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Gereimte Predigt über 1. Korinther 13,1-13

Dr. Hansjörg Biener

22.02.2004

0. Das Hohelied der Liebe

Damit wir Paulus recht verstehen, / will ich mit Euch zuerst durchgehen,
was Paulus zu nichts nütze nennt, / wenn darin keine Liebe brennt.
Der Paulus schätzt die gute Rede / und, dass zu Gott man häufig bete.
Er schätzt den geisterfüllten Rat, / wenn jemand vollen Durchblick hat.
Er schätzt das Spenden für die Armen,
/ lebt doch ein Christ aus Gott's Erbarmen,
und sicher soll mit guten Werken, / die Christin Gottes Reich hier stärken.
Das ist zwar alles gut und wichtig, / doch ohne Liebe wird's nicht richtig.
So kann der Paulus gar nicht loben, / wenn Egos hinter Gaben toben.
Der Paulus nennt die Geistesgaben: / "An ihnen sollst privat dich laben.
Du magst in Himmelssprachen singen, / doch ohne Liebe wird's nicht klingen."

Wenn jeder sich der Größte ist, / dann baut ein jeder größten Mist,
auf keinen Fall jedoch Gemeinde, / so wie sie Gott am Anfang meinte.
Sie soll ein Ort des Dienstes sein, / an dem sich alle bringen ein
mit dem, was sie zu geben haben / an großen und an kleinen Gaben.
Der Paulus schreibt an treue Christen,
/ und mahnt, als ob die's nicht schon wüssten.
Doch offenbar ist das schon richtig. / Die Liebe ist vor allem wichtig,
wenn die Gemeinde wachsen soll / und alle finden's in ihr "toll".
Wenn sie sich sichtbar unterscheidet / und jeden Hauch von Selbstsucht meidet,
wird sie zum Zeichen in der Welt, / dass, wenn man nur zusammenhält,
es möglich ist, mit Gottvertrauen / für alle etwas aufzubauen.

Auch Paulus musste das erst lernen, / denn er gehörte zu den Sternen
an Wissen und Gelehrsamkeit. / Als Schriftgelehrter seinerzeit
ist Paulus ein gefragter Mann, / der sich mit jedem messen kann,
studiert die Schriften ganz geduldig, / bleibt kaum einmal die Antwort schuldig.
Doch ändert sich sein ganzes Streben, / als Jesus Christus trat ins Leben.
"Gott selber war als Mensch auf Erden,
/ um Mensch den Menschen hier zu werden.
Gott war es wichtig, nicht zu thronen.
/ Er wollt als Mensch bei Menschen wohnen.
Das Leben will Gott mit uns teilen / und damit allen Schaden heilen."
So hat der Paulus das gelernt, / dass Größe ohne Lieb entfernt
von dem, was Gott sich hat erwählt. / Die Liebe ist's, die vor Gott zählt.

Der Paulus schrieb der kleinen Schar, / die damals schon am Glauben war.
Doch gilt die Botschaft auch den andern, / die heutzutag auf Erden wandern.
Die Menschen stellen viele Fragen / nach dem, was kann im Leben tragen.
Der Paulus sagt, was wirklich zählt, / privat, beruflich, in der Welt.
Es soll zunächst nun darum gehen / wie wir privat zur Liebe stehen.
Im zweiten Teil zum Arbeitsleben / will ich Gedanken weitergeben,
wie hier die Liebe nützlich ist, / weil sie die andern nicht vergisst.
Zuletzt geht's um die Politik / und die Gesellschaft, die sich schick
und mick zur High Society gern zählt, / die Welt am Fernsehn unterhält,
wo man mit Staunen dann betrachtet, / wie sehr die Liebe wird verachtet.

1. Liebe privat

Zuerst zu denen, die schon wissen, / was wir von Liebe wissen müssen.
Die Machos buchstabieren's S, E, X. / Doch nur mit Sex wird's eher nix.
So einer schaut nach vielen Frauen, / anstatt mit einer aufzubauen,
was wirklich für das Leben bleibt. / Mit möglichst vielen er es treibt
und denkt, das sei das wahre Leben. / Doch ohne Liebe ist's ein Streben
nach immer neuen Sex-Rekorden, / bis er dann älter ist geworden.
Dann muss er sich dies Leben kaufen / oder am Abend sich besaufen,
damit die Nacht er übersteht, / weil ohne Wärme es nicht geht.
Wer nur im Plural "Liebe" lernt, / hat sich von Liebe weit entfernt.
Der kluge Mann ist früher schlau, / sucht sich fürs Leben eine Frau.

