Foto von aufgeschlagenen Büchern

Hinführung zur Taufe mit Matthäus 28,18-20 und Römer 6,3-14

Pfarrer Dr. Christoph Burba

17.12.2005 im Gemeindegottesdienst mit einer Säuglingstaufe in der Versöhnungskirche zu Riesenbeck

(Nachdem die Gemeinde das "Halleluja" nach der Schriftlesung gesungen hat, verlese ich vom Altar aus den Taufbefehl:)
"Jesus Christus spricht: 'Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende.' (Matthäus 28, 18 - 20)

Weil Jesus Christus aufgetragen hat zu taufen, darum tauft die christliche Gemeinde von Anfang ihres Bestehens an. Weil Jesus Christus aufgetragen hat zu taufen, darum taufen auch wir heute Florian!"
(Ich verlasse den Altar und gehe in Richtung Gemeinde. In den ersten Reihen sitzen die Mitglieder der Tauffamilie. Der Ort, von dem aus ich jetzt rede, ist der Platz vor den ersten Reihen und der Mittelgang.)
"Warum taufen wir Florian auf den Namen Gottes des Vaters?

Liebe Eltern, das kennen wir: Wir müssen aus dem Haus und müssen unsere Kinder alleine zurück lassen. Weil wir einkaufen müssen, oder weil wir zur Arbeit gehen. Vielleicht verlassen wir auch nur den Raum, in dem unsere Kinder sind. Wie leicht beschleicht uns dann das mulmige Gefühl: Geht es unseren Kindern gut? Ist alles in Ordnung mit ihnen? (Die Eltern nicken zustimmend) Die Sorge um unsere Kinder steigt in uns auf. Das ist ganz natürlich so. Wie gut ist es da zu wissen, dass einer bei unseren Kindern ist. Dort, wo wir gerade nicht sein können. Einer, der ihnen das Leben geschenkt hat und Augenblick für Augenblick erhält: Gott, der Schöpfer von uns allen. Wenn wir uns klar machen, dass da einer bei unseren Kindern ist, verschwindet unsere Angst um unsere Kinder sofort. Denn uns ist ja bewusst: sie sind nicht allein. Ihr himmlischer Vater ist ja bei ihnen. Jederzeit, wo immer sie sein mögen. Weil die christliche Gemeinde darauf vertraut, dass unsere Kinder nicht nur einen natürlichen Vater haben, sondern auch einen himmlischen, darum taufen wir unsere Kinder auf den Namen Gottes des Vaters. Darum taufen wir heute dich, Florian, auf den Namen Gottes des Vaters. (Bei diesem Satz gehe ich auf Florian zu und zeige freundlich auf ihn)

Und warum taufen wir Florian auf den Namen Gottes des Sohnes?

