Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 1,25-34

Ursula Sprengel

20.01.2008 in der Krankenhauskapelle Riedlingen

In der Krankenhauskapelle Riedlingen

Liebe Gemeinde, liebe Kranke in Ihren Zimmern

Im Evangelium der letzten Woche hörten wir, dass Jesus sich von Johannes taufen lässt. Für Johannes war dies etwas ungewöhnlich, aber er geht dann doch auf die Bitte Jesu ein. Nach der Taufe Jesu erscheint Gottes Geist in der Form einer Taube und eine Stimme sprach aus dem Himmel:
„Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“.
Johannes durfte dies alles miterleben.

Im heutigen Evangelium setzt Gott erneut ein Zeichen.
Johannes selbst begrüßt Jesus mit den Worten: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!
Ob es Johannes wirklich bewusst war, was er da ausgesprochen hatte?
Ein Mensch soll die Sünden der Welt wegnehmen können?
„Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!
Wir hören vermutlich an dieser Stelle sofort die Worte des 2. Teil des Satzes, wo es um Sünde und Schuld geht.
Das macht uns vielleicht Angst, weil wir Sünde und Schuld mit Bestrafung verbinden.------------

Ich erinnere mich an meine Kindheit.
Ich wurde regelmäßig zur Beichte geschickt und ich bin tapfer gegangen und habe inbrünstig und ehrfürchtig gebeichtet, das dürfen Sie mir glauben.
Weil ich damals nicht richtig verstanden habe, was Sünde ist, habe ich den ganzen „Beichtspiegel“, so hieß es zu meiner Zeit, auswendig gelernt. Vorsorglich habe ich mehr gebeichtet, als ich vermutlich gesündigt habe, aus lauter Angst, dass Gott mich dafür bestrafen könnte, wenn ich etwas vergessen hätte.
In der Zwischenzeit ist mir bewusst geworden, das ich da einiges missverstanden habe.
Hören wir uns einmal den ersten Teil des Satzes an, in dem Johannes folgendes sagt: Seht das Lamm Gottes!! Das hört sich doch ganz anders an!!! Wir denken an ein Lamm.
Das hat eine ganz andere Wirkung auf Sie und mich. Oder?
Ein Lamm hat nichts bedrohliches, sein Wesen ist warm, lieb, friedlich und unschuldig! Dieses Lamm Gottes wird also von seinem Vater berufen.
Es ist Jesus der gemeint ist.

Er wird also von seinem Vater berufen.
Man könnte es vielleicht auch „Einweihung“ nennen, in die Aufgaben und sein Wirken in der Zukunft.
Diese Berufung hat Jesus in viele unterschiedliche Situationen gebracht.
Ich könnte mir vorstellen, dass Jesus oft Zwiesprache mit seinem Vater gehalten hat.
Es gab sicher Situationen, in der sich nicht verstanden fühlte, wo er widersprochen hatte, ja wo er sich vielleicht auch einsam und verlassen fühlte.
Sie und ich kennen solche Gefühle!
Das ist aber auch das wesentliche, das wunderbare, das uns mit Jesus verbindet.
Jesus war ein Mensch, wie sie und ich!
Er liebte und er litt, er freute sich , hatte Sehnsucht , hatte Hunger und Durst, war gerne mit Freunden zusammen und er kam bei den Menschen gut an.
Das war die eine Seite seines Lebens!
Die andere war schmerzlich.
Er stößt auf Abwehr, Verachtung, Verhöhnung, auf Unverständnis.
Er kannte das Gefühl der Müdigkeit und Resignation genauso wie Zeiten der Lebensfreude und Geborgenheit.
In dieser Hinsicht unterscheidet sich das irdische Leben Jesu nicht von unserem.
Er ist einer von uns.
Auch wir dürfen auf auf Gottes Stimme hören und seinem Rufen nachgehen.
So haben wir auch unsere kleinen und großen Aufgaben zu meistern.
Jesus lebte es uns vor.
Seine Zuwendung galt immer zuerst den Armen, denen die zu kurz gekommenen sind.
Ihnen- die Liebe Gottes nahe zu bringen, sie aufzurichten, zu heilen und aus ihren Nöten zu holen, ihnen Würde und Ansehen zu geben: das war sein Weg und seine Botschaft.
Jesus hat es uns vorgelebt aus dieser tiefen Erfahrung des Geliebtseins heraus, geliebt von seinem Vater!
Gestärkt in diesem Bewusstsein, machte er sich auf den Weg zu den Menschen.
Er richtet auf, öffnet Wege zum Leben. Auf ihn dürfen wir hören, schauen, ihm uns anvertrauen.
Gott möchte auch zu uns sagen, zu Ihnen und zu mir, “du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter“.
Wenn Johannes sagt, „Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt wegnimmt, heißt das, dass Gott uns seinen Sohn schickt,
der uns das wichtigste in unserem Leben lehrt, ----nämlich die Vergebung.!!
Das sollte uns immer wieder trösten, wenn wir selbst in Nöten sind.
Aber auch dann, wenn wir andere Menschen sehen, die unsere Hilfe benötigen.
Wenn wir um das Geschenk der Vergebung wissen, dann können Sie und ich ruhig werden und unseren inneren Frieden finden.
Den Frieden, dem wir oft ein Leben lang hinterher laufen, der aber so nahe bei uns ist. Im Grunde genommen ist es ganz einfach.
Wir dürfen nur auf die Liebe Gottes vertrauen dann wird alles von uns genommen, was uns belastet! Am Ende steht die Vergebung!

Amen.