Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 10, 17-27

Pastor i.R. Dr. Albrecht Weber (ev.-luth.)

23.10.2011 in der Dorfkiche Habel und der Stadtkirche Tann/Rhön

18. Sonntag nach Trinitatis

GELD ODER GOTT?

10 17 „Als er (Jesus) dann (wieder) aufbrach, um weiterzuwandern, lief einer auf ihn zu, warf sich vor ihm auf die Knie nieder und fragte ihn: »Guter Meister, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben (= zu gewinnen)?« 18 Jesus antwortete ihm: ‚Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. 19 Du kennst die Gebote: Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsches Zeugnis ablegen, keinem das ihm Zukommende vorenthalten, ehre deinen Vater und deine Mutter!’ 20 Jener erwiderte ihm: ‚Meister, dies alles habe ich von meiner Jugend an gehalten.’ 21 Jesus blickte ihn an, gewann ihn lieb und sagte zu ihm: ‚Eins fehlt dir noch: gehe hin, verkaufe alles, was du besitzest, und gib (den Erlös) den Armen: so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!’ 22 Er aber wurde über dies Wort unmutig und ging betrübt weg; denn er besaß ein großes Vermögen.

23 Da blickte Jesus rings um sich und sagte zu seinen Jüngern: ‚Wie schwer wird es doch für die Begüterten sein, in das Reich Gottes einzugehen!’ 24 Die Jünger waren über diese seine Worte betroffen, Jesus aber wiederholte seinen Ausspruch nochmals mit den Worten: ‚Kinder, wie schwer ist es doch [für Menschen, die sich auf Geld und Gut verlassen], in das Reich Gottes einzugehen! 25 Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgeht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingeht.’ 26 Da erschraken sie noch weit mehr und sagten zueinander: ‚Ja, wer kann dann gerettet werden?’ 27 Jesus blickte sie an und sagte: ‚Bei den Menschen ist es unmöglich, nicht aber bei Gott; denn bei Gott ist alles möglich.’“ (1.Mose 18,14)

(H. Menge)

Geld oder Gott?

I GELD REGIERT DIE WELT

Liebe Gemeinde!

„Geld schießt Tore“, so lautete die Überschrift eines jüngsten Zeitungsartikels. In ihm wurde dargelegt, wie zahlreiche europäische Profifußballervereine von superreichen Männern aufgekauft wurden. Diese konnten aufgrund riesiger Summen hervorragende Spieler für ihren Verein freikaufen, so dass dieser danach überaus erfolgreich wurde (ANM I).

Die wohlhabenden Länder diktieren weithin das Weltgeschehen, nicht die armen Länder. Verschulden sich reiche Länder wie Japan, die USA oder Deutschland über Gebühr, sinkt ihr Einfluss entsprechend.

Für die 2010 in Deutschland gezählten 760 000 Millionäre mit einem Gesamtvermögen von ca. 2,2 Billionen Euro öffnen sich natürlich weltweit Türen, die für den Durchschnittbürger und den Armen verschlossen bleiben (ANM II).

Die wirklich Reichen können ihre Kinder auf teure, elitäre Internate schicken und an den namhaftesten Universitäten der Welt ausbilden lassen, was sich natürlich wiederum auch auf deren Lebenslauf, auf ihre Karriere, ihr Einkommen und auf ihre Möglichkeiten im Leben auswirkt.

Sie können auf den exotischsten und spektakulärsten Inseln der Welt Urlaub machen. Sie können sich die spannendsten und abenteuerlichsten Weltreisen in einmaligen, vom Massentourismus unberührten Landschaften leisten, die neuesten, modischsten Kleider aus den wertvollsten Materialien tragen, die elegantesten, bequemsten und technisch raffiniertesten Autos fahren, in den herrlichsten, bestens gelegenen Villen wohnen und zu Opernaufführungen in einmaliger Starbesetzung mal schnell auf einen anderen Kontinent jetten.

Nicht ohne Grund ist deshalb für viele Menschen das Ziel, reich zu werden, das erklärte Ziel ihres Lebens.

Nicht ohne Grund hat die Möglichkeit, durch einen überraschenden Lotto- Hauptgewinn von heute auf morgen reich zu werden, solch ein Faszination auf Abertausende von Bürgern

(ANM III).

