nicht - Sinnbild seines jetzigen Lebens: Dornstrauch in der Wüste, wie tot.

Erlebt so etwas nur ein Mose in alten Geschichten? Ich glaube es nicht. Wir sehen Ähnliches vielleicht in anderen Bildern; schließlich leben wir nicht in der Wüste. Wir sehen eine Sackgasse, ein leeres Haus, eine starre Maske, eine graue, farblose Welt.

Doch Mose sieht nun doch mehr und das reißt ihn heraus aus seinem toten Kreis: der Strauch ist voller Feuer – und verbrennt nicht! Gewiss, die Religionskundler sagen, von solchen Erscheinungen sei in alten Zeiten in solchen Gegenden häufiger erzählt worden. Manche mögen auch natürliche Erklärungen für dieses Phänomen anbieten. Aber auf Mose wirkt es anders. Es fordert ihn mächtig heraus, dieses fremde Licht und Feuer. Das tote Gesträuch von Feuer erfüllt und doch nicht verzehrt – also nicht aufgegeben, nicht nutzlos verbrannt.
Und Mose wird neugierig, will mehr sehen, Ursachen erkennen.
Warum, wieso kann das geschehen?

Doch er wird auf Abstand gehalten. Denn es ist das Feuer Gottes.
„Du hier auf der Stufe im Abseits, in deinem Wüstengehege, in deiner Nutzlosigkeit und so müde aller Hoffnung, sieh und hab Ehrfurcht vor dem Wunder: selbst im toten Leben brennt Gottes Gegenwart!“

Und du wirst angesprochen, angerufen. Da ist einer, nicht Weltgeist oder die Kraft der Geschichte, sondern der Eine, der wahre Gott, der hat dich da in deinem Lebenskreis schon längst im Blick. Er ruft dich mit Namen, mit dem Namen, den du als Kind bekommen hast und der dich zur Prinzessin, zum Prinzen gemacht hat: „Mose, Mose!
Ja, du bist gemeint! Ich kenne dich. Mehr als du ahnst. Dein ganzes Leben bisher, es hat sich nicht umsonst gefügt, Stufe nach Stufe. Und auch nun bist du mir dort in deiner Nische nicht verschwunden und entflohen. Dein Leben ist nicht aus meinen Händen gefallen.
Es wird von mir durchdrungen – und ich will es nicht verzehren und vernichten. Aber entdecke mich und höre!“
Und wenn Gott da ist, dann sei behutsam, hab Ehrfurcht vor ihm – und vor deinem Leben, das er erfüllen will. Geh nicht in Stiefeln darüber hinweg; auch nicht in den Stiefeln des klugen Wissens und Definierens der Wissenschaft. Steh still und tritt nicht zu nah heran.

Und nun entfaltet sich in den Ankündigungen, was darin für Mose und das Sklavenvolk enthalten ist: ein radikaler Aufbruch und Neubeginn. Gott nimmt die Fäden der Geschichte, einer doppelt hoffnungslos erscheinenden Geschichte, auf:
Mose wird reaktiviert – denn Gott wendet die Geschichte seines Volkes. Ende der Sklaverei und Aufbruch in die Freiheit. Und Mose muss heraus aus seinem resignierten Kreislauf und zu seinem Todfeind, dem Pharao, gehen!

In der Einsamkeit der Wüste, wo es kein Entweichen gibt, hat Gott ihn gestellt. Es hat Jahre bis dahin gedauert. Gott hat Zeit. Seine Zeit, seine Stunde kommt oft ohne dass wir es ahnen. Wir können sie nicht ausrechnen. Doch wenn sie da ist, dann gibt es keine Ablenkung mehr, kein Verdrängen. Spätestens dort, wo Gott sich zu erkennen gibt, kommt es dann auch zur Selbsterkenntnis.
Und wo er erkennen lässt: Ich bin aus deinem Leben nie verschwunden, da beginnt ein neues Fragen, wird die Neugier auf das Leben geweckt. Wo er dir vermittelt: Wenn du auch denkst, nur noch Totholz zu sein, so will ich ein heiliges Feuer, Feuer meines Geistes in dir entzünden, da kommt es zum Aufbruch.

Natürlich, da ist noch ein Ringen um Klarheit. Wer bist du Gott? Und was bewegt dich? Da ist Scheu und Erschrecken über mich selbst:
Ich kann dir nicht in die Augen sehen, ich kann vor dir nicht bestehen und wie soll ich das bewältigen, was du mit mir vorhast?
Da lässt Gott wissen:
Schon lange vor dir, mein kleiner Lebens-Prinz, meine kleine Lebens-Prinzessin, war ich da; habe meine Geschichte mit denen vor dir, meine Versprechen gegeben und gehalten; hab mich gezeigt als ein herzlicher Gott mit empfindlichen Ohren für die Schreie der Unterdrückten und auf die unterste Stufe geworfenen; ein Gott mit Augen, die das Elend nicht ausblenden.
Und nun füge ich dich – ob du meinst, du wärst tauglich oder nicht -
in meine Geschichte ein. Du sollst nicht in deiner Wüste bleiben und dich in Resignation begraben. Du bist, bleibst nicht ausgebrannt. Ich brauche dich – und bin hier, dein Leben zu erfüllen.

Wird sich alles fügen? Wie können wir darauf vertrauen?
Wird er denn wahrhaftig da sein, Gott, auch für uns, für mich?
Es bleibt ein Geheimnis um ihn und sein Wirken in unserem Leben, unseren Geschichten. Doch geheimnisvoll gegenwärtig will er sein. So deutet es sein Name an. In vier hebräischen Buchstaben zu Papier gebracht, heilig – unaussprechlich; nicht einfach zu hantieren und nicht als Zauberformel zu nutzen.

„Ich werde sein, der ich sein werde“, so hat man zu übersetzen versucht. Der Seiende ist er, wird da sein für alle, die den Aufbruch auf sein Geheiß wagen. Unbestechlich, nicht durch Opfer oder andere Angebote in die Hand zu bekommen und einzusetzen. Aber überraschend da. Oft erst im Nachhinein erkannt. Manchmal gerade in den Tiefen wirksam. Aber immer Wort haltend: Ich bin da, geh nur – so gehst du deinen Weg unter dem Segen

Du kannst es vorher nicht ausrechnen. Doch so wird es sein, verspricht er: Deine Erfahrungen und meine Wege fügen sich, ein Glied ins andere fassend - ob du willst oder nicht, ob es dich in Höhen des Glücks führt oder in Tiefen des Schmerzes. Und der Kern darin, der Geist, das Leben, das Zusammenbindende ist mein Wirken: Ich werde sein – auch für dich.
Oder meinst du, ich hätte dich nicht gesehen, nicht gehört?
Ich bin doch gekommen, hernieder gefahren zur Rettung. In dein Fleisch und Blut gekommen, in deine Haut.

Totholz soll grünen, Kreise brechen auf. Selbst die tiefste Stufe wird zum Sprungbrett in eine neue Zukunft. Und wenn du später dahin zurückschaust, zurückkehrst an diesen Ort, wirst du ihm danken. Er lässt dir sagen: Du bist zum Leben berufen. Das sollst du wissen, so wahr ich dein Gott bin.

Amen.