Doch die Entwicklung, o wie dumm, / läuft mittlerweile andersrum.
Hat Mann sich früher aufgegeilt, / wird nun der Anspruch aufgeteilt.
Auch sie sucht nun "Sex in the City" / und bleibt allein, "o what a pity".
Wer immer nach dem neuen jagt, / weil's einem nachts nicht mehr behagt,
lässt ständig seine Lebenskraft / und hat am Ende nichts geschafft.
Folgt man allein dem Liebestriebe, / bekommt vom Leben man viel Hiebe.
Die Partnerschaft wird schneller alt,
/ das Herz am Schmerz wird schließlich kalt,
und hat, wenn's je zur Hochzeit läutet, / all seine Kraft schon ausgebeutet.
Denn eines hat man nicht gelernt: / Wie man sich nicht sofort entfernt
und selber sich im Zaume hält, / wenn mal ein andrer gut gefällt.

Die Liebe hat die große Kraft, / die wahres Lebensglück erst schafft.
Das Lebensglück kann man nicht kaufen. / Für Paare aber kommt's in Haufen.
Man kümmert sich ums gute Leben. / Zusammen kann man dem nachstreben,
was Mann und Frau gemeinsam nützt, / weil man im Leben sich fest stützt.
Es soll die Liebe Partner leiten / in guten und in schlechten Zeiten.
Die Liebe lässt uns da nicht ruhn, / zu tun, was nötig ist, zu tun,
damit's gemeinsam besser geht / und man einander gut versteht.
Die Liebe trägt bei zu der Treue, / dass man sich mühe stets aufs Neue,
am andren intressiert zu sein, / von Herzen und nicht nur zum Schein.
Selbst wenn's im Alltag mal nicht klappt:
/ Ihr wisst schon, was ihr an euch habt.

2. Liebe im Beruf

Doch nicht allein im Liebesleben / gilt es, der Liebe nachzustreben:
Egal, ob Chef, ob angestellt, / auch im Beruf die Liebe zählt.
Sie achtet auf Gemeinschaftssinn / und führt die Menschen dazu hin,
dass man auch auf die andern achtet / und sie als Mitmenschen betrachtet.
Reißt man die Stunden nur herunter, / geht der Betrieb den Bach hinunter.
Mit Dienst nach Vorschrift sich nichts tut, / und so wird überhaupt nichts gut.
Soll's vorwärtsgehn im Arbeitsleben, / muss man auch etwas Herzblut geben.
Wo Firmen mit viel Geld jonglieren / lässt sich manch kleiner auch verführen.
Wer nur auf Geld und Aktien schaut, / sein Leben ziemlich schlecht aufbaut.
und fühlt sich dann schnell abgezockt, / wenn's Management mal was verbockt.

Es macht die Maut uns Riesenkummer / und deutsche Technik zur Lachnummer.
Obwohl es auch das "Pickerl" tut, / ist das anscheinend noch nicht gut.
Weil Großkonzernen das wohl nützt, /
auf High-Tech Deutschlands man sich stützt.
Es reitet sie der Größenwahn / dass man es so viel besser kann.
Das Management spuckt große Töne, / damit der Steuerzahler löhne,
und bleibt auch dann noch ungeniert, / wenn es zuletzt nicht funktioniert.
Ob Elchtest oder toll-collect, / die Technik in der Krise steckt.
Wer ständig so die Arbeit macht / hat nur verdient, dass alles lacht.
Die Liebe zum Detail ist wichtig, / nur dann geht's in der Technik richtig.
Es lernt der Stift schon durch das Feilen: / Es steckt der Teufel in Detaillen.

Ein großer Feind ist die Routine. / Man macht zu allem gute Mine
und lässt die Dinge einfach laufen. / Für andre ist's zum Haare raufen.
Den Ärzten helfen keine Titel: / Ohne die Liebe sind sie "mittel",
Patienten werden irritiert: / "Der ist ja gar nicht intressiert."
Die Liebe schaut den Menschen an, / damit man gut beraten kann,
verzichtet auf das schnelle Wort, / macht sich nicht schnell aus Nöten fort.
Das gilt natürlich auch für Pfarrer: / Es wird der Kirchgang ganz schnell rarer.
Es muss das Herz dabei auch sein, / sonst ist man ganz schön schnell allein.
Wer wird zum Arzt noch wiederkommen? /
Die ernsthaft Kranken! Bei mir die Frommen,
weil's ihnen um den Glauben geht, / egal welch lahmer Kerl vorn steht!

Es zeigen Tests uns immer wieder, / das Bildungswesen liegt darnieder.
Es ist die Liebe, die uns treibt, / dass wirklich etwas hängen bleibt,
und sei der Lehrer noch so schlau: / Ohne die Liebe bleibt er mau.
Die Klasse gähnt nach zehn Minuten. / Entfernt man sich von allen guten
Vorsätzen, die man einst gehegt, / wird man auch selber nicht gepflegt.
Die Schule wird zum Jammertal, / sind Schüler Lehrern ganz egal.
Doch umgekehrt gilt es schon auch: / Sind Lehrer Schülern Schall und Rauch,
hat sich die Klasse, ungelogen, / die Lehrer ganz schnell so gezogen,
dass diesen bald das Herzblut fehlt, / und jeder die Minuten zählt,
bis ihre Stunden sind herum. / So bleiben Deutschlands Schüler dumm.

