Foto von aufgeschlagenen Büchern

Gereimte Predigt über Lukas 18,31-43

Dr. Hansjörg Biener

25.02.2001 in der Lutherkirche Nürnberg-Hasenbuck

An diesem Sonntag steht der Sinn / bei vielen auf den Fasching [das Feiern] hin.
Doch in den Kirchen wird bedacht, / was Jesus Christus wichtig macht.

Das Kreuz, so sagt die Tradition, / und Ostern nach der Passion.
In dem findet die Christenheit / die Mitte und Besonderheit
des Glaubens, den sie weitergibt, / an einen Gott, der auch Dich liebt.
Es soll nach Deinem Erdenleben / noch mehr als dieses Leben geben,
und schon in Deinen Erdentagen, / wenn große Sorgen Dich mal plagen,
will Gott für Ostertage sorgen, / fast so wie an dem Ostermorgen,
als Jesus aus dem Grab erstand / und Gott und Menschheit neu verband.
Dies zu bedenken sind wir hier / und haben diesen Text dafür:

Jesus »nahm zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und mißhandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war.
Es begab sich aber, als er in die Nähe von Jericho kam, daß ein Blinder am Wege saß und bettelte. Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre. Da berichteten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorbei. Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jesus aber blieb stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn: Was willst du, daß ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen kann. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.« (Lukas-Evangelium 18,31 – 43)

Das ist, was Lukas uns erzählt, / den man als Predigttext gewählt
für diesen Sonntag »Estomihi«, / dass ich ihn heute ausleg für Sie.
Zwei Teile sind uns vorgegeben, / ein Stück der Lehre, ein Stück vom Leben.
Im dritten Teil wird dann bedacht, / was die Essenz für uns ausmacht.

1. Die dritte Leidensankündigung: Vom Weg der Propheten

Er nimmt die Zwölf für sich zur Seite, / damit er sie gut vorbereite
auf das, was schon bald kommen wird, / doch seine Jünger sind verwirrt.
Er spricht vom Schicksal der Propheten, / die aus der Einsicht von Gebeten,
von innrer Schau und äußrem Wort / für Gott auftraten hier und dort.
An Gott gebunden kann man wagen, / sein Wort als Gottes Wort zu sagen.
Oft wird ein lautes, festes »Nein« / wie Gottes eigne Stimme sein.
So wird seit jeher kritisiert, / wenn Macht- und Geldgier dazu führt,
dass Menschen Gott und Welt missachten / und sich als Herrn der Welt betrachten.

Doch war es damals wie auch heute: / Man hört kaum auf die Gottesleute,
wenn sie ermahnen, trösten, richten. / In allen Zeiten, allen Schichten
wird selten wirklich hingehört. / Sei es vom Rausch der Welt betört,
sei es im Eigensinn gefangen, / ist´s weiter wie bisher gegangen.
Kommt man zur falschen Zeit mit Gott, / gibt´s oft ein Lächeln und auch Spott.
In frühren Zeiten gab´s auch Prügel / vom Stadttor bis zum nächsten Hügel,
und manchmal folgte Gottes Wort / als Wort der Menschen auch ein Mord.
Von Gott zu reden - »das ist so« - / ist öfter auch ein Risiko.

Es ist jedoch zu aller Zeit / vom Hochmut bis zum Fall nicht weit.
Wir werden noch mal sehr ernüchtert, / vom Lauf der Dinge eingeschüchtert,
erkennen, wohin Größenwahn / die Menschen auch hinführen kann.
Was man gelernt hat an den Pflanzen, / versucht man nun am größren Ganzen.
Zuerst betrieb man es an Tieren. / Jetzt will man Menschen therapieren
und bastelt an der Menschen Erbgut / und meint, dass das den Menschen gut tut.
Die Kirchen haben »nein« gesagt. / Doch waren [wären] wirklich sie gefragt?
Es machen andre ja das Geld / mit dieser »schönen, neuen Welt«.

Ein Frankenstein´scher Eigensinn / wirft schnell mal eine Skizze hin
und denkt sich: »Ach, es wär doch schön, / hätt unser Klon auch dieses Gen.«
Aus Kanzler Schröder und Frau Merkel / wird kurzerhand »Gergela Schrerkel«.
Noch schlimmer wäre es mit Merz / Klont man die beiden, gibt es »Scherz«.
Die Zellen werden durchgeschaut, / ob alles wie geplant hinhaut.
Ein Klon darf leben, die andern sterben. / Das will als »ethisch« man bewerben.
Gibt´s da noch christlich, noch sozial, / wenn Klone stehen im Regal,
gezüchtet als Ersatzteillager. / ---
Wer keine Grenzen für sich findet, / hat schnell ein Sonderrecht begründet.

Das Dritte Reich hat´s schon probiert, / vor 60 Jahren durchgeführt
und da auch nicht zurückgeschreckt / vor dem erwachsenen Objekt.
Schon damals wollte man vorschreiben: / »Der da darf nicht am Leben bleiben.«
Bis heut die rechte Pestilenz / nimmt Menschen weg die Existenz.
Sie fühlt sich stark mit Baseball-Knüppeln / und schlägt die anderen zu Krüppeln.
Kann man mit Seelenfrieden wohnen / in »national befreiten Zonen«?
Doch kaum noch einer will es wagen, / auch dazu deutlich »nein« zu sagen.
Wo heute zuschlägt rechter Wahn, / das Opfer nicht mehr laufen kann.

