Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Gustav Heinemann

Pfarrer Steffen Hunder (ev)

06.12.2009 im Gustav-Heinemann-Haus Essen

ZDF-Fernsehgottesdienst

"Der Herr kommt uns entgegen"

 Liebe Gemeinde,

zu Hause an den Bildschirmen

und hier im Gustav-Heinemann-Haus!

Haben Sie auch einen Lotsen?

Jemanden, der Sie beeindruckt und in dessen Spuren Sie gehen?

Für manche Wege in unserem Leben sind Lotsen sehr wertvoll.

Auf dem Weg des Glaubens zum Beispiel. Da können sie uns Mut machen und Orientierung geben.                                                        „Mein“ Lotse war Gustav Heinemann.    

Er war in unserer Altstadt-Gemeinde lange Zeit in der Gemeindeleitung.

Gleichzeitig war er Vorsitzender des Essener CVJM, dem christlichen Verein junger Menschen.

Beide Ämter hat er in der tiefen Überzeugung ausgefüllt, dass christliches Bekenntnis und verantwortliches Handeln untrennbar zusammengehören.

Das ist es, was mich an ihm so beeindruckt.

Dazu noch seine besondere Gabe, die Dinge auf den Punkt zu bringen.

Ein Satz von ihm klingt mir bis heute in den Ohren:

„Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr aber kommt!“

Das sagte Gustav Heinemann 1950 hier in Essen.

Wenige Jahre nachdem einer abgetreten war, der von vielen als neuer Messias gefeiert wurde. Der von sich dachte, er selbst sei der Herr der Welt. Zwölf schreckliche Jahre sah es auch ganz danach aus.

In dieser Zeit überzog Adolf Hitler mit seinem Nazi-Regime Europa mit Gewalt und Krieg. Jahre voller Ohnmacht und Furcht.

Doch dann wurde Hitler entmachtet.

Sein Weg des Terrors war zu Ende.

Die Menschen in unserem Land erkannten tief erschüttert und befreit zugleich den Größenwahn und die Grenze dieses selbst ernannten Herrn der Welt.

Wenn ich mit Menschen spreche, die diese Zeit bewusst erlebt haben, spüre ich noch heute, wie verunsichert und ausgeliefert sich damals viele von ihnen fühlten.

Und wie sehr sie sich nach einem anderen, heilsamen Leben sehnten.

 

Gustav Heinemann glaubte an ein solches Leben.

Weil er dem vertraute, der dieses Leben verspricht: Jesus Christus.

Der Sohn Gottes, der am Ende der Zeit wieder kommen wird, um uns Menschen von allem, was uns quält, zu befreien.

Nur dieser eine ist der wahre Herr der Welt. Er wird kommen und die vermeintlichen Herren dieser Welt werden gehen.

Das rief Gustav Heinemann seinen Zeit- genossen damals zu.

Und lotste viele mit seiner Hoffnung auf einen neuen, heilvolleren Weg.

Den Weg des Glaubens.

Für mich, liebe Gemeinde, sind seine Worte immer noch gültig.

Auch wenn wir heute in einer anderen Zeit leben.

Frieden, Meinungsfreiheit, täglich Brot und Urlaub sind für die meisten von uns selbstverständlich.

Doch damit ist nicht alles gut.

Wenn ich den Satz:

„Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr aber kommt!“

heute wiederhole –schärft er meine Wahrnehmung für das, was bei uns nicht gelingt.

So erlebe ich etwa in meiner Stadt, dass Angst und Ohnmachtsgefühle immer weiter zunehmen.

Weil sich auch heute Menschen zu Herren dieser Welt aufschwingen, um sie ihrem Machteinfluss zu unterwerfen.

Gewiss, sie handeln aus anderen Motiven. Nicht wie damals aus Menschenverachtung.

Es ist etwas anderes, was sie treibt: Unbändige Geldgier und Rücksichtslosigkeit.

 

Die reichten aus, damit wenige mächtige Manager, die Welt im letzten Jahr in eine verheerende Finanzkrise stürzen konnten. Viele Familien in den USA haben dadurch ihr Haus verloren.

