Foto von aufgeschlagenen Büchern

Konfirmationspredigt über Psalm 104,33

Pfarrerin Christiane Borchers

in der ev.ref. Kirchengemeinde Groß Midlum

Du bist eine Blume im Garten des Paradieses

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
liebe Festgemeinde!

Heute ist der heiß ersehnte Tag gekommen: Heute ist Konfirmation. Die Jugendlichen stehen im Mittelpunkt, hier in der Kirche und nachher in der Familie, wie wohl noch nicht zuvor in ihrem Leben. Aus Kindern werden langsam Erwachsene; sie wollen immer mehr in ihrem Leben selbst entscheiden. Sie entwickeln eine Vorstellung von dem, wie sie leben wollen, mit welchen Freundinnen und Freunden sie sich umgeben möchten, wie sie sich kleiden. Es ist gut, wenn sie freie Menschen werden, die ihre Gefühle leben, sich eigene Gedanken machen, einen achtsamen Blick für andere und die Mitwelt haben. Mit dem heutigen Tag haben sie einen wichtigen Schritt hin zum Erwachsenwerden getan. Sie haben heute ein Ziel erreicht und etwas geschafft.

Nicht nur die Jugendlichen haben etwas geschafft, auch die Eltern. Sie haben ihre Kinder so weit gebracht, dass sie heute hier in dieser Kirche versammelt sind und das Fest der Konfirmation feiern dürfen. Sie haben ihnen ihre ganze Liebe gegeben, sie umsorgt und gefördert. Eltern und auch die Großeltern, die ihren Teil zur Erziehung beigetragen haben, dürfen heute stolz auf ihre Kinder bzw. Enkelkinder blicken.

Die Jugendlichen, die wir heute konfirmieren, nehmen ihr Leben bald selbst in die Hand. Dabei brauchen und suchen sie Vorbilder und Orientierung. Welchen Weg werden sie gehen? Werden sie sich anpassen und jedem schönreden? Werden sie mit dem Strom schwimmen und nicht viel nachdenken? - Werden sie versuchen, möglichst bequem durchs Leben zu kommen, bloß nicht auffallen, damit sie möglichst wenig Schwierigkeiten bekommen? Oder werden sie es wagen, sich eine eigene Meinung zu bilden, auch mal das sagen oder tun, was nicht nur auf Zustimmung stößt? Werden sie sich für soziale Belange engagieren? sich und ihre Talente einbringen in Projekten oder auf Arbeitsstellen, die sinnvoll und förderlich sind für das Gemeinwohl ? Werden sie ein eigenes Profil entwickeln? Welchen Weg werden sie gehen? Gottes Wege gehören nicht immer zu den einfachsten Wegen. sie sind manchmal steil und steinig, aber es sind Gottes Wege mit uns.

Gott hat etwas mit den Jugendlichen vor. Sie sind eingeladen, freie Menschen zu werden. Sie werden ermutigt, auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Sie dürfen sagen, was sie denken, auch wenn sie sich manchmal damit unbeliebt machen. Denn so wie sie sind, hat Gott sie geschaffen und gewollt. Jedes Kind ist einmalig und wunderbar, ein Ebenbild Gottes. Einer hat uns gezeigt, wie ein Leben auf Gottes Wegen aussehen kann: Jesus Christus. Er hat sich nicht beirren lassen, hat sich mit den Armen solidarisiert, ist den Weg der Liebe und der Barmherzigkeit gefolgt.

Wenn wir uns Jesus zur Richtschnur machen, wenn wir uns an ihn und seinen Zielen orientieren, sind wir gut dran. Dann kann uns nichts passieren. Selbst wenn wir uns manchmal verlassen vorkommen, glauben, wir stehen ganz alleine da mit unserer Meinung, mit unseren Problemen, so sind wir nicht wirklich verlassen und allein. Denn Jesus ist bei uns und hält uns ganz fest, dass wir nicht hinfallen. Zuversichtlich dürfen wir unseren Weg gehen, denn wir sind getragen von Gottes Liebe.

Das Leben ist schön, wir müssen es nur sehen wollen. Manchmal, wenn wir traurig sind, sehen wir nur die dunklen Seiten; wir entdecken um uns herum, was alles nicht funktioniert, wo etwas schief gelaufen ist. Wir sehen im anderen den Gegner, die Gegnerin, die wir glauben bekämpfen zu müssen. Manchmal können wir die anderen nicht sein lassen wie sie sind. Wir maßen uns an, über andere zu herrschen, wollen bestimmen, wie sie ihre Aufgabe erfüllen sollen, wollen Vorschriften machen, wie sie zu funktionieren haben. Das stößt auf Widerstand, führt zu Uneinigkeit und Streit. Das Leben ist vielfältig und ein jeder, eine jede darf sein. Gott stellt uns alle an unseren Platz. Dort sollen und dürfen wir sein und wirken. Tadel drückt nieder, Lob baut auf. Gott hat uns Menschen und die Welt geschaffen zum vielfältigen Leben, und er lässt uns nicht sitzen mit dem, was wir verdorben haben oder was uns verdorben worden ist. Gott füllt uns täglich neu die Hände mit Lebenskraft: Phantasie, Hingabe, Wagemut, Geduld, Zuversicht, um Schlimmes zu heilen und Mutmachendes zu tun.

