Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 7,1-8.14-15.22-23

Dr. Matthias Ahrens (ev.-luth.)

30.08.2009 in der Gemeinde „Good Shepherd Lutheran“, Böblingen (Panzerkaserne)

Profil schärfen

1 Now when the Pharisees and some of the scribes who had come from Jerusalem gathered around him, 2 they noticed that some of his disciples were eating with defiled hands, that is, without washing them. 3 (For the Pharisees, and all the Jews, do not eat unless they thoroughly wash their hands, thus observing the tradition of the elders; 4 and they do not eat anything from the market unless they wash it; and there are also many other traditions that they observe, the washing of cups, pots, and bronze kettles.) 5 So the Pharisees and the scribes asked him, "Why do your disciples not live according to the tradition of the elders, but eat with defiled hands?" 6 He said to them, "Isaiah prophesied rightly about you hypocrites, as it is written,

"This people honors me with their lips, but their hearts are far from me; 7 in vain do they worship me, teaching human precepts as doctrines.'

8 You abandon the commandment of God and hold to human tradition."

9 Then he said to them, "You have a fine way of rejecting the commandment of God in order to keep your tradition! 10 For Moses said, "Honor your father and your mother'; and, "Whoever speaks evil of father or mother must surely die.' 11 But you say that if anyone tells father or mother, "Whatever support you might have had from me is Corban' (that is, an offering to God)— 12 then you no longer permit doing anything for a father or mother, 13 thus making void the word of God through your tradition that you have handed on. And you do many things like this."

14 Then he called the crowd again and said to them, "Listen to me, all of you, and understand: 15 there is nothing outside a person that by going in can defile, but the things that come out are what defile."

16 17 When he had left the crowd and entered the house, his disciples asked him about the parable. 18 He said to them, "Then do you also fail to understand? Do you not see that whatever goes into a person from outside cannot defile, 19 since it enters, not the heart but the stomach, and goes out into the sewer?" (Thus he declared all foods clean.) 20 And he said, "It is what comes out of a person that defiles.

21 For it is from within, from the human heart, that evil intentions come: fornication, theft, murder, 22 adultery, avarice, wickedness, deceit, licentiousness, envy, slander, pride, folly. 23 All these evil things come from within, and they defile a person."

 

1 Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und einige von den Schriftgelehrten, die aus Jerusalem gekommen waren. 2 Und sie sahen einige seiner Jünger mit unreinen, das heißt: ungewaschenen Händen das Brot essen. 3 Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie nicht die Hände mit einer Hand voll Wasser gewaschen haben, und halten so die Satzungen der Ältesten; 4 und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, wenn sie sich nicht gewaschen haben. Und es gibt viele andre Dinge, die sie zu halten angenommen haben, wie: Trinkgefäße und Krüge und Kessel und Bänke zu waschen. 5 Da fragten ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten: Warum leben deine Jünger nicht nach den Satzungen der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen? 6 Er aber sprach zu ihnen: Wie fein hat von euch Heuchlern Jesaja geweissagt, wie geschrieben steht (Jesaja 29,13):

»Dies Volk ehrt mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist fern von mir. 7 Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts sind als Menschengebote.«

8 Ihr verlasst Gottes Gebot und haltet der Menschen Satzungen.

9 Und er sprach zu ihnen: Wie fein hebt ihr Gottes Gebot auf, damit ihr eure Satzungen aufrichtet!

10 Denn Mose hat gesagt (2.Mose 20,12; 21,17): »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren«, und: »Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.«

11 Ihr aber lehrt: Wenn einer zu Vater oder Mutter sagt: Korban - das heißt: Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht -, 12 so lasst ihr ihn nichts mehr tun für seinen Vater oder seine Mutter 13 und hebt so Gottes Wort auf durch eure Satzungen, die ihr überliefert habt; und dergleichen tut ihr viel.

14 Und er rief das Volk wieder zu sich und sprach zu ihnen: Hört mir alle zu und begreift's! 15 Es gibt nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, das ihn unrein machen könnte; sondern was aus dem Menschen herauskommt, das ist's, was den Menschen unrein macht.

16 17 Und als er von dem Volk ins Haus kam, fragten ihn seine Jünger nach diesem Gleichnis.