In unserem Land stehen ältere Menschen plötzlich ohne Altersversorgung da.

Autofirmen und Versandhäuser gehen in Konkurs und entlassen ihre Mitarbeiter.

Wir spüren das in Essen hautnah.

Hier im Gustav-Heinemann-Haus leben Menschen, bei denen eingetreten ist, was andere für sich befürchten.

Sie waren einmal Kraftfahrer, Bergleute oder Ingenieure. Sie sind zur Schule und zur Bundeswehr gegangen.

Und dann gab es plötzlich ein Schlagloch auf ihrem Lebensweg, das sie aus der Bahn geworfen hat.

Zum Beispiel eine Kündigung.

Bei einigen hat sich die Familie abgewandt. Manche haben ihr Dach über dem Kopf verloren. Zogen auf die Straße, mit Rucksack und Schlafsack.

Die Füße kaputt und oft auch die Seele.  

 „Der Teufel hat uns schon gehabt“

sagt einer von ihnen.

Und meint den Alkohol oder das Gefängnis.

                                                                                                                                                                   Wer solches Scheitern und persönliche Verluste erlebt, erfährt oft auch ohnmächtig und schmerzvoll den Dschungel von Behörden.

Oder bekommt anderweitig zu spüren, wie unsere Gesellschaft Menschen aus grenzt, die keinen Erfolg in ihrem Leben haben.

                                                                                                                               In solch einer Situation braucht man dringend andere.

Lotsen, die einem zeigen, dass der eigene Lebensweg keine Sackgasse ist. Oder wie man an neuen Schlaglöchern vorbei fahren kann.

 

Lotsen, die einen davor bewahren, den Herren der Welt alle Macht über mein Leben zu überlassen und mich selbst aufzugeben.

 

Solche Lotsen gibt es hier im Gustav-Heinemann-Haus.

Denn hier arbeiten Menschen, die daran glauben, dass es einen anderen Herrn gibt: Jesus Christus.    Ihm folgen sie nach.

In dem wie sie leben und in dem wie sie arbeiten.

Seine Liebe und seine Güte sind die Maßstäbe, an denen sie sich orientieren, wenn sie die Männer von der Straße begleiten.                                                           So werden sie nun für beide einen roten Teppich auslegen:

Als Zeichen der Ehrfurcht vor Jesus Christus, dem Herrn der Welt.

Und als Zeichen der Liebe für die Männer, deren Lebensweg vorher so viel Dunkles und Brüchiges enthielt.

                                     

                                      Teppichaktion durch Mitarbeiter des Gustav-

Heinemann-Hauses

Fortsetzung der Predigt

Pfarrer

Überleitung zu Statements

Pult

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Strittmatter tritt mit der Schale (Perle) auf

Pfarrer

Pfarrer Steffen Hunder:

Wer wie hier mit der Liebe Jesu Christi in Berührung kommt, kann erfahren, wie das eigene Leben wieder aufblüht und der Lebensweg neue Blüten trägt. Solche Erfahrungen machen Männer hier im Haus

Wo das Leben voller Angst war, wird Besonnenheit geboren. Wie eine kostbare Perle, die langsam in einer Muschel wächst. Wer Besonnenheit gewinnt, entdeckt neue Leichtigkeit.

 

 

 

 

 

 

Strittmatter setzt die Schale ab und spricht sein Statement

 

 

 

 

Statement zu  Besonnenheit (Strittmatter )

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jürgen Steinke tritt

mit der Schale auf (Altarraum)

Pfarrer

am Pult

Ich freue mich für Wolfgang, den ich lange begleitet habe, dass er seit einem Monat wieder in einer eigenen Wohnung lebt.

Wir konnten ihn auffangen, als er keinen Ausweg mehr wusste, ihn begleiten und ihm

Zeit lassen.

Er lernte, über seine Probleme zu reden. Und fand den Mut, seine eigenen Lieder wieder zu singen.

