Foto von aufgeschlagenen Büchern

Gereimte Predigt über Lukas 10,38-42

Privatdozent Dr. Hansjörg Biener

in Nürnberg

Und wieder ist’s ein weitres Jahr, / dass ich hier stehe reimend da.
Als Thema soll uns heut erbauen / ein Bibeltext, in dem zwei Frauen
und Jesus in der Mitte stehn. / So lasst uns nun den Text durchgehn:

“Jesus kam in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viele Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.” (Lukas 10,38-42)

Marta und Maria

Es war vor vielen hundert Jahren: / Der Heiland und die Jünger waren
in einem Dorfe Israels zu Gast / und machten bei der Marta Rast.
Die Marta ist sofort entschwunden. - / Maria hat man leicht gefunden.
Sie nahm zu Jesu Füßen Platz / und hört ihm zu, lauscht Satz für Satz,
wie er von einem Gott berichtet, / der Menschenleben neu ausrichtet.
Maria hört dem Jesus zu. / Die Marta findet keine Ruh.
Sie will die Wanderer erfrischen / und ihnen Speis und Trank auftischen.
Doch für den Gast fehlt ihr die Zeit / vor Eifer und Geschäftigkeit.
Für ihre Schwester wird’s nicht heiter, / denn die Geschichte geht ja weiter,
weil Marta lautstark sich beklagt / und ärgerlich zu Jesus sagt:
“Schau dir doch mal Maria an, / wie die hier einfach sitzen kann.
Ich muss als Hausfrau fleißig eilen. / Sie will die Zeit bei dir verweilen.
Findest du das denn wirklich gut, / dass sie mir keinen Handschlag tut?”
Zur Klage findet Marta Zeit, / warum die Schwester grade heut
ihr nicht beim Kochen helfen will. / “Dabei ist doch zu tun so viel.
Fragt euch doch mal, was ihr gleich esst! / Wenn ich nicht koch, gibt’s auch kein Fest!”
Doch Jesus lässt das so nicht gelten. / Wenn Jesus kommt, dann trennen Welten
die Zeit, in der man hetzt und rennt, / von dem, was Jesus ein Fest nennt.
Er ist kein Gast wie andre Gäste. / Wo er ist, da sind Gottesfeste.
Ganz wie man es von Jesus kennt, / setzt er den eigenen Akzent,
lobt Martas Engagement als echt - / und gibt Maria trotzdem Recht.
Sie setzt sich mit zu Jesus hin, / und sein Besuch macht damit Sinn.
Sie hat das bessre Teil erwählt, / hört Jesus zu, wenn er erzählt,
wie Gott selbst zu den Menschen kommt / und welche Antwort Menschen frommt.
Die Worte Jesu sind ihr wichtig, / und Jesus findet das ganz richtig.
Wer Jesus zuhört, kommt zum Leben, / darum half er Maria eben.

Unter Frauen

Was wir hier sehen zwischen Schwestern, / ist kein Erlebnis bloß von gestern.
Denn manchmal, das ist gut bekannt, / sind ältre Schwestern dominant.
Sie wissen, können so viel mehr. / Dann leidet manche kleine sehr
und wird nicht groß, sondern bleibt klein. / Das kann für sie nicht hilfreich sein.
Doch auch die kleinen Schwestern machen / mit ihren großen manchmal Sachen,
dass, so wie diese Schwestern sind, / sie besser wärn ein Einzelkind.
Und manchmal ist das zwischen Schwestern / wie an High Noon in einem Western.
Bis jede findet ihren Platz, / gibt es zuhause lang Rabatz.
Man wirft sich vieles an die Ohren, / ist ja durch Zufall nur geboren
in das gemeinsam Elternhaus, / doch damit sind dann auch schon aus
die schwesterlich Gemeinsamkeiten, / und immer wieder muss man streiten.
Wenn eine macht die andre ein, / soll das wohl “Schwesterlichkeit” sein?
Es dauert, bis sie Frieden schließen / und je ihr Eigenes genießen.
Das setzt sich auch noch später fort, / wenn eine Frau sucht ihren Ort.
Denn immer wieder sind es Frauen, / die einer Frau den Weg verbauen
zum selbstbewussten, guten Leben, / weil sie ihr keine Chance geben.
Es wird gelästert, was frau kann, / noch mehr, als man sich traut als Mann.
Ein Lieblingsthema: die Figur. / Und auch auf manche andre Tour
tun sie sich gerne kritisieren, / und die, die’s trifft, wird resignieren.
Wo zwischen Frauen wird gezickt, / von außen man es kaum durchblickt.
Am Arbeitsplatz in den Betrieben / wird Frauenpower hintertrieben.
Die Arbeit dann nicht mehr behagt, / wenn man sich Bissigkeiten sagt.
Wo Frauen machen’s Frauen schwer, / ist’s mit Erfolgen nicht weit her,
bis ganz zuletzt doch an den Spitzen / der Unternehmen Männer sitzen.
Das alles ist, bei Licht besehn, - / nicht so schön.