Nicht ohne Grund werden nicht selten Banken wie moderne Tempel der Neuzeit errichtet: Lichtdurchflutet, großzügig gebaut, Stärke, Macht und Einfluss andeutend, zum Verweilen einladend und mit persönlichen „Seelsorgern“ des Vertrauens ausgestattet, die uns die Sorgen um unser Hab und Gut abnehmen und bereit sind, die Lasten unserer Vermögensverwaltung auf ihre uneigennützig erscheinenden Schultern zu nehmen.

Der wahre Gott in diesen modernen Tempeln ist nicht die einzelne Banknote, und sei sie in ihrem Wert noch so hoch, der wahre Gott des modernen Menschen ist dem unsichtbaren Gott vergleichbar: Die unsichtbare Macht des Geldes, die man elektronisch in Sekundenschnelle wie einen Impuls des Schöpfergeistes rund um die Welt hin senden und womöglich vermehren kann, die uns inspiriert, antreibt, bei Gewinn zu freudiger Entzückung erregt und bei Verlust in tiefe Niedergeschlagenheit versetzen kann.

So wird die unsichtbare GELDMACHT zu unserem Ersatzgott, dem unsere ganze Hingabe gehört. Tag und Nacht fragen wir danach, wie wir ihm dienen können und wie er uns weiter beglücken kann. Ihn, den Unsichtbaren, beten wir an in unserem Verhalten und Tun. Unser Sinnen und Trachten dreht sich um ihn. Wo er da ist, da leben wir auf, wo er fehlt, da verdorrt allem Anschein nach unser Leben (ANM IV).

II DIE TRAGIK DES REICHEN

Genau das alles wusste Jesus, als eines Tages ein reicher, junger Mann zu Jesus kam, vor ihm auf die Knie fiel, was er vermutlich noch nie vor einem Rabbi getan hatte und ihn fast ehrerbietig mit den Worten „guter Meister“ anredete und ihn fragte, was er tun müsse, um das ewige Leben zu gewinnen.

Jesus korrigierte zuerst die Anrede „guter Meister“, um die Aufmerksamkeit des jungen Mannes von allen unter Menschen geübten Höflichkeiten und Ehrbezeugungen weg allein auf Gott zu lenken, von dem alles Gute ausgehe: „Niemand ist gut als Gott allein“. Das ist ein wichtiger Hinweis für uns alle, für die die Ehre, die Menschen uns zuerkennen, meist wichtiger ist als die Ehre, die Gott uns beilegt, wenn wir uns ihm wirklich anvertrauen.

Jesus nennt dann auszugsweise einige der 10 Gebote, und der junge Mann bestätigt, dass diese Gebote ihm viel bedeuten und er seit seiner Jugend nach ihnen gelebt hat.

Das alles gefällt Jesus, ja, es wird berichtet, dass er den jungen Mann sogar liebgewann in seiner treuen Religionsausübung. Aber Jesus wollte ihn über diese Weise der Frömmigkeit hinausführen und sagte zu ihm:

„Eins fehlt dir noch: gehe hin, verkaufe alles, was du besitzest, und gib (den Erlös) den Armen: so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!“

Wäre der reiche Mann dieser Aufforderung Jesu gefolgt, hätte er Anteil an dem besonderen Reich bekommen, das Jesus in Gottes Namen brachte. Er hätte, ungehindert durch die Sorgen um die Verwaltung seines Reichtums, in vollem Vertrauen auf den für ihn und unsere Mitgeschwister im Glauben sorgenden Gott, Jesus auf seiner Wanderschaft folgen können und dabei erlebt, wie der Himmel über Jesus und den Seinen Tag und Nacht offen stand.

Aber zu diesem radikalen Schritt fehlte dem reichen jungen Mann der Glaube, das nötige Gottvertrauen. Er blieb der bisherigen gesetzlichen Religion verhaftet und konnte nicht erkennen, dass mit Jesus eine neue Qualität der Gottesbeziehung eröffnet wurde, die jedem offensteht, der IHN und seine Worte höher schätzt als alles Sonstige in der Welt, sogar höher als sein Ehepartner, seine besten Freunde und Eltern, als sein Hab und Gut, ja als ein schönes, gesichertes Leben.

So ging dieser begüterte, reiche Mann traurig davon und verpasste die Chance seines Lebens, mehr zu gewinnen als den Gegenwert von sieben richtigen Zahlen beim Lottospiel, nämlich innigste Gemeinschaft mit Gott für Zeit und Ewigkeit.

III WAS IST UNS WICHTIGER: GOTT ODER GELD UND VERMÖGEN?

