Foto von aufgeschlagenen Büchern

Konfirmationspredigt über Matthäus 7,13-16a

Pastorin Susanne Behnke

25.04.2004 in der Johannes der Täufer Kirche in Fuhlen (Hessisch Oldendorf)

Liebe Konfirmandinnen,
liebe Konfirmanden!
Liebe Gemeinde!

Vom "Wolf im Schafspelz" ist die Rede im Predigttext (Mt 7, 13-16a) zur Konfirmation:
Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.

Könnt Ihr was anfangen mit der Mahnung?
Kennt Ihr Menschen, die so "falsch" sind?
Das 8. Gebot hatte gestern Abend die meisten Steine.
Mit dem "falsch Zeugnis reden" haben die meisten von uns so ihre Erfahrungen ...

Heutzutage, trägt der "Wolf im Schafpelz" meistens eher keine Schaf-Felle ...
Er trägt Schickes.
Dazu eine Geschichte von einem jungen Mann und einem Schäfer:


Da fährt plötzlich ein superneuer Jeep Cherokee vor und ein junger Mann in YSL Anzug, Cerruti Schuhen, Rayban Brille und Gaultier Krawatte steigt aus. Der junge Mann fragt den Schäfer;
"Wenn ich errate wie viele Schafe Sie haben, geben sie mir dann eins davon?"
Der Schäfer schaut den jungen Mann an, die Schafe die rundherum grasen und antwortet : "Ja."
Da geht der junge Mann zu seinem Jeep, und holt das Notebook und den GSM raus, und schließt sich ans Netz der NASA an, erkundet das Terrain per GPS, erstellt eine Datenbank, 60 Excel Tabellen voller Algorithmen und Exponenten ... erstellt einen Report über 150 Seiten, druckt ihn auf seinem High-Tech Printer und dreht sich dann zu dem Schäfer:
"Sie haben genau 1586 Schafe."

Der Schäfer antwortet:
"Absolut korrekt, Sie können ein Schaf mitnehmen."
Der junge Mann nimmt ein Schaf und verstaut es in seinem Kofferraum.

In diesem Moment sagt der Schäfer: "Wenn ich ihren Beruf errate, geben sie mir dann mein Schaf wieder?"
Worauf der junge Mann antwortet: "
Ja, sicher."
Darauf der Schäfer: "Sie sind Unternehmensberater."
"Wie kommen sie darauf? Das stimmt", fragt der junge Mann ganz erstaunt.
"Ganz einfach", antwortet der Schafhirte:
1. Sie sind hier aufgetaucht, ohne dass jemand sie gerufen hätte.
2. Sie möchten ein Schaf haben, um mir etwas zu sagen, was ich schon selbst wusste.
3. Und........... sie verstehen rein gar nichts von dem, was ich tue,
denn sie haben meinen HUND genommen!!" (frei nach "Happy Gilmour")

Liebe Gemeinde: Der "Wolf im Schafspelz"
unserer Gesellschaft ist, dass sie immer komplizierter wird. Immer überdrehter...

Ehe Ihr das schafft, so "gut" zu sein wie dieser junge Mann! Mit soviel Technik ausgestattet ...Gar nicht so leicht.
Ich stelle mir vor, wie lange er gebraucht hat, das alles zu können.
Doch irgendwie hat er die Orientierung verloren ... Was das Naheliegende angeht.
Das Eigentliche. Das, was wirklich gut ist...

Heute feiern wir, dass es Euch gibt, dass Ihr da seid. Und heute werdet Ihr gesegnet.

Das lateinische Wort für segnen ist benedicere. Das bedeutet: Gutes über jemanden aussprechen. Jemanden gut sagen.
Vier Segenswünsche möchte ich Euch mitgeben zu Eurer Konfirmation, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden:

1. Mögt Ihr selbstbewusst sein!
So selbstbewusst wie dieser Schäfer, der sich nicht bluffen lässt.

Nicht von der teueren Kleidung.
Nicht vom technischen Outfit.
Nicht vom Auftreten eines anderen.

Bleibt bei Eurer eigenen Wahrheit.
So wie dieser Schäfer, der natürlich weiß, wie viele Schafe er hat.
Und der schlagfertig genug ist, den anderen von der eigenen Warte her auf die Probe zu stellen.

2. Mögt Ihr Liebe finden in Eurem Leben.
Es lohnt sich, dass Ihr hier für Euch auf die Suche geht!

Was sich für Euch wirklich gut anfühlt. Was für Euch stimmig ist. Das ist Liebe.
Und die braucht Ihr zum Leben wie das Licht und die Luft!
Wenn Ihr alleine lebt, vergesst nie, dass Ihr von Gott geliebt seid.

Wenn Ihr nicht so viel leistet wie der junge Unternehmensberater;), wenn Ihr vielleicht nicht sofort die Lehrstelle findet, die Ihr Euch wünscht, oder den Arbeitsplatz ...
Definiert Euch nicht über das, was Euch nicht gelingt!
Lasst Euch nicht anstecken von der Lieblosigkeit in unserer Welt.
Ich wünsche Euch, dass Ihr einen Menschen findet, zu dem Ihr ganz und gar "Ja!" sagen könnt.
Ich wünsche Euch, dass Ihr viele Menschen habt, die Euch dabei unterstützen!

Dazu braucht es 3. Mut.
Den Segen des Mutes wünsche ich Euch!
Dass Ihr aufbrecht aus allem, was nicht stimmt. Was Euch hindert.
Dass Ihr Euch traut, loszulaufen auf Euren Wegen!

Und dass Ihr dabei nicht nur die breiten Trampelpfade nehmt, die angeblich "alle" nehmen.
Wie schmal ist der Weg, der zum Leben führt!
Die Bergpredigt bietet uns "steile" Sätze.
Die Berge und das Meer führen unseren Blick ins Weite. Erweitern unseren Horizont.

So mögen wir das Leben finden.

4. Wünsche ich Euch den Segen der Zuversicht!
Ich wünsche Euch, dass Ihr voller Selbstvertrauen seid, Euren Weg zu finden.

Zur Zuversicht gehören Menschen, die an Euch glauben!
Menschen, die Euch sagen, dass Ihr so, wie Ihr seid gut seid.
Dann bringt Ihr auch gute Früchte!

Liebe Eltern, liebe Großeltern,
Liebe Patinnen und Paten!

Das ist heute das Wichtigste.
Eigene Worte zu finden der Ermutigung auf dem Weg ins Erwachsen Sein der Jugendlichen.

Das ist schon zu spüren, wo sich ein Großvater mit seiner Autorität klar und liebevoll zu Wort meldet.

Wo eine Patin immer noch, oder besonders heute, ganz bewusst sagt:
"Hier bin ich. Ich bin für dich da."

Liebe Jugendliche: Unsere Welt braucht verantwortliche, liebevolle Erwachsene!
Wachst zu solchen heran!

Auf "Schloss Baum" habt Ihr Eure eigenen Kelche und Schalen getöpfert.

Sie sind einander ähnlich.
Doch keine Schale gleicht der anderen.
Kein Kelch gleicht dem anderen.
Manche sind ganz besonders.
Als Zeichen für Euren eigenen Weg, den Glauben zu empfangen, nehmt heute Eure Kelche, Eure Schalen.

Mögen sie Euch Erinnerung und Ermutigung zum Glauben sein.

Amen.