Frauen und Männer

Doch gibt’s noch anderes auf Erden, / was Frauen kann gefährlich werden.
Es ist noch lange nicht Geschichte, / was ich von Männern hier berichte.
Denn weltweit ist es in den Köpfen: / Der Ort der Frau ist bei den Töpfen,
im Bett und dann auch bei den Kindern, / am Acker und dann auch bei Rindern,
bei Ziegen, Schweinen und bei Schafen. / Wo Männer ihren Rausch ausschlafen
und von der Freizeit sich erholen, / als Herr im Haus die Frau versohlen,
wenn sie ihn fragt um Haushaltsgeld, / das er nicht mehr in Händen hält,
da sind von Kindesbeinen an / die Frauen sehr viel schlechter dran.
Und mag’s in Deutschland besser sein, / nicht jeder Lohn kommt auch herein
für Mutter-, Hausfrau-, Ehemühen, / wenn sie die Kinder gut erziehen,
wenn sie das Kind im Manne hegen, / wenn sie Soldatenwunden pflegen.
Sie bauten Häuser aus den Trümmern. / Sie tapezieren, malern, zimmern.
Sie kochen, waschen, räumen, putzen. / Das ganze Haus hat davon Nutzen.
Sie meistern viele Lebenslagen / und sind oft tapfer, muss man sagen.
Sie bleiben bei den alten Kranken. / Wird irgendjemand dafür danken?
Für Frauen hier und aller Welt / gibt es dafür kaum bares Geld.
Um Gotteslohn sie vieles tun, / bis einmal ihre Hände ruhn.
Wenn einem so viel Gutes wird beschert, / ist das nicht eine Rente wert?
Als zweites Unrecht sind direkt / die Frauen oft ein Sex-Objekt.
Es scheint, als sei der tiefe Ausschnitt / für jede Frau das beste Outfit.
Sie bringen Männer in Gefahr? / Nein! Umgekehrt ist’s noch mehr wahr.
Sie sind verführbar, sagt der Mann, / und schaut, was er erreichen kann.
Die Männer sich gern selbst belügen. / Die Frauen sollen sich schnell fügen,
doch all zu oft sind Männerträume / nicht realistisch, sondern Schäume.
Der Frau Gefühle zählen kaum / für manchen üblen Männertraum.
Dass er nur wollte und sie nicht, / erklärt ihm später das Gericht.

Frauen und Gottesmänner

Wenn Männer etwas Falsches glauben, / kann ihnen den Verstand das rauben.
Dazu passt auch, Sie ahnen’s schon, / das Thema “Frau und Religion”.
Manch Kirchenmann wollt Frauen übel, / berief sich dabei auf die Bibel.
“Sie brachte Sünde in die Welt”, / sagt, wer von Frauen nicht viel hält,
und fragt nicht, ob auch alles stimmt, / weil er zu wenig Zeit sich nimmt,
die Genesis genau zu lesen. / Es sind schon alle zwei gewesen.
Es waren alle beide Schuld, / als sie verloren Gottes Huld.
Man muss die Bibel gut betrachten / und ganz besonders darauf achten,
was Gott denn mit den Menschen macht. / Gott straft. - Gewiss. - Doch gibt er acht,
dass sie auch dann noch leben können, / und das könnt Mann ein Vorbild nennen.
Manch Kirchenvater warf mit Dreck, / nahm Frauen Gottes Antlitz weg,
das Gott auch Frauen hat gegeben, / als er rief “Mann und Frau” ins Leben.
So muss man wirklich dazu sagen: / Die Kirche hat an Schuld zu tragen,
vermischte häufig Gott und Mann, / obwohl man’s nicht begründen kann.
Vielleicht hat das als schlichten Grund: / Der Zölibat ist nicht gesund.
Man müsst die Bibel besser lesen, / weil Gott selbst gab der Frau ihr Wesen.
In ihr müsst ihr auch Gott erkennen / und dürft sie nicht nur “sündig” nennen.
Wer Frauen etwas besser kennt, / auch ihre großen Taten nennt
und wird nicht nur Maria ehren / und von Legenden Heilger zehren.
Gesegnet sind die Pfarrer heute, / sind es zwei gute Eheleute.
Historisch prägend: Käthe Luther, / die wurde seiner Kinder Mutter.
Das offne Pfarrhaus war ihr Werk / und, dass sie Martin Luther stärk
für Predigten und große Taten. / Im Hintergrund hat sie beraten.
Als Vorbild wurde Käthe wichtig. / So eine Pfarrfrau war stets richtig.
Zwar hatte meist ihr Mann das Sagen, / doch viele Mühn hat sie getragen.
In vielen, vielen Gen’rationen / wollt man der Pfarrfrau dies kaum lohnen.

