Foto von aufgeschlagenen Büchern

Andacht über Matthäus 5,13.14a-15

Pfarrerin Christiane Borchers (ev.)

17.07.2009 im Pilsumer Leuchtturm

Im Rahmen der Tourismusseelsorge

Im Rahmen der Tourismusseelsorge

Lasst euer Licht leuchten

 

Matthäus, 5,14a,15-16
Ihr seid das Licht der Welt. Man zündet nicht ein Licht an und stellt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und Gott im Himmel preisen. Amen.



Liebe Gemeinde !
Licht, Leuchten, Leuchtfeuer. Wir sind im Pilsumer Leuchtturm, der früher als Seezeichen diente. Durch sein Lichtsignal wies er den Seeleuten auf den Schiffen ihren Weg. Die Lichtsignale ermöglichten die Navigation und das Umfahren gefährlicher Stellen im Gewässer. Die Seeleute waren angewiesen auf solche Zeichen, die in bedrohlichen Situationen Rettung bedeuten konnten.

„Ihr seid das Licht der Welt“, spricht Jesus. Uns ist eher vertraut, dass Jesus das Licht der Welt ist, aber doch nicht wir mit unseren Unvollkommenheiten und Unzulänglichkeiten. Doch nicht wir, die wir oft genug versagen und denen oft genug nur Bruchstückhaftes gelingt. Licht sein für andere, ihnen dazu verhelfen, dass sie den Weg finden können, ihnen Orientierung bieten, dazu hat Jesus uns berufen, dazu sind wir bestimmt. Wir sind bestimmt, Licht zu sein in der Welt als Reflexe des göttlichen Lichts.  

Ohne Licht kann kein Mensch leben, ohne Licht wächst keine Pflanze, gedeiht keine Blume. Menschen, Tiere, die ganze Vegetation sind angewiesen auf Licht, ohne Licht geht sämtliche Kreatur ein, ist dem Tode ausgesetzt. Das erste, was Gott schuf, ist das Licht. Licht brauchen wir wie die Luft zum Atmen. Ohne Licht kein Leben, ohne Licht nur Finsternis. „Mach dich auf und werde licht“ fordert der Prophet Jesaja die Israeliten im Exil in Babylon auf, denen der Mut sank und jegliche Hoffnung abhanden gekommen war, dass sie je einst wieder in ihre Heimat zurückkehren würden. Lichtträgerinnen und Lichtträger brauchen wir in Zeiten der Anfechtung und Einsamkeit: Menschen, die unsere Hoffnungen wach halten und die kleinen Hoffnungslichter davor bewahren, dass sie vollends verlöschen.

Es gibt im Leben Momente, wo wir glauben, es geht nicht weiter. Die Sonne will nicht mehr scheinen. Nichts gelingt, nichts will klappen. Menschen haben sich von uns abgewendet, auf die wir gebaut haben. Eine Sache, eine Angelegenheit hat sich nicht so entwickelt, wie wir es uns gewünscht haben. Was soll werden? Wie jetzt mit der misslichen Lage umgehen? Wie damit fertig werden? Wo ist ein Weg? Wo ist ein neues Ziel? Wer hilft? Was hilft? Wo ist ein Hoffnungsschimmer? Wo zeigt sich ein Lichtblick?

Es ist wie ein Naturgesetz, worauf wir uns verlassen können. Jeden Morgen geht die Sonne wieder neu auf. Die Sonne sendet ihre Strahlen, selbst wenn Wolken am Himmel sind und sie hinter einem Wolkenschleier verborgen ist. Die Sonne spendet auch dann ihr Licht, wenn Regen die Erde nässt und der Himmel verhangen ist. Der neue Morgen kommt und mit ihm die Sonne und eine neue Hoffnung. Jeder Morgen spiegelt etwas vom ersten Schöpfungsmorgen  in seiner Reinheit und Klarheit. Jeder Morgen ist unverbraucht und frisch, jeder Tag ein neuer Anfang.