Der Christus hat voraus gesehen, / auf welchem Wege er wird gehen.
Er spricht von seiner Kreuzesqual, / als hätte er da keine Wahl.
Der Menschensohn als Gottesmann / sich all dem nicht entziehen kann.
Die Jünger haben´s nicht verstanden. / Die Einsicht war noch nicht vorhanden,
dass Jesu Leid und Kreuzestod / Bedeutung hat für Mensch und Gott.
Die Worte haben sie vernommen, / und doch den Sinn nicht aufgenommen.
Der wird erst klar auf lange Frist, / - nachdem er auferstanden ist.
Der Glaube macht den Jüngern klar, / was vorher noch verborgen war.

2. Der Blinde vor Jericho: Vom Weg eines Menschen

Noch war die Einsicht nicht gekommen / und wär hier auch vorweggenommen.
Sie sind noch auf der Wanderschaft, / wo Jesus zeigte Gottes Kraft
nicht durch den Sieg über den Tod, / sondern im Kampf gegen die Not.
Er hat mit Worten sie gelehrt / und es mit seiner Tat bewährt.
Er hat sich Menschen zugewendet, / damit nicht vor dem Tod schon endet
ihr Leben, das vom Tod umfangen, / weil alle andern sind gegangen,
weil sie´s bei traurigen Gestalten / im Elend nicht mehr ausgehalten.
Im zweiten Teil zeigt diese Predigt: / Wer Jesus traut, wird auch bestätigt.

Es saß ein Mann bei Jericho / und war des Lebens nicht mehr froh.
Mit einer Schale ausgerüstet / durch Betteln er sein Leben fristet.
»Gebt einem Blinden etwas Geld«, / ruft er hinaus in ihre Welt
und würd doch lieber etwas sehn / und selber an ein Tagwerk gehn.
Doch geht´s nicht nur ums Geld einwerfen. / Den Menschen geht auch auf die Nerven,
dass durch sein Dasein zeigt der Mann, / dass Blindheit jeden treffen kann.
»Wenn es Dich träfe heute morgen, / wie könntest Du dann für Dich sorgen?«
Sie gehn vorüber, kein Blick zurück, / und ahnen unverdientes Glück.

»Der Mann ist blind. Warum nicht du?« / So kommt die Seele nicht zur Ruh.
Es meldet sich dann das Gewissen, / so dass sie etwas spenden müssen.
Sie werfen ihm ein Geldstück zu. / »Dann hat die liebe Seele Ruh.«
Es zeigen sich gesunde Leute / als schwerbehindert bis auf heute.
Man will den Blick darauf vermeiden, / was Menschen lässt am Leben leiden,
will ihre Not zum Schweigen bringen / und eigne Ängste niederringen.
Das ist auch insgesamt verständlich: / Wir Menschen sind zwar alle endlich,
doch sich darin auch einzuüben, / ist schwerer, als es wegzuschieben.

Der Blinde unserer Geschichte / stützt seine Hoffnung auf Berichte,
dass Jesus als ein Gottesmann / auch ihm vielleicht noch helfen kann.
Er schreit aus Leibeskräften los. / Der Zorn der anderen wird groß.
Man soll nicht sehn, dass ihre Stadt / auch ihre wunden Stellen hat.
Obwohl man es ihm schroff verbietet, / sucht er die Chance, die sich bietet.
»Oh, Davids Sohn, erbarm dich meiner. / Es kümmert sich ja sonst gar keiner.«
Er nutzt die Chance seines Lebens. / Sein Schreien bleibt auch nicht vergebens.
Der Heiler bleibt für ihn jetzt stehen. / Er will den Blinden bei sich sehen.

Er lässt ihn kommen und fragt dann, / was er denn für ihn tuen kann.
Sieht er denn nicht des Mannes Wunden? / »Oh, Davids Sohn, lass mich gesunden.
Oh, Davids Sohn, lass mich doch sehen, / aus eigner Kraft den Weg bestehen.«
Es ist wohl wichtig, dass der Mann / die Wünsche selbst benennen kann.
Es ist ein Schritt zurück ins Leben, / dass er hier selbst soll Auskunft geben,
ein Zeichen, dass er selbstbestimmt / die Zukunft in die Hände nimmt,
So schaut ihm Jesus ins Gesicht / und gibt dem Mann sein Augenlicht.
Sein Schreien hat er nicht bereut. / Die Menge sich auch mit ihm freut.

Er freut sich seines neuen Lebens. / Sein Glaube war hier nicht vergebens,
dass Jesus als ein Gottesmann / ihm Heil und Heilung bringen kann.
Es kam der Glaube aus Geschichten, / der Davidssohn könnt alles richten.
Es kam zum Hören dann Vertrauen, / dass man auf Jesus könnte bauen.
Zuletzt noch stimmt der Mann dem zu, / dass Jesus schon das Richtge tu.
Er hat durch Jesus Heil gefunden, / als Jünger sich an ihn gebunden.
Wir wissen nicht, was noch geschah, / als dieser Blinde wieder sah.
Doch eines ist ganz offensichtlich: / Der Glaube war hier lebenswichtig.