18 Und er sprach zu ihnen: Seid ihr denn auch so unverständig? Merkt ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann? 19 Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch und kommt heraus in die Grube. Damit erklärte er alle Speisen für rein. 20 Und er sprach: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein;

21 denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, 22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. 23 Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und machen den Menschen unrein.

 

 

Grace to you and peace from God our Father, and our Lord and brother Jesus Christ. Amen

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn und Bruder Jesus Christus. Amen

In those parts of northern Germany, where I grew up, most of the people were and still are protestant Christians. And even with the decline of church membership in the cities over the years; the majority in rural areas still belongs to the protestant church, the Evangelische Kirche. When I was a child, we only had a vague sense of being Lutheran. As school kids we went to church on Reformation Day, we learned about Luther and considered him as someone important. But being Lutheran was kind of self-evident where I grew up, nothing special, nothing to reflect on. Of course we knew that there is another church, which is the Roman-Catholic Church. But beyond that ... The other churches that you, people from the Anglo-American parts of world know were considered as “sects”, that meant small, strange congregations that strange people attended.

In Norddeutschland, wo ich aufwuchs, waren die meisten Leute evangelisch und sind es bis heute. Und selbst wenn die Kirchenmitgliedschaft in den Städten über die Jahre abnahm, gehört die Mehrheit auf dem Land immer noch zur evangelischen Kirche. Als ich ein Kind war, hatten wir nur eine schwache Vorstellung davon was es bedeutet Lutheraner zu sein. Wir Schulkinder gingen am Reformationstag zur Kirche, wir hörten von Luther und verstanden ihn als wichtige Person. Aber da, wo ich aufwuchs, war es irgendwie selbstverständlich, Lutheraner zu sein, nichts Besonderes, nichts, über das man nachdenken müsste. Selbstverständlich wussten wir, dass es eine andere Kirche gibt, die Katholische Kirche. Aber darüber hinaus ... Die anderen Kirchen, die Sie, Menschen aus den angelsächsischen Teilen der Welt kennen, wurden als Sekten angesehen, d.h. kleine, merkwürdige Gemeinden in die merkwürdige Leute gingen.

When there is not much competition – so to speak – between the churches, there is no pressing need to think about the specifics of your faith or to talk about it. The average protestant – someone who is a church member without personal activity, like my grandfather, the average protestant knew two items that characterized his faith:

Wenn es zwischen den Kirchen nicht viel .. ich sage einmal: Wettbewerb gibt, besteht keine dringende Notwendigkeit über den eigenen Glauben nachzudenken oder darüber zu sprechen. Der durchschnittliche Evangelische – jemand der Kirchenmitglied ohne persönliche Aktivität ist, wie mein Großvater – kannte zwei Punkte, die seinen Glauben charakterisierten:

1. He was not like the Catholics. They are a guileful lot, they have the evil eye, they are hypocrites. Over the week they sin at good will – because on Saturday they can go to their priest, confess and everything is alright again. Plus the Catholics have duties, they must attend the mass.

1. Er war nicht wie die Katholiken. Sie sind eine verschlagene Bande, sie haben so etwas im Blick, sie sind Heuchler. Die Woche über sündigen sie so viel sie wollen, denn am Samstag können sie zu ihrem Priester gehen, beichten, und alles ist wieder in Ordnung. Außerdem haben die Katholiken Pflichten: sie müssen zur Messe gehen.

 

2. Since we protestants are saved by God’s grace alone, we don’t have duties. We don’t have to go to church – so we don’t. We are free from all religious rules and regulations. About this freedom we are very proud, it really is a centerpiece of our religious identity.

2. Weil wir Evangelischen allein aus Gnade gerettet sind, haben wir keine Pflichten. Wir müssen nicht zur Kirche gehen – deshalb tun wir es auch nicht. Wir sind frei von allen religiösen Verpflichtungen. Auf diese Freiheit sind wir sehr stolz; sie ist das Zentrum unserer religiösen Identität.

I said that’s how it was when I grew up, I am afraid I can add: that is how many protestants in Germany still feel and act. A couple of years ago, a documentary film accompanied the encounter of young people from different faiths – protestant Christians, Jews and Muslims. The Muslims and the Jews each proudly presented their religious practice and traditions to the group. The young protestants were very interested in what they saw, very receptive and very respectful. But they were not able to articulate their own religious practice, their religious traditions – because they had none, or at least next to none.