3. Liebe in der Welt

Zuletzt ein Blick noch in die Welt. / Wie ist es denn nun hier bestellt
mit Lieb und Nächstenlieb auf Erden? / Fast will da einem bange werden.
Es lässt die Welt sich zu viel bieten, / denn die gerissenen Eliten
bereichern sich an dieser Welt. / Millionen haben fast kein Geld.
Es ist schon blöd, dass reüssiert, / wer andre besser demontiert.
Wenn ein Konzern den andern schluckt, / wird eine Prämie ausgespuckt
fürs Management der andern Seite, / dem kleinen Mann bleibt nur die Pleite.
Zu viele sind hier arbeitslos, / weil auf dem Arbeitsmarkt nichts los.
Wird einer mal vom Amt entbunden, / wird er mit viel Geld abgefunden,
Die Arbeitslosen sind egal, / dem Steuerzahler wird's zur Qual.

Es kommen stets aufs Neu Experten / und wolln von außen das bewerten,
was so nicht zu bewerten ist, / wenn man nicht auch den Alltag misst.
Die nehmen für den Tag das Geld, / das mancher brave Mann erhält,
wenn er den ganzen Monat kam / und 30 Tage auf sich nahm.
Mit viel Tamtam evaluiert, / wer grad fünf Jahr hat ausstudiert.
Wer selber ist noch jung an Jahren / und insgesamt noch unerfahren,
will kenntnisreich nun unterscheiden / woran denn die Betriebe leiden,
wie's mit den Schulen aufwärts geht / und wie man international besteht.
Selbst in der Kirche man nicht traut / dem Geist, der die Gemeinde baut,
wer die Gemeinden will gut lenken, / der muss in andren Bahnen denken.

In diesem Jahre gibt's oft Wahlen. / Man meint, man hört sie jetzt schon prahlen
mit allen ihren guten Werken / und allen ganz besondren Stärken.
"Wähl mich!", so ruft's von den Plakaten, / und unsereiner ist am Raten,
ob sie nun christlich, ob sozial. / Die Wählerschaft sieht keine Wahl,
wenn alles scheinbar ist zu spät / und es dem Land nur schlechter geht,
wenn jeder gute Tat ist teuer, / weil alles kostet unsre Steuer.
Warum nun jeder werben muss, / ist klar: Es geht um 18 plus -
Prozent an Wahlbeteiligung, / der Wählerschaft fehlt jeder Schwung.
Denn schon das Schulkind sagt ganz frech: / "Die ganze Bande redet Blech.
Ein Jahr lang tun sie uns versprechen, / was sie vier lange Jahre brechen."

Es sprach der Kanzler zur Nation: / "Vertraut mir nur, ich mach das schon."
So hat man ihn noch mal gewählt, / auch wenn ihm die Fortune fehlt.
Es folgt ihm nicht die SPD, / weil die Reformen tun sehr weh.
Wer wirklich was bewegen will,
/ der braucht auch Macht. Sonst hilft's nicht viel.
Doch sag ich eins den MdL-en, / auch MdB-s will ich's bestellen:
Man kann sehr leicht den Finger heben,
/ doch muss man auch sein Bestes geben.
Erfolg bei Wahlen dann gebührt, / wenn man sich wirklich intressiert,
Liebt euer Land und eure Stadt, / weil's dann auch seine Ordnung hat:
Dann liebt euch auch das Publikum / und bringt mit euch die Amtszeit rum.
Es lässt euch eures Amtes walten: / Das Wohl des Landes zu gestalten.

Die Fernsehsender machen Quoten / mit Sensation und auch mit Zoten.
Sie zeigen uns ganz "exklusiv", / wie mancher Mensch fällt heute tief.
Ob "Leute heute", ob "brisant", / man wird als Vorbild schnell bekannt,
wenn man als Star herum nur pöbelt / und Gäste in der Bar vermöbelt.
Es ist der Ruhm doch bald verblasst, / wenn er nicht zu dem Menschen passt.
Man denkt, man kann sich etwas holen, / und endet nur bei Dieter Bohlen.
Manch einer wollte oben stehen, / und alle haben zugesehen,
und wer besonders durchgeknallt, / der wird als Star erst recht schnell alt,
und geht mit seinen 19 Jahren / mit denen, die schon lang nichts waren.
"Holt mich hier raus, ich bin ein Star", / für manche letzte Chance war.

4. Fazit

Der Paulus spricht nach alter Weise, / doch ist die Predigt keine Reise
in die antike Zeit allein. / Sie muss für heute deutlich sein.
Die Liebe, ist sie recht verstanden, / hilft uns, aus dem, was uns vorhanden,
das Beste für uns all zu machen, / in großen und in kleinen Sachen.
Wenn dir es geht um tolle Taten, / dann bist du noch nicht gut beraten.
Nach außen magst du super sein. / Ohn echte Liebe bleibst du klein.
Was mit den Menschen fest verbindet, / von wahrer Größe allen kündet.
Wer liebt, kann machen, was er will, / es hat in Groß und Kleinem Stil.

Amen.