Foto von aufgeschlagenen Büchern

Osterpredigt

Pfarrer Dr. Stephan Hagenow (ev)

04.04.2010 in Selzach (Schweiz)

Ostern 2010

Osterpredigt in der Tradition des Osterlachens

(basierend auf den verschiedenen Osterberichten)

 

Zur Vorbereitung verschiedene Original-Tageszeitungen mit den jeweiligen Überschriften präparieren ( Vorschläge jeweils für deutsche bzw. schweizerische Medien)

 

Liebe Gemeinde, Meine Damen und Herren

Ich heisse Sie herzlich willkommen zu unserer Runde, in der wir die Osterberichte im Spiegel unser Medien betrachten wollen:

 

FAZ / NZZ

Jerusalem. Seltsame Erscheinungen an einem leeren Grab

Nach bisher unbestätigten Augenzeugenberichten trafen sich gestern mehrere Anhänger des wegen Aufruhrs verurteilten und gekreuzigten Galiäers Jesus an seinem Grab. Wie in der gestrigen Samstagsausgabe berichtet, kam es schon bei der Kreuzigung zu einer Reihe von Merkwürdigkeiten. Einige berichteten sogar von Erdbeben und einer Verdunkelung des Himmels. Die Behörden hatten gehofft, dass nun endlich Ruhe einkehre, aber diese Hoffnung hat sich als trügerisch erwiesen. Die Sympathisanten des hingerichteten Simon P. und Maria M. sowie ein unbekannter Mann behaupten, die Grabstelle sei leer gewesen. Zum Beweis führen sie die sorgsam zusammengelegten Leinenbinden an. Maria M. behauptet, ihren ehemaligen „Herrn“ wie sie ihn nennt gesehen zu haben und er hätte mir ihr gesprochen. Weitere Personen aus dem Umfeld dieser neuen Gruppierung berichten von ähnlichen Erscheinungen.

 

BILD – Zeitung / Blick

Ist da jemand – rätselhafter Leichenklau in Jerusalem – treibt ein Phantom sein Unwesen?

Zwei Frauen, die gestern den Leichnam Jesu salben wollten behaupten, dass der Leichnam aus dem Grab verschwunden sei. Sie behaupten sogar, Jesus sei ihnen begegnet. Offizielle Stellen weisen die Darstellung der Frauen zurück. Erstens sei eine von ihnen aus verdächtigem Milieu und zweitens wird vermutet, dass es sich einfach um einen Leichenraub handelt. Wahrscheinlich haben die Jünger den Leichnam nachts heimlich gestohlen. Auf die Frage, wieso die Wächter eine Handvoll Jünger nicht einfach daran hindern konnten, antwortete der Offizier: „Man kennt ja diese Art von Leuten. Wahrscheinlich haben sie die Wachen mit ihrem Fischgestank vertrieben.“ Blick bat um ein Exklusiv-Interview, aber wie es heisst, muss man erst weitere Erscheinungen abwarten.

 

Neue Post / Glückspost

Im Tod vereint – Tränen der Hoffnung

Die bildhübsche Maria sitzt am Grab und weint hemmungslos. Ihr geliebter Herr ist vor drei Tagen als Verbrecher hingerichtet worden. Noch immer kann sie es nicht fassen. Und jetzt dieser Schock. Sie wollte doch nur seinen Leichnam salben und dann ist das Grab leer. Auch über dem Tod hinaus wollte sie ihm nahe sein. Aber es kommt ganz anders. Die nächste Enttäuschung will ihr fast den Atem nehmen. Verzweifelt ruft sie immer wieder nach ihm als sich eine unbekannte Gestalt nähert, die sie für den Gärtner hält. Wütend fährt sie ihn an, ob er den Leichnam wegtragen hat. Aber die Gestalt sagt sanft und liebevoll zu ihr: „Ich bin bei Dir. Mach Dir keine Sorgen. Ich bin Dir nahe, aber Du darfst mich nicht anfassen.“ Maria kann ihr Glück kaum fassen. Aus den Tränen der Trauer werden Tränen der Hoffnung. Ihr geliebter Herr lebt.

 

Sportmagazin

Unbekannter schlägt Petrus im Vielseitigkeitslauf zum Grab

Der durchtrainierte ehemaliger Fischer und von vielen als Favorit gehandelte Simon Petrus ist von einem Unbekannten in einem Wettlauf zum Grab ihres Trainers geschlagen worden, der vor drei Tagen einem Komlpott zum Opfer gefallen ist. Der unbekannte Läufer war schneller am Grab, traute sich dann aber doch nicht in die Grabhöhle. Als Petrus, der psychisch und physisch von den Ereignissen der letzten Woche sehr angeschlagen war, am Grab ankam, stellten die beiden fest, dass der Leichnam ihres Coaches nicht mehr da war. Gegenüber dem Sportmagazin stellt der geschlagene Favorit fest: Noch nie habe ich einen Lauf so gerne verloren!

 

Familie & co Schweizer Familie

In der Not muss eine Familie zusammenstehen!

