Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 10,9 und das Lied „Spinner“ der Gruppe Revolverheld

Bastian Rütten (kath.)

Jugendgottesdienst im März 2010 in Wetzlar

„Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“


[Nach dem Evangelium wird das Lied „Spinner“ der Gruppe Revolverheld eingespielt.]

Liebe Jugendliche, liebe Mitchristen,

„Lass Dein altes Leben hinter dir / Und geh durch diese neue Tür“, so beginnt der Kehrvers des ganz aktuellen und in dieser Woche veröffentlichten Liedes „Spinner“ der Gruppe Revolverheld. Wir haben es eben gemeinsam gehört.  

Was aber hat dieses Lied mit dem Evangelium nach den Worten des Evangelisten Johannes zu tun? Warum ich dieses Lied gewählt habe? Nicht nur, weil es brandaktuell ist und mir vorgestern im Radio so gut ins Ohr ging, sondern auch, weil in diesem Lied die Rede ist von der „neuen Tür“.

Wir erinnern uns: Als Christus eben in den Worten des Apostels Johannes zu uns sprach, da hieß es: „Ich bin die Tür; Wer durch mich hineingeht wird gerettet werden (…) und wird Weide finden.“

„Weide finden“, was bedeutet das? Ich glaube, es ist ein Bild für das, was Johannes an anderer Stelle „Leben in Fülle“ nennt. Denn eine Weide bietet Nahrung und somit Kraft und Energie. Ich habe direkt das Bild von einer satten und grünen Sommerwiese im Hinterkopf. „Weide finden“ also ein schönes Bildwort für die Möglichkeit über sich hinaus zu wachsen, sich zu entwickeln.

Wer sich entwickeln will, der benötigt unbedingt Visionen und Träume, Ziele und Motivation diese Ziele anzugehen und umzusetzen. Unglücklich wird man im Leben eher nicht, wenn diese Ziele zu hoch gesteckt sind (vorausgesetzt man lernt es auch mit dem Scheitern um zu gehen), sondern wenn einem Ziele, Visionen und Träume fehlen. Dann fehlen schnell auch Richtung und Perspektive und unser Leben wir ziellos und verfehlt nicht selten das Ziel.

Menschen aber, die sich hohe Ziele stecken und auf sie hinarbeiten gelten in unserer Gesellschaft und in der heutigen Zeit oft als „Spinner“, als Träumer und Phantasten. Es scheint verbreiteter sich mit Mittelmäßigkeiten abzufinden und sich der Diktatur der Diesseitigkeit zu unterwerfen, als zielstrebig sein Leben in die Hand zu nehmen.

Und doch lebt unsere Gesellschaft und unsere Welt von den Träumern, die sich noch mehr zu erwarten, noch mehr zu hoffen wagen.

Die Band Revolverheld zählt uns eine Reihe dieser Namenlosen und anonymisierten Menschen auf.

  • Der Eine sitzt allein in seinem Zimmer vor dem Spiegel und singt seine Lieder. Eventuell wohl weißlich, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach in seinem Leben doch kein Pop-Star wird und dass das Wettrennen um den „Superstartitel“ ohne ihn ausgetragen wird. Trotzdem probt und übt er weiter. Hat Sehnsucht danach seine „Weide“ zu finden.
  • Eine Andere bringt sich fast um die Besinnung und hat vielleicht die Orientierung verloren; So viele Bewerbungen hat sie nun geschrieben und oft noch nicht mal eine Antwort bekommen. Ihre Ziele und ihre Visionen lassen sie nicht aufgeben auf der Suche nach ihrer „nahrhaften Weide“.
  • Jeden Cent legt der Andere zurück. Monat für Monat und das seit nunmehr 3 Jahren. Mittlerweile hat er 150 Euro. Aber was ist das für eine Summe, wenn man eine Weltreise plant?!? Er macht weiter, er weis um seine vielen kleinen Tropfen auf den heißen Stein und während er seine „Weide“ vor Augen hat, wirft er die nächsten 2 Euro ins Sparschwein.


Viele sind nicht genannt in diesem Lied und vielleicht finden wir uns selber wieder darin. Als Menschen, die irgendwo auf der Welt an ihren Zielen arbeiten und in all ihren Hoffnungen nicht aufgeben. Sie tun dies gegen die weit verbreitete Meinung, es hätte ja eh alles keinen Sinn und man müsse nur irgendwie durchkommen im Leben. Das „irgendwie“, das „Mittelmaß“ ist ihnen zu wenig. Die Welt mag diese Menschen als „Spinner“ abtun, aber in Wirklichkeit sind sie es nicht! Sie sind „Gewinner“, obwohl viele von Ihnen noch nicht ihre „Weide“, ihre Erfüllung gefunden haben. Sie treten, wider alle Hoffnungslosigkeit und Ernüchterungen, immer wieder neu durch die „neue Türe“ ein.

Für uns Christen ist diese Türe das Beispiel des Jesus von Nazareth. Wenn man so will: Ein Spinner in seinen Ideen und Visionen und ein Gewinner des Lebens.

Der Aufruf von Revolverheld ist also gar nicht so anders, als der Aufruf Jesu zu Umkehr, der besonders in dieser Fastenzeit wieder an uns ergeht:




„Lass dein altes Leben hinter dir
Und geh durch diese neue Tür

Das geht raus an alle Spinner
Wir sind die Gewinner
Wir kennen keine Limits
Ab Heute - für immer

Das geht raus an alle Spinner
Weil alles ohne Sinn wär
Ohne Spinner wie dich und mich“

AMEN