So war es, sagte ich, als ich aufwuchs, aber ich befürchte: genau so empfinden es nach wie vor viele Evangelische in Deutschland, und so handeln sie. Vor einigen Jahren verfolgte ein Dokumentarfilm die Begegnung junger Leute aus unterschiedlichen Religionen, evangelische Christen, Juden und Muslime. Die Muslime und die Juden präsentierten der Gruppe jeweils stolz ihre religiöse Praxis und ihre Traditionen. Die jungen Evangelischen waren sehr interessiert an allem, was sie sahen, sehr aufnahmewillig und sehr respektvoll. Aber sie waren nicht in der Lage, ihre eigene religiöse Praxis vorzustellen, ihre religiöse Tradition – weil sie keine hatten, wenigstens so gut wie keine.

So this freedom from religious duties leads to a lack of religious practice, protestant Christianity kind of dissolves into a general social awareness and the intention of being a good human.

Diese Freiheit von religiösen Pflichten führt also zum Fehlen einer religiösen Praxis; evangelisches Christentum löst sich in einer allgemeinen sozialen Bewusstheit und der Absicht, ein guter Mensch zu sein, auf.

German theologians, German exegetes participate in this mind set. Take today’s Gospel reading: This argument between Jesus, the Pharisees, Jesus’ disciples and the “crowd” usually serves as an example how Jesus overcame the system of purity and impurity, how Jesus replaced the demand for external rules with internal values. And together with similar Gospel readings, this passage from the Gospel of Mark has often been used to assure protestants in Germany, that there are no religious duties, that they are free from religious obligations.

Deutsche Theologen, deutsche Exegeten haben Teil an dieser Einstellung. Nehmen Sie die heutige Evangelienlesung: diese Diskussion zwischen Jesus, den Pharisäern, den Jüngern und der „Menge“ dient üblicherweise als Beispiel dafür, wie Jesus das System von Reinheit und Unreinheit überwand, wie Jesus die Forderung äußerer Regeln durch innere Werte ersetzte. Und zusammen mit vergleichbaren Evangelientexten hat dieser Abschnitt aus dem Markus-Evangelium oft dazu gedient, den Evangelischen zu versichern, dass es keine religiösen Pflichten gibt, dass sie frei sind von allen religiösen Verpflichtungen.

Don’t get me wrong: Yes, we do owe our salvation to God’s grace alone. There is no good deed, by which we can earn it. But that’s not what our Gospel reading is about. Basically this passage is not how to get rid of religious duties, but how to deal with biblical terms and traditions properly.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ja, wir verdanken unser Heil allein der Gnade Gottes. Es gibt keine gute Tat, mit der wir es verdienen können. Aber nicht darum geht es in unserer Evangelienlesung. Kurz gesagt: in dem Abschnitt geht es nicht um religiöse Pflichten, sondern darum, wie man mit biblischen Begriffen und Traditionen angemessen umgeht.

We are not used to thinking in categories of purity and impurity, we do not organize our social lives or our kitchens accordingly. Yet in the Bible these are important terms, and these are disputed terms. Take the prophets with their claims that purity shows predominantly in building just structures in society. It is not by chance that Jesus cites the prophet Isaiah in today’s reading.

Wir sind nicht daran gewöhnt in Kategorien von Reinheit und Unreinheit zu denken, wir organisieren unser soziales Leben oder unsere Küchen nicht entsprechend. Doch in der Bibel sind das wichtige Begriffe. Nehmen Sie die Propheten mit ihrer Vorstellung, dass Reinheit sich vor allem im Aufbau gerechter Strukturen in der Gesellschaft zeigt. Nicht zufällig zitiert Jesus in der heutigen Lesung den Propheten Jesaja.

Jesus takes up the concept of purity/ impurity, instead of giving it up, instead of declaring it null and void. He participates in the discussion about a contemporary meaning of it. A contemporary meaning, in New Testament times that was basically about the question of how the followers of Jesus with a Jewish background could live together with those of a pagan background – within the categories of the biblical tradition.

Jesus nimmt das Konzept Reinheit/ Unreinheit auf, anstatt es aufzugeben, anstatt es für null und nichtig zu erklären. Er beteiligt sich an einer zeitgenössischen Debatte über seine aktuelle Bedeutung. Aktuelle Bedeutung – zur Zeit des Neuen Testaments ging es dabei erst einmal um die Frage, wie die Nachfolger Jesu mit jüdischem Hintergrund zusammen leben konnten mit solchen heidnischer Herkunft – im Rahmen der Kategorien biblischer Tradition.