Wenn einem Familienmitglied etwas Schlimmes widerfährt, muss man zusammenstehen. Dies gilt für echte Familien wie für Menschen, die sich als Familie verstehen. Die Jüngerinnen und Jünger des Propheten Jesus sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Als Jesus starb, waren sie verzweifelt und wussten nicht weiter. Jeder versuchte mit diesem schweren Schicksalsschlag allein klar zu kommen. Aber Jesus ist ihnen allen erschienen und hat sie wieder zusammengeführt. Was gibt es Schöneres auf dieser Welt als wenn Menschen Schicksalsschlägen gemeinsam trotzen!

 

Bravo

Cool – der Freiheitskämpfer macht nach dem Tod weiter

Jesus, der sich immer für die Rechte der Armen und Schwachen eingesetzt hatte, bevor er den Heldentod am Kreuz starb is alive. Seine Message ist straight. Don´t worry. Keep cool. Die Sache ist nicht verloren. Wenn ihr glaubt, braucht ihr vor nichts Angst zu haben. Auch vor dem Tod nicht – ist echt easy.

 

Stiftung Warentest / Konsumenten – Tip

Echte Leinenbinden sind unsterblich

Heute sind wir der Frage nachgegangen, ob die echten handgemachten Leinenbinden und Schweisstücher aus heimischer Produktion länger halten als die billigen importierten. Seit gestern ist ein klarer Beweis für die Qualität der heimischen Leinenbinden erbracht worden. Sie sind einem extremen Härtetest unterzogen worden. Sie wurden dem verurteilten selbsternannten Messias Jesus aus N. nach seinem Tod angelegt. Ergebnis: Sie halten über den Tod hinaus. Selbst als Auferstandener hat Jesus sie nicht einfach weggeworfen, sondern  sorgsam zusammengerollt an einem Ort für sich.

 

Radio Vatican

Unser Heiland und Erlöser lebt – Sakramente in Vollmacht!

Welch eine Freude ist uns widerfahren. Unser Heiland und Erlöser lebt. Er ist vom Tod auferstanden, so wie er es schon zu Lebzeiten angekündigt hatte. Und wie immer ist sein Petrus, sein Fels in der Brandenburg, der tapfere Gewährsmann für seine Auferstehung. Es wurden zwar noch Frauen und ein weiterer unbekannter Jüngling am Grab gesehen, aber Petrus bürgt für seine Erscheinung. Ihm und den anderen Aposteln ist seitdem die Sündenvergebung aufgetragen. Die Auferstehung macht uns gewiss, dass die Kirche die Sakramente im Auftrage ihres Herrn verwalten darf. Dieser Dienst ist ein echter Liebesdienst am erlösungsbedürftigen Menschen, der immer wieder neu der Gnade teilhaftig werden muss.

 

Reformierte Presse in Zusammenarbeit mit Cicero

Ostern – mit dem Leben spielen

Ostern ist die Dinge sehen zu lernen in einem anderen Licht. Die Frauen schauten doch ins Grab, weil sie traurig und verzweifelt waren, dass ihre Hoffnung auf die Befreiung Israels wieder einmal durch militärische Gewalt ein Ende gefunden hatte. Dass sie das Grab leer fanden, ohne Jesus darin, sagte ihnen noch gar nichts. Daraus erwächst kein Glaube, schon gar kein Auferstehungsglaube. Gott ist nicht Mensch geworden, damit Christus in einem goldenen Schrein verehrt wird oder das leere Grab als Museum mit freiem Eintritt benutzt wird. Wir feiern nicht Ostern, weil Jesus von Nazareth vor 2000 Jahren auferstanden ist, sondern weil Jesus Christus seit 2000 Jahren aufersteht. Auferstehung ist kein historisches, einmaliges Ereignis, sondern der konkret weiterwirkende Christus, von dem wir lernen können. Auferstehungsglaube ist eine Lebenskraft. Und diese Kraft wird vielen Menschen immer wieder zuteil. Für die ersten Christen war diese Kraft zu spüren, wenn sie am Sonntagmorgen die Auferstehung feierten und gemeinsam das Abendmahl nahmen in der Hoffnung auf eine neues Leben. Ihr Lieben, die ihr heute gekommen seid, tragt doch dieses Wort weiter.  Kämpft den guten Kampf des Glaubens und sagt der Welt:

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Hoffnung. Ich sehe nicht nur die Katastrophen und Kriege, sondern ich sehe, wie Menschen aufstehen und gegen die Todesmächte in Militär, Wirtschaft und Diktaturen mit Erfolg ankämpfen.

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist das ewige Leben. Ich sehe nicht nur leere Gräber und verweste Körper. Ich sehe, dass Gottes Gedächtnis die Toten und die Lebenden bewahrt.

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist der Geist des lebendigen Christus. Er ruft uns zu: Freut euch ihr alle und seht den weiten Horizont der Auferstehung!

 

Meine Damen und Herren, mit diesem letzten Bericht beenden wir unseren Medienspiegel und wünschen Ihnen ein fröhliches Osterfest! Amen