Er hörte von Gott und fand seine innere Ruhe wieder.

Mit Vorsicht und Besonnenheit wird er auf das Neue achten.

 

 

Wo Herzen erstarrt waren, lässt die Liebe sie wieder lebendig werden.

Wer Liebe bekommt, kann sie auch weiter geben.

 

Jürgen Steinke setzt seine Schale ab und spricht sein Statement

 

 

Jürgen Steinke

Heute ist mein Leben anders.

Von der Straße weg, konnte ich hier einziehen.

Die Mitarbeiter haben mir geholfen, als ich ganz unten war.

Und auch Gott habe ich erlebt – seine Liebe habe ich gespürt als nichts mehr ging.

Ich habe gebetet und habe Gott gefunden.

Jetzt bin ich getauft und weiß, dass Gott mich nicht mehr hängen lässt.

Walter Höft tritt mit der Schale auf (Altarraum)

 

 

Pfarrer

am Pult

 

 

 

 

Walter Höft setzt seine Schale ab und spricht sein Statement

 

 

Wo Leben vertrocknet war, beginnt es wieder zu sprießen.

Ein Mensch spürt neue Kraft wie der Efeu, der an Häusern hochklettern kann.

Walter Höft

Mein Leben hat sich verändert.

Allein hätte ich das nie geschafft.

Hier fand ich Menschen, die mich nicht aufgegeben und abgeschrieben haben –

auch beim Rückfall nicht!

Das hat mir die Kraft gegeben, Dinge anzupacken.

Ich habe langsam das Vertrauen wieder gefunden und bin nach vielen Jahren

wieder im Leben angekommen.

 

Liebe Gemeinde,

diese Männer haben beides erlebt: Persönliche Tiefschläge und abgründige Zweifel am Leben.

Aber auch die Erfahrung, durch göttliche Liebe und menschliche Anerkennung wieder Tritt zu fassen.

Jetzt spüren sie wieder sie Kraft

statt Ohnmacht,

 

erfahren Liebe

statt harten Ellenbogeneinsatz.

Und können wieder besonnen handeln

statt in blinder Wut.

 

So hat sich in ihrem Leben ein biblisches Wort erfüllt:

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ ( 2.Tim. 1,7)                         

Durch Begegnungen im Geiste Jesu Christi hat sich der Lebensweg vieler Männer hier im Haus gewandelt.

Die ins Straucheln gekommen waren, sind jetzt für andere zu Lotsen geworden.

Nicht nur in praktischen Alltagsfragen wie z.B. bei der Suche nach einer eigenen Wohnung oder einem neuen Arbeitsplatz.

 

Heute sind sie auch Lotsen des Glaubens.  Denn an ihrem Leben wird eine gemeinsame Erfahrung sichtbar, die für uns alle gilt:

Da, wo ich in anderen Menschen der Liebe Jesu Christi begegne, verlieren die Herren der Welt ihre Macht.                                 

 

Liebe Gemeinde,

nach der Begegnung mit den Männern aus dem Gustav-Heinemann-Haus bekenne ich freimütig:

Ich habe nicht nur einen Lotsen, sondern sogar mehrere. 

Denn diese Männer haben mir auf beein- druckende Weise gezeigt, wie Gottes Kraft in den Schwachen mächtig wird.

Ich habe von Ihnen gelernt:

Gott kommt uns wirklich auf allen unseren Wegen entgegen.

Darüber bin ich sehr froh.

Dafür bin ich sehr dankbar.

Und ich habe durch sie noch etwas Zweites erfahren:

Lotsen im Glauben müssen keine berühmten Persönlichkeiten wie Gustav Heinemann sein.

 Einem anderen Menschen zum Lotsen werden - das kann jede und jeder von uns, wenn wir in uns die kritische und zugleich befreiende Hoffnung des „Advent“ tragen.

 

Lassen Sie uns diese Hoffnung teilen und stimmen Sie in die prägnanten Worte mit ein: Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr aber kommt ........uns entgegen!

Amen