In früheren Zeiten, als die Kirche noch nicht so alt war wie heute, da taufte man die Menschen in großen Taufbecken. Wie heute bei den Baptisten. Die Taufbecken damals waren größer als eine Wanne. Die waren so groß, dass Menschen hineinsteigen konnten. Diese Taufbecken waren in Stein gehauen. In Israel habe ich so ein jahrhundertealtes in Stein gehauenes Taufbecken gesehen. Das lag da neben anderen Steinen auf einem Feld. Die Höhlung, in die das Wasser hinein kam, hatte die Form eines Kreuzes (Ich zeichne mit den Händen die Umrisse eines Kreuzes in die Luft). Es war also in dem Stein ein großes hohles Kreuz. Wenn nun in die Vertiefung Wasser eingelassen wurde, welche Form, liebe Kinder, hatte dann das Wasser?" Die Kinder: "Ein Kreuz!" "Richtig, ein Kreuz! So dass, wenn ein Mensch in das Wasser getaucht wurde, er in ein Kreuz, in ein Wasserkreuz hineingetaucht wurde. Und was, liebe Kinder, passiert nun, wenn dieser Mensch länger unter Wasser gehalten würde? (Ich deute das Untertauchen mit meinen Händen an. Ich schaue umher, wer etwas sagen möchte) Was passiert? (Derweil drücke ich meine Hände weiter nach unten) Ich halte unter Wasser, und ich halte, und ich halte noch immer... Was Sie jetzt denken, ist genau richtig!" Und dann sagen zwei: "Er stirbt." "Er ertrinkt!" "Richtig: Er ertrinkt. Und nun erschreckt nicht! Genau das ist mit dem Taufen gemeint. Wer getauft wird, wird in Jesu Tod hineingetauft (Römer 6, 3). Taufen und Tauchen ist ein und dasselbe Wort. Taufen heißt nichts anderes als Tauchen, hineintauchen in den Tod Jesu. Und so wie Jesus den Tod hinter sich gelassen hat, so soll auch der Täufling seinen Tod hinter sich lassen. Wer getauft, getaucht wird, hat gleichsam den Tod hinter sich, wenn er wieder auftaucht. Er lebt gewissermaßen in einem Auferstehungsleben, nach seiner Taufe. Das ist auch der Grund, weshalb ein kluger Mann, ein Philosoph, Friedrich Nietzsche, sagen konnte: 'Ich würde den Christen wohl glauben, was sie glauben, aber sie müssten mir mehr lächeln und nicht so muffig dreinschauen!' Nietzsche hatte als Philosoph vom christlichen Glauben mehr verstanden als manche unter uns Christen. Christinnen und Christen, also getaufte Menschen, leben gleichsam in einem Auferstehungsleben, in einem fröhlichen Leben, nachdem sie ihren Tod überstanden haben, und müssten daher mehr lächeln, ja lachen. Natürlich sollten sie nicht ständig mit einem Lächeln im Gesicht herumlaufen, sie machten sich lächerlich, klar. Öfters lachen aber stände ihnen gut. Denn sie haben ja gut lachen. Weil sie allen Grund haben zum Lachen: ihr Auferstehungsleben nämlich, das sie hier und jetzt andeutungsweise leben, dann und dort aber in voller Pracht! Wer also getauft wird, wird in Jesu Tod hineingetauft, um das zu erleben, was Jesus selber erlebt hat und erlebt: ein Leben nach dem Leben. Weil die christliche Gemeinde darauf vertraut, dass Gott unserem Täufling wie Jesus dieses Leben nach dem Leben schenkt, deshalb taufen wir ihn auf den Namen Gottes des Sohnes.

Als die christliche Kirche dazu überging, nicht mehr nur Erwachsene, sondern vor allem Kleinkinder und Säuglinge zu taufen, wie wir heute, da war das mit dem Untertauchen nicht mehr ganz so einfach. Hätte ja auch schnell schief gehen können... (Zustimmung) So nahm man dann Taufschalen wie diese hier (ich zeige auf sie) und beschränkte sich auf dreimaliges Begießen des Täuflings mit Wasser. Die Bedeutung der Taufe aber ist dieselbe geblieben.

Ja und dann taufen wir Florian auf den Namen Gottes des ...?" "Heiligen Geistes!" (sagt jemand). "Warum?

Nun, dass wir Menschen natürliche Wesen sind und einen irdischen Vater haben und dass wir unser Leben unseren Eltern verdanken, das wissen wir und brauchen es nicht zu glauben. Und dass wir sterben müssen, das wissen wir auch, glauben es aber nicht. Aber das wir unser Leben zugleich von unserem himmlischen Vater haben, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, und dass da ein Leben nach dem Leben auf uns zukommt, das können wir nicht glauben, denn es ist unglaublich! Da muss uns schon einer glauben machen. Glaubenmachen aber ist nur einem möglich, dem Heiligen Geist. Der Heilige Geist schafft den Glauben in uns, weil er Zugang zu unserem Geist hat. Er macht uns glauben, dass wir unser Leben Gott verdanken und dass uns durch Jesus Christus ein Leben nach dem Leben eröffnet worden ist. Wer glaubt, weil er durch den Heiligen Geist begreift, wem die Augen dafür geöffnet worden sind, dass wir unser Leben Gott verdanken und durch den Tod hindurch einem Leben nach dem Leben entgegen gehen, der ist in der Tat überglücklich und möchte die ganze Welt umarmen. Der wird aus Dankbarkeit seinerseits dazu beitragen, dass das Leben geschützt und unterstützt wird, und die Welt hier und da besser wird, dem Lebenswillen Gottes für seine Geschöpfe entsprechend. Weil die christliche Gemeinde darauf vertraut, dass Gott seine Geschöpfe glauben macht, darum taufen wir heute Florian auf den Namen Gottes des Heiligen Geistes.

So lasst uns nun unseren christlichen Glauben bekennen, auf den hin Florian gleich getauft wird und dazu, so weit wir können, aufstehen."

(Ich gehe wieder zum Altar. Die Gemeinde bekennt ihren christlichen Glauben. Es folgt nach den Tauffragen die Taufhandlung)