Neue Frauen

Sind Frauenrollen fest verteilt / und Frauen richtig eingekeilt
mit dem, was sie zu tuen hätten, / macht das nicht Spaß. Das könnt Ihr wetten.
Es macht uns allen doch Verdruss, / wenn man sich so bewegen muss,
wie andere es uns vorschreiben / und uns in ihrem Laufrad treiben.
Wer Frauenleben ernst betrachtet, / schon bisher ihre Leistung achtet.
Doch Evas Töchter werden weise / und gehen selber auf die Reise
zum selbstbestimmten guten Leben, / und Gott wird seinen Segen geben,
wenn sie jetzt selber für sich klären, / was ihre richtgen Rollen wären.
Frau muss nicht tun, was andre denken. / Sie kann ihr Leben selber lenken,
mit Lebensmut und Gottvertrauen / und Fleiß am eignen Leben bauen.
Sie pochen auf ihr Recht zur Freiheit / und achten auch auf ihre Freizeit,
verdienen sich ihr eignes Geld, / stehn selbstbewusst in ihrer Welt,
so dass sie klar und deutlich spricht: / “Das will ich, und das andre nicht.”
Es gilt dann auch für Partnerfragen, / dass Frauen ihre Meinung sagen.
Die eine hat nur einen Mann / und freut sich Zeit des Lebens dran.
Nur manchmal ist ihr Herzenskönig, / wenn sie vergleicht, ein bißchen wenig.
Die andre weiß sich viel umschwärmt, / wenn sie des Nachts so viele wärmt.
Es ist die Vielfalt, die sie freut, / doch hat sie auch viel Liebesleid.
Die dritte spricht: Ich brauche keinen. / Ich bin mit mir auch so im Reinen.
Indem frau eigne Wege geht, / formt sie auch die Identität.
In Lebens- und in Glaubensfragen / lässt frau sich längst nicht alles sagen.
So gibt es immer öfter Frauen, / die Kirchenmännern nicht weit trauen.
Sie geben nicht mehr einfach Ruh / und hören dem Katheder zu,
von dem man Kirchenglaub doziert / und übers Leben räsonniert.
Bevor sie noch mal Knie beugen, / muss Kirchenmann sie überzeugen.
und ihr Vertrauen neu erwerben, / sonst wird die Kirche einfach sterben.

Fazit mit Verheißung


Doch sind zum Hören sie bereit / und nehmen fürs Gespräch sich Zeit,
wenn man nicht bloß dogmatisiert / und nicht Allwissenheit vorführt.
Ein jeder Weg ist chancenreich, / zugleich zeigt uns dann der Vergleich:
Wie immer ist die Lebensweise, / ein jeder Weg hat seine Preise.
Die Frau, die dieses hat bemerkt, / fragt auch, was sie denn nun bestärkt,
auf ihrer Suche nach dem Leben, / wird Gott auch eine Chance geben.
Die Bibel kann da hilfreich sein, / drum schauen wir noch mal hinein.
Wenn wir zurückgehn zur Geschichte, / mein ich, wär’s gut, wenn man sich richte
nach beiden Frauen aus der Bibel, / denn beide machen’s gar nicht übel.
Maria und auch Marta haben / ja je auf ihre Weise Gaben,
denn schauen wir genauer hin, / hat eins wie‘s andre Last und Sinn.
An Marta lobt die Prägekraft, / die viel in ihrem Leben schafft,
die viel bewegt in wenig Zeit, / zu jeder guten Tat bereit.
Doch stört es manchmal sehr im Leben, / kann man sich keine Auszeit geben.
Man muss den Augenblick erkennen, / und darf dann nicht umher mehr rennen,
wie Marta das bei Jesus tat. / Viel besser es Maria hat.
Maria konnte sich hinsetzen / und den Moment für sich selbst schätzen.
Der war, als Jesus kam, gekommen. / Für ihn hat sie sich Zeit genommen.
Es kommt viel auf den Zeitpunkt an, / doch wer weiß schon: Was ist jetzt dran.
Wir sind’s gewohnt, herum zu hetzen. / Wer kann sich da zu Jesus setzen?
Doch wer jetzt spürt, es ist so weit, / das hier ist meine Jesus-Zeit,
der soll nicht mehr wie Marta walten, / es vielmehr wie Maria halten.
Sie hörte Jesu Worten zu / und fand für ihre Seele Ruh.
Wer sich erkennt als Gottes “Schatz”, / der findet auch den eignen Platz
in dieser Welt. Man wird es sehen, / und kann bewusst durchs Leben gehn.
Man achtet auf Gemeinschaftssinn / und führt auch andre dazu hin,
dass man sich selbst und andre achtet / und auf das Potential betrachtet,
gut zu leben und dem Leben / einen tiefen Sinn zu geben.

Amen.