A couple of verses that have been left out of our Gospel reading make that clear:

17 When Jesus/ he had left the crowd and entered the house, his disciples asked him about the parable. 18 He said to them, "Then do you also fail to understand? Do you not see that whatever goes into a person from outside cannot defile, 19 since it enters, not the heart but the stomach, and goes out into the sewer?" (Thus he declared all foods clean.) 20 And he said, "It is what comes out of a person that defiles.

Einige Verse, die unser Evangelienabschnitt auslässt, machen das deutlich:

17 Und als er von dem Volk ins Haus kam, fragten ihn seine Jünger nach diesem Gleichnis. 18 Und er sprach zu ihnen: Seid ihr denn auch so unverständig? Merkt ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann? 19 Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch und kommt heraus in die Grube. Damit erklärte er alle Speisen für rein. 20 Und er sprach: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein;

“Thus he declared all foods clean” – so it is not the food that hinders the community of Christians from different backgrounds. But mark this: Jesus did not mean “everything is clean”, he did not reject the concept of purity, instead he said "It is what comes out of a person that defiles.” So there still are items that are not pure, that the faithful must avoid. But Jesus defines these differently from the dominating Jewish tradition of his times.

“Damit erklärte er alle Speisen für rein“ – es sind also nicht die Speisen, die die Gemeinschaft der Christen unterschiedlicher Herkunft behindern. Aber: Jesus meinte nicht „alles ist rein“, er wies nicht das Konzept der Reinheit zurück, stattdessen sagte er „Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein“. Es gibt also immer noch Dinge, die nicht rein sind, die die Gläubigen meiden müssen. Aber Jesus definiert diese Dinge anders als die vorherrschende Tradition seiner Zeit.

To the outer world it may appear, that Jesus gave up on purity. The outer world could still see Jesus’ disciples not following common rules with respect to purity. But in fact both Jesus and the disciples maintained the concept. They strove to live a life in purity – yet according to new rules, rules Jesus had set, but still rules within the biblical tradition.

Für die Außenwelt mag es aussehen, als gäbe Jesus die Reinheit auf. Die Außenwelt konnte immer noch Jesu Jünger als solche wahrnehmen, die die üblichen Reinheitsgebote nicht respektierten. Aber tatsächlich hielten Jesus ebenso wie die Jünger das Konzept Reinheit aufrecht. Sie bemühten sich um ein Leben in Reinheit – aber nach neuen Regeln, Regeln, die Jesus festgelegt hatte, aber immer noch Regeln innerhalb der biblischen Tradition.

Yes, it is necessary to re-adjust traditional ways of thinking to current circumstances every now and then – as Jesus does in our Gospel reading. But it is not useful to confuse re-adjustment with dismissal.

Ja, es ist nötig traditionelle Denkmuster immer wieder an aktuelle Umstände anzupassen – wie Jesus das in unserer Evangelienlesung tut. Aber es ist nicht nützlich, Anpassung mit Aufgabe zu verwechseln.

It is not only the terms pure/ impure, that are given up, the same applies to other terms from the bible. Talking of “evil” as opposed to “good” is also not very popular amongst Protestants in Germany today. (I remember the uproar every time former President Bush used the term.) The same may also apply the labeling of none-believers as “heathens”.

Nicht bloß die Begriffe rein/ unrein werden aufgegeben, das gleiche gilt auch für andere biblische Begriffe. Von „böse“ im Gegensatz zu „gut“ zu sprechen, ist unter Evangelischen in Deutschland heute auch nicht sehr beliebt. (Ich erinnere mich an den Aufschrei jedes Mal, wenn Präsident Bush den Begriff benutzte.) Dasselbe mag gelten für die Bezeichnung von Nicht-Gläubigen als Heiden.