3. Vom Weg der Heutigen

Soweit, was Lukas uns berichtet, / für Sie in Reimform nachgedichtet.
Selbst wo die Zukunft scheint beendet, / mit Gott zum Guten es sich wendet.
So hat es Jesus stets gepredigt, / und setzt drauf, dass es sich bestätigt.
Es scheint so, als ob Jesus nahm / den Weg ans Kreuz als richtig an.
Was Jesus scheint vorherbestimmt, / als göttlich Muss er für sich nimmt,
und seine Jünger lässt er wissen, / dass sie nicht dran verzweifeln müssen.
Auch wenn er selbst im Grabe ruht, / wird nach drei Tagen alles gut.
Dass daran nichts vorbeigeführt, / ist schwer für mich interpretiert.

Ist wirklich da ein göttlich Muss, / das macht mit Jesu Leben Schluss?
Und was ist mit der Blinden Leid, / zu Jesu Zeiten und auch heut?
Dem einen ging es wieder gut. / Macht das den Blinden heute Mut?
Es regt sich in mir Widerstand, / wenn man sollt sehen »Gottes Hand«,
in allem, was da widerfährt. / Sind unsre Wünsche denn nichts wert.
Kann jemand denn von ganzem Herzen / als Gotteswilln erleben Schmerzen,
und was da sonst das Leben mindert! / Wer ist denn freiwillig behindert.
Schon viele haben nachgedacht / und sich drauf keinen Reim gemacht.

Selbst wenn was wär vorherbestimmt, / scheint es mir besser, jeder nimmt
das Leben fest in seine Hände / und sehe zu, dass man so wende,
was man zum Bessren wenden kann, / und nehm das andre tapfer an.
Vielleicht hat´s Jesus so gehalten: / In allem, was er tat, sollt walten
Gestaltungs- und Gemeinschaftssinn, / der wend die Welt zum Bessren hin.
Es fühlten viele sich gesegnet, / wenn sie ihm waren mal begegnet,
denn Jesus hatte seinem Leben / von Gott her einen Sinn gegeben
und hat es auch noch dann getan / als er das Kreuz für sich sah nahn.

Zum einen wollt er Gott verkünden, / zum andern Mensch und Mensch verbinden.
Die Menschen, die gern zu ihm kamen, / die nahm er an in Gottes Namen,
und jene Menschen, die verirrt, / hat er gesucht und dann geführt
zurück in die Gemeinschaft hin, / gab so dem Leben neuen Sinn.
Mit diesem Ziel hat er geheilt / und ist zur Hilf herbeigeeilt,
und wo es Jesus schien am Orte, / da gab es auch mal klare Worte
Der Ostertag half zu verstehen / und ließ mit neuen Augen sehen:
»In, mit und unter« alledem / war Gottes Gegenwart zu sehn.

Wer da gesund und lebenstüchtig, / sollt fragen, was für alle wichtig,
mit Lebensmut und Gottvertrauen / an einer bessren Zukunft bauen.
Man wird den Sinn dann darauf lenken, / sein Tun im Glauben zu bedenken,
wofür man einsetzt seine Kraft / und welche Welt man damit schafft.
Ein Beispiel ist, was Tiere fressen / und dann danach die Menschen essen.
Die Folgen tun uns allen weh, / mit Rinderwahn und BSE.
Ein andres Beispiel ist das Klonen, für das man ausgibt jetzt Millionen.
Zwei weitre sind die Toleranz / und andrer Menschen Akzeptanz.

Und wenn´s so kommt, dass man muss leiden / und sich mit diesem Weg bescheiden,
wär´s besser, diese bittre Pille / könnte nehmen man als Gottes Wille.
Es gibt auch Leute, die ihr Leben / von vornherein verloren geben.
Die Leute, die sich selbst abschreiben / und bei sich selbst gefangen bleiben,
die sitzen ganz tief in dem Knast, / wo Gott und Welt man schließlich hasst.
Gewiss nicht ohne innres Ringen / kommt man zurecht mit diesen Dingen.
Zwar ist nicht alles zu durchschauen, / doch hilft´s vielleicht zu mehr Vertrauen
auf Gott bei allem in der Welt, / wenn man an Jesu Weg sich hält.

So geht es um die Qualität / des Lebensweges, den man geht.
Wo man das Leben kann gestalten, / soll man an Gottes Wort sich halten.
und daran glauben unbeirrt, / dass Gottes Wille sichtbar wird.
Und wo das Leben nicht so ist, / wie man es will, und alles ist
nicht mehr als sinnvoll zu verstehen, / lässt dann vielleicht der Glaube sehen:
Durch Jesus wird es neues Leben / für heute und für ewig geben.
Wenn alles ganz am Ende ist / und uns die Macht des Todes frisst,
ist da ein Gott, der auch noch morgen / für seine Gläubigen wird sorgen.