Wir brauchen manchmal andere, die uns zum Licht werden. Wir dürfen aber auch selbst Licht sein. „Lasst euer Licht leuchten! Stellt es nicht unter einen Scheffel, sondern auf einen erhobenen Platz, damit es gut sichtbar und möglichst weit leuchtet“, ermutigt Jesus seine Zuhörerinnen und Zuhörer in der Bergpredigt. – Es wäre unsinnig, ein Licht anzuzünden, um es hernach gleich wieder zu verdecken und seine volle Leuchtkraft nicht zur Wirkung zu bringen. Das Licht soll an einer guten Stelle stehen, damit es möglichst weit leuchtet.
Ein Leuchtturm steht auf einen erhobenen Platz, auf einem küstennahen Hügel, einer hohen Sanddüne oder - wie hier - auf dem Deich. Je höher der Leuchtturm ist, desto weiter reicht sein Licht, desto mehr Seeleute können es wahrnehmen.

Es gibt Menschen, die verbergen ihre Leuchtfeuer. Sie sind vielleicht zu bescheiden oder erkennen nicht, dass es Licht bedeutet für ihre Umgebung, so wie sie leben, was sie denken, wie sie reden, was sie tun. „Lasst eurer Licht leuchten“, fordert Jesus uns auf, haltet seinen Schein nicht niedrig.    

 „Lasst eurer Licht leuchten“ schließt ein, dass wir bereits Licht sind und es nicht noch erst werden müssen. Bevor wir in Anspruch genommen werden, ist erst einmal der Zuspruch da. „Ihr seid Licht.“ Wie könnten wir auch für andere zum Licht werden, wenn wir nicht selbst Licht sind. Jeder Mensch trägt in sich den göttlichen Funken. Gott hat ihn in uns hineingelegt. Wir müssen die Flamme hüten und nähren, damit sie stark wird, damit ihr Licht einen großen Schein wirft und die Umgebung erhellt. Es gibt Menschen, die strahlen eine Wärme und eine Güte aus. Sie haben lichte Gedanken, nichts Böses im Sinn und sind in ihrem Herzen den Menschen freundlich gesinnt. Bei ihnen fühlen wir uns wohl, von ihnen fühlen wir uns angezogen, bei ihnen ist es hell und warm.

Wie machen wir das, für andere zum Licht werden? Wie zünden wir Lichter bei Menschen an, die im Dunkeln sitzen? Lasst euer Licht leuchten, damit eure guten Werke sichtbar werden und Gott im Himmel preisen. Durch gute Werke leuchtet ein Licht. Gute Werke preisen Gott im Himmel. - Haben Sie heute schon ein gutes Werk getan? Einem Menschen Freude bereitet, ein gutes Wort für jemanden gehabt, einem Menschen Zuwendung geschenkt? Dadurch ist Licht gekommen und die Welt heller geworden. Haben Sie heute schon erlebt, dass Ihnen jemand etwas Gutes getan, was sie aufbaute und bestärkte? Dadurch ist Licht gekommen und die Welt heller geworden. Es ist so einfach und doch so

schwer, die Welt hell zu machen. Sein Licht leuchten zu lassen, kann Rettung für Menschen auf gefahrvollen Lebensgewässern sein.

Wir sind Licht und werden zum Licht für andere. Aber zu allererst scheint uns Gottes Licht, der uns umhüllt mit seiner Gnade und mit seinem Segen. Er lässt uns seine Sonne aufgehen, die uns leuchtet. Wie das Licht durch die Wolken bricht, so durchbricht Gottes Licht die dicken Regenwolken, die sich in unseren Herzen festsetzen wollen. Gott hat Licht gebracht. Selbst die Finsternis hat er nicht ohne einen Lichtschein gelassen. An den Nachthimmel hat er den Mond und die Sterne gesetzt. Unser Gott ist ein Gott der Gnade und der Menschenfreundlichkeit. Er lässt uns jeden Morgen sein Licht scheinen. Nie ist es ganz finster, immer finden wir einen Weg.  Wenn wir glauben, dass wir keinen Schritt mehr gehen können, weil wir den Grund nicht sehen, dann nimmt er uns in die Arme und trägt uns. Gottes Güte und Barmherzigkeit sind wie Licht in der Nacht, das Hoffnung und Zukunft bringt. Er hat uns seinen Sohn gegeben, damit wir wissen sollen, welchen Weg wir gehen können. Wer ihm folgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben. Ihr seid das Licht der Welt, so lasst euer Licht leuchten.