Liebe Gemeinde! Das Erschrecken der Jünger über den Dialog Jesu mit dem reichen Mann und über Jesu Wort, eher werde ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen als ein Reicher ins Himmelreich kommen, wird vermutlich auch unserem Erschrecken ähneln. Denn im Vergleich zu den Bürgern vieler anderer Länder sind wir in Deutschland allesamt reich, sicher in nochmals abgestufter Form.

Haben wir dann überhaupt eine Chance, am Himmelreich, das Jesus bringt, Anteil zu erlangen?

Ohne Zweifel: Jesu Botschaft ist eindeutig. Die Gefahr von Geld, Vermögen und Reichtum, zu unserem Ersatzgott zu werden, ist riesengroß. Sie ist so groß, dass es nach Jesus höchst unwahrscheinlich ist, dass bei irgendeinem reichen Menschen aus eigener, menschlicher Erkenntnis heraus der unsichtbare Gott wichtiger ist als die bezaubernde und verführerische Macht des Geldes.

Aber bei Gott ist dieses Wunder möglich, dass jeder einzelne von uns und sogar sehr reiche Menschen Gott höher einschätzen als ihr unbeschreiblich großes Vermögen.

Ein Beispiel hierfür aus der Vergangenheit ist FRANZ VON ASSISI (1181-1226), der auf das Erbe seines reichen Vaters, eines Tuchhändlers, verzichtete und gegen den Willen seines Vaters, jedoch mit Zustimmung des Papstes einen Armutsorden gründete, der noch heute segensreich wirkt. Der bewusste Armutsweg der Franziskaner enthielt eine nachdrückliche mahnende Botschaft an die damalige Kirche, für die die der Sicherung der Weltherrschaft, ihrer Macht und ihres Reichtums ein Hauptanliegen war. Die Armut der Franziskanerinnen und Franziskaner ist auch heute noch eine nachdrückliche Anfrage an alle Kirchen: Welchen Stellenwert haben für euch Geld, Besitztümer, Privilegien und politischer Einfluss im Verhältnis zu Gott, der in seinem Sohn machtlos und arm in diese Welt gekommen ist?

Wenn Gott bei Reichen wie etwa Franz von Assisi vermag, die Gewichte vom Geld auf Gott zu verschieben, warum sollte es ihm nicht auch bei uns gelingen?

Hilfreich ist die Beobachtung des Neutestamentlers Gerd Theißen (ANM V), dass Jesus nicht für alle Menschen den Verzicht auf Geld und Vermögen zur Bedingung der Zugehörigkeit zu ihm gemacht hat, sondern lediglich für den Kreis der ihm auf seiner Wanderschaft folgenden Jünger, dass darüber hinaus aber seine Sympathisanten weiterhin in ihren Häusern wohnen blieben und die materiell armen, durch die Lande ziehenden Jünger und ihren gemeinsamen Meister gastlich aufnahmen und auch materiell unterstützten. So ergänzten sich Jünger, die ohne Einspruch Jesu etwas an Geld und Gut behalten konnten und solche Jünger, die auf Anweisung Jesu allen Besitz zugunsten der konkreten Mitwanderschaft mit Jesus aufgegeben hatten. Jesu vertrat dabei keine doppelte Moral, wobei das eine Verhalten wertvoller war als das andere. Vielmehr mutete Jesus allen seinen Jüngern zu, in Überzeugung, Worten und Taten davon auszugehen, dass Gott unendlich mehr wert ist und bleibt als vergängliches Gut und Geld. Wo das gilt, können auch heute noch begüterte Menschen, Unternehmer, Banker und Händler über ihre Bedeutung für die Wirtschaft und Gesellschaft hinaus die Pläne Gottes auf Erden fördern.

In der englischen Sprache und Gedankenwelt gibt es die Rede von einem „blessing in disguise“, d.h. manchmal segnet uns Gott durch das, was als das genaue Gegenteil aussieht. Es kann also geschehen, dass Gott wie durch eine Verkleidung, eine Verstellung oder eine Maske hindurch segnet.


Solch eine Segnung durch das anscheinende Gegenteil kann für uns gegenwärtig lebende Menschen die weltweite und nun auch höchst bedrohliche Finanzkrise in der Eurozone sein, wenn wir die verborgene Botschaft Gottes in ihr entdecken:

Nichts ist sicher, nichts, auch nicht alles Geld und Gut der Welt kann die Risiken unseres Lebens am Ende abdecken, nichts und niemand kann uns vor dramatischen Gefährdungen und am Ende vor dem Tod schützen als Gott allein. Amen

ANM I: Ein Milliardär aus Russland hat mit dem FC Chelsea einfach einen prominenten Londoner Fußballverein aufgekauft und kann aufgrund seiner Geldmacht fast sicher sein, dass sein Verein immer in der Spitze des englischen Fußballs mitmischt.