Again: There is no good deed, by which we can earn God’s grace, in this sense we do not have religious duties. But to give up the biblical terms like pure/ impure deprives us of necessary opportunities:

Noch einmal: es gibt keine gute Tat, durch die wir Gottes Gnade verdienen können. In diesem Sinne haben wir keine religiösen Pflichten. Aber die biblischen Begriffe wie rein/ unrein aufzugeben beraubt uns notwendiger Gelegenheiten:

The first is the opportunity to have a world view. It is important how you see the world, with what terms you describe it. There are a lot of ways to describe the world, ours should be based on the biblical tradition. And some of the biblical concepts are those I just mentioned (there are more). As the Gospel reading shows, that need not be an uncritical acceptance. The example of Jesus encourages us to adjust the understanding of the terms in question to today’s needs. Otherwise we may become speechless, we may not be able any more to put our world view into words. You may have disagreed with President Bush about his labeling as “evil”. But if you abandon the whole term, how do you make sense of occurrences, of people and circumstances are should be labeled as “evil”?

Die erste Gelegenheit ist, eine Weltanschauung zu haben. Es ist bedeutsam, wie jemand die Welt sieht, mit welchen Begriffen man sie beschreibt. Es gibt viele Arten die Welt zu beschreiben; unsere sollte auf der biblischen Tradition gründen. Und einige der biblischen Konzepte sind die, die ich gerade angesprochen habe (es gibt noch mehr). Wie die Evangelienlesung zeigt, muss das keine unkritische Aufnahme sein. Jesu Beispiel ermutigt uns, das Verständnis der fraglichen Begriffe an heutige Bedürfnisse anzupassen. Sonst können wir sprachlos werden, nicht mehr fähig, unsere Weltanschauung in Worte zu fassen. Man mag dagegen gewesen sein, was Präsident Bush als „böse“ bezeichnete. Aber wenn man den ganzen Begriff aufgibt – wie erklärt man sich dann Ereignisse, Leute und Umstände, die „böse“ sind?

When we do not give up the traditional concepts, we will win al lot. We will broaden our horizons, we will get in touch with fellow Christians through the times and with fellow Christians all over the world. Considering their understanding of the concepts in question will enrich our own limited thinking.

Wenn wir die traditionellen Konzepte nicht aufgeben, werden wir viel gewinnen. Wir werden unseren Horizont erweitern, wir werden mit Christenmenschen über die Zeit in Kontakt kommen und mit Christenmenschen überall auf der Welt. Ihr Verständnis der fraglichen Konzepte zu bedenken wird unser begrenztes Denken bereichern.

By doing so we may also reconsider our religious practice, some may want to build up a religious practice according to their world view for the first time. Of course, when you speak out what you consider pure or not pure, when you utter your understanding in the congregation or in society, you will try to act accordingly. These actions can never be religious duties, nothing to earn God’s good will. But it will be an orientation for your life and the life of those around you.

Indem wir das tun, können wir auch unsere religiöse Praxis neu bedenken; einige werden vielleicht zum ersten Mal eine religiöse Praxis aufbauen wollen. Klar, wenn man ausspricht, was man für rein oder unrein hält, wenn man dieses Verständnis in der Gemeinde oder in der Gesellschaft äußert, wird man versuchen entsprechend zu handeln. Diese Handlungen können keine religiösen Pflichten sein, nichts um Gottes Wohlwollen zu erlangen. Aber es wird eine Orientierung für Ihr Leben sein und für das Leben derer um Sie herum.

And only if you have a religious life yourself – that is the second opportunity –, you will be able to relate to followers of others faiths. Due to the lack of religious practice, the young Christians from the film I mentioned could not really communicate about religion, about their faith with the Muslim and the Jewish youth. You need a sense of religious life, of the meaning of religious proceedings and rituals to be able to decide about your behavior towards others.

Und nur wenn Sie selbst ein religiöses Leben haben – das ist die zweite Gelegenheit –, werden Sie mit den Anhängern anderer Religionen in Beziehung treten können. Eben wegen der fehlenden religiösen Praxis konnten die jungen Christen in dem Film, den ich erwähnte, nicht richtig über Religion kommunizieren, über ihren Glauben, mit den muslimischen und den jüdischen Jugendlichen. Man braucht ein Verständnis des religiösen Lebens, von der Bedeutung religiöser Abläufe und Rituale um fähig zu sein über das Verhalten anderen gegenüber zu entscheiden.

