Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Psalm 23

Pfarrerin Dr. Gerda Altpeter

02.09.2002 in Radio Rottu Oberwallis (CH)

Wägzeichu

Liebe Hörerinnen und Hörer,

An einem frühen Morgen gehen Hanna und Hans mit ihren Töchtern Ruth und Martha wandern. Sie nehmen im Rucksack Verpflegung und Regenzeug mit und steigen in die Berge. Da begegnen sie einer Herde Schafe. Vorne geht der Hirte, hinten die Hirtin, der Hund umkreist die Tiere und sorgt dafür, dass alle zusammenbleiben. Es ist der Abtrieb; die Familie weiß das. Eine Weile beobachtet sie das Geschehen. Wie fürsorglich und bestimmt die Hirten handeln! Dann läuft die Familie weiter.

Der Vater führt die Wanderung an. Er kennt die Gegend gut. Hinter einer Wiese steht eine Bank an einem Brunnen. Der Vater lädt zu einer Rast ein. Sie packen die Rucksäcke aus und wollen essen.

"Halt!" ruft der Vater. "Erst hören wir ein Bibelwort und denken darüber nach." Er zitiert auswendig den 23. Psalm: "Der Herr ist mein Hirte. Ich leide keinen Mangel. Er lässt mich auf grüner Weide lagern. Er führt mich an ruhiges Wasser. Er erquickt meine Seele. Er führt mich auf rechtem Pfad um seines Namens willen."

Sie schweigen eine Weile. Dann beginnt Hanna: "Das ist genauso, wie wir es eben erlebt haben. Die Hirten führen die Herde sorgsam zur grünen Alpweide und zu frischem Wasser. Auch du, Hans, hast uns hierher geführt, wo wir die bunte Wiese bewundern können. Und klares Wasser aus dem Brunnen trinken."

"Aber Mutter," wendet Martha ein, "das ist doch nicht so gemeint. Es ist ein Bild, ein Gleichnis für das Handeln Gottes. Er benimmt sich wie die Hirten, wie der Vater; wir sind froh darüber. Weil wir das wissen, gehen wir auch gerne mit ihm wandern. Es ist immer schön und interessant."

"Danke," sagte der Vater. "Solch ein Lob höre ich gerne von meiner Familie. Ich werde versuchen, mich dieser Worte würdig zu erweisen, aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Wer weiß, was wir noch alles erleben." Er hat für den Tag eine Strecke ausgesucht, die einige Schwierigkeiten bereitet. Die Schlucht, durch die der Weg führt, ist eng und gefährlich, aber er kennt sie genau. Gott wird sie begleiten, damit alles gut geht.