Als Bayern München im Jahr 2009 an den VfB Stuttgart mit 30 Millionen Euro die höchste Ablösesumme zahlte, die je für einen Fußballspieler in Deutschland gezahlt wurde, damit er fortan im eigenen Verein spiele, da machte sich dieses Geld schon in der Saison 2010/2011 bezahlt: Mario Gomez wurde mit 28 für Bayern München erzielten Toren der Torschützenkönig der Bundesliga.

ANM II: Das „Manager Magazin“ hat gerade jetzt im Oktober (2011) ein Sonderheft mit dem Thema „Die 500 Reichsten Deutschen“ herausgegeben. Danach gibt es in Deutschland 100 Euro- Milliardäre mit einem Vermögen von 1 bis 17,2 Milliarden Euro und weitere 500 Personen oder Familien an „ärmeren Reichsten“, die den Gegenwert von 150 Millionen bis 1000 Millionen

(1 Milliarde) Euro besitzen. Auf Seite 3 dieses Heftes sagt sein Herausgeber: „Ein blendendes Geschäft ist der Verkauf von Luxuswaren. Der Markt für teure Uhren, feinen Zwirn und 2000-Euro-Handtaschen blüht wie selten zuvor.“

ANM III: „Egoismus ist nicht bloß ein Aspekt meines Verhaltens, sondern meines Charakters. Er bedeutet, dass ich alles für mich haben möchte; dass nicht Teilen, sondern Besitzen mir Vergnügen bereitet; dass ich immer habgieriger werden muss, denn wenn Haben mein Ziel ist, bin ich um so mehr, je mehr ich habe; dass ich allen anderen gegenüber feindselig bin – meinen Kunden gegenüber, die ich betrügen, meinen Konkurrenten, die ich ruinieren, meinen Arbeitern, die ich ausbeuten möchte. Ich kann nie zufrieden sein, denn meine Wünsche sind endlos; ich muss jene beneiden, die mehr haben als ich, und mich vor jenen fürchten, die weniger haben. Aber alle diese Gefühle muss ich verdrängen, um (vor anderen und vor mir selbst) der lächelnde, rationale, ehrliche, freundliche Mensch zu sein, als der sich jedermann ausgibt.“

(Erich Fromm, Haben oder Sein, 1976, 16)

ANM IV: MAMMON (Matthäus 6,24!) sieht E. Drewermann darin, „dass das Geld die Macht besitzt, unsere wichtigsten Daseinsängste scheinbar zu beruhigen, Ängste, die nur wir Menschen haben und die uns deshalb immer wieder dazu zwingen, nach maßlosen und illusionären Antworten zu suchen“ (Eugen Drewermann, Das Markusevangelium, 1988, 119). „Es ist die beständige Angst, die von der radikalen Infragestellung unseres Lebens durch den Tod ausgelöst wird. Wie das Eichhörnchen Nahrungsdepots gegen die Zeit der Kälte anlegt, so möchten wir mit unserem unersättlichen Besitzstreben Depots gegen die Kälte des Todes anlegen.“ (Hans Lachemann)

ANM V: Gerd Theißen, Soziologie der Jesusbewegung, 1977.

ANHANG: ZITATE ZUM THEMA REICHTUM

Judentum:

3 10 „Diese Rede gefiel dem HERRN wohl, dass Salomo nämlich eine solche Bitte ausgesprochen hatte; 11 darum antwortete Gott ihm: »Weil du diese Bitte ausgesprochen und dir nicht ein langes Leben oder Reichtum gewünscht oder auch um den Tod deiner Feinde gebeten, sondern dir Einsicht erbeten hast, um Verständnis für das Recht zu besitzen, 12 so will ich deine Bitte erfüllen: Siehe, ich will dir ein weises und einsichtsvolles Herz geben, so dass deinesgleichen nicht vor dir gewesen ist und deinesgleichen nach dir nicht erstehen wird. 13 Aber auch das will ich dir verleihen, was du dir nicht erbeten hast, sowohl Reichtum als auch Ehre (= Ruhm), so dass kein anderer König dir gleich sein soll, solange du lebst.“

(1.Könige 3,10-13, H. Menge)

„Verlasst euch nicht auf Erpressung (= unrecht Gut) und setzt nicht eitle Hoffnung auf Raub; wenn der Reichtum sich mehrt, so hängt das Herz nicht daran!“ (Psalm 62,11, H. Menge)

22 „So hat der HERR gesprochen: »Nicht rühme sich der Weise seiner Weisheit, und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke, nicht rühme sich der Reiche seines Reichtums!