Today that is no theoretical question. In Stuttgart, half of the population under 18 comes from a migrant family, many of them considered as Muslims. How do you behave towards them? Do you accept their habits and customs without further questions? Do you for example refrain from shaking the hand of women or even from addressing them? Converts to Islam are often fascinated by the certainty with which Muslims act according to their habits and customs. Obviously they find there what they have been lacking so far. In order to decide whether to adapt to others or to maintain your native style, you need to have one and need to know it.

Das ist heute keine theoretische Frage. In Stuttgart hat die Hälfte der Bevölkerung unter 18 Migrationshintergrund, viele von ihnen werden als Muslime angesehen. Wie verhält man sich ihnen gegenüber? Akzeptiert man ihre Gebräuche ohne weitere Fragen? Verzichtet man z.B. darauf einer Frau die Hand zu schütteln oder sie überhaupt anzusprechen? Konvertierte Muslime sind häufig fasziniert von der Bestimmtheit, mit der Muslime nach ihren Gebräuchen handeln. Offensichtliche finden sie dort, was ihnen bislang gefehlt hat. Um entscheiden zu können, ob man sich an andere anpasst oder den eigenen Stil behält, muss man einen haben und ihn kennen.

To be honest: over the past couple of years there have been voices among protestants in Germany, who suggest that we sharpen a protestant profile. They are met by the suspicion of those, who are afraid that protestant profile means the re-awakening of traditional struggles between the churches of the reformation, who fear to loose the wider ecumenical view, who fear that a protestant profile basically means building new walls around the protestant church or remodeling old ones.

Um ehrlich zu sein: (es sieht nicht nur schwarz aus). In den vergangenen Jahren gibt es Stimmen unter den Evangelischen in Deutschland die fordern, dass wir ein evangelisches Profil schärfen. Ihnen schlägt Misstrauen entgegen von denen, die befürchten, dass evangelisches Profil bedeutet, traditionelle Kämpfe zwischen den Kirchen wieder zu erwecken, die fürchten, den weiteren ökumenischen Blick zu verlieren, die fürchten, dass ein evangelisches Profil zuerst bedeutet, neue Mauern um die evangelische Kirche zu ziehen oder alte zu erneuern.

Those skeptics, I think, will be refuted, as long as a new protestant profile is build along the lines Jesus outlines in our Gospel reading. There he sticks to the biblical concept of purity/ impurity, but he adjusts it to today’s challenges.

Diese Skeptiker, denke ich, werden nicht recht behalten, so lange ein neues evangelisches Profil entlang der Linie gezogen wird, die Jesus in unserer Evangelienlesung skizziert. Da behält er das biblische Konzept von Reinheit/ Unreinheit bei, aber er passt es an heutige Herausforderungen an.

It was in Scotland, more than 25 years ago, that I learned how spiritual competition between churches helps the congregations to sharpen their profile by practicing their faith. As an intern I worked in a Senior’ Residence on the Clyde Coast, and I was surprised to find seven different churches lined up along the main street of this small town. I attended the Sunday service at all of them, and there I found out which Christian tradition I belonged to and how the Lutheran tradition had shaped me. Due to this experience I turned immediately to a Lutheran Church, when I stayed in the US a couple of years later.

In Schottland, vor über 25 Jahren lernte ich, dass geistlicher Wettbewerb zwischen Kirchen den Gemeinden hilft ihr Profil zu schärfen, indem sie ihren Glauben praktizieren. Als Praktikant arbeitete ich in einem Altenheim an der Clyde Küste, und ich war überrascht, sieben Kirchen entlang der Hauptstraße der kleinen Stadt aufgereiht zu finden. Ich nahm in jeder einmal am Gottesdienst teil. Und dort merkte ich, welcher christlichen Tradition ich angehöre und wie die lutherische Tradition mich geformt hatte. Aufgrund dieser Erfahrung wandte ich mich sofort an eine lutherische Gemeinde, als ich einige Jahre später (zum Studium) in die USA kam.

And I am still grateful for these opportunities to reflect my faith and express it much clearer than I received it. This is one of the major reasons that I like to celebrate the Sunday Service with Good Shepherd Lutheran. Amen

Und so bin ich immer noch dankbar für diese Gelegenheiten meinen Glauben zu reflektieren und klarer, als ich ihn empfangen habe, auszudrücken. Das ist ein wesentlicher Grund, weshalb ich so gern den Gottesdienst hier in der Good Shepherd Lutheran Gemeinde halte. Amen