Im Vorstellungsgottesdienst haben die Jugendlichen, die heute konfirmiert werden, sich mit der Schöpfung beschäftigt. Nicht nur Menschen auch die Natur brauchen einen liebevollen und achtsamen Umgang. Gott hat uns einen Lebensraum geschaffen, der uns alle Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Uns ist Raum geschenkt, eine Erde, die uns trägt und ernährt. Die Erde bietet uns Leben in Fülle und Vielfalt. Gerade junge Leute haben ein Gespür dafür, wenn die Natur zerstört wird, wenn Tiere es nicht gut bei uns haben und nicht zu ihrem Recht kommen. Alle Geschöpfe Gottes haben ein Recht auf Leben und ein würdiges Dasein.

Wenn wir uns vor Augen führen, wie schön und kunstvoll die Schöpfung gestaltet ist, entsteht die Bereitschaft, ja der Wunsch, dieses Kunstwerk zu erhalten und sorgsam zu pflegen. Wir dürfen uns ernähren von dem, was die Erde uns schenkt, wir dürfen uns aber nicht raffgierig an ihr bereichern, sie auslaugen und aussaugen. Nicht nur Menschen, auch die Natur, verfügen nicht über unerschöpfliche Reserven, die man pausenlos anzapfen kann. Unsere Aufgabe ist es, Mensch, Tiere und Natur mit Achtung zu begegnen und mit den Augen der Liebe zu sehen. So wie Gott uns ansieht, so sollen auch wir ihn und seine Werke ansehen. Große und wichtige Aufgaben liegen vor uns, große und wichtige Aufgaben liegen vor der Jugend. Nie sollen die Konfirmandinnen und Konfirmanden vergessen, dass sie Kinder Gottes sind, dass Gott sie geschaffen hat, dass sie, so wie sie sind, richtig sind.

Mit der Konfirmation wird ihnen noch einmal gesagt, was ihnen bereits in der Taufe zugesichert worden ist: sie sind geliebte Töchter und Söhne Gottes, an denen er Wohlgefallen hat. Gottes Treue gilt unverbrüchlich. Er sagt ja zu ihnen. Die Konfirmation ist ein Abschluss, die Zeit der Kindheit neigt sich ihrem Ende zu, die Gruppe, die wir 1 ½ Jahre waren, löst sich auf. Die einen oder die anderen werden in den Jugendkreis gehen, werden noch lockere Kontakte zur Gemeinde halten. Konfirmation ist aber nicht nur ein Abschluss, sondern auch eine Einladung, bei der Gemeinde Jesu Christi zu bleiben.

Mit der Konfirmation wird den Jugendlichen gesagt: du bist unverwechselbar, geboren aus Gottes Liebe. Lebe diese Kraft, lass sie reichlich fließen. Alles, was wir je mit Liebe angeschaut haben, wird bleiben. Unser Leben ist größer und reicher als wir denken. Jeder Augenblick ist wichtig. Könnten wir lesen, was Gott mit uns vorhat, würden wir jubeln. Ich will Gott singen mein Leben lang und loben, solange ich bin.

Wir sind manchmal unglücklich oder unsicher, wissen nicht so recht den Weg, uns fehlt die Orientierung und die Begeisterung? Wir wissen manchmal nicht so recht, wer wir sind ? Ich will es euch sagen und ins Herz schreiben: Jeder Mensch ist ein Wunderwerk Gottes, eine Blume im Garten des Paradieses. Daran dürfen wir uns erinnern, wenn uns der Boden unter den Füßen wegzurutschen droht. Daran halten wir uns, wenn alles andere nicht mehr trägt und sich als fraglich erweist.

Gott möge bei uns bleiben, wenn die Unsicherheit überhand nimmt.
Er möge uns stärken uns die Hand reichen, wenn Klippen sich auftun und unser Weg durch unwegsames Gelände führt.

Gott möge in unserer Nähe bleiben und uns wärmen,
wenn die Kälte zwischen den Menschen untereinander uns erfrieren lässt.

Gott schenke uns Kraft und Zuversicht,
damit wir voller Vertrauen in die Zukunft gehen
neugierig auf Entdeckerreise gehen auf das, was das Leben uns zu bieten hat. Wir verlassen uns darauf, dass Gott es gut mit uns meint.

Ich will Gott singen mein Leben lang und Gott loben, solange ich bin.

Amen