23 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er Einsicht besitzt und von mir erkennt, dass ich, der HERR, es bin, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit auf Erden übt (oder: walten lässt); denn an solchen (oder: daran) habe ich Wohlgefallen« – so lautet der Ausspruch des HERRN.“ (Jeremia 9,22f., H. Menge)

11 24 Mancher teilt mit vollen Händen aus und bekommt immer noch mehr; ein anderer spart über Gebühr und wird dabei nur ärmer. (Sprüche 11,24, H. Menge)

 

Sonstige Zitate aus der Geschichte:

„Wenn ich alle Staaten im Geist betrachte und darüber nachsinne, so stoße ich auf nichts anderes, so wahr mir Gott helfe, als auf eine Verschwörung der Reichen, die den Namen und Rechtstitel des Staates missbrauchen, um für ihren eigenen Vorteil zu sorgen.“

(Thomas Morus, 1478-1535)

(Die gerade gestürzten Diktatoren von Ägypten, Tunesien und Libyen zeigen als aktuelle Beispiele, wie Machthaber über Jahrzehnte den Reichtum ihrer Völker willkürlich und ohne Legitimation ihres Volkes zu ihrem eigenen Vorteil missbrauchten. Freilich, waren die Macht- und Prachtentfaltung, die Vergnügungssucht und Spielleidenschaft von Königen und sonstigen Herrschern früherer Jahrhunderte viel besser?)

„Der eigentliche Sinn des Reichtums ist, freigebig davon zu spenden.“

(Blaise Pascal, 1623-1662)

„Der Reiche, wenn er viel von seiner Armut spricht, so glaub es ihm nur gern, er leugt wahrhaftig nicht.“ (Angelus Silesius, 1624-1677)

„In dir muss Reichtum sein. Was du nicht in dir hast, wär’s auch die ganze Welt, ist dir nur eine Last.“ (Angelus Silesius)

„Viel haben ist nicht reich. Der ist ein reicher Mann, der alles, was er hat, ohn’ Leid verlieren kann.“ (Angelus Silesius)

„Reich ist, wer viel hat; reicher ist, wer wenig braucht; am reichsten ist, wer viel gibt.“

(Gerhard Tersteegen, 1697- 1769)

„Reichtum macht das Herz schneller hart als kochendes Wasser ein Ei.“

(Ludwig Börne, 1786- 1837; „Aphorismen“)

„Besitz verlockt zur Sünde, und die Anhäufung von Reichtümern entsittlicht den Menschen.“

(Leo Tolstoi, 1828- 1910)

„Am reichsten sind die Menschen, die auf das meiste verzichten können.“

(Rabindranath Tagore, 1861- 1941, Hinduist)

„Nur Weise leben wirklich hier, auch ohne Geld, auch ohne Gut. Doch wer keine Weisheit erwirbt, der lebt nicht, wäre er noch so reich.“

(Gautama Buddha, um 550- 480 v. Chr.; „Dhammapada“)

In Bezug auf den BUDDHISMUS wird Reichtum ähnlich wie im frühen Christentum als „Klotz am Bein“ angesehen. Tenzin Gyatso, derzeitiger Dalai Lama meinte: „Die Genugtuung, Geld auf der Bank zu haben; macht vielleicht im Moment glücklich, doch mit der Zeit hat der Besitzende immer mehr Angst, dass er alles verlieren könnte. Der große Lehrer (Buddha) predigte deshalb Armut, da er darin eine Art von ‚Erlösung‘ sah.“

(zitiert im Wikipedia- Artikel „Reichtum“)

„Das wirkliche Drama der reichen Leute ist, dass es immer noch reichere gibt.“
(Karl Lagerfeld, geb. 1933) Der „arme“ Karl Lagerfeld steht in der Rangliste der reichsten Deutschen mit dem Vermögen von einigen Hundert Euro „erst“ an 333. Stelle (siehe das Sonderheft des Managermagazins, ANM II) und muss damit fertig werden, dass es allein in Deutschland mindestens 332 Personen gibt, die noch reicher sind als